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London bekommt seine roten Doppeldecker wieder

Artikelaktualisierung Zukunft MobilitätEin Wahrzeichen kehrt zurück: Schon bald soll der gute alte wieder im normalen Linienbetrieb durch die Londoner City rollen. Die roten Londoner mit ihrem typisch englischen Charme waren immer sehr beliebt bei Einheimischen und Touristen. Fast 50 Jahre prägten die Fahrzeuge das Stadtbild und gelten bis heute als ein Wahrzeichen Londons.

Am 5. Dezember 2005 fand die letzte reguläre Fahrt eines „Routemasters“ statt, der nicht behindertengerechte und relativ gefährliche Einstieg („Hop on a “) waren nicht mehr zeitgemäß. Londons Bürgermeister Boris Johnson hatte daraufhin im Wahlkampf versprochen, den Bau eines neuen umweltfreundlichen roten Doppeldecker zu forcieren. Zur Wiedereinführung wurde ein Designwettbewerb veranstaltet, zu dem mehr als 700 Vorschläge eingingen. Gewonnen hat das Team Foster+Partners in Zusammenarbeit mit Aston Martin. Umgesetzt wurde allerdings ein anderer Entwurf des Londoner Designstudios Heatherwick Studio.

Doppeldecker London Routemaster 2012 neu

Bild: Transport for

Das neue Modell hat drei Türen, zwei Treppen und soll in Leichtbauweise aus einem Aluminiumaufbau auf einem stähleren Chassis mit Verbundmaterial-Heck gefertigt werden. Das Leergewicht beträgt 11,8 Tonnen. Angetrieben wird der Doppeldecker durch einen seriellen Hybridantrieb. Der Dieselantrieb/Generator (ISBe 4,5l, 185 kW) stammt vom Cummins. Der elektrische Teil des Antriebs stammt von Siemens und besteht aus einem auf die Hinterachse wirkenden Permanentmagnet-Fahrmotor mit 130 kW Leistung und 1356 Nm. Die vom Generator bereitgestellte bzw. durch die Bremsanlage rekuperierte Energie wird in einer 75 kWh fassenden Lithium-Ionen-Batterie zwischengespeichert.

Dieser Antrieb soll den neuen Routemaster 15% treibstoffeffizienter als heute existierende Hybrid-Busse und 40% effizienter als die bisherigen Dieselversionen machen. Der CO2-Ausstoß sinkt von 1295 Gramm je Kilometer auf 640 g CO2 / km. Die Stickstoffemission sollen um 40% im Vergleich zu den bisherigen Bussen sinken, der Feinstaubausst0ß um 3%. Ebenso wurden die Geräuschemissionen gesenkt.

Im Rahmen mehrerer Tests wurden bei Prototypen, die schwerer als die Endversion sind, folgende Werte  gemessen:

  • CO2: 640 g/km (herkömmlicher Dieselbus: 1295g/km)
  • NOx: 3,96g/km (herkömmlicher Dieselbus: 9,3g/km)
  • Verbrauch: 20,278 l/100 km auf Basis eines nicht weiter spezifizierten Verbrauchstest
  • Verbrauch: 34,856 l/100 km auf Basis des Betriebs auf der Londoner Buslinie 38 über mehrere Wochen

Transport for London vermutet, dass die Hybridbusse in der letztendlichen Form bei einem Einsatz im Tag- und Nachtverkehr einen Krafstoffverbrauch von 30,5 Litern auf 100 Kilometer erreichen können werden. Bereits länger eingesetzte Doppeldecker mit Dieselmotor benötigen etwa 44,34 Liter auf 100 Kilometer.

Das Unterdeck ist durchgängig niederflurig und der Bus kneeling-fähig. Am Heck befindet sich eine offene Heckplattform mit Hecktür, die Fahrgästen zum Auf- und Abspringen zur Verfügung stellt. Die Hecktür kann abends durch automatische Türen verschlossen werden, sodass ein Einmannbetrieb möglich ist.

Transport for London bezahlte für die Entwicklung und das Design des Busses 7,8 Millionen Pfund. An der Busentwicklung waren 25 Ingenieure und ein Produktionsteam von 40 Personen beteiligt. Durch Verkäufe in andere Länder sollten die Entwicklungskosten über Lizenzzahlungen an TfL teilweise refinanziert werden. Bisher haben unter anderem Las Vegas und Hong Kong Interesse bekundet, zu einem Abschluss ist es jedoch nicht gekommen-..

Die ersten Exemplare kosten aufgrund der hohen Forschungs- und Entwicklungsausgaben von 11,37 Millionen Pfund 1,4 Millionen Pfund je Fahrzeug, umgerechnet 1,67 Millionen Euro. Dies ist ein Vielfaches dessen, was ein herkömmlicher Bus mit einem Kaufpreis von 190.000 Pfund (225000 Euro) kostet. Umgelegt auf die Anzahl der 62 Sitzplätze bei einer Gesamtkapazität von 87 Fahrgästen kostet der neue Londoner Hybriddoppeldecker 22.580 Pfund je Sitzplatz (26.963 Euro). Bei Ausweitung der Produktionsmenge und entsprechend wachsenden Skalenerträgen, verringert sich der Forschungs- und Entwicklungsanteil je produziertem Bus immer weiter, sodass der Anschaffungspreis mit der Ausbringungsmenge sinkt.

Doppeldecker London Routemaster 2012 neu

Bild: Transport for London

Die Busse werden durch den nordirischen Bushersteller Wrightbus gefertigt. Der erste Prototyp soll nächstes Jahr gebaut werden, der reguläre Einsatz des neuen Doppeldeckers soll pünktlichen zu den Olympischen Spielen 2012 starten.

Geplant ist, dass jeder Bus neben dem Fahrer mit einer Art „Schaffner“ besetzt ist. Dieser hätte dank Nahfeld-Tickettechnologie keine richtige Funktion, was von der Opposition kritisiert wird. Ausschließliche Aufgabe wäre die Gabe von Auskünften und die Kontrolle des störungsfreien Fahrgastwechsels an der offenen Hecktür. Der zusätzliche Service schlägt mit 80.000 Euro je Bus und Jahr zu Buche.

Doppeldecker London Routemaster 2012 neu

Bild: Transport for London

UPDATE – 09.12.2010

Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson hat im Rahmen eines Pressetermins den ersten, noch nicht fahrtüchtigen Prototypen des neuen Doppeldeckers der Öffentlichkeit präsentiert:

London Doppeldecker Bus Routemaster Modell Prototyp

Bild: Transport for London


London Doppeldecker Bus Routemaster Modell Prototyp

Bild: Transport for London


London Doppeldecker Bus Routemaster Modell Prototyp

Bild: Transport for London

Entgegen der ersten Entwürfe von Foster+Partners und Aston Martin wurden einige Details verändert. So wurde die asymetrische Frontpartie mit den sehr kunstvoll gestalteten Frontscheinwerfern gegen einen breiteren Kühlergrill mit konventioneller aussehenden Scheinwerfern ausgetauscht. Ebenso scheint die Glaspartie am Heck abgeändert worden zu sein.

Ein fahrbereiter Prototyp soll bis Ende 2011 gebaut werden. Die ersten fünf Busse sollen pünktlich zu den Olympischen Spielen 2012 den normalen Betrieb aufnehmen.

UPDATE – 09.11.2011

Der erste Bus ist fertig und wird im Dezember 2011 nach London geliefert werden. Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson fuhr zu diesem Anlass nach Nordirland um den Bus im Hauptsitz des Busherstellers Wrightbus vorzustellen. Sieben weitere Busse sollen in naher Zukunft geliefert werden. Diese sollen ab Anfang 2012 im Linienbetrieb eingesetzt werden. TfL plant spätestens im Februar mindestens zwei neue Busse auf einer noch unbenannten Linie fahren zu lassen.

2012 und 2013 sollen insgesamt 800 neue Busse angeschafft werden. Allerdings sollen nur 52 Busse mit dem Hybridantrieb ausgestattet werden. Die restlichen 748 Busse werden in der normalen Dieselversion beschafft.

Der Bau des Busses im Zeitraffer:

UPDATE – 20.12.2011

Der erste Routemaster der neuen Generation ist in London eingetroffen. Allerdings ging die Überführung nicht problemlos vonstatten. Die Fahrt auf der Autobahn beanspruchte die Batterie so stark, dass sich diese auf dem Seitenstreifen wieder aufladen musste. Danach ließ sich der Bus aber trotzdem nicht starten, da am Ende der Dieseltank alle war.

Im Stadtverkehr dürfte das Batterieproblem allerdings nicht auftreten.

Der Bus wird ab dem 20. Februar 2012 auf der Linie 38 zwischen Victoria und Hackney  zum Einsatz kommen. Er wird betrieben von Arriva.

Mit der Einführung der neuen Busse wurde die Nutzung von Gelenkbussen (Mercedes-Benz Citaro) in London zum 09. Dezember 2011 eingestellt. Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson nannte sie „unhandliche Maschinen“, die zu groß für die engen Straßen seien und das Schwarzfahren erleichterten. Er stellte die für viele Briten hypothetische Frage, ob „Gelenkbusliebhaber lieber einen sauberen, umweltfreundlichen, britischen Bus haben möchten oder einen deutschen Bus, der nicht für britische Straßen gemacht ist?“

UPDATE – 29.02.2012

Am 27.02.2012 nahm der erste neue Doppeldecker den Linienbetrieb auf. Der erste Bus kommt auf der Linie 38 zwischen Victoria und Hackney zum Einsatz. Im Rahmen der Inbetriebnahme kam es jedoch zu wiederholten Protesten und technischen Problemen. Gegner des Londoner Bürgermeisters Boris Johnson warfen ihm Verschwendung von Steuergeldern vor. Sie verfolgten den neuen Bus mit einem „Anti-Boris“-Bus.

Aufgrund von Software-Problemen sowie Problemen mit den Türen und der Klimaanlage erreichte der erste ein Ziel mit einer Verspätung von 30 Minuten.

Nicht verschweigen darf man allerdings auch die vielen positiven Stimmen, die den neuen Bus loben. Er mache den attraktiver und sexier und lässt dabei Raum für Nostalgie und schlägt eine Brücke zu vergangenen Zeiten.

Bilder aus dem Innenraum:Neuer Routemaster in London Innenraum Doppeldecker TfLNeuer Routemaster in London Aufgang zum Oberdeck Innenraum Doppeldecker TfL

Update – 12.06.2013

Ab dem 22. Juni werden weitere 27 Busse auf Linie 24 eingesetzt werden. In einer Anhörung musste sich der Londoner Bürgermeister Boris Johnson zum wiederholten Male unterschiedlichen Vorwürfen stellen. So wurden frühere Ankündigungen, beispielsweise dass der Bushersteller die Entwicklungskosten selber trage, andere Städte aus und anderen Erdteilen den Bus ebenfalls kaufen möchten und der Bus nicht teurer werde als vergleichbare Hybridbusse, nicht erfüllt. Zwar sind die neuen Busse kraftstoffeffizienter, allerdings kann dies die höheren Anschaffungskosten von 50.000 Pfund und die zusätzlichen Betriebskosten in Höhe von 60.000 Pfund für den Kontrolleur auf der Heckplattform nicht kompensieren.

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

Ein Kommentar

  1. Christian Grabl

    Danke für diesen Beitrag. Er ist sehr informativ und hat uns sehr dabei geholfen, ein Referat mit unserem Sohn vorzubereiten, welches er in der Schule halten darf.
    Vielen Dank!

    Antworten

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