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Olympic Javelin: Hochleistungszuganbindung des Olympiaparks an die Londoner Innenstadt

Dieser Artikel ist Teil der Serie Verkehr während der Olympische Spiele 2012 in London. Eine Übersicht über alle Artikel finden Sie hier.

Der 250 Hektar große Olympiapark London ist der Hauptveranstaltungsort der Olympischen und Paralympischen Spiele 2012. Das wohl prägnanteste Bauwerk ist das Olympiastadion, das 80.000 Zuschauer fasst und in dem die Eröffnungs- und Schlusszeremonie sowie die Leichtathletikwettbewerbe abgehalten werden.

Karte des Olympiaparks in London mit Olympiastadion und der Verkehrsanbindung

Karte des Olympiaparks in London – Quelle: Open Street MapCC BY 2.0

Im Olympiapark befinden sich des Weiteren das Aquatics Centre (17.500 Zuschauer) für Schwimmen, Synchronschwimmen, Wasserspringen und das Schwimmen des Modernen Fünfkampfs, die Riverbank Arena (15.000 Zuschauer) für Feldhockey, die Basketball Arena (12.000 Zuschauer) für die Basketball-Vorrunde und die Handball-Finalspiele, die Copper Box (7.000 Zuschauer) für die Vorrunde und die Viertelfinals im Handball sowie die Fechtwettkämpfe des Modernen Fünfkampfs, der London Velopark mit dem überdachten London Olympic Velodrome für den Bahnradsport (6.000 Zuschauer) und einer Außenanlage für die BMX-Rennen (6.000 Zuschauer), die Water Polo Arena (5.000 Zuschauer) für Wasserball und das Eton Manor als Trainingszentrum für Schwimmer und Wasserballer. Auf dem Gelände des Olympiaparks befindet sich zudem das London Olympics Media Centre mit Platz für 20.000 Medienschaffende.

Um die Wege für die Athleten, Betreuer und Offiziellen möglichst kurz zu halten, befindet sich das Olympische Dorf im nordöstlichen Teil des Olympiaparks. Dort werden während der Olympischen und Paralympischen Spiele insgesamt 17.320 Betten in 3.300 Wohneinheiten zur Verfügung gestellt. Nach den Spielen sollen die neu errichteten Gebäude als Sozialwohnungen weitergenutzt werden.

Besuchern der Olympischen Spiele 2012 stellt sich nur die Frage: „Wie komme ich am Besten zum Olympiapark und zum Olympiastadion?“

Die Stationen , und St Pancras

Um eine leistungsfähige Anbindung des Olympiaparks zu gewährleisten, wurde die Schienenanbindung in den letzten Jahren etappenweise aufgewertet. An der Südostseite des Parks befindet sich der Bahnhof Stratford, an dem Vorortszüge von National Rail und London Overground, die U-Bahn-Linien Central Line und Jubilee Line der London Underground sowie die Docklands Light Railway (DLR) halten. In der Mitte des Parks befindet sich der Bahnhof Stratford International, der direkt an der liegt und zudem eine Anbindung an die Linien nach Beckton und nach Woolwich Arsenal über den City Airport der Docklands Light Railway besitzt.

Am Bahnhof Stratford an der Südostseite des Parks halten Vorortszüge von National Rail und London Overground, die U-Bahn-Linien Central Line und Jubilee Line der London Underground sowie die Docklands Light Railway (DLR). Am Bahnhof Stratford International, der inmitten des Parks liegt, halten DLR-Züge sowie Züge auf der Schnellfahrstrecke High Speed One. Die Bezeichnung „International“ ist allerdings irreführend, da bisher kein international verkehrender Zug am Bahnhof Stratford International hält. Ursprünglich war geplant, dass -Züge zwischen und Frankreich in Stratford International halten sollten, Eurostar hat dies aber mit der Begründung abgelehnt, dass der zusätzliche Halt die Fahrzeit unnötig verlängern würde. Auf absehbare Zeit ist es recht unwahrscheinlich, dass internationale Züge in Stratford International halten. Auch während der Olympischen Spiele werden Eurostar-Züge den Bahnhof ohne Halt durchfahren.

Zwischen den Bahnhöfen Stratford und Stratford International existiert eine direkte Verbindung durch die Docklands Light Railway. Diese wurde am 31. August 2011 eröffnet.

St Pancras ist einer der wichtigsten Bahnhöfe in London. Er ist Endpunkt für die Eurostarzüge von/nach Brüssel und Paris und Endstation der Schnellzüge der Gesellschaft East Midlands Trains. Diese binden Nottingham, Luton, Leicester, Sheffield, York und viele weitere Städte im Norden Englands an London an. Ebenfalls in St Pancras enden High Speed One und die Midland Main Line.

Der Bahnhof St Pancras ist sehr gut in den Öffentlichen Londons integriert. Die U-Bahn-Station King’s Cross St Pancras deckt den Bahnhof St Pancras und King’s Cross ab (siehe auch: Umbau des Londoner Bahnhofs King’s Cross). Es ist nach den U-Bahn-Stationen Waterloo und Victoria die U-Bahn-Station mit dem drittgrößten Fahrgastaufkommen Londons. Im Jahr 2010 nutzen 72,58 Millionen Menschen die Station. An der Station King’s Cross St Pancras fahren die meisten Linien des Londoner U-Bahnnetzes. Es ist der größte Umsteigepunkt im System und wird daher während der Olympischen und Paralympischen Spiele eine extrem hohe Fahrgastbelastung aufweisen.

Es bestehen Verbindungen zwischen den Linien (Linienfarbe im Liniennetzplan):

  • Hammersmith & City Line (rosa)
  • Circle Line (gelb)
  • Metropolitan Line (violett)
  • Northern Line (schwarz)
  • Picadilly Line (dunkelblau)
  • Victoria Line (hellblau)
  • Der Bahnhof King’s Cross bietet Zugang zu den Zügen der East Coast Main Line und Regionalzügen im Großraum London
  • Der Bahnhof St Pancras bietet Zugang zu Eurostar, zur Midland Main Line, zum nationalen Hochgeschwindigkeitsnetz (High Speed One) und zu Pendlerzüge

Der Fahrplan des während der Olympischen Spiele (27.07 – 12.08.) und der Paralympischen Spiele (29.08. – 09.09.)

Während der Spiele sollen schnelle Züge („Javelin“ – Speer) Besucher zwischen der Londoner Innenstadt und den Wettkampfstätten in Stratford befördern. Die Züge verkehren 24 Stunden am Tag.

Olympic Javelin Baureihe 395 in St. Pancreas

Triebfahrzeuge Class 395 (Olympic Javelin) im Bahnhof King’s Cross – Foto: Jon Curnow @ FlickrCC BY 2.0

Während der Olympischen und Paralympischen Spiele fahren je Stunde acht Züge im sieben Minuten-Abstand zwischen St Pancras und Ebbsfleet mit Halt am Bahnhof Stratford. Die Fahrzeit zwischen St Pancras International und Stratford beträgt sechs Minuten. Für Fahrgastwechsel sind in Stratford drei Minuten vorgesehen.

Die Olympic Javelin-Züge ersetzen den herkömmlichen Hochgeschwindigkeitszugverkehr. Zwei der acht Zugleistungen werden bis Ashford verlängert und einer bis Faversham. Zwischen 23:00 und 01:00 verkehren 11 Züge je Stunde zwischen St Pancras und Ebbfleet. Die Fahrplan (Download) ist gültig vom 27. Juli bis zum 12. August und vom 29. August bis zum 9. September. 

Die Halte in Maidstone West, Folkestone West, Folkestone Central, Dover Priory, Deal und Sandwich entfallen vom 27. Juli bis zum 12. August. Die morgendliche Verbindung zwischen St Pancras International, Broadstairs, Canterbury West, Margate, Minster, Ramsgate und Sturry wird ausgedünnt und teilweise in Faversham gebrochen.

Das Rollmaterial: Die

Die Britische Klasse 395 ist eine Baureihe von Regional-Schnellzügen des Herstellers Hitachi Transportation Systems. Dieser Zugtyp verkehrt derzeit neben Eurostar-Zügen auf der Schnellfahrstrecke High Speed One und wird von dem britischen Eisenbahnverkehrsunternehmen Southeastern auf der Strecke von London St Pancras über Ebbsfleet International und Ashford (unter Nutzung der Hochgeschwindigkeitsstrecke High Speed One) Richtung Ramsgate in der Grafschaft Kent eingesetzt.

Die Fahrt von London St Pancras nach Ashford dauert 37 Minuten (zuvor 83 Minuten). Ebenfalls verkürzt haben sich die Reisezeiten nach Canterbury (60,5 Minuten statt 102 Minuten) und zwischen St Pancras und Folkestone (62,5 Minuten statt 98 Minuten).

Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 225 km/h. Die 121,8 Meter langen Triebzüge verfügen über 340 Sitzplätze (+12 Notsitze) und bestehen aus zwei Endwagen und vier Zwischenwagen (DPT1+MS1+MS2+MS3+MS4+DPT2). Bei voller Auslastung können maximal 508 Personen befördert werden.

Somit beträgt die Kapazität des Olympic Javelin 4.000 Fahrgäste je Stunde und Richtung. Bei sehr guter Qualität (jeder Fahrgast hat einen Sitzplatz) können je Stunde und Richtung 2.700 Fahrgäste befördert werden.

In Kombination mit anderen Verkehrsmitteln, die den Olympiapark mit der Innenstadt verbinden, dürften bei Normalbetrieb keine größeren Probleme auftreten. Spannend werden vor allem die Tage der Eröffnungs- und Schlusszeremonien und die der Leichtathletikwettbewerbe.

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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