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Bestes Mittel gegen das olympische Verkehrschaos: Angst

Dieser Artikel ist Teil der Serie Verkehr während der Olympische Spiele 2012 in London. Eine Übersicht über alle Artikel finden Sie hier.

Ich habe mich ja nun bereits einige Tage mit der Verkehrsplanung während der Olympischen Spiele 2012 in beschäftigt. Am Anfang hatte ich noch einige Zweifel, ob diese Herausforderung bewältigen kann. Viele Veranstaltungen über einen langen Zeitraum, verteilt im ganzen Stadtgebiet.

Man darf nicht vergessen, dass die Olympischen Spiele kein isoliertes Event sind. In den letzten Wochen musste London bereits die Herausforderung des diamantenen Thronjubiläums der Queen und des Olympischen Fackellaufs bewältigen. In Kürze beginnen die Olympischen Sommerspiele und nach einer kurzen Pause die Paralympischen Spiele. Im Zeitraum zwischen den beiden Großveranstaltungen finden noch der mehrtägige Nottingham Hill Carnival mit 1,5 Millionen Teilnehmern und Besuchern und damit eine der größten Massenveranstaltungen in Europa statt. Hinzu kommen noch viele kleinere Veranstaltungen wie Konzerte und Opernaufführungen, die ebenfalls große Zuschauermassen anziehen. Das Alles neben den Olympischen Sommerspielen, die vergleichbar mit 20 Weltmeisterschaften in wenigen Wochen innerhalb einer Stadt sind. Es wird damit gerechnet, dass von den Besuchern der Olympischen Spiele etwa drei Millionen zusätzliche Wege am Tag zurückgelegt werden. An manchen Tagen sollen bis zu 6,5 Millionen zusätzliche Wege gemacht werden!

Ich glaube aber dennoch, dass London diese Herausforderungen ohne große Probleme bewältigen können wird. Auch wenn diese Frage ebenso leicht zu beantworten ist wie „Wird das Wetter die nächste Woche gut oder schlecht werden?“

Für meine Zuversicht sind zwei Gründe ursächlich: Erstens die gute Planung und Kommunikation von Transport for London und der Organisatoren und auf der anderen Seite: die Angst.

Bereits seit einigen Wochen werden die Londonerinnen und Londoner tagtäglich mit Warnungen bombardiert. An jeder Werbetafel und jeder Litfaßssäule hängen Plakate mit dem Hinweis, man möge seine Wege im Voraus planen, zu Fuß gehen oder gleich ganz zu Hause bleiben. Hinzu kamen Roadshows in den einzelnen Stadtteilen. Auch dort wurden eindringliche Warnungen ausgesprochen.

In Londons U-Bahn wurden Durchsagen von Londons Bürgermeister abgespielt, man solle seine Wege unbedingt vorab planen, um nicht im Chaos zu landen:

Hi folks! This is the Mayor here. This is the greatest moment in the life of London for 50 years. We’re welcoming more than a million people a day to our city and there is going to be huge pressure on the transport network. Don’t get caught out! Get online and plan your journey at GetAheadoftheGames.com.

Hinzu kam die Empfehlung an die Mitglieder des Internationalen Olympischen Kommitees statt mit ihren Fahrzeugen lieber mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln zum Olympiastadion zu fahren. Die Jubilee Line sei schließlich ebenso wunderbar und bequem. Er hat aber anscheinend vergessen, dass der Verkehrsausschuss der Stadt London die Jubilee Line als den größen Risikofaktor während der Olympischen Spiele bezeichnet hatte. Es gab einige größere Verzögerung bei der Aufrüstung und Modernisierung der Strecke und die Pünktlichkeit ließ in den letzten Wochen auch zu wünschen übrig. Diese waren meist technischen Problemen geschuldet.

Der Chef von Transport of London hat allen Londonern empfohlen während der Olympischen Spiele der U-Bahn fernzubleiben. Die Wartezeit soll an manchen Stationen bis zu 30 Minuten betragen. Es wird damit gerechnet, dass vor allem auf der Jubilee und Central Line zu Verspätungen von bis zu 60 Minuten kommen kann. Die durchschnittliche Fahrzeit soll sich um etwa 30 Minuten verlängern.

Den besten Vorgeschmack hat aber der 10. Juli 2012 gegeben.

An diesem Tag haben Transport for London und Network Rail ihr Sytem zur Lenkung von Fahrgästen und Optimierung von Warteschlangen an den Stationen London Bridge, Cannon Street, Victoria, Charing Cross und Waterloo East getestet. Die Station London Bridge gilt als Achillesferse des Systems. Deswegen wurde dort die Trennung von Besuchern der Olympischen Spiele, die aus Greenwich Park kommen, und Pendlern auf dem Weg nach Hause getestet. Dazu wurden einige Ein- und Ausgänge geschlossen.

 

 

Im Rahmen dieser Übung kam es zu einigen Problemen, sodass die U-Bahn Station King’s Cross wegen Überfüllung geschlossen und evakuiert werden musste:

Ich glaube, die Londoner Offiziellen ahnen, dass die Verkehrsnetze den zusätzlichen Ansturm nicht bewältigen können. Deswegen appeliert man bereits seit Monaten an Einwohner und Unternehmen zu Hause zu arbeiten und möglichst wenige Wege zurückzulegen.

Mit Übungen wie am 10. Juli scheint man dieses Ziel am Besten zu erreichen:

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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