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[Interview in emotion (Europcar)] Mobilität der Zukunft im urbanen Raum

Heute ist die neue Ausgabe von emotion, dem Mitarbeitermagazin des Autovermieters Europcar, erschienen. In der aktuellen Ausgabe findet sich auch ein Interview mit mir zu den Themen Zukunft der , Trends im Verkehrbereich und die zukünftige Rolle der im Mobilitätsmix.

Insbesondere die letzte Frage hat mich etwas stärker herausgefordert, da ich mir bislang noch keine Gedanken zur Bedeutung und Zukunft von Mietwagen gemacht habe. Ich hoffe, dass meine Gedanken in die richtige Richtung gehen. Wer noch weitere Anmerkungen haben sollte, kann diese gerne in den Kommentaren äußern.

Freundlicherweise hat mir Europcar die Erlaubnis gegeben, das Interview hier ebenfalls veröffentlichen zu dürfen.

Dies ist die Rohfassung, die nun im Europcar-Intranet zu finden ist. Dort sind auch die Antworten von Prof. Dr. Schäfers, Juniorprofessor für Dialogmarketing am Automotive Institute for Management (AIM) an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht, zu demselben Thema zu finden. Aus Platzgründen wurden in der Printversion die wichtigsten Aussagen in einem einseitigen Artikel zusammengefasst.

Europcar Filiale Berlin

Europcar-Filiale in Berlin – Foto: Janos Balazs @ FlickrCC BY-NC 2.0

Interview mit Martin Randelhoff (Student der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden, Herausgeber und Gründer des Blogs „Zukunft Mobilität“ und Preisträger des Grimme Online-Awards 2012) zum Thema: „Mobilitätstrend Intermodales Reisen im urbanen Raum – Was bringt die Zukunft?“

Herr Randelhoff, -Angebote haben sich in deutschen Großstädten längst erfolgreich etabliert, erste Pilotprojekte für verknüpfte Mobilitätsangebote zwischen dem ÖPNV und privaten Verkehrsträgern sind bereits am Start oder in Planung. Und Apps wie z.B. oder Abfahrtsmonitor erfreuen sich großer Beliebtheit, denn sie helfen, die individuelle Mobilität bestmöglich zu planen. Der Besitz eines eigenen Autos, ist nicht mehr im gleichen Maße Prämisse wie früher, die Mobilitätsbedürfnisse wandeln sich. Kurz: Wir stecken zurzeit inmitten einer Mobilitätswende. Schneller, intelligenter und vernetzter unterwegs sein – das, so scheint es, sind die neuen Ansprüche an die eigene Fortbewegung. Was hat sich geändert?

Es ist vor allem die junge Generation, die ein neues Mobilitätsbedürfnis hat. Das wachsende Bewusstsein für die Umwelt, aber auch die wachsenden Erdöl- und haben den eigenen Pkw-Besitz unattraktiver gemacht. Die extremste Ausprägung: Man hat in den vergangen Jahren erstmals einen sinkenden Führerscheinbesitz bei Jugendlichen beobachten können. Dies bedeutet nicht, dass gar kein Führerschein mehr angestrebt wird, er wird nur etwas später gemacht. Und dann eher um Möglichkeiten wie Carsharing oder das Angebot von Autovermietern in Anspruch nehmen zu können.

Hinzu kommt, dass man in einigen Großstädten auch wunderbar ohne eigenes Auto auskommt. Ab einem gewissen Quadratmeterpreis sind die Kosten für Stellplätze einfach zu hoch. In der Berlin hat beispielsweise nur noch jeder dritte Haushalt ein eigenes Auto.

Mittlerweile haben diese Menschen ein eigenes Selbstbewusstsein entwickelt und verlangen ebenfalls von der Politik gehört zu werden. Dann geht es weniger um den schlechten Zustand der Straßen oder den Ausbau von Autobahnen, sondern eher um ein gutes ÖPNV-Angebot, gut ausgebaute Radwege, eine hohe Aufenthaltsqualität an den Straßen und letztendlich um Lebensqualität.

Alles in allem kann man von einer Deemotionalisierung des Pkw sprechen. Bislang greifen sehr viele Menschen automatisch zum Autoschlüssel ohne die Alternativen zu bedenken, wenn sie wohin gelangen wollen. Durch das Internet, Smartphones, usw. ist es heute aber sehr einfach einen Überblick über alle Angebote, die aktuellen Fahrzeiten und das zu bekommen, sodass man sehr viel überlegter und nüchterner an die herangehen kann.

Welches sind aus Ihrer Sicht die drei größten Zukunftstrends urbaner Mobilität?

Vernetzung, Renaissance des öffentlichen Verkehrs und die Suche nach alternativen Antrieben wegen steigender Kraftstoff- und Energiepreise sowie dem Ende des Erdölzeitalters.

Vor allem das intermodale Reisen, also die Gestaltung von Reiseketten durch die optimale Verknüpfung vorhandener Mobilitätsdienstleistungen für einen nahtlosen Anschluss, rückt in den Mittelpunkt. Wie sieht eine perfekte, individualisierte Reisekette in Zukunft aus? Und: Welchen Verkehrsmitteln kommt für den urbanen Mobilitätsmix überhaupt eine besondere Bedeutung zu?

Alle Verkehrsmittel stehen gleichberechtigt nebeneinander. Das ist vergleichbar mit einem Werkzeugkasten, aus dem man das gerade für den Moment passende Werkzeug herausgreift. Um die Übergänge komfortabel zu gestalten, müssen diese aber wirklich nahtlos gestaltet werden. Das umfasst die Infrastruktur aber auch die Abrechnung. Hierbei spielt das eine herausragende Rolle.

Die ideale Reise der Zukunft stelle ich mir folgendermaßen vor: Man sucht online nach einer Verbindung zwischen A und B und der Computer oder das Handy stellt einem verschiedene Routen mit verschiedenen Verkehrsmitteln zur Verfügung. Mit einem Klick wird die ganze Reisekette gebucht und abgerechnet.

Wenn ich unterwegs bin, kontrolliert das Smartphone in Echtzeit den Fortschritt meiner Reise und schlägt mir bei Umleitungen, Staus, Verspätungen automatisch neue Routen und Verkehrsmittel vor. Es kann also passieren, dass ich für meine Reise eigentlich den Pkw nutzen sollte, dann aber wegen zu großen Stauaufkommens nahtlos auf die Bahn umsteige ohne mir aktiv eine Verbindung heraussuchen zu müssen oder einen Fahrschein zu kaufen.

Dies setzt natürlich eine große Flexibilität auf Seiten der Anbieter aber auch der Kunden voraus!

Welches Potenzial besitzt vernetzte Mobilität in den Städten?

In der Stadt ist die Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel natürlich viel einfacher als auf dem Land. In den Städten der Zukunft wird der motorisierte Individualverkehr nicht mehr die Rolle einnehmen, die er heute noch inne hat. Insbesondere die lokalen Verkehrsunternehmen werden sich zu gesamtheitlichen Mobilitätsanbietern weiterentwickeln die ÖPNV, und Carsharing aus einer Hand anbieten. Dies kann entweder in Zusammenarbeit mit Partnern geschehen oder von den Verkehrsunternehmen selbst angeboten werden.

Wie wird die intermodale Mobilität Anbieterseitig zu organisieren sein? Welche Anforderungen ergeben sich hieraus für Mobilitätsanbieter?

Eine große Hürde ist heutzutage noch die Abrechnung aus einer Hand. Als Kunde muss ich mich bei einer Vielzahl von unterschiedlichen Dienstleistern anmelden, die alle verschiedene Abrechnungsmodelle haben. Hier muss es zu einer Vereinfachung kommen.

Komplexitätsreduktion ist auch ein großes Thema, dass auf Mobilitätsanbieter in Zukunft zukommen wird. Intermodale Mobilität ist heute oftmals zu komplex gestaltet. Zwar hat die Einführung von Verkehrsverbünden etwas geholfen, allerdings ist die Tarifstruktur aus mehreren Einzel- und Zeitkarten und mehreren Tarifzonen noch immer schwer zu durchschauen. Auch muss der Übergang von einem Verkehrsmittel zum anderen  viel einfacher gestaltet werden. Hierzu gehören auch Park& Ride und Bike&Ride-Anlagen.

Und wie weiter oben bereits angeklungen, braucht der Mobilitätsanbieter der Zukunft äußerst flexible Strukturen. Ich muss als darauf reagieren können, wenn mein Kunde ein vorbestelltes Fahrzeug 30 Minuten vorher doch nicht mehr benötigt oder drei zusätzliche Kunden innerhalb von 60 Minuten Fahrzeuge benötigen. Die dahinterstehenden Strukturen werden also komplexer bei einer gleichzeitig größeren Unsicherheit und geforderten Flexibilität.

Welche Rolle werden Autovermieter innerhalb der intermodalen Reisekette in Zukunft einnehmen? Um welche Aspekte wird das klassische Autovermietgeschäft erweitert werden müssen? bzw. Welche Erwartungshaltung an das Angebot werden die Mobilitätsnutzer von morgen haben?

Die Rolle der Autovermieter wird wichtiger werden. Das bietet hier eine große Chance, wenn auch anders als vielleicht gedacht. Ein Autovermieter profitiert nicht davon, dass er in der Anschaffung relativ teure Elektrofahrzeuge vermietet, sondern er profitiert vor allem davon, dass das recht wenig kann. Viele Autobesitzer hoffen auf ein Elektrofahrzeug mit dem 500 Kilometer lange Fahrten noch möglich sein werden. Dies ist wegen der hohen Batteriepreise allerdings ökonomisch unsinnig. Wieso nicht ein Elektrofahrzeug für die Stadt und ein angemieteter Pkw mit Verbrennungsmotor für längere Strecken?

Autovermieter sollten auch in die Kurz- und Langzeitvermietung investieren und die Zusammenarbeit mit Carsharing-Anbietern und lokalen Verkehrsunternehmen intensivieren. Insbesondere in der Abrechnung ließe sich Komplexität für den Kunden reduzieren.

Insgesamt wird der Markt sicherlich dynamischer werden. Autovermieter werden eine größere Zahl von Fahrzeugen vorhalten müssen, die auch kurzfristig gemietet werden können.

Was meinen Sie, wie werden sozioökonomische Herausforderungen die Fragen der Mobilität beeinflussen? (Stichworte: demografischer Wandel, soziale Teilhabe, wirtschaftliche Innovationen)

Eine älter werdende Gesellschaft stellt natürlich auch den Verkehr vor ganz neue Herausforderungen. Ein höherer Autonomiegrad bis zum vollständig autonomen Fahren kann Individualverkehr bis ins hohe Alter ermöglichen. Wir müssen auch Lösungen für das Leben auf dem Land finden. Bis zu welchem Grad können wir ländliche Gebiete mit dem ÖPNV erschließen und wenn ein Dort vollständig vom öffentlichen Verkehr abgeschnitten ist, wie wollen wir ältere und kranke Menschen versorgen?

Ein weitere große Herausforderung sind sicherlich die hohen Kraftstoffpreise, die sich immer weiter zu einem sozialen Problem entwickeln. Menschen müssen unabhängig von ihrem Einkommen die Möglichkeit haben, am täglichen Leben teilnehmen zu können. Mobilität ist Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Daher muss sich die Politik und die Gesellschaft die Frage stellen, wie wir zu gerechten Preisen Mobilität sicherstellen können. Hier dürfte vor allem der ÖPNV eine größere Rolle spielen.

Welchen Stellenwert wird das Thema bei der Entwicklung neuer, vernetzter Mobilitätsangebote einnehmen? Wie schätzen Sie die Relevanz alternativer Antriebstechnologien (Hybrid, Elektro, Wasserstoff etc.) ein?

Jede neue Antriebstechnologie ist eine Chance. Leider stimmen die Rahmenbedingungen noch nicht. Wenn wir die Verkehrswende zu mehr Nachhaltigkeit meistern wollen, werden die Menschen nicht um gewisse Anpassungen herumkommen. Bis 2020 wird das Hybridauto sicherlich an Wichtigkeit gewinnen, ob wir das politische Ziel von einer Millionen Elektroautos bis 2020 erreichen werden, möchte ich bezweifeln. Für Brennstoffzellenfahrzeuge möchte ich keine Prognose wagen.

Ich finde die derzeitige Diskussion um nachhaltige Mobilität und Elektrofahrzeuge auch recht verlogen. Bei einer Well-to-Wheel-Betrachtung, d.h. von der Seltenen Erden-Mine über die Akkuproduktion bis zur Auslieferung, fallen bei Elektroautos so viele - an, die durch die geringeren Fahremissionen nur schwer wieder eingespart werden können. Alternative Antriebe sind meiner Meinung keine primäre Herausforderung des Klimaschutzes, sondern der Versorgungssicherheit insbesondere bei Erdöl.

Wird es im Jahr 2050 noch Autos in den Städten geben?

Ja, aber erstens viel weniger und zweitens ganz andere Fahrzeuge als wir sie heute kennen. Allerdings kann noch niemand sagen, wie das Automobil der Zukunft wirklich aussehen wird.

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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Grimme Online Award Preisträger 2012

Zukunft Mobilität hat den Grimme Online Award 2012 in der Kategorie Information erhalten. Ich möchte mich bei all meinen Lesern für die Unterstützung bedanken!

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Zukunft Mobilität hat den PUNKT 2012 der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) in der Kategorie "Multimedia" gewonnen.

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