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Wie angreifbar sind unsere Transportsysteme?

Die am letzten Freitag an Bord zweier Frachtmaschinen gefundenen Bomben, haben das Luftfracht- und Transportgewerbe zum wiederholten Male in das Licht der Öffentlichkeit gerückt. Viele Menschen haben Bedenken oder gar Angst ob unsere Transportsysteme sicher sind.

Die Pakete wurden im Rahmen einer Routinekontrolle gefunden, die wiederum einige außerordentliche Kontrollen von Fracht vor allem aus dem nach sich zogen. Am gestrigen Sonntag wurde bekannt, dass eine der entdeckten Bomben an Bord einer Qatar Airways Passagiermaschine aus dem gelangt ist und erst in Dubai entdeckt wurde.

Dass die Bomben gefunden wurden, zeigt, dass das System grundsätzlich funktioniert. Dennoch fragen sich viele wie es um die Sicherheit bestellt ist und ob die Luftfahrtbranche genug unternimmt, um die Passagiere möglichst umfassend zu schützen. Eines ist von vornherein klar: vollständige Sicherheit kann und wird es niemals geben.

Die Transportbranche befindet sich immer in einem Spannungsfeld zwischen Effizienz, Kosten und Sicherheit. Dies sollte aber keinesfalls ein Ausschlußkriterium für die Verantwortung von , und Co. sein. Wenn sich die größte Aufregung erst einmal gelegt hat, werden wir überlegen müssen, wie wir reagieren wollen. Welche politischen und regulatorischen Maßnahmen können wir ergreifen? Ist ein Bann von Luftfracht aus speziellen Ländern ein probates Mittel oder wiegen wir uns damit nur in falscher Sicherheit?

Wenn wir das ganze Problem weiterdenken, dann befinden wir uns nicht mehr im . Eisenbahn und innerstädtische Transportsysteme sind ebenso angreifbar. Dies haben uns auf schreckliche Art und Weise die Anschläge auf die eng besetzten Vorortzügen in Madrid 2004, die Moskauer Metro im Jahre 2004 (Wikipedia) und 2010 (Wikipedia) oder der vereitelte Kofferbombenanschlag in Deutschland vom 31. Juli 2006, vor Augen geführt.

Es stellt sich daher auch die folgende Frage: Kann Technologie das Transportwesen sicherer machen?

U-Bahnhöfe waren seit jeher ein beliebtes Ziel von Terroristen. Sicherheitsexperten forderten, dass dieselben Sicherheitsstandards wie für den Personenflugverkehr auch in U-Bahnhöfen sowie normalen Bahnhöfen gelten müssten. Die stellt die U-Bahnbetreiber allerdings vor einige Probleme. 2009 wurden mehr als 10,2 Milliarden Fahrten mit dem weltweit durchgeführt. Die Moskauer hat an einem Tag 5 Millionen Fahrgäste. Entsprechende Sicherheitskontrollen würden enorme Kosten und einen enormen Zeitverlust bedeuten. Letztendlich würde das ganze Nahverkehrssystem kurz vor dem Kollaps stehen. Dies soll natürlich kein Argument dafür sein, dass Kontrollen nicht durchgeführt werden noch möchte ich das Problem mit ökonomischen Argumenten verharmlosen, aber dennoch kann aufgrund der Komplexität von Verkehrsinfrastruktur nur ein gewisses Maß an Sicherheit gewährleistet werden.

Aber welche Möglichkeiten gibt es?

Um mehr Sicherheit zu gewährleisten, hat sich mittlerweile die flächendeckende Videoüberwachung mit all ihren Vor- und Nachteilen durchgesetzt. Diese ermöglichen es, die Personen beim Betreten der Haltestellen sowie während des Transports zu beobachten und unübliche Aktivitäten zu erkennen. Ordnungskräfte oder die Polizei werden in einem solchen Falle aufgefordert, das vorliegende Gefahrenpotential einzuschätzen und gegebenenfalls einzugreifen.

Dies ist nicht einfach, benötigt es doch eine dauerhafte und vor allem flächendeckende Kameraüberwachung. Ein großes Spannungsfeld, in dem sich eine solche Überwachung bewegt ist das Abwägen zwischen Sicherheit(sgefühl) und Datenschutz bzw. dem Respekt vor der persönlichen Integrität.

Eine Erweiterung der Kameraüberwachung ist der Einsatz von Verhaltensanalysetools oder -wissenschaftlern. Es dürfte allerdings schwer sein, die Menge an Menschen die das Öffentliche Transportnetz täglich nutzen, einwandfrei zu analysieren.

Auch ein Gesichtsabgleich mit entsprechenden Datenbanken wäre eine Möglichkeit, die Sicherheit von U-Bahnen, Bussen, der Luft- und Zugverkehrs zu erhöhen. Natürlich müsste für den Erfolg dieses Systems eine riesige Datenbank aufgebaut werden, problematisch dürfte auch die Masse an Menschen sein die gescannt wird zumal sich auf diese Art und Weise umfassende Bewegungsprofile anlegen lassen.

Im Falle eines Selbstmordanschlags besteht ein weiteres Problem: es gibt keine ausgereifte Technik, die hilft, Explosivstoffe aufzuspüren. Zwar existieren mittlerweile Detektoren, die Personen mit ungefährlichem UV-Licht bestrahlen und durch die Reflexion zum Beispiel Sprengstoffe wie Semtex, C4 oder Ammoniumnitrat erkennen. Diese Detektoren sind allerdings noch nicht ausgereift und sehr teuer.

Die einfachste Möglichkeit, die Sicherheit in Bahnhöfen, etc. zu erhöhen ist eine verstärkte Polizeipräsenz, die potentielle Täter abschreckt und ein hohes Maß an Sicherheit bietet. Solange die Polizisten nicht allzu martialisch auftreten und nur im äußersten Notfall eingreifen, dürfte sich bei der Bevölkerung auch schnell ein zunehmendes Sicherheitsgefühl einstellen.

Im Zuge der Selbstmordanschläge in 2010 stellte unter anderem Suzi Parker eine Liste mit fünf technischen Möglichkeiten, den öffentlichen Personenverkehr sicher zu machen, zusammen.

Diese waren:

„Spieltechnologie“
In Europa werden Systeme eingesetzt, die anhand von 360°-Fotografien und Videoaufnahmen mit einer gehörigen Portion Software, Hardware und schnellen Prozessoren, eine Risikoanalyse eines bestimmten Abschnittes erstellen können. Falls der Computer eine bestimmte Gefahrensituation erkennt, zum Beispiel eine schmutzige Bombe, alarmiert er die Behörden und kann außerdem den Fahrer des jeweiligen Transportmittels alarmieren, der je nach Situation die Türen öffnet oder schließt, in der nächsten Station anhält oder weiterfährt, etc.

PROTECT
Um nicht nur die Transportmittel an sich sicherer zu machen, sondern auch die Stationen besser zu schützen, wurde PROTECT ( Program for Response Operations and Technology Enhancements for Chemical/Biological Terrorism) entwickelt. Die genaue Funktionsweise und Aufbau sind als geheim eingestuft worden. Sicherheitsexperten ist jedoch bekannt, dass PROTECT Sensoren besitzt um biologische sowie chemische Kampfstoffe zu erkennen sowie Videokameras, kabellose Internetverbindungung und Netzwerktechnologie und Computersoftware um die Ausbreitung und Wege möglicher kontaminierter Personen zu berechnen.

Dieses System wird bereits in Washington und Boston eingesetzt, San Francisco Chicago und andere US-amerikanische Städte sind interessiert.

Bakteriologische Kriegsführung
In Houston wurde im Zuge der Virusbekämpfung ein System installiert, das mit Hilfe von ultravioletten Entkeimungsstrahlern 99% aller Bakterien tötet. Dieses System könnte natürlich auch im Falle eines Terroranschlages mit biologischen Massenvernichtungsmitteln eingesetzt werden.

Decken
Die Stadt New York hat vor einiger Zeit Schilder, Westen und Decken aus dem speziellen Material Demron gekauft. Demron ist ein Gewebe, das gegen atomare, biologische und chemische Kampfstoffe schützt.

Die Schilder und Westen sollen für die Einsatzkräfte genutzt werden, kontaminierte Opfer sollen mit Hilfe der Decken davon abgehalten werden, Dritte zu kontaminieren. Eine weitere Decke nennt sich „Hi-Energy Nuklearunterdrückungsdecke“. Diese Decke soll über schmutzige Bomben geworfen werden und diese somit davon abhalten, ihre tödliche Strahlung abzugeben.

Ein Vorteil dieses Stoffes ist es, dass die Strahlung zum einen von der Ausbreitung abgehalten wird und zum einen die Distanz, die die Strahlung überwinden könnte, halbiert wird.

Notfallpläne
Am besten schützen aber immer noch die alten Mittel: Notfallpläne und gut ausgebildete Hilfskräfte. Für alle Transportsysteme müsste ein entsprechender Katastrophenplan erarbeitet und einstudiert werden, der im Notfall zum Tragen kommt. Dies umfasst sowohl Katastrophenübungen als auch entsprechende Simulationen. Wichtig ist es außerdem, dass eventuell aufkommende Massenpaniken möglichst effektiv und schnell verhindert bzw. gestoppt werden.

Zurück zum Flugverkehr

Im derzeitigen öffentlichen Fokus steht natürlich der Flugverkehr. Natürlich mag man jetzt einwenden, was ich mit einem Artikel über verbesserte Sicherheit in U-Bahnen bezwecken will. Es ist jedoch ganz einfach: die Sicherheitskontrollen und -regeln an Flughäfen sind schon heute sehr umfassend und funktionieren in einer großen Zahl von Fällen. Natürlich gibt es noch weiteren Optimierungsbedarf, vor allem im Frachtsektor. Aber es muss auch klar sein, dass Sicherheit kostet. Viele Menschen, die ich persönlich kenne, jammern über Kerosinzuschläge oder den berühmt berüchtigten Sicherheitszuschlag beim Buchen eines Flugtickets. Sie erkennen, dass ihre Sicherheit einen Preis hat, den sie mehr oder minder bereit sind zu zahlen. Sie merken eventuell auch, dass sie sich niemals in vollständiger Sicherheit wiegen können. Das kann niemand. Allerdings ist dies auch kein Grund zu verzagen und zum Beispiel Flugzeuge zu meiden. Man sollte nämlich immer im Hinterkopf behalten, was das Ziel von Terroristen ist: Angst und Schrecken zu verbreiten.

Wer dies zulässt, bei dem haben die Terroristen ihr Ziel erreicht. Dazu muss nicht einmal eine Bombe explodieren. Die reine Vorstellung reicht auch schon. Ich persönlich habe dies zumindest nicht vor und wir werden sehen was für neue Regeln wir im internationalen Luftverkehr bekommen werden.

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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