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[Fakt der Woche] Produktionskosten des Chevrolet Volt

Artikelaktualisierung Zukunft MobilitätDer Chevrolet Volt ist das erste serienmäßig produzierte des amerikanischen Autoherstellers General Motors. Wobei dies eigentlich nicht ganz stimmt: denn der Volt ist eigentlich kein reines Elektroauto, sondern ein Plug-In Hybridfahrzeug. Denn durch die Nutzung eines kleinen Verbrennungsmotors, der einen Generator antreibt, der die lädt, kann die Reichweite des Fahrzeugs um ca. 500 km vergrößert werden. Daher beschreibt den Volt auch als Elektrofahrzeug mit „Reichweitenverlängerung“. Im reinen Elektrobetrieb hat der Volt eine Reichweite von etwa 60 Kilometern.

Chevrolet Volt

Der Volt lag dem ehemaligen Vize-Präsidenten von General Motors, Robert „Bob“ Lutz, besonders am Herzen. Dieser hoffte, den Volt für unter 30.000 Dollar anbieten zu können. Aufgrund von Kostensteigerungen, die während der Planungsphase immer ersichtlicher wurden, wurde klar, dass dieser Preis nicht gehalten werden konnte. Zu kaufen ist der Volt in den für ungefähr 41.000 Dollar, etwa 32.000 Euro.

Aber was hat den Volt so teuer gemacht? Und wie hoch sind eigentlich die ?

Steven L. Rattner, Ex-Autoberater der US-Regierung, der von Obama mit der Restrukturierung General Motors beauftragt worden war, hat dieses Geheimnis in seinem neuen Buch „Overhaul“ gelüftet. Er schreibt: „Zumindest in den ersten Jahren wird der Bau jedes Chevrolet Volt 40.000 Dollar kosten (ohne Forschungs- und Entwicklungskosten).“

Kosten eines Elektroautos nach Komponenten

Anteil der einzelnen Bauteile eines Elektroautos am Gesamtpreis – Bosch (Automobil Entwicklung 4/2010; Bain 2010/MMC 2010; H. Naunheimer (ZF) 2009; Wirtschaftswoche 48/2010 S. 46ff.; Darstellung: eigene

Viele Komponenten wurden für den Volt neu entwickelt. Dies treibt die Kosten hoch. Besonders teuer ist die Batterie, deren Kosten auf 8.000 – 10.000 Dollar geschätzt werden.

Laut Berechnungen von Bosch, Bain und Naunheimer entfallen durchschnittlich 38% der Gesamtkosten eines Elektroautos auf die Batterie. Insgesamt sorgt der Elektroantrieb (inkl. Getriebe, etc.) für 57,9% der Produktionskosten.

Bei einem Verkaufspreis von 41.000 Dollar verdient GM folglich an jeder verkauften Einheit nur 1.000 Dollar. Mit einem Cadillac Escalade oder GMC Denali macht GM im Vergleich 15.000 Dollar Gewinn pro verkaufter Einheit. Der betriebswirtschaftliche Erfolg des Volt scheint auch deswegen in weiter Ferne, weil alleine eine Million Autos verkauft werden müssten, um die Entwicklungskosten des Volt in Höhe von einer Milliarde Dollar wieder einzunehmen.

Betriebswirtschaftlich lohnt sich der Bau für GM also kaum. Allerdings lässt sich auf die für den Volt entwickelte Technologie aufbauen. Somit können andere Automodelle mit dieser Technologie ausgestattet werden, sodass sich die Entwicklungskosten durch weitere Automodelle schneller amortisieren. Sollten Produktionsvolumen in einer bestimmten Größenordnung entstehen, sollten die Preise für die Komponenten und die Batterie stark sinken. Somit ist der Volt für GM eine Art Wegbereiter, andere Elektroautomodelle günstiger produzieren zu können.

Des Weiteren ist die Entwicklung des Volt eine Imagefrage. GM galt lange Zeit als rückständig (und ist dies in großen Teilen noch, wenn man sich die Produktpalette genauer anschaut). Mit dem Volt soll dem Unternehmen ein umweltfreundlicher, innovativer Anstrich gegeben werden.

Aktualisierung – 11.09.2012

Neue Schätzungen von Analysten und Branchenkennern, die von Reuters zusammengestellt wurden, beziffern die Kosten jedes Chevrolet Volt auf etwa 89.000 US-Dollar. Der Verkaufspreis liegt je nach Ausstattungsvariante und Rabattaktionen zwischen 31.000 – 39.000 US-Dollar. Somit soll General Motors mit der Produktion jedes Chevrolet Volts etwa 50.000 US-Dollar je Fahrzeug verlieren. 

Der Vice President der weltweiten Produktpalette und ehemalige Entwicklungsleiter des Volt, Doug Parks, bestätigte, dass General Motors mit dem Volt keinen Gewinn mache: 

(The Volt) eventually will make money. As the volume comes up and we get into the Gen 2 car, we’re going to turn (the losses) around.

Aber auch hier muss man die Zahlen ein wenig relativieren. Der Chevrolet Volt ist ein Fahrzeug, von dem relativ wenige Stückzahlen abgesetzt werden. Das Absatzziel seitens GM liegt bei vergleichsweise geringen 40.000 Fahrzeugen / Jahr, die allerdings nicht erreicht werden. Dem gegenüber stehen Entwicklungskosten in Höhe von 1,2 Milliarden Euro. Dies lässt die Stückkosten im Vergleich zu anderen Fahrzeugen der Konkurrenz in die Höhe schnellen. Oft vergessen wird dabei jedoch eines: Die Technologie, die General Motors durch die Entwicklung des Volt gewonnen hat, findet sich natürlich auch in anderen Fahrzeugen des Konzerns wieder. Und wird natürlich auch für die zweite Generation des Volt genutzt werden. An dieser Stelle wird die von Reuters und den Analysten angestellte Rechnung falsch, da der Chevrolet Volt mit überproportional hohen Kosten bedacht wird, die so de facto aber nicht existieren.

Dabei geben dieselben Analysten sogar ebenfalls an, dass die reinen Produktionskosten eines Volt zwischen 20.000 – 32.000 Dollar je Fahrzeug liegen. Ein Wert, der unterhalb des Verkaufspreises liegt. Theoretisch könnten die Entwicklungskosten je Fahrzeug bei einem Basispreis von 39.995 Dollar folglich zwischen 19.995 Dollar und 7.995 Dollar liegen, ohne dass General Motors einen Verlust machen würde. Dafür müsste man aber unterstellen, dass GM mit dem Volt nicht nur Erfahrungen sammeln und Technologie entwickeln, sondern auch einen Gewinn erzielen möchte.

Stellt sich nur die Frage, wieso General Motors die falschen Behauptungen nicht mit Zahlen belegt, sondern nur von „grob irreführenden Zahlen“ spricht.

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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