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Die Sache mit dem Mittelwert im Winter

Ich habe nochmal genauer über die Wintervorbereitungen von Verkehrsunternehmen – insbesondere der Bahn und diverser – nachgedacht und bin zu folgendem Schluss gekommen: am Chaos ist der Mittelwert schuld!

Winter Flughafen Schnee Eis Korean Air B-777 HL7751„Korean Air“ B-777 HL7751 während des Enteisungsvorgangs am Flughafen Moskau-Scheremetjewo – Flickr – Aleksander MarkinCreative Commons

Um dies näher erklären zu können, muss ich etwas vorausschicken: will niemand. wird als notwendiges Übel angesehen, um von einem Ort zu einem anderen zu kommen. Da als nichts Positives angesehen wird, ist er lästig. Und soll daher möglichst schnell, einfach, billig und jederzeit verfügbar sein.

Verkehrsunternehmen und Infrastrukturbetreiber bewegen sich also in einem Spannungsfeld ökonomischer Interessen. Auf der einen Seite stehen die Kunden, deren Beförderungszeit möglichst gering sein soll und die nur einen möglichst geringen Preis für die Dienstleistung bezahlen möchten. Egal ob dies nun die Flughafengebühren für eine Fluggesellschaft oder der Fahrpreis für einen Bahnkunden, der von Frankfurt nach möchte, sind.

Auf der anderen Seite befinden sich die Eigentümer des Verkehrsunternehmens oder der . Diese erwarten möglichst hohe Gewinne, die in Form hoher Dividenden an sie ausgezahlt werden. Diese sind durchaus legitim, da sich Investitionen im Verkehrssektor nur über sehr lange Zeit amortisieren.

In diesem Spannungsfeld operiert das Verkehrsunternehmen. Um die gegensätzlichen Interessengemengen unter einen Hut zu bringen, orientiert sich das Unternehmen zum Mittelwert hin. Dieser wird aus den Erfahrungen der letzten Jahr gewonnen, seien es nun Temperaturen, Schneemengen, etc. Die Planungen dieser Unternehmen basieren also zum Großteil auf Wahrscheinlichkeiten.

Die der letzten Jahre waren im Vergleich zu früheren Wintern sehr mild. 2008 war der fünftmildeste seit 1901 1, der Winter 2009 war kalt, trocken und sonnenscheinreich 2 und der Winter 2005 war ebenfalls sehr sonnenscheinreich und trocken 3.

Aus diesen Werten wurde der Mittelwert gebildet und als Rechenmodell für den diesjährigen Winter angelegt. Aufgrund dieser Werte wird zum Beispiel das Enteisungsmittel für Flugzeuge bestellt, die technischen Daten von Zügen oder die Heizkraft von Weichenheizungen definiert. Eine Abweichung vom Mittelwert wie in diesem Jahr mit viel Schnee, Eis und niedrigen temperaturen sorgt folglich für Chaos und erhebliche Verspätungen.

Natürlich könnten sich Deutsche Bahn und deutsche Flughäfen ebenfalls auf alle möglichen unwahrscheinlichen Ereignisse vorbereiten, nur kostet dies Geld. Dies müssten letztendlich die Kunden über höhere Fahrpreise oder Aktionäre, im Falle der Deutschen Bahn die Bundesrepublik Deutschland, mit einer geringeren Dividende bezahlen.

In anderen Ländern gab es keine gravierenden Probleme wie in Deutschland. Eventuell sollten die Fahrgäste einmal überdenken, was sie für Mobilität zu bezahlen bereit sind. Und die Bundesregierung sollte sich im Falle der Deutschen Bahn die Frage gefallen lassen, wieso sie den durch die DB AG erwirtschafteten Gewinn nicht im Unternehmen  belässt und das Bahnmanagement dazu zwingt, diese Mittel in die Verbesserung der Infrastruktur und des deutschen Bahnsystems zu investieren.

  1. Jahresbericht 2008 – Deutscher Wetterdienst – http://www.dwd.de/bvbw/generator/DWDWWW/Content/Oeffentlichkeit/KU/KUPK/Wir__ueber__uns/Jahresberichte/Jahresbericht__2008,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Jahresbericht_2008.pdf
  2. Jahresbericht 2009 – Deutscher Wetterdienst – http://www.dwd.de/bvbw/generator/DWDWWW/Content/Oeffentlichkeit/KU/KUPK/Wir__ueber__uns/Jahresberichte/Jahresbericht__2009,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Jahresbericht_2009.pdf
  3. Jahresbericht 2005 – Deutscher Wetterdienst – http://www.dwd.de/bvbw/generator/DWDWWW/Content/Oeffentlichkeit/KU/KUPK/Wir__ueber__uns/Jahresberichte/Jahresbericht__2005,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Jahresbericht_2005.pdf

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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