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…und was das Jahr 2011 nicht erfüllen können wird

Gestern habe ich einen Artikel mit Wünschen und Hoffnungen für das Jahr 2011 veröffentlicht. Mir ist natürlich klar, dass diese Wünsche nicht hundertprozentig umgesetzt werden, aber dennoch sehe ich eine große Chance, dass sich meine Hoffnungen für das Jahr 2011 erfüllen.

Keine oder nur sehr wenig Hoffnung habe ich jedoch für die Umsetzung dieser Wünsche für das Jahr 2011, die eigentlich nötig wären, für deren Umsetzung aber der Wille in der und breiten Teilen der Bevölkerung fehlt.

Deutsche Bahn

Leider rechne ich auch im Jahr 2011 nicht mit großen Verbesserungen bei der Deutschen Bahn. Zwar hat die Deutsche Bahn angekündigt, in den kommenden fünf Jahren insgesamt 330 Millionen Euro zu investieren um „die Gesamtsituation für die Kunden“ zu verbessern, dies ist aber nur ein kleiner Tropfen auf einen heißen Stein, wenn man sich die strukturellen Probleme der Deutschen Bahn einmal genauer ansieht.

Bahntower am Potsdamer Platz in Berlin - Hauptsitz der Deutschen Bahn AGBahntower am Potsdamer Platz in Berlin – flickr – Wolfgang StaudtCreative Commons

Die ist wie der so oft als Bild bemühte Öltanker – schwerfällig und mit langem Bremsweg, wenn es mal in die falsche Richtung geht. Zumal die Politik anscheinend nicht gewillt ist, mehr in das deutsche Eisenbahnwesen zu investieren. Der Wandel von der Beamteneisenbahn hin zur Optimierungs-BWL-Mittelwerteisenbahn wird sich so schnell nicht rückgängig machen lassen. Wenn man dies denn überhaupt will. Eine Rückbesinnung auf die strukturellen Aufgaben der Eisenbahn, die zur Erfüllung derselben ausreichend finanzielle Mittel benötigt, wird es wohl auch 2011 nicht geben.

Umweltfreundlichere

In vielen Städten wurden in den letzten Jahren Umweltzonen als Maßnahme zur Einhaltung der Luftgrenzwerte für Feinstaub und Stickstoffoxid eingerichtet. In eine dürfen nur Kraftfahrzeuge bestimmter Schadstoffgruppen einfahren. Die Schadstoffgruppen orientieren sich an der Euro-Abgasnorm sowie dem Feinstaubausstoß des Fahrzeugs. Damit hofften viele Städte in Deutschland die Emissionsgrenzen der EU-Luftqualitätsrichtlinie von 1999 einhalten zu können. Es hat sich allerdings gezeigt, dass die eingeführten Umweltzonen nicht den gewünschten Erfolg mit sich bringen. In Hannover wurden zum Beispiel die Grenzwerte an 33 von 35 erlaubten Tagen trotz Umweltzone überschritten.

Umweltzonen in deutschen Städten Stand Januar 2011Eingerichtete oder rechtskräftig beschlossene Umweltzonen in deutschen Städten – Stand Januar 2011 – Markus Baumer – Wikimedia Commons – Creative Commons

Die der meisten deutschen Städte ist katastrophal. Dem Autoverkehr wird zumeist die höchste Präferenz zugestanden. Der , und Radfahrer stehen meist hinten an. Zwar wurden in den letzten Jahren zahlreiche Radwege angelegt, diese sind allerdings bisweilen brandgefährlich und in einem schlechten Zustand. Ich weiß, dass viele Kommunen knapp bei Kasse sind und mit immer weiter steigenden Belastungen zu rechnen haben.

Dazu kommt noch der harte Winter, der viele Straßen in Buckelpisten verwandelt hat und den Autofahrern die Zornesröte ins Gesicht treibt. Aber ich frage mich eins: wenn der Autoverkehr die Lebensqualität der Menschen derart negativ beeinflusst, dass Grenzwerte nicht eingehalten werden können und viele Menschen unter dem Lärm der vorbeifahrenden Autos und LKW leiden, wieso handeln die Verantwortlichen nicht?

Das notwendige Instrumentarium steht doch bereit. Innenstadtmaut, dynamische Parkgebühren, ausgeweitete und verschärfte Umweltzonen, sichere, d.h. physisch vom Radverkehr getrennte, Radwege, die Einrichtung von Fußgängerzonen und verkehrsberuhigten Straßen, eine Stärkung des ÖPNV, etc.pp.

Andere Städte wie London oder Kopenhagen haben es uns doch vorgemacht. Leider ist der Wähler zumeist Autofahrer. Und hat mit dem ADAC eine schlagkräftige Lobbyorganisation im Rücken. Daher erwarte ich auch 2011 keine Verkehrspolitik, die anstatt dem Auto dem Menschen dient.

Das Auto als Statussymbol

Eng mit dem Problem der umweltfreundlichen Stadt ist die Stellung des Autos in der Gesellschaft verbunden. Ausdrucksmittel für Individualität und grenzenlose Freiheit, das sich mehr und minder in das öffentliche Bewusstsein gefressen hat und von dort nicht mehr verschwinden möchte.

Ich kann dies ganz einfach an einem Beispiel festmachen: ein Auto dient vordergründig der Mobilität, ist also eigentlich nur ein Mittel zum Zweck der Ortsveränderung. In vielen Ländern wird das Auto als genau das gesehen, ein Werkzeug. In Deutschland ist das Auto aber mittlerweile so emotionalisiert, dass sich der gemeine Deutsche sein liebstes Spielzeug nicht madig machen lassen möchte.

Stau Creative Commons Bangkok PKW AutomobilBildquelle: flickr – Piyapat Ch.Creative Commons

Ich bin allerdings kein Kritiker des Automobils an sich, sondern des Autokults, der sich weltweit festgesetzt hat. In China gilt das Auto ebenfalls als Statussymbol für den Aufstieg von dem immer mehr Menschen zurecht träumen. Die USA sind heute die Auto-abhängigste Nation auf diesem Planeten. Dies äußert sich mit all seinen Nachteilen wie Umweltverschmutzung, der hohen Ölabhängigkeit, einer induzierten hohen Fettleibigkeit und anderen negativen Effekten.

Insgesamt wird es in einigen Jahren mehr als zwei Milliarden auf diesem Planeten geben. Wir müssen uns fragen: Wollen wir das wirklich?

Die meisten PKW fahren derzeit noch mit fossilen Brennstoffen, meistens Erdöl. Wir werden dieses in einigen Jahren mit Strom substituieren. Auf diese Art und Weise werden wir die Abhängigkeit von Öl und eventuell auch den CO2-Ausstoß durch individuelle Mobilität senken können. Andere Probleme wie Staus, fehlender Parkraum, die Zerstörung von Lebensraum durch Parkplätze, Versiegelung von Flächen durch den Straßenbau, etc. werden weiter bestehen.

Als ersten Schritt, diese Probleme zu lösen, sollten wir die Stellung des Automobils in unserer Gesellschaft überdenken und das Auto als das sehen was es ist: ein Werkzeug.

In 2011 wird dies meiner Meinung nach allerdings nicht geschehen.

Kompetente Verkehrspolitik

Ein ewiger Wunschtraum meinerseits wird der Wunsch nach einer kompetenten Verkehrspolitik bleiben. Eventuell sitze ich hier aber auch einem Irrglauben auf. Ich persönlich habe jedenfalls das Gefühl, dass verkehrlichen Problemen auf politischer Ebene erstens nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wird und zweitens die falschen Schlüsse gezogen werden.

Die Politik definiert die Richtung in die sich unser Land entwickeln soll. Sie hat eine allgemeine Vision zu definieren. Diese Vision sehe ich nicht. Von einem ganzheitlichem Konzept einmal zu schweigen.

Merkelwalze Verkehrspolitik Bundeskanzlerin Merkel

Sinnbild für Konzeptlosigkeit: ANGELA MERKEL – flickr – Goetz KlugeCreative Commons

Diese Konzeptlosigkeit ist nicht nur auf die oberste Ebene beschränkt. Auch im kommunalen und regionalen Bereich wird sehr viel Mist gebaut. Hier fallen mir zuerst diverse Regionalflughäfen ein, für die der Bedarf nicht gegeben ist. Da sich Regionalfürsten jedoch gerne mit solchen Prestigeobjekten schmücken, werden diese Zuschussgeschäfte erbarmungslos durchgezogen. Auch wenn es in den kommunalen Haushalten schon an allen Ecken und Enden kracht.

Ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckert, hat sich die politische Kaste mit Stuttgart 21. Ein Großprojekt kann schlecht gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt werden. Kommunikationstechnisch war dies ein Super-GAU.

Es bleibt zu hoffen, dass die beschränkten finanziellen Mittel einige Politiker wieder zum klaren Denken verleiten. Und ihre Politik besser kommunizieren. Auch wenn ich es nicht ganz glauben mag.

PKW-

Wenn man vorurteilsfrei über eine nachdenkt, fallen einem sofort zwei Vorteile ein: zusätzliche Einnahmen für die klamme Staatskasse, aber auch Lenkungsmittel für den und zur Reduzierung von Staus oder zur Verminderung der Umweltbelastung.

ERP Singapur Mautbrücke CheckpointMautbrücke in Singapur

Eine zeit- und ortsabhängige Maut könnte für eine effizientere Verkehrssteuerung und besseren Auslastung der vorhandenen Straßen sorgen. Dadurch würde augenblicklich die Transportkapazität des Straßennetzes ansteigen, ohne das Straßennetz weiter ausbauen zu müssen. Stark belastete Strecken würden zu Verkehrsspitzenzeiten mehr Maut kosten als schwachbelastete Strecken in „Tagesrandlagen“. Damit würde sich der Verkehr breiter verteilen und Kapazität auf der bisher stark nachgefragten Strecke frei werden lassen. Sicher ein interessantes Mittel zur Verkehrssteuerung.

Da die Forderung nach einer PKW-Maut nicht sehr populär ist, denke ich allerdings nicht, dass 2011 ein Schritt in diese Richtung unternommen werden wird.

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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