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[Frage – Antwort] Zur Amerikalastigkeit dieses Blogs

Gestern hat mich die erste Frage von Hannes erreicht:

Hallo,

schönen Blog habt ihr da. Was ich mich aber schon länger gefragt habe: Wieso berichtet ihr so viel über die ? Die Artikel scheinen mir schon sehr amerikalastig zu sein. Wir haben doch auch in viele interessante Projekte wie Stuttgart 21 (dazu hab ich bei euch noch nix gefunden) oder viele andere Dinge. In Bremen wird das ganze -Netz ausgebaut. Wäre doch mal interessant, auch darüber mal etwas hier zu lesen, oder?

Viele Grüße

Hannes

Hallo Hannes,

du hast natürlich Recht, dass dieses Blog sehr viele Artikel über Verkehrsprojekte in den USA behandelt.

Dies hat aber viele unterschiedliche Gründe. Zum einen ist in den USA der Bau einiger Hochgeschwindigkeitslinien geplant. Ein Land, von so großer Bedeutung, dass noch keine einzige HS-Strecke hat! Dies ist eine große Umwälzung in den USA. Zumal diese Projekte hochpolitisch sind und energisch diskutiert werden. Natürlich befinden sich auch in Deutschland einige Strecken in Bau (Nürnberg – Erfurt) oder sind in Planung (Y-Trasse, Mannheim, etc.) Diese geplanten Strecken bringen auch eine gehörige Portion Sprengkraft mit sich und sind definitiv einen Artikel wert. Ich persönlich finde sie auch interessant.

Das Problem, das ich allerdings habe, ist die unterschiedliche Mentalität. In den USA existieren viele Bürgervereinigungen, Organisationen und „grüne“ Unternehmen, die versuchen amerikanische Großstädte lebenswerter zu machen. Sie schreiben viele Blogs, drehen Videos und sind sehr präsent. In Deutschland ist dies eher nicht der Fall. Hier existieren zwar auch Bürgerinitiativen, diese haben aber meist ein anderes Ziel. Es geht ihnen um die Verhinderung oder Umgestaltung von Bahntrassen (z.B. die Anbindung des Fehmarnbelts) oder als ganz prominentes Beispiel: Stuttgart 21. Ich finde diese Bewegungen durchaus legitim! In Deutschland gestalten sich Verkehrsprojekte jedoch anders als in den USA.

In den USA wird meistens öffentlicher Druck aufgebaut, dass sich etwas bewegt. Dieser wird von der Politik aufgenommen und erst dann ändert sich etwas. In Deutschland geschieht sehr viel Planungsarbeit hinter verschlossenen Türen (die es meiner Meinung nach dringend aufgestoßen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht gehört), erst im Planfeststellungsverfahren regt sich wirklicher öffentlicher Widerstand. Begleitet werden diese Vorhaben meistens nur von der Lokalpresse oder speziellen Magazinen, wie Stadtverkehr o.ä. Und der Bau einer neuen Autobahn wird hier bestimmt nicht begleitet werden. :-)

Ich sehe auch, dass viele Projekte und Bauvorhaben mehr Aufmerksamkeit benötigen. Aber es ist für mich als Einzelperson sehr schwer, dies zu leisten. Ich kann schlecht von meinem Schreibtisch in Dresden aus, Verkehrsprojekte in Essen, Bremen oder Passau begleitet. Dafür benötigt man Menschen vor Ort. Ich möchte hier auch nochmals auf die Möglichkeit verweisen, einen Gastartikel auf Zukunft Mobilität zu veröffentlichen. Eventuell wäre dies für das eine oder andere Projekt eine Einstiegsmöglichkeit… ;-)

Auch dauern solche Projekte in Deutschland viel länger. Die Umwandlung einer gefährlichen Haltestelle in eine autofreie Zone in Dresden dauert bisher 17 (!) Jahre bis überhaupt klar ist, was gebaut werden soll. Zu sehen ist bisher aber noch nichts…geschwegie denn etwas gebaut.

Dieser Blog heißt Zukunft Mobilität. Das bedeutet, dass ich mich mit der Zukunft beschäftige. Und Zukunft steht bei mir für Fortschritt. Ich muss sehen, dass sich etwas nach vorne bewegt. Ich bin natürlich mit gewissen Umständen wie Suttgart 21 nicht einverstanden,aber zu diesem Thema haben so viele Leute schon etwas geschrieben, dass ich es nicht mehr machen muss.

Ich verfolge mit diesem Blog eine gewisse Agenda (die ersichtlich ist, aber die ich eventuell nochmal ausformuliere..) und ich würde gerne viele Dinge, die in den USA transparent umgesetzt werden, in Deutschland auch umgesetzt sehen. Und natürlich befinden wir uns in Deutschland auf einem ganz anderem Niveau. Wir haben Straßenbahnen, ein engmaschiges Eisenbahnnetz und lebenswerte Straßenzüge. Dies gilt natürlich nicht für die ganze Bundesrepublik und hier gilt es noch viel anzupacken. Aber in den USA ist oft gar nichts vorhanden. 16spurige Straßen sind nun mal keine Lebensqualität. Radwege (ich weiß: in Deutschland oftmals genauso schlimm wie in den USA) und leisungsfäher ÖPNV dagegen schon.

Ich hoffe, deine Frage damit beantwortet zu haben. Ist ein bisschen länger geworden, daher nochmal eine kurze und prägnante Antwort: die Informationen in den USA fließen freier und besser, die Projekte sind von einer gewissen Größe und nicht allzu kleinteilig und sie entsprechen meist dem Ziel dieses Blogs: Lebensqualität schaffen.

Viele Grüße,

Martin

Übrigens: auch ihr könnt mir eine Frage stellen.

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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Grimme Online Award Preisträger 2012

Zukunft Mobilität hat den Grimme Online Award 2012 in der Kategorie Information erhalten. Ich möchte mich bei all meinen Lesern für die Unterstützung bedanken!

PUNKT Preisträger 2012

Zukunft Mobilität hat den PUNKT 2012 der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) in der Kategorie "Multimedia" gewonnen.

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Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.V. (VDV) hat mich im Rahmen der VDV-Jahrestagung 2013 in Mainz als “Talent im ÖPNV” des Jahres 2013 ausgezeichnet. Der VDV vertritt rund 600 Unternehmen des Öffentlichen Personennahverkehrs, des Schienenpersonennahverkehrs, des Schienengüterverkehrs, der Personenfernverkehrs sowie Verbund- und Aufgabenträger-Organisationen.

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