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Von vielen vergessen: Die Bedeutung der Seeschifffahrt für unsere Gesellschaft

Containerschiff Creative Commons

Foto: Lance Cunningham @ Flickr – CC BY-NC-SA 2.0

Unsere und Gesellschaft ist in höchstem Maße abhängig vom Handel. Rohstoffe, Industrie- und Konsumgüter werden in allen Teilen des Erdballs gefertigt, abgebaut und verbraucht. Der größte Teil des weltweiten Warenaustauschs wird durch die Handelsschifffahrt geleistet, die mit etwa 98 Prozent zum interkontinentalen und mit 62 Prozent zum innereuropäischen Warenverkehr beiträgt. Nichtsdestotrotz sind wir uns der Bedeutung, welche der Seehandel für uns hat, oftmals nicht bewusst.

Die Autorin Rose George versuchte in ihrem TED-Talk das Bewusstsein für unsere Abhängigkeit von globalen Logistikketten und insbesondere der Seeschifffahrt zu schärfen. 90% des Welthandels werden über die abgewickelt, das Volumen hat sich seit 1970 vervierfacht.

Die Schifffahrt hat ebenso wie viele andere in den vergangenen Jahren eine massive technische Aufrüstung erfahren. Crews mit wenigen Mitgliedern können mit geringem spezifischem Energieverbrauch große Gütermengen über weite Entfernungen transportieren. Die Schifffahrt ist pro Tonnenkilometer extrem effizient, weitaus effizienter als alle anderen Verkehrsträger.

So wie uns die Bedeutung der Schifffahrt für unsere Volkswirtschaft nicht in vollem Umfang bewusst ist, so uninformiert sind wir auch im Bereich der Schifffahrtsemissionen. Denn 15 der größten Schiffe weltweit emittieren in einem Jahr so viele Stickstoffoxide und Schwefeldioxid wie etwa 760 Millionen zugelassene Pkw 1

Rose George gibt eine interessante Einführung in die Welt und die Bedeutung der Seeschifffahrt. Für Logistiker und „Profis“ mag es zwar nur wenige neue Erkenntnisse geben, alle anderen können vom 11:23 Minuten langen Vortrag sicherlich profitieren und hoffentlich die Motivation erlangen, sich weiter mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

  1. Lack, D. A., et al. (2009), Particulate emissions from commercial shipping: Chemical, physical, and optical properties, J. Geophys. Res., 114, D00F04, doi:10.1029/2008JD011300. – http://saga.pmel.noaa.gov/publications/pdfs/2009/lack_etal_2009.pdf

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

3 Kommentare

  1. Helmigo

    Hallo Martin

    Du schreibst: „Unsere Wirtschaft und Gesellschaft ist in höchstem Maße abhängig vom Handel. Rohstoffe, Industrie- und Konsumgüter werden in allen Teilen des Erdballs gefertigt, abgebaut und verbraucht.“

    Sind wir wirklich davon „abhängig“? Wie viel % dieser Ferntransporte finden statt, weil unentbehrliche Rohstoffe nur weit weg vorkommen und wie viel deshalb, weil arbeitsintensive Produktion immer mehr in Niedriglohnländer verlagert wird, und wie viel einfach nur deshalb, weil der Transport so unglaublich billig ist? Ich schätze, dass min. 90% dieser Transporte ein überflüssiger Luxus sind, den wir uns in Wahrheit ökologisch nicht leisten können.

    Nun aber noch eine, fast ein bisschen gegensätzliche Frage: „Denn 15 der größten Schiffe weltweit emittieren in einem Jahr so viele Stickstoffoxide und Schwefeldioxid wie etwa 760 Millionen zugelassene Pkw“
    Die Zahl 760 Mill. erscheint mir viel zu hoch und ich konnte im angegebenen Beleg den Nachweis nicht finden.

    Schöne Grüße

    Antworten
    • Martin Randelhoff

      Hallo Helmigo,

      zurzeit ist unsere Wirtschaft natürlich in hohem Maße vom Welthandel abhängig. Auf der einen Seite natürlich vorrangig auf Energierohstoffseite, auf der anderen Seite auch durch unsere Wirtschaftsstruktur, die einen vergleichsweise hohen Exportanteil hat. Natürlich wird der Großteil des Handelsvolumens vorrangig mit den deutschen Nachbarstaaten innerhalb der EU erzielt, aber insbesondere für Exporte in die USA, nach Asien und den Nahen Osten sind wir vom Seetransporte abhängig.

      Ich persönlich fände es auch wünschenswert, wenn wir zu lokalen und möglichst geschlossenen Wirtschaftskreisläufen kommen würden. Oder eben die Fertigung möglichst nahe am Absatzmarkt stattfindet. Der deutsche Maschinenbauer Voith ist ja auch derzeit in diesem Transformationsprozess: http://www.brandeins.de/archiv/2013/zeitgeist/made-vor-ort.html

      Natürlich ist die Produktion in weit entfernen Entwicklungsländern bzw. Schwellenländern für profitgetriebene Unternehmen deswegen so attraktiv, weil nicht nur die lokalen Lohnkosten, sondern auch die Transportkosten so minimal sind. Pro T-Shirt bewegen sich die gesamten Transportkosten bei einem einstelligen Cent-Betrag. Und natürlich sind dort nicht alle Kosten – vor allem die angesprochenen Umweltkosten – internalisiert. Meiner Meinung nach müsste man hier endlich mit dem globalen Emissionshandel vorankommen und entsprechende international geltende Grenzwerte beschließen und vor allem auch durchsetzen. Es wird auch spannend zu sehen, wie sich die globalen Warenströme bei steigenden Löhnen in den vormals Billiglohnländern verschieben werden und welchen Einfluss der Klimawandel und die damit verbundenen Wetterextreme auf die Transportsicherheit und den gesamten Seehandel haben werden. Hier könnte sich in den kommenden Jahrzehnten durchaus etwas ändern…

      Bzgl. der 760 Millionen Pkw / 15 Schiffe: „Britain and other European governments have been accused of underestimating the health risks from shipping pollution following research which shows that one giant container ship can emit almost the same amount of cancer and asthma-causing chemicals as 50m cars.

      Confidential data from maritime industry insiders based on engine size and the quality of fuel typically used by ships and cars shows that just 15 of the world’s biggest ships may now emit as much pollution as all the world’s 760m cars. Low-grade ship bunker fuel (or fuel oil) has up to 2,000 times the sulphur content of diesel fuel used in US and European automobiles.“

      „The calculations of ship and car pollution are based on the world’s largest 85,790KW ships‘ diesel engines which operate about 280 days a year generating roughly 5,200 tonnes of SOx a year, compared with diesel and petrol cars which drive 15,000km a year and emit approximately 101gm of SO2/SoX a year.“

      >> http://www.theguardian.com/environment/2009/apr/09/shipping-pollution

      Viele Grüße,
      Martin

      Antworten
  2. Helmigo

    Also SOx aber nicht um NOx.
    „Bis zu“ Werte sind immer unseriöse Vergleiche. Man vergleicht den den unteren Extremwert auf der einen Seite mit dem oberen Extremwert auf der anderen Seite. Seriöse Vergleiche arbeiten bei den beiden zu vergleichenden Werten möglichst mit den Mittelwerten.
    101g SOx auf 15.000 PKW km
    Bei einem Verbrauch von 7kg/100km sind das ca. 0,1g SOx pro kg verbrannten Treibstoff beim PKW
    Wenn das Verhältnis 1:2000 stimmt, dann muss beim Verbrennen von 1 kg Treibstoff von einem Schiff 200g SOx frei gesetzt werden. SO2 besteht zu genau 50 Gewichts% aus S, bedeutet in dem im Schiff verbrannten Schweröl müsste 10% Schwefel enthalten sein. Das ist nicht plausibel.
    Trotzdem weiter – die 101g SOx pro PKW sind Werte aus USA und der EU. Diese Werte auf alle PKW Weltweit hoch zu rechnen ist noch einmal extrem unseriös.
    Und als Tüpfchen auf dem i wird dann in dem Medien ganz schnell aus dem SOx vergleich ein SOx und NOx Vergleich und dann „cancer and asthma-causing chemicals“ und schlußendlich einfach „pollution“.

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