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[Lift France 2011] Die Stadt der Zukunft entwickeln

Kurz vor meinem Urlaub fand in Marseille die diesjährige Lift France-Konferenz statt. Lift-Konferenzen beschäftigen sich hauptsächlich mit den Effekten, die digitale Technologien und das Internet auf die Gesellschaft haben.Logo der LIFT France 2011 KonferenzInteressanterweise dringen digitale Technologien auch immer weiter in den Verkehrssektor vor. Sei es die Vernetzung verschiedener Verkehrsträger zur Bildung multimodaler Transportketten, die Analyse von Straßenverhältnissen zur Stauvermeidung oder noch einen Schritt weiter, die Vernetzung von alles mit jedem zu sogenannten MESH-Netzwerken.

Auf dieser Konferenz wurden sehr interessante Vorträge und eine sehr interessante Keynote zu den Themen und Verkehr vor dem Hintergrund der digitalen Entwicklung(smöglickeiten) gehalten. Wir möchten bessere Städte haben. Sie sollen grüner, sicherer, dynamischer und leichter erreichbar sein. Um dies zu erreichen, reichen großartige Ingenieurskunst und zielstrebige Planungen nicht aus. Heutzutage versuchen wir allerdings mit genau diesen Mitteln eine „intelligente Stadt“ zu schaffen, die all die gewünschten Eigenschaften besitzt. Wir werden vermutlich scheitern.

Was wir brauchen, sind Vertrauen und enge Zusammenarbeit, eine gerechte Aufteilung der vorhandenen städtischen Ressourcen (Hardware, Software, Informationen), gegenseitige Rücksichtnahme und das Hören auf die Bedürfnisse anderer, ein Umfeld, welches Innovationen zulässt und weiterentwickelt, eine belastbare politische Umsetzung und vieles vieles mehr. 

Die Keynote mit dem Thema „Wer muss in den Städten von morgen  „intelligent“ sein?“ (Vortragsfolien) wurde von Saskia Sassen gehalten. Saskia Sassen ist eine amerikanische Soziologin, die sich bereits seit den achtziger Jahren mit den Themen Globalisierung und der Stadtentwicklungen befasst. Dabei hat sie unter anderem den Begriff der „Global Cities“ definiert.

In ihrer Keynote beschäftigt sie sich unter anderem mit der Frage, welche moderne Technologien wirklich verstädtert sind (mir fällt keine bessere Übersetzung für das Wort urbanised ein). Städte sind nicht nur die Infrastruktur und die Gebäude, sondern auch die Menschen, ihr Verhalten und ihre Identität, etc. Daher ist es möglich, dass eine Stadt „mit einem über ihre Wünsche und Bedürfnisse kommuniziert“  und eine Art „cityness“ existiert.

Interessant sind aber auch die Vorträge von , , und .

Adam Greenfield hielt einen Vortrag zum Thema „Öffentliche Güter: miteinander verbundene Güter und bürgerliche Verantwortung in einer vernetzten Stadt“ (Vortragfolien).

Inspiriert von Lefebvres Konzept „The Right to the City“, macht er sich Gedanken über eine Moral der Dinge und eine Klassifizierung der Abläufe innerhalb einer Stadt.

Interessant sind auch seine Ansichten welchen Nutzen öffentliche Güter für die Gesellschaft haben sollen. Öffentliche Güter sollen so gestaltet werden, dass sie offen für alle, einfach zu handhaben und leicht zu erreichen sind.

Städte wurden früher nach den Bedürfnissen der Menschen errichtet, heute versuchen Stadtplaner und Architekten Struktur in dieses „Chaos“ zu bringen. Aber ist dies eigentlich erstrebenswert? Ist eine chaotische und organisch gewachsene Struktur einer geplanten und somit übergestülpten Struktur überlegen?

Diese Fragen und weitere warf die von mir sehr geschätzte Robin Chase, Gründerin von ZipCar (siehe auch Zipcar-Gründerin Robin Chase über Carsharing und Netzwerktechnologie zur Verkehrssteuerung) auf. (Vortragsfolien)

Konzept der ökonomischen Logik von Robin ChaseWirtschaftliche Logik durch Nutzung der Zugangskapazität – Robin Chase

Ihrer Meinung nach wird die global vernetzt und gleichzeitig auf lokaler Ebene funktionieren und sich ständig anpassen (müssen). Urbane Räume werden auf der einen Seite durch nachhaltig bewirtschaftete und lokal agierende Unternehmen versorgt und auf der anderen Seite vollständig vernetzt sein. Über der ganzen Stadt spannt sich ein Netz aus mobilen Empfangsgeräten und Sensoren, die über das Internet miteinander verbunden sein werden.

Alain Renk hat seinen Vortrag auf französisch gehalten, was bei einer französischen Konferenz sicherlich nicht unüblich sein dürfte. Da mein Französisch leider nur die Grundlagen abdeckt und sein Thema etwas speziell ist, kann ich zu seinem Vortrag leider keine persönliche Zusammenfassung geben.

Aber es gibt ja die Vortragsankündigung:

Alain Renk ist Stadtplaner und Architekt. In seiner Präsentation stellt er „Villes sans limite“ vor, eine Plattform, die Bürgern ermöglichen soll in Zusammenarbeit mit Architekten ihre Nachbarschaft zu verbessern. (Vortragsfolien) Dieses Tool unterstützt die Menschen dabei, ihre Ideen einzubringen und ihre unmittelbare Umgebung architektonisch und stadtplanerisch mitzugestalten.

Der letzte Vortrag zu diesem Themenkomplex auf der -Konferenz stammt von Frédéric Mazzella (Vortragsfolien). Er entwickelte eine neue -Plattform mit dem Namen Covoiturage.fr entwickelt, die mittlerweile 1,2 Millionen Mitglieder umfasst. Er sprach über die Möglichtkeiten, die Carpooling bei der Vorhersage des Straßenverkehrs spielen kann. Durch eine Analyse des Nutzungsverhaltens kann bestimmt werden wie viele Menschen wann wohin gelangen wollen.

Dadurch ist eine genauere Vorhersage des Straßenverkehrs möglich.

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

Ein Kommentar

  1. Lehmann Mario

    das hätten wir in Dresden seit 2007 haben können. Auch die Gedanken zur Digitalität sind überhaupt nicht neu.
    Nur, warum sollte man meinem ersten Satz für gut befinden? Will sich da etwa jemand (ich) in den Vordergrund rücken? Das sind doch Gedanken, die beim deutschen Leser erzeugt werden. Der Deutsche investiert in keine Personen, sondern er investiert seine Glaubwürdigkeit in den Staat.
    Wollen Sie aber mit der sächsischen Region weiter kommen (Wirtschaftspolitik), müssen Sie sich diese Gedanken machen.
    Mittelmaß wird uns Sachsen nicht weiter bringen.

    So sagte ein amerikanischer Ökonom: Ich sehe zwei Seiten. Eine Seite möchte freie Marktwirtschaft und die andere Staatskapitalismus (als Formform zum Kommunismus). Beide Seiten werden in der nächsten Zeit vermehrt aufeinander prallen. Jeder muss sich fragen, auf welcher Seite er steht.

    Ich sehe in den laufenden Förderungen (Bedingungen und Art) und dem Trend zu Verstaatlichung genau diese Gegensätze. Damit lässt sich aber kein Wettbewerb mehr erreichen und gute Technologieansätze versagen.

    Beispiel: 350T€ Fördersumme für einen Hybridbus (Kaufpreis 750T€), obwohl es 1. Alternativtechnologien gibt und 2. obwohl nicht einmal der Mitnahmetrend für Fahrräder Berücksichtigung findet.
    Wenn hier also falsch gefördert wird, tritt Technologieversagen ein. In die gleiche Richtung zielt die Absicht einiger Politiker, generell den ÖPNV „kostenfrei“ für den Bürger zu gestalten. Da es in Deutschland monopolitisch aufgezogen wird, lässt sich auch keine Individualität mehr entwickeln und der Wettbewerb ist einmal mehr tot. Mit dem Individualverkehr ist Deutschland aber einmal gross geworden.
    Seit Jahrzehnten hat es Deutschland nicht mehr geschafft, einen IT-Trend zu besetzen.
    Google Suche: „Wilhelm Scheer beklagt“
    Wenn Sie sich jetzt fragen, warum dies so ist, dann fragen Sie sich auch, was ein Schwimmen gegen den Strom bedeuten kann und was für Stilmittel Sie einsetzen würden sehr geehrter Herr Randelhoff.

    herzlich
    M.L.

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