Cykelslangen – Kopenhagener Brückenschlag für den Radverkehr~2 Minuten Lesezeit

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hat ein Ziel. Und verfolgt dieses unermüdlich. Bis Ende 2015 möchte die dänische Hauptstadt der fahrradfreundlichste Ort auf der Welt werden. Viele glauben, dass bereits heute diesen Titel verdient hat, die Stadt mit ihrer ambitionierten Radverkehrsstrategie sieht dies noch nicht so. Im Jahr 2015 sollen 50 Prozent aller Wege zur Arbeit und zur Schule / Universität mit dem zurückgelegt werden. Bis 2025 sollen sich 90 Prozent aller Fahrradfahrer in Kopenhagen sicher fühlen und die Reisezeit um 15 Prozent sinken. Die neue  wird dabei helfen.

Die Cykelslangen (dt. Fahrradschlange) ist eine Brücke für den über das innere Hafenbecken von Kopenhagen. Das Bauwerk besteht aus einer 190 Meter langen Stahlbrücke und 30 Meter langen Rampen. Der orange eingefärbte Zwei-Richtungsradweg ist vier Meter breit und befindet sich sechs bis sieben Meter über dem Wasser. Die Spannweite zwischen den Pfeilern beträgt 17 Meter. Durch die integrierte Beleuchtung ist das Befahren auch in der Nacht sehr sicher. Darüber hinaus stellt die illuminierte Brücke ein schickes Designelement im Hafen dar. Die Baukosten betrugen rund 5,1 Millionen Euro.

Die Brücke schließt die Lücke zwischen der Kalvebod Brygge und der Island Brygge. Im Jahr 2006 wurde die kombinierte Fuß- und Radverkehrsbrücke „Bryggebroen“ über den Hafen von Kopenhagen eröffnet. Diese verbindet den Stadtteil Vesterbro mit der Islands Brygge und ermöglicht kürzere Reisezeiten in Richtung der Universitäten und Ørestad, etwa 8000 nutzen die Verbindung über die Brücke täglich. Problematisch war jedoch die Nordanbindung der Bryggebroen.

Karte Cykleslangen Kopenhagen

Bereich mit der Bryggebroen, dem Fisketorvet und der neuen Cykelslangen mit direktem Anschluss an die Kalvebod Brygge. – Karte: OpenStreetMap / © OpenStreetMap-Mitwirkende

Zwischen beiden Brücken liegt der stark frequentierte Fisketorvet (dt. Fischmarkt) mit dem Fisketorvet-Einkaufszentrum, einem beliebten Freibad und vielen weiteren Anziehungspunkten. Insbesondere während der Sommermonate kam es zu häufigen Konflikten zwischen Fußgängern und den 12.500 Radfahrern, welche den Bereich pro Tag queren. Hinzu kommen bauliche Gegebenheiten, welche das Sichtfeld stark einschränken und den Radverkehr bremsen. Bis zur Eröffnung der Cykelslangen war es notwendig, das Fahrrad am nördlichen Ende des Fisketorvet Treppen hinunter- und hinaufzutragen oder einen Umweg mit hohem Konfliktpotential aufgrund des starken querenden Fußverkehrs zu fahren.

Treppe in Kopenhagen mit sehr schlechter Qualität

Treppen am nördlichen Ende der Bryggebroen, genutzt von mehreren tausend Radfahrern am Tag – Foto: Copenhagenize.com

Die Cykelslangen verbessert daher die von Fußgängern wie auch Radfahrern enorm.

Die Fläche unter der Brücke soll baulich aufgewertet und die Aufenthaltsqualität für den weiter erhöht werden.

Verfasst von

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität.
Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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RheinPirat
Gast

Danke Martin für diesen Artikel.
Kernziel der Fahrradbrücke war ja offensichtlich Konfliktsituationen durch querenden Fußgänger/Radverkehr zu vermeiden und die Radler getrennt zu führen. Piktogramme am Anfang der Brücke weisen sie als Radweg aus.
Dennoch sieht man im Video (0:20-0:25) Fußgänger samt Kinderwagen auf der Radbrücke. Klar, der Weg scheint deutlich komfortabler als der alte Fußweg (und hat sicher noch einen hohen Attraktivitätswert aufgrund seiner „Jugend“).
Aber gerade diese konkurrierende Nutzung der verschiedenen Verkehrsteilnehmer wollte man doch vermeiden. Weißt Du, wie darauf dänische Radfahrer reagieren?
Vielen Dank,
RheinPirat

Kurt
Gast

„Kopenhagen hat ein Ziel. Und verfolgt dieses unermüdlich. Bis Ende 2015 möchte die dänische Hauptstadt der fahrradfreundlichste Ort auf der Welt werden.“ …. Ob das auch die Kopenhagener wollen? Es sind sicherlich die wenigsten, die wirklich ganzjährlich radeln möchten. Bei geschätzten 120 Regentagen im Jahr, frischen Temperaturen und stetem Ostseewind ist Radfahren in Dänemarks Hauptstadt ja eigentlich keine ausgesprochene Freude.

Das ganze klingt aus meiner Sicht eher nach einem von oben verordneten „Bewegungsprogramm“ der regionalen Stadtverwaltung.

Florian
Gast

Ich war kürzlich im noch recht kühlen April in Kopenhagen und hatte nicht das Gefühl, dass sich jemand gezwungen fühlte Rad zu fahren.
Im Winter wird das ganze dadurch vereinfacht, dass Radwege vor den Straßen geräumt werden.

Abgesehen davon, dass es ein herrliches Gefühl sein
kann, Wind und Wetter getrotzt zu haben. Bei leichtem Regen mit guter Regenkleidung fährt es sich fast beschwingter als im Trockenen. So oder so gibt Fahrradfahren ein gutes Gefühl, und das speist sich nicht daraus, etwas für die Umelt oder die Fitness getan zu haben, sondern daraus den Kopf frei zu kriegen, oder wie auch immer man das beschreiben will.

Zusätzlich lieben die Kopenhagener (zumindest die mit Kindern) ihre Bil-fri-bys, d.h. Wohnblöcke bei denen die kleineren Nebenstraßen mit Ketten(!) abgesperrt sind. Eine Autozufahrt ist regulär nur in die Tiefgarage des Blocks möglich. Wegen z.B. Umzug oder im Notfall kann die Sperre geöffnet werden. Da ist man als Eltern entspannter als bei den in D üblichen „Spielstraßen“ (wenn es denn eine gibt).

Hinzukommt, dass Autos in Dänemark in der Anschaffung recht teuer sind (Im Unterhalt vermutlich auch). Daher baut Kopenhagen eben auch sehr gute Infrastruktur für diejenigen, die sich kein Auto leisten können. Oder wollen.

Florian
Gast

Danke für die statistische Untermauerung meines subjektiven Eindrucks. ;-)

cyclist
Gast

Ich war gerade in Kopenhagen. Schon morgens um sechs Uhr in der beginnenden Hauptverkehrszeit radelten bei diesem Wetter etwa die Hälfte aller Radler mit nacktem Bein über die Cykelslangen. Einen Zwang zur kurzen Hose gab es nicht auf der Cykelslangen. Ich nehme an, dass die Wikinger in Kopenhagen gerne radeln ;)

Bei gleicher Wetterlage und gleichen Temperaturen wird in Hamburg mit Outdoorkleidung geradelt.

Und später bei Regenschauern in der Stadt wurde einfach weitergeradelt. Hamburger würden dagegen die nächsten Jahre ihr Rad nicht mehr anrühren, weil es mal geregnet hatte.

Gerd Rudel
Gast

Zufällig war ich im vergangenen Jahr in Kopenhagen in genau jenem Hotel, das sich dort neben der neuen Fahrradbrücke befindet. Und ich dachte mir damals: Das gibt es ja nicht, dass man in Kopenhagen sein Rad eine Treppe hinunter tragen muss. Jetzt sehe ich, wie hier eine Lösung gefunden wurde und bin begeistert: das ist eine architektonisch wie verkehrstechnisch wunderbare Lösung.
Wie jemand hier dazu kommt, die Verkehrspolitik in Kopenhagen als ein „einem von oben verordnetes “Bewegungsprogramm” der regionalen Stadtverwaltung“ zu denunzieren ist mir schleierhaft. Wer sich nur ein paar Tage in dieser Stadt aufhält und sich vorwiegend mit dem Rad fortbewegt, wird sehr rasch merken, dass die Dänen dies bestimmt nicht gezwungenermaßen tun, sondern sehr freiwillig und sehr gern. Und das nicht zuletzt, weil auch die Autofahrer dies mit ihrem sehr rücksichtsvollen und defensiven Fahrstil unterstützen. Ich bin mir jedenfalls dort wie in einer anderen (Fahrrad-) Welt vorgekommen. Und wer nicht Fahrrad fahren kann oder will, für den gibt es in Kopenhagen ja auch ein sehr gut ausgebautes Netz von öffentlichen verkehrsmitteln…

Erhard
Gast

Das ist kein „verordnetes Bewegungsprogramm“, schließlich wird niemand zum Radfahren gezwungen. Aber eine Stadtverwaltung hat eben die Möglichkeit, verschiedenen Transportformen verschiedene Priorität zu geben. Und da ist es sinnvoll, sozial verträglichen Transportformen (z.B. Radfahren, Öffis) den Vorzug zu geben gegenüber Transportformen, die für die Allgemeinheit große Nachteile bringen (wie z.B. der Autoverkehr). Kopenhagen hat das erkannt, und entsprechend gehandelt – super!

Übrigens, es gibt auch sehr oft den Fall eines „verordneten Nicht-Bewegungsprogramms“ – nämlich eines Verkehrssystems, in dem man sich ohne Auto nicht fortbewegen kann, und zu-Fuß-gehen und Radfahren de facto unmöglich sind. Siehe mancherorts in den USA. Menschen das zu-Fuß-gehen und Radfahren de facto unmöglich zu machen ist auch eine Einschränkung der Freiheit – das sollten sich jene, die immer über die Einschränkung des Autoverkehrs jammern, auch mal zu Herzen nehmen.

Simon
Gast

Empfehle die Welt am Sonntag vom 06.04.2014 da war das Titelthema

Hans
Gast

Bei Schnee fahren ist eine wunderschöne Sache.
Selbst wenn es schneit.
Allerdings nichts für Couchpotatoes oder Fashionvictims (s. Bild oben)

Richtige Kleidung ist entscheidend für Spaß im Winter: Softshelljacke – relativ dünn, weil man sonst schwitzt. Sehr dicke Handschuhe, Socken und Stiefel. Buff oder hoher Kragen hält vorne warm.
Dünne Mütze, die über den Ohren und Stirn winddicht ist.
Eine klare Arbeitsschutz-Brille für 15,- schützt die Augen vor dem kalten Wind und den Eiskristallen.
Etwas Fettchreme ins Gesicht.
Am besten so anziehen, dass einem am Körper auf den ersten Metern etwas zu kalt ist. Nach 5 Minuten wird einem dann warm.

Unangenehm ist eigentlich nur das Spritzwasser von unten. Das durchnässt die Schuhe. Lässt sich aber relativ gut durch ein tief runtergezogenes vorderes Schutzblech verringern.

Grobstollige Reifen sind prima für Schnee.
Für blankes Eis gibt es Spike-Reifen.
Nabendynamo und LED Scheinwerfer, richtig eingestellt.
Felgenbremsen erzeugen bei Nässe starken Verschleiß.

Ideal bei Schnee < 0° ist ein Hardtail-Mountainbike mit hydraulischen Scheibenbremsen.

Sven
Gast

Es ist vollkommen richtig, dass gute Radwege und Verbindungen für Radfahrer wichtig sind. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass auch Arbeitgeber (bzw. die Institution am Ziel) einen wichtigen Beitrag leisten können, das Radfahren attraktiv zu machen.

Wenn der Arbeitgeber die richtige Infrastrktur bereitstellt (Umkleideräume, Spinde, Duschen) ist es gar kein Problem, das ganze Jahr hindurch Fahrrad zu fahren. Ich wohne in Stuttgart und fahre seit 8 Jahren täglich ca. 7 km mit dem Fahrrad zur Arbeit (eine Richtung). Bilder mit Schnee und Glätte sind Extrembeispiele. Auf das Jahr gesehen gerät man doch sehr selten in richtiges Sauwetter.

Obwohl es in Stuttgart im Jahr ca. 600 bis 750 mm Niederschlag gibt, muss ich höchsten 2 bis 3 Fahrten im Monate (von 40 Fahrten) in Regenkleidung fahren. Die Bürokleidung hängt im Spind und wird turnusmäßig ausgetauscht.

Bei diesen Betrachtungen lege ich zu Grunde, dass die meisten Menschen zwischen zu Hause und einem Ziel in der Stadt hin und her fahren. Ich denke, das trift auch für einen großen Prozentsatz der 20 bis 50-jährigen zu, die entweder in die Arbeit gehen (privat oder Öffentlicher Arbeitgeber) oder in die Ausbildung und Uni.

Wenn hier mehr getan würde, käme die Mobilität ohne Auto meines Erachtens ein gutes Stück voran.

trackback

[…] und der „Island Brygge“. Stilsicher, wie dänisches Design eben ist, stellte Kopenhagen die „Cykelslangen“ („Fahrradschlange“) in den Hafen. Das 220 Meter lange orange Band schlängelt sich 6 bis 7 […]

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