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Elektromobilität fängt in der Garage an

Die Cleantech Unternehmensberatung Apricum hat vor einigen Tagen erste Ergebnisse ihrer „E-Mobility Readiness Studie“ veröffentlicht. Diese zeigt, dass vor allem die Kommunen und andere lokale bzw. regionale Entscheidungsträger besonders wichtig für eine erfolgreiche Schaffung der für notwendigen Strukturen sind. So benötigen zum Beispiel Stromtankstellen in Deutschland Sondergenehmigungen, für die die Kommunen zuständig sind. Auch praktische Anreize für Elektroautos wie die Freistellung von Busspuren können nur von Städten und Gemeinden gesetzt werden. Allerdings fehlen diese regionalen und lokalen Entscheidungsträger bei der Nationalen Plattform bislang völlig.

Bestes Beispiel für eine erfolgreiche Einbindung lokaler Akteure ist das österreichische Bundesland Vorarlberg. Die Vorarlberger Kraftwerke AG, das Land Vorarlberg, das Vorarlberger Energieinstitut, der Verein „Kairos – Wirkungsforschung und Entwicklung“ und der Vorarlberger Verkehrsverbund ziehen für das Elektromobilitätsprojekt VLOTTE an einem Strang. Das Ziel dieser Initiative ist der Aufbau eines Service- und Vertriebsnetzes für Elektrofahrzeuge und einer Ladeinfrastruktur  sowie die Bereitstellung von sogenanntem „grünen“ Strom  aus erneuerbaren Energiequellen. Im Ergebnis trifft Elektromobilität dort bereits heute auf breite Akzeptanz in der Bevölkerung, die Warteliste für eine Teilnahme am Modellprojekt ist lang. Ein weiterer Erfolgsfaktor bei VLOTTE ist die dezentrale Verantwortung für Budgets.

Was aber nützen die besten lokalen Rahmenbedingungen ohne geeignete Fahrzeuge? „Nur wenn Elektroautos in der Breite verfügbar und finanzierbar sind, wird sich die Bevölkerung für Elektromobilität öffnen“, verdeutlicht Dobrott. Lokale Akteure sollten deshalb unbedingt in die Debatte um Kaufanreize für Elektroautos einbezogen werden. Vor dem Hintergrund, dass es in absehbarer Zeit nur ausländische, nicht aber deutsche Elektroautomodelle in Serienreife geben wird, spricht sich die deutsche Automobilindustrie bislang gegen die direkte Subventionierung von Fahrzeugen aus. Die Herkunft der Fahrzeuge ist zur Marktvorbereitung jedoch vorerst zweitrangig – mittelfristig könnten ausländische Elektrofahrzeuge deutschen Elektroautos den Markteinstieg sogar erleichtern. Bereits eine begrenzte Initiative, in der beispielsweise 10.000 Autos mit jeweils 5.000 Euro gefördert werden, würde nur 50 Millionen Euro und damit 2,5% der geplanten Gesamtausgaben der Bundesregierung für Elektromobilität ausmachen, aber zunächst genügend Fahrzeuge für Flotten- und Privatkunden zur Verfügung stellen.

Die droht vom Ringen der großen deutschen Automobilhersteller und der Industrieverbände um Einfluss und Fördermittel beherrscht zu werden. „Die Bundesregierung sollte bei der Fördergeldvergabe ein eigenständiges strategisches Konzept entwickeln, das die Beiträge lokaler Akteure deutlich anerkennt“, fordert Dobrott. Eine Konzentration auf die Interessen der Industrie ist nicht automatisch ein Erfolgsgarant für die Markteinführung für Elektromobilität – vielmehr nehmen lokale Akteure eine Schlüsselrolle ein.

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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