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Nationale Plattform Elektromobilität – der Startschuss ins Nirgendwo

Es sollte der Startschuss für das in Deutschland sein. Es war nur ein lauer Windhauch. Was uns Politik und Industrie gestern als großen Erfolg verkaufen wollten, ist den ganzen Aufwand nicht wert gewesen.

Das Schaulaufen der Politik und der Industrie war nicht anderes als ein Herumstolziere im Nichts – keine einzige konkrete Maßnahme ist dabei herumgekommen. Die Erklärung der Industrie, verstärkt im Bereich der zu forschen, hat nichts mit einem plötzlichen Sinneswandel zu tun, sondern ist von der nackten Furcht getrieben. In der Entwicklung von Elektroautos stehen alle Nationen auf derselben Stufe – bei Null. Nein, dies stimmt nicht ganz: insbesondere die Chinesen haben bereits einen großen Kraftakt hinter sich und sind zur Zeit führend beim Bau und der Entwicklung von Elektroautos und den dazugehörigen Batterien. Dies ist allerdings nicht verwunderlich.

In Deutschland sieht sich nur BMW als Vorkämpfer für den Elektroantrieb, Audi oder VW wollen am liebsten vorerst auf Elektromobilität ganz verzichten und Daimler hat sich eher dem Wasserstoffantrieb verschworen. Dies ist auch der Grund, warum VW-Chef Martin Winterkorn gegen eine finanzielle Unterstützung beim Kauf eines Elektroautos ist. Sollte VW aber ab 2013 den ersten eigenen Stromer auf den Markt gebracht haben, wird sich diese Meinung ganz schnell ändern.

Auch das Ziel eine Million Elektroautos bis 2020 auf die Straße zu bringen, ist eher ein schlechter Witz als ein ernst gemeintes Ziel. Wenn es überhaupt errreicht wird.

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 3,5 Millionen Autos neu zugelassen:

Bis zum Jahr 2020 würde es in Deutschland ~35 Millionen Neuzulassungen geben. Bei einer Zielvorgabe von 1.000.000 Elektroautos bis 2020, entspricht dies gerade einmal einem gewünschten (!) Anteil von 3,5%. Man wird den Verdacht nicht los, dass die deutschen Automobilhersteller noch nicht richtig vom Elektromotor überzeugt sind und am liebsten weiter an ihren Verbrennungsmotoren forschen möchten. Dies ist auch sinnvoll, aber auf Dauer gesehen nicht zukunftsgerichtet. Die Energiewirtschaft hat auch ein eher marginales Interesse am Ausbau ihrer Infrastruktur. Die Strommenge, die sie wegen Elektroautos mehr verkaufen könnten, liegt deutlich unter 0,5% des heutigen Stromverbrauchs!

Es ist jedoch begrüßenswert, dass die deutschen Automobilhersteller mittlerweile die Zeichen der Zeit erkannt haben und mehr Mittel in die Elektromobilität investieren wollen.Viel zu lange haben sie damit gezögert. Dies ist auch allzu verständlich. Eine Oberklasse-Limousine mit Elektroantrieb ist sehr viel schwerer umzusetzen – und vor allem zu verkaufen – als ein Kleinwagen. Das Fahrgefühl und der brüllende, pulsierende Motor sind doch dann dahin! Obwohl es ebenso ein Ding der Unmöglichkeit sein dürfte, einen Kleinwagen für 30.000 Euro zu verkaufen. Die deutschen Automobilhersteller stehen sowieso schon vor mehreren großen Problemen, die sie zu lösen haben, da in den heutigen und vor allem zukünftigen urbanen Strukturen (großvolumige) Autos keinen Platz mehr finden werden. Das Elektroauto ist keine Lösung für dieses Problem und es ist bei weitem kein Allerheilmittel, aber es ist eine Überbrückungstechnologie bis der notwendige Wandel im Bewusstsein der Bevölkerung eingesetzt hat.

Um unsere zukünftige Mobilität zu sichern, kommt es vor allem darauf an, unnötigen Verkehr zu vermeiden und das grundsätzliche Konzept der totalen individuellen Mobilität zu überdenken. Dringender als die Förderung der Elektroautos ist ein massiver Ausbau des Öffentlichen Verkehr mit elektrisch betriebenen Eisen- und Straßenbahnen, U- und S-Bahnen.

Wir werden in den nächsten Jahrzehnten einen massiven Wandel in den heute existierenden urbanen Strukturen erleben. Wir werden uns sehr genau überlegen müssen, welche Wege sinnvoll sind und ob wir das bisherige Leben der unbegrenzten Mobilität weiter führen können und wollen. Elektroautos brauchen Platz und Straßen, verursachen Lärm – ab einer Geschwindigkeit von 40 km/h übertonen die Rollgeräusche der Reifen die Motorengeräusche – und zerstören wertvolle urbane Strukturen. Durch eine Förderung des nicht-motorisierten Verkehrs, sprich Radfahren und zu Fuß gehen, können wertvolle innerstädtische Lebensräume von den Menschen zurückerobert werden. Des Weiteren ließen sich auf diese Weise CO2-Emissionen erheblich senken. Um dieses Ziel jedoch zu erreichen, ist eine Förderung der innerstädtischen und auch dörflichen Strukturen dringend notwendig. Wenn ich keine Möglichkeit habe, in meinem Dorf einkaufen zu gehen, muss ich eben in das große Einkaufszentrum am Rande der nächstgrößeren Stadt fahren. Wenn die ländliche Versorgung mit Ärzten weiter zurückgefahren wird, muss ich lange Wege zurücklegen, um den nächsten Arzt zu sehen. Dies gilt ebenso für Schulen, Freizeiteinrichtungen, Kindergärten, soziale Einrichtungen, usw.

Die Besinnung auf ein Leben der kurzen Wege, das Revival des Dorfladens und das Entstehen einer Mikromobilität könnte schnell gehen: sollte der Ölpreis in 10 bis 15 Jahren einen bestimmten Wert überschreiten und notwendige Technologien wie Wasserstoff- oder Elektroantrieb noch nicht zu konkurrenzfähigen Preisen verfügbar sein, bekäme die individuelle Mobilität einen ganz anderen Preis. Auf einmal wären die Öffentlichen Verkehrsmittel gangbare Alternativen, die Verkürzung und Vermeidung von Wegen stünde im Vordergrund. Und die Klimaziele wären relativ einfach zu erreichen.

Merken wir uns für die Zukunft: Jede Tonne CO2, die heute emittiert wird, muss in der Zukunft zusätzlich vermindert werden. So sollte der Wahlspruch der Bundesregierung lauten.

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

2 Kommentare

  1. Jean

    Sehr interessante Zahlen, die Sie da recherchiert haben. Ich denke, dass immer mehr Menschen in naher Zukunft – jedenfalls so lange das E-Auto noch in den Kinderschuhen steckt und keine überzeugenden Konzepte vorliegen – auf E-Mobilität im Nahbereich setzen werden, wie von Ihnen mit dem Punkt Mikromobilität erklärt. Bevor das E-Auto serienreif ist, warum nicht heute schon ein E-Fahrrad verwenden?
    Wünschenswert wäre natürlich auch eine verbesserte Infrastruktur für diese Art der Mobilität.

    Antworten
  2. Elektrofahrrad

    Die deutsche Autoindustrie war bisher nicht Willens bestehende Mobilitätskonzepte und die eigene Industriestruktur zu hinterfragen. Mobilität wird in 20 Jahren anders definiert als heute. Die Kombination verschiedener Mobilitätsträger (Fahrrad / Ebike, ÖPNV und Auto) wird dabei eine zenrale Rolle spielen.

    Die Fahrradindutrie macht es vor, auch ohne Milliardenunterstützung aus dem Staatssäckel …

    Antworten

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