10 Grundsätze für die Planung von Verkehrsinfrastruktur~3 Minuten Lesezeit

Welche Maßstäbe sollen wir bei Investitionsentscheidungen in unsere Verkehrsnetze und das öffentlich bestellte Angebot, den Öffentlichen Verkehr, anlegen? Diese Frage stellen sich immer häufiger Verkehrsplaner und Politiker auf allen Ebenen. Stuttgart 21, der neue Großflughafen Berlin-Brandenburg, aber auch lokale Umstellungen des Busnetzes bringen immer wieder Probleme mit sich. Große Bauprojekte, die viele Leute jahrelang beeinträchtigen, stehen dabei oft im Fokus. Aber auch kleine lokale Entscheidungen werden mitunter recht kontrovers geführt.

Bei einer rein faktenbasierten Entscheidung zählen nur Kosten-Nutzen-Faktoren, Erreichbarkeitsparameter, Lagemaße, das Fundamentaldiagramm des Verkehrsflusses, Spitzenstundenkapazität und vieles mehr. All diese Parameter sind wichtig und haben ihre Berechtigung. Ich persönlich habe in den letzten Monaten in zahlreichen Diskussionen gemerkt, dass diese aus verkehrsplanerischer Sicht durchaus wichtigen Entscheidungsgrundlagen in der öffentlichen Diskussion mehr verwirren als helfen. Oftmals behilft man sich damit, dass man statt Fakten bunte Bildchen präsentiert.

Damit unterschätzt man die Menschen allerdings. Durch Geduld und gute Kommunikation kann man auch schwierige Inhalte erklären und zu einer Akzeptanz verhelfen. Man muss allerdings zunächst das letztendliche Ziel, das verfolgt wird, skizzieren und die Menschen dafür begeistern. Einzelne Bauabschnitte und die damit verbundenen Beeinträchtigungen lassen sich somit viel leichter kommunizieren.

Bruce McCuaig, CEO von Metrolinx, ist verantwortlich für die , den Straßenbau und den öffentlichen Personennahverkehr im Großraum Toronto. Und ist damit zuständig für das drittgrößte öffentliche Nahverkehrssystem Nordamerikas. Zudem war er jahrelang stellvertretender im Bezirk Ontario. Auf einer Konferenz über die zukünftige Gestaltung der im Großraum Toronto hat er zehn Grundsätze für eine gute und umfassende Verkehrsplanung, welche die Bevölkerung mitnimmt statt zurückzulassen, vorgestellt. Da diese Grundsätze recht allgemein gehalten sind, sind sie in meinen Augen weltweit anwendbar:

  1. Es geht immer um Gesamtsysteme – Straßen, ÖPNV und „muskelbetriebenen“ Verkehr wie . Die Priorität sollte laut McCuaig auf dem ÖPNV liegen. (Anmerkung: Der ÖPNV sollte konsequent gefördert werden. Allerdings sollte man die Nahmobilität und damit den Fuß- und keinesweg außer Acht lassen.)
  2. müssen sowohl lokal als auch regional durchgeführt werden
  3. Investitionen müssen einen kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Nutzen haben.
  4. Geldmittel müsen sowohl in die Instandhaltung als auch in den Ausbau der Verkehrssysteme fließen
  5. „Gelder dürfen keineswegs nur nach Toronto fließen.“ Auch das Umland muss profitieren. Investitionen in das Verkehrsnetz müssen für die gesamte Region oder gar das gesamte Land einen messbaren Vorteil bringen.
  6. Jeder einzelne Schritt der Planung muss kommuniziert und mit der Bevölkerung diskutiert werden.
  7. Investitionsstrategien müssen die bestehende Finanzierung ergänzen, nicht ersetzen.
  8. Der Kunde muss immer im Mittelpunkt stehen.
  9. Es muss ein Gleichgewicht herrschen. Diejenige, die einen Großteil der Kosten / Einschränkungen tragen, müssen auch den größten Nutzen ziehen.
  10. Die Einnahmestruktur und die Abrechnungssysteme müssen so einfach wie möglich gestaltet und zu bedienen sein.

Weitere Vorschläge und Anmerkungen eurerseits?

Verfasst von

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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