Veröffentlicht am Dez 31, 2011 (Stand: 31.12.2011) in den Kategorien: In eigener Sache
Das Jahr 2011 neigt sich allmählich dem Ende zu. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch und einen guten Start ins Jahr 2012!
Das Jahr 2011 war trotz Wirtschaftskrise und allen anderen kleinen und großen Katastrophen nichtsdestotrotz ein gutes Jahr. Ich hoffe, dass 2012 mindestens genauso gut, wenn nicht gar besser wird!
In der nächsten Woche werde ich das Jahr 2011 nochmals kurz Revue passieren lassen. Für das Jahr 2012 sind einige Projekte und Artikelserien geplant, auf die ich persönlich auch schon gespannt bin!
Und ich möchte mich bedanken. Bei meinen Lesern, Gastautoren, Kommentatoren und allen anderen, die ich durch dieses Blog im Jahr 2011 kennen lernen durfte. Danke dafür und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Wenn der ADAC mit seiner Statistik richtig liegt, gab es im Jahr 2011 auf deutschen Autobahnen rund 189.000 Staus mit einer Gesamtlänge von 450.000 Kilometern. Im Jahr 2002 maß der ADAC noch 321.000 Kilometer, 2006 waren es bereits 359.000 Kilometer und 2010 schon 400.000 Kilometer 1.
Auf die einzelnen Bundesländern verteilten sich die Staus im Jahr 2011 folgendermaßen:
Interessant ist auch der Anteil der häufigsten Ursachen für Stau auf deutschen Fernstraßen (leider nur für das Jahr 2008 vorhanden):Mit 66 Prozent ist ein zu hohes Verkehrsaufkommen Stauursache Nummer 1. Unfälle und Baustellen folgen mit jeweils 16 bzw. 15 Prozent weit abgeschlagen auf Platz 2 und 3. In den vergangenen neun Jahren ist die Staulänge um 130.000 Kilometer gestiegen. Und Staus haben einen erheblich negativen Effekt auf unsere Volkswirtschaft.
In den nächsten Jahren wird die Staulänge auf deutschen Autobahnen eher zu- als abnehmen. Betrachtet man die Gleitende Mittelfristprognose für den Güter- und Personenverkehr Sommer 2011 im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung so fällt auf, dass der motorisierte Individualverkehr 2010 annähernd stagnierte. Für 2011 wurde eine Zunahme von etwa einem Prozent erwartet 2. Im Straßengüterverkehr ist im Jahr 2010 das Aufkommen ebenfalls über eine Stagnation nicht hinausgekommen (-0,3 %), die Transportleistung dagegen um knapp 5 % gestiegen. Im Jahr 2011 ist ein Anstieg um gut 8 % beim Transportaufkommen und um gut 6 % bei der Leistung zu erwarten 3. Trotz des geringen Wachstums der Verkehrsmenge stieg die Staulänge um 12,5 Prozent.
Die Güterverkehrsleistung des Straßengüterverkehrs soll bis 2050 von 484 Milliarden Tonnenkilometern im Jahr 2010 auf 873 Milliarden Tonnenkilometer steigen. Das Güterverkehrsaufkommen soll sich bis 2050 ebenfalls verdoppeln. Über 80 Prozent der Güter werden voraussichtlich auf der Straße transportiert 4. Die Verkehrsleistung des motorisierten Individualverkehrs soll nicht in diesem Maße wachsen. Verschiedene Studien geben eine Bandbreite von fünf bis dreißig Prozent an.
Eine Frage, die sich mir nun persönlich stellt: Wie sollen wir das zukünftige Verkehrsaufkommen in unserem Straßennetz ohne größere Komplikationen abwickeln können, wenn wir heute schon so große Probleme haben?
Ein weiterer Ausbau des deutschen Autobahnnetzes wie es zum wiederholten Male der ADAC-Präsident Peter Meyer fordert, kann kaum der richtige Weg sein. Aber auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer wirkt bei diesem Thema nicht allzu souverän (siehe: Wie Ramsauer Staus bekämpfen will und wie er dabei versagt). Für mich scheint es so, dass wir endlich massiv daran arbeiten müssen, Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern und stauminimierende Maßnahmen wie ein Tempolimit zu ergreifen. Ansonsten droht der Verkehrskollaps.
Meine Frage an die Herren und Damen vom ADAC, den Industrie- und Handelskammern und aus der Verkehrspolitik ist daher folgende: Wie wollen Sie diesen drohenden Kollaps verhindern? Und bitte diesmal keine Worthülsen, sondern konkrete Vorschläge…
In Berlin fand vom 27. bis 30.12.2011 der 28. Chaos Communication Congress 28c3 statt. Auf dem jährlich in Berlin stattfindenden Kongress werden Entwicklungen in den Bereichen Hacking und Computersicherheit diskutiert. Beide Themen spielen im Verkehrssektor bisher nicht wirklich eine Rolle. Allerdings ist es an der Zeit, dass sich auch Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen endlich intensiver mit diesem Thema auseinandersetzen.
Zum Einstieg beleuchtet der Vortrag die mehr als 130-jährige Geschichte der Eisenbahn-Sicherungstechnik, diskutiert die Grundbegriffe des sicheren Eisenbahnbetriebs und erklärt die Funktionsweise der verschiedenen Stellwerkstypen, die im Netz der Deutschen Bahn verwendet werden. Dies mag für die Eisenbahnexperten eher ermüdend sein, allerdings richtet sich der Vortrag auch an Besucher des 28c3, deren Wissen über Eisenbahnsicherungssystemen eher rudimentär wenn überhaupt vorhanden ist.
In der Vergangenheit lag das Hauptaugenmerk auf der Ausfallsicherheit statt auf der Systemsicherheit. Mit der zunehmenden Nutzung von elektronisch gesteuerten Stellwerken (ESTW) und der Einführung von ETCS Level 1 / 2 / 3 (letzteres dürfte noch einige Jahrzehnte dauern) ist die Eisenbahnsicherungstechnik anfälliger für Angriffe von außen geworden. Im April 2010 waren mehr als 25.000 Kilometer des deutschen Streckennetzes (Gesamtlänge 2009: 33.706 km) auf GSM-R-Zugfunk umgestellt. Insbesondere die Verwendung drahtloser Kommunikation über das GSM-R Netz lässt neue Bedrohungsszenarien entstehen.
Es handelt sich hierbei um ein Thema, das bei vielen noch nicht auf dem Radar erschienen ist. Dennoch sollten wir uns Gedanken über die zukünftige Absicherung der Sicherungsanlagen machen. Und zwar lieber früher als später…
Veröffentlicht am Dez 24, 2011 (Stand: 28.12.2011) in den Kategorien: In eigener Sache
Ich wünsche allen Lesern von Zukunft Mobilität ein frohes Fest und ruhige Feiertage.
Schalten Sie ab, genießen Sie die Zeit mit der Familie und Freunden, das gute Essen und machen Sie sich frei vom Stress des Alltags. Aus diesen Gründen lege ich hier ein paar Tage Pause ein. Im nächsten Jahr geht es hier und auf Twitter weiter.
PS: Wer sich fragt was das für ein tolles Gefährt ist: Ford hat eine Designstudie für einen neuen Weihnachtsschlitten entworfen. Sieht ganz nett aus, aber man muss nicht mit jeder Tradition brechen… ;-)
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat letzte Woche den Entwurf des Investitionsrahmenplans (IRP) für die Verkehrsinfrastruktur des Bundes für den Zeitraum 2011-2015 vorgelegt. Im Gegensatz zum Bundesverkehrswegeplan wird der IRP an tatsächlich vorhandenen Finanzierungsmitteln und -möglichkeiten ausgerichtet und umfasst auch den Erhalt des Bestandsnetzes und Mittel für die Fortführung der im Bau befindlichen Vorhaben. Er ist daher konkreter und stellt die einzelnen Projekte einer konkreten Finanzierungsgrundlage gegenüber.
Man muss aber auch hier einschränken, dass auch der IRP 2006 – 2010 mit 57,0 Milliarden Planungsvolumen letztendlich nur zu rund 35 Prozent umgesetzt werden konnte. Auch im Investitionsrahmenplan steckt noch einiges an heißer Luft, sodass man die Aufstellung mit Vorsicht genießen sollte.
Des Weiteren müssen noch Wünsche der Länder eingearbeitet werden. Der endgültige IRP 2011-2015 sollte im Februar kommenden Jahres fertiggestellt sein.
Nachdem die ersten Diskussionen in Berlin und den einzelnen Landeshauptstädten mit mal mehr, mal weniger berechtigter Kritik durch sind, ist es auch für mich an der Zeit, eine kurze Analyse durchzuführen.
“Dieser Entwurf macht zweierlei deutlich: Wir benötigen deutlich mehr Mittel für die Verkehrsinfrastruktur. Wahrheit und Transparenz erfordern es aber, sich für die fünf Jahre von 2011 – 2015 ein Investitionsvolumen vorzunehmen, das sich am Machbaren orientiert.”
Peter Ramsauer
Dieses Zitat Ramsauers macht bereits deutlich, in welche Richtung die Planung geht. Da Geld im Etat des Bundesverkehrsministeriums immer knapp ist und auch immer knapp sein wird, werden natürlich nicht alle Projekte, die auf der Wunschliste von Politik, Wirtschaft und Bürgern stehen, umgesetzt werden können.
2006 – 2010 wurden insgesamt 50,957 Milliarden Euro investiert. Davon entfallen 19,880 Milliarden Euro auf das bundeseigene Schienennetz (39 %), 26,85 Milliarden Euro auf das Bundesfernstraßennetz (52,7 %) und 4,227 Milliarden Euro auf die Bundeswasserstraßen (8,3 %).
Betrachtet man nur die Investitionen für den Neu- und Ausbau der bundeseigenen Verkehrswege, so entfallen von 20,198 Milliarden Euro
6,429 Milliarden Euro (31,83 %) auf das Schienennetz
13,046 Milliarden Euro (64,59 %) auf das Bundesfernstraßennetz und
723 Millionen Euro (3,58 %) auf das Bundeswasserstraßennetz
Die restlichen Finanzierungsmittel wurden zum Großteil für die Erhaltung der Verkehrsnetze verwendet und zum Teil für Lärmsanierungsmaßnahmen oder Fahrzeuge und Geräte für die jeweiligen zuständigen Bundesbehörden (z.B. für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes) ausgegeben.
Bei keinem der betrachteten Verkehrsträger wurde das angepeilte Investitionsziel errreicht. In den Ausbau des Eisenbahnnetzes wurden etwa 6,4 Milliarden Euro investiert, angedacht waren rund 28 Milliarden Euro. Damit wurden etwa 22,86 Prozent des Planungsvolumens finanziert. Infolge von Baupreis- und Projektkostensteigerungen liegt der wahre Projektfortschritt allerdings niedriger.
Für den Aus- und Neubau von Bundesfernstraßen waren im IRP 2006-2010 22,9 Milliarden Euro eingeplant worden. Investiert wurden jedoch nur rund 13 Milliarden Euro. Damit wurden etwa 57 % des Planungsvolumens erfüllt. Durch Baupreissteigerungen von fast 20 % sowie Projektkostensteigerungen aufgrund von notwendigen Planungsänderungen und -konkretisierungen beträgt der reale Erfüllungsgrad nur rund 42 %.
Für mit Ersatzinvestitionen kombinierte Erweiterungen und Ausbaumaßnahmen an Bundeswasserstraßen wurden im Zeitraum 2006 – 2010 rund 0,7 Milliarden Euro investiert. Dem stand im IRP ein Planungsvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro gegenüber (Anteil der Investitionen für Aus- und Neubau am Planungsvolumen von 6,1 Mrd. € für die kombinierten Maßnahmen). Somit beträgt der Erfüllunggrad 46,67% bzw. nur 11,48 %.
“Mit dem neuen Investitionsrahmenplan sorgen wir für Ehrlichkeit und Transparenz beim Verkehrswegebau. Wir setzen klare Prioritäten und richten die Planung am Bedarf und den zur Verfügung stehenden Mitteln aus. Unser Verkehrsnetz ist ein zentraler Standortvorteil, den wir erhalten müssen. Wir sorgen dafür, dass die hohe Qualität der Schienen-, Straßen- und Wasserstraßennetze erhalten bleibt.”
Infrastrukturprojekte zu planen und umzusetzen, dauert seine Zeit. Daher werden Artikel in diesem Blog ständig aktualisiert. Es lohnt sich also, bereits gelesene Artikel nochmals aufzurufen.
Die Inhalte dieses Blogs sind - soweit nicht anders angegeben - unter dieser Creative Commons-Lizenz lizensiert. Grafiken sind von dieser Lizenz aus Vereinfachungs- und Schutzgründen ausgenommen (Anwendung aufgrund der Verwendung von Grafiken / Bildern mit unterschiedlichen Lizenzen zu kompliziert) außer die CC-Lizenz ist ausdrücklich genannt.
[The automobile] will never, of course, come into as common use as the bicycle. The Literary Digest, 1899.
About
In diesem Blog möchten wir die Strategien für die Mobilität von morgen skizzieren, informieren und diskutieren. Wir möchten uns mit diversen Problemen unserer Zeit beschäftigen und dabei alle Verkehrsträger im Blick behalten. Dieser Blog soll dabei helfen, die Herausforderungen von morgen ein wenig mehr ins Bewusstsein zu rücken, Alternativen und mögliche Lösungsansätze vorzustellen und umfassend zu informieren: