Der Schweizer Fotograf Alessandro Della Bella wollte das Lebensgefühl in Zürich, die pulsierende und elektrisierende Stadt an der Limmat, einfangen. Angestrebte Filmobjekte seines Zeitrafferfilms waren die malerische Altstadt, die großartigen Einkaufsmöglichkeiten, das breite kulturelle Angebot sowie die wunderschöne Seepromenade, viele Parks und Grünflächen. Nun ist es aber relativ schwer, in einer Stadt mit einem der besten Verkehrssysteme weltweit, den Verkehr außen vorzulassen.
Daher ist das Video auch ein exquisiter Kurzfilm über den Züricher ÖPNV mit der berühmten Bahnhofstraße, das Gleisvorfeld des Züricher Hauptbahnhofs, des Züricher Flughafens und den nächtlichen Straßenverkehr.
Ich musste mich gestern auf Twitter doch sehr wundern, als eine Pressemitteilung der MFG MeinFernbus GmbH verbreitet wurde. In dieser wird von Seiten von MeinFernbus nochmals darauf hingewiesen, dass im Wettbewerb mit der Deutschen Bahn keine Chancengleichheit herrsche und die Politik, insbesondere der Bund als Eigentümer der Deutschen Bahn AG, die Deutsche Bahn an die Leine nehmen müsse.
Torben Greve, Geschäftsführer von MeinFernbus:
Der deutsche Fernbusmarkt braucht keine Staatsunternehmen. Es gibt bereits zahlreiche private Busunternehmen, die in einem intensiven Wettbewerb mit niedrigen Preisen und hoher Qualität um die Gunst der Kunden konkurrieren. Wir lehnen es ganz klar ab, dass die Deutsche Bahn ihre Gewinne aus dem Quasi-Monopol im Schienenfernverkehr und öffentliche Steuergelder aus dem Regionalverkehr nun nutzt, um mit Dumping-Preisen die Kooperationen von mittelständischen Unternehmen aus dem Markt zu verdrängen.
In der Pressemitteilung von MeinFernbus ist die Reaktion Ramsauers hervorgehoben:
Minister Ramsauer sicherte MeinFernbus zu, durch die anstehende Novellierung des Eisenbahnregulierungsgesetzes und eine Stärkung der Bundesnetzagentur die Nadelstiche der Deutschen Bahn zu unterbinden.
Im heutigen Münchner Teil der Druckausgabe der Süddeutschen Zeitung ist im Artikel “Zum Leben erwacht” von Marco Völklein zu lesen:
Ramsauer versicherte, mit einem “Eisenbahnregulierungsgesetz” wolle man “solche Sticheleien unterbinden” und zudem die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde stärken.
„Bundesverkehrsminister Ramsauer im Gespräch mit den Geschäftsführern von MeinFernbus“. Im Bild von links nach rechts: Dr. Peter Ramsauer, Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung; Torben Greve, Geschäftsführer MFB MeinFernbus GmbH und Panya Putsathit, Geschäftsführer MFB MeinFernbus GmbH. Die Bildrechte liegen bei Verena Brandt / MeinFernbus.
Da ich mir vorgenommen hatte, die Presseabteilung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung etwas stärker zu nutzen, habe ich heute folgende Fragen an das BMVBS gerichtet:
Plant das BMVBS der Deutschen Bahn AG bzw. der DB ML AG das Anbieten von Fernbusleistungen regulatorisch zu untersagen bzw. einzuschränken?
Inwieweit deckt sich die Aussage von Herrn BM Ramsauer mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Neuordnung der Regulierung im Eisenbahnbereich (Bundestags-Drucksache 17/12726 vom 13.03.2013)? Durch welchen Passus sollen “die Nadelstiche der Deutschen Bahn” konkret unterbunden werden?
Auf welche “Nadelstiche” spielt Herr BM Ramsauer konkret an?
Sind weitere Gesetzesinitiativen zur Regulierung des Fernbusmarktes geplant? Wenn ja, welche?
Wie schätzt das BMVBS die Chancengleichheit im Fernbusmarkt derzeit ein? Falls Defizite erkannt worden sind: Welche Defizite sind dies und wie möchte der Bund die Chancengleichheit im Fernbusmarkt sicherstellen?
Möchte der Bund als Eigentümer der DB ML AG das Anbieten von Fernbuslinien durch die DB untersagen?
Aus Vereinfachungsgründen zitiere ich einfach die Antwort des BMVBS:
[...] Dabei wurde seitens eines Unternehmens u.a. angesprochen, dass die DB AG zum einen die “guten” Haltepunkte an Bahnhöfen privaten Fernbusanbietern nicht zur Verfügung stelle und zum anderen durch “Dumpingpreise” auf bestimmten Strecken, die nun auch durch Fernbusse bedient werden, den Fernbussen bewusst Konkurrenz mache. Herr Minister hat dies zur Kenntnis genommen und dabei zutreffend angemerkt, dass der Bund als Eigentümer der DB AG sich nicht in das operative Geschäft einmischen könne, aber der DB AG z.B. durch das geplante neue Eisenbahnregulierungsgesetz stärker auf die Finger geschaut werden wird, z.B. was die Vergabe von Trassennutzungsrechten an Dritte und die Festlegung der Trassenpreise angeht; dies bezieht sich aber immer nur auf Schienennutzung. Durch das ERG wird mehr Transparenz und Kontrolle durch die BNetzA hergestellt.
Das Wort “Nadelstiche” wurde übrigens meines Wissens nicht von Herrn Ramsauer genutzt (ich stand dabei).
Das BMVBS plant weder, der DB AG oder sonst jemandem das Anbieten von Fernbusleistungen zu untersagen, im Gegenteil. Wir freuen uns sehr, dass sich der Markt so gut entwickelt und begrüßen dies ausdrücklich. Mit der erfolgten Änderung des Personenbeförderungsgesetzes ist dafür der erforderliche rechtliche Rahmen geschaffen worden. Weitere gesetzliche Regulierungen sind unsererseits (Bund) derzeit nicht geplant. Das Augenmerk zur weiteren Stärkung des Fernbusmarktes muss aus unserer Sicht nun auf den Ausbau einer guten Infrastruktur gelegt werden, also vor allem die Einrichtung gut positionierter und gut ausgestatteter Haltestellen. Hier sind vor allem die Kommunen gefragt, die Zugriff auf die entsprechenden innerstädtischen Flächen haben. In München ist das mit einem PPP-Modell gut gelöst – Hochtief hat die Fläche nahe des Bahnhofes gekauft, in den Bau eines modernen ZOB mit guter Versorgungsinfrastruktur investiert und diesen nun an private Betreiber verpachtet.
Damit sollte klar sein: Der Bund als Eigentümer wird der Deutschen Bahn das Anbieten von Fernbusfahrten nicht untersagen. Auch das Eisenbahnregulierungsgesetz wird keinen Einfluss auf die Fernbusaktivitäten der Deutschen Bahn haben. Natürlich ist es sehr wichtig, wenn die Deutsche Bahn bzw. die DB Station & Service den Zugang zu bahnhofsnahen Fernbushaltestellen anderen Anbietern diskriminierungsfrei ermöglicht. Hier müssen die jeweiligen Aufsichtsbehörden entsprechende Maßnahmen ergreifen. Eine gesetzliche Regelung ist aber derzeit nicht geplant.
MeinFernbus hat in der Pressemitteilung anscheinend etwas unglücklich formuliert.
Meine in die beiden Tweets von gestern verpackte Kritik nehme ich hiermit zurück:
Nur mal so zum Verständnis: @meinfernbus geht zum Ramsauer, sagt die böse Deutsche #Bahn macht uns Konkurrenz und Ramsauer dann so: …(1/2)
Veröfentlicht am 23. April 2013 (Stand: 23.04.2013) in den Kategorien Eisenbahn
Ich hatte in der vergangenen Woche ja bereits den Mitschnitt der Podiumsdiskussion im Rahmen des Symposiums ”Nachhaltigkeit in der Bahntechnik – Belastung oder Mehrwert?” des Innovationszentrum Bahntechnik Europa (IZBE) veröffentlicht. Neben der Aufnahme von Fachvorträgen habe ich auch parallel getwittert und meine Twitter-Follower mit Bahntweets überschwemmt. Da diese nicht in “Verkehr in 140 Zeichen” untergehen sollen und die wichtigsten Statements und Inhalte aus den Vorträgen umfassen, möchte ich diese hier ebenfalls veröffentlichen:
Zunächst erfolgen Begrüßung und eine erste Einführung.
Dirk Flege von der Allianz pro Schiene hält nun den ersten Fachvortrag:
Die Politik drückt sich vor Zielkonflikten und der öffentlichen Diskussion! Massenmedien: Man muss sehr stark polarisieren! #bahn#izbe->
Von den Vorträgen des Symposiums habe ich Mitschnitte angefertigt, die ich hier gerne veröffentlichen möchte. Allerdings möchte ich die Veröffentlichung vorab von den jeweiligen Referenten genehmigen lassen und zudem um die Foliensätze bitten. Am späten Nachmittag fand zudem eine Podiumsdiskussion mit den Referenten des heutigen Tages statt, die zusammen mit der zu Beginn stattfindenden Fragerunde vielleicht als kleiner Appetitanreger für die wirklich hochqualitativen Vorträge dienen können.
Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren:
Uwe Brendle, Abteilungsleiter “Verkehr, Lärm” im Umweltbundesamt
Gudrun Schulze, Teamleiterin Infrastruktur und nachhaltige Mobilität bei der EU-Kommission, Generaldirektion Mobilität und Verkehr (MOVE)
Toni Eder, Vizedirektor des Bundesamtes für Verkehr und Leiter der Abteilung Infrastruktur, Schweiz
Markus Hofmann, InnoZ GmbH und Leiter Marketingstrategie Infrastruktur, Deutsche Bahn AG
Prof. Dr. Ing. Jens-Uwe Fischer, Honorarprofessor Integratives Flächenrecycling an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement, Uni Leipzig, ehemaliger Leiter Sanierungsmanagement Deutsche Bahn AG (1997 – 2012)
Dr.-Ing. Harald Jung, Geschäftsführender Gesellschafter der IZP Dresden mbH
Dipl.-Ing. (univ.) Detlef Obieray, Projektleiter der ARGE Fahrbahn Transtec Gotthard und Geschäftsführer der Balfour Beatty Rail Schweiz GmbH
Reiner Zieschank, Vorstand Finanzen und Technik der DVB AG sowie Vorsitzender der VDV-Landesgruppe Sachsen/Thüringen
Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Dirk Flege, Geschäftsführer Allianz pro Schiene e.V.
Inhalt der Diskussion waren unter anderem das Betriebskonzept für den Gotthard-Basistunnel, die Implementierung des Weißbuch Verkehr in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten am Beispiel Österreichs, die Wirkung der Nachhaltigkeitsindikatoren für Bahninfrastrukturprojekte (NIBA) in der Schweiz, das Verbot der Graugusssohle in der Schweiz ab 2020, die Frage welche Planungsansätze man im Infrastrukturbereich braucht und ob das Aufstellen eines Mobilitäts- bzw. Generalverkehrsplans überhaupt noch zielführend ist, wenn man die Wechselwirkungen mit dem urbanen Raum und den Bereichen Telekommunikation und Energie betrachtet. Thema war zudem die Wirkung des Satallitennavigationssystems Galileo auf den Verkehr. Durch diese Schlüsseltechnologie lässt sich erstmals eine Synchronisierung zwischen Angebot und Nachfrage in Echtzeit herstellen, sodass man theoretisch auf die Verwendung von Erhebungen an einem bestimmten Stichtag zugunsten einer kontinuierlichen Echtzeit-Betrachtung verzichten könnte. Wichtiges Thema war ebenfalls die Flächennutzung und die Möglichkeit Flächenzertifikate einzuführen, um auch den Rückbau in schrumpfenden Städten und im ländlichen Raum finanzieren zu können. Um ein Bewusstsein für Kosten und Struktur von Infrastrukturprojekten zu erhalten, kann RAMS/LCC (Reliability (Zuverlässigkeit), Availability (Verfügbarkeit), Maintainability (Wartbarkeit), Safety (Sicherheit) und Life Cycle Costs (Lebenszykluskosten)) ein probates Mittel sein. Es stellt sich sehr wohl die Frage, ob RAMS / LCC nicht auch in der deutschen Infrastrukturplanung Anwendung finden sollte, wenn beide Verfahren schon in der SENELEC-Norm implementiert sind. Zum Abschluss wurde noch das Geheimnis der Dresdner Infrastrukturplanung gelöst, das eigentlich gar kein Geheimnis ist!
Die Deutsche Bahn hat es oft nicht einfach. Sie muss mit der Hassliebe ihrer Kunden umgehen (von Zeit zu Zeit auch nur Hass), darf sich mit der Zugindustrie, dem Eisenbahnbundesamt, Fahrgastverbänden, Lokalpolitikern und randalierenden Fußballfans herumschlagen und ist aus der Sichtweise der Öffentlichkeit für Dinge verantwortlich, die nicht in ihrem Verantwortungsbereich liegen. Sehr oft hört man Beschwerden über wegfallende (Direkt-)Verbindungen, ein fehlendes Angebot in den frühen Morgen- und später Abendstunden und eine fehlende Vertaktung mit dem lokalen ÖPNV. Qualitätsmängel, die oft der Deutschen Bahn oder einem anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) angekreidet werden, auf die sie allerdings keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss hat. Es ist daher an der Zeit etwas Aufklärung zu leisten.
Ich möchte an dieser Stelle nochmals kurz auf zwei Radiointerviews hinweisen, die ich in der vergangenen Woche gegeben habe. Thema in der WDR 5-Sendung Leonardo war das zehnjährige Bestehen der Londoner Innenstadtmaut.
Veröfentlicht am 28. Januar 2013 (Stand: 28.01.2013) in den Kategorien Eisenbahn,Infrastruktur
Eine Anmerkung vorab: Verkehrsinfrastrukturprojekte wie Stuttgart 21 oder der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) lassen in der Öffentlichkeit zu meinem Bedauern das Bild entstehen, dass wir in Deutschland nicht mehr in der Lage sind, Infrastrukturprojekte innerhalb des Kostenrahmens durchzuführen. Als Folge dieser Fehlentwicklung ist zu beobachten, dass Projekte mit Verweis auf eben jene im Bau bzw. in der vorbereitenden Bauplanung misslungenen Großprojekte grundsätzlich abgelehnt werden, ohne den speziellen Charakter des jeweiligen Bauprojekts genauer zu betrachten. Dies halte ich persönlich aus verschiedenen Gründen für gefährlich. In Deutschland ist man sehr wohl in der Lage, große Bauprojekte trotz Schwierigkeiten in der Bauausführung, Finanzierungsproblemen und einer langen Diskussion mit Anwohnern und Betroffenen durchzuführen. Der Katzenbergtunnel im Südwesten Deutschlands ist dafür ein gutes Beispiel.
Am 4. Dezember 2012 wurde der Katzenbergtunnel zwischen Bad Bellingen und Efringen-Kirchen eröffnet. Der Tunnel, Teil der Ausbau- und Neubaustrecke Karlsruhe–Basel, ist mit einer Länge von 9385 Metern der drittlängste Eisenbahntunnel und der längste Zweiröhrentunnel Deutschlands. Durch den Tunnel soll die Kapazität der Rheintalbahn in diesem Abschnitt erhöht und das Hindernis “Isteiner Klotz” umfahren werden. Der Tunnelbau ist notwendig geworden, da die gesamte Rheintalstrecke durchgängig viergleisig ausgebaut und unterschiedlich schnelle Verkehre entflochten werden sollen. Die Strecke dient als Zulauf des im Bau befindlichen alpenquerenden Tunnel des NEAT-Projekts in der Schweiz (Gotthard-Tunnel), für den dringend neue Kapazitäten geschaffen werden müssen. Zudem wird die Lärmbelästigung der Anwohner insbesondere durch die Verlagerung des Güterzugverkehrs in den Tunnel verringert.
Katzenbergtunnel mit anschließenden Streckenabschnitten (rot) und Anbindungen an die Bestandsstrecke (grau)
Die Diskussion um den Streckenausbau begann bereits in den frühen 1980er Jahren. Das Raumordnungsverfahren für den Streckenabschnitt Schliengen–Basel, zu dem der Tunnel gehört, wurde 1987 begonnen und verschiedene Varianten abgewogen. Unter anderem war auch eine Streckenführung unmittelbar östlich entlang des Rheins, die sogenannte “Rheinvorlandvariante” diskutiert. Im Raumordnungsbeschluss vom 24. Februar 1989 wurde die Rheinvorland-Variante abgelehnt und die Katzenberg-Variante favorisiert. 1998 wurden die Baukosten mit 1,3 Milliarden DM, umgerechnet 665 Millionen Euro, angegeben.
Das nach dem Planungsprozess durchgeführte Planfeststellungsverfahren wurde am 22. November 2002 beendet. Die Vergabe der Baumaßnahmen erfolgte im Anfang 2003 an die Arbeitsgemeinschaft Katzenbergtunnel. Am 1. September 2003 begannen offiziell die Bauarbeiten, mit der Fertigstellung wurde 2007 gerechnet.
Kurz nach Aufnahme der Bauarbeiten kam das Projekt jedoch ins Stocken. Aufgrund von Verzögerungen und Neupriorisierungen in der Verkehrswege-Bedarfsplanung ruhten die Bauarbeiten im Jahr 2004 für knapp fünf Monate bis August 2004.
Der Katzenbergtunnel wurde als 2-Röhren-Tunnel konzipiert und verfügt somit über zwei jeweils eingleisige parallel geführte Tunnelröhren (Ost und West). Diese werden zusätzlich im Abstand von ca. 500 m durch so genannte Querschläge / Verbindungsstollen mit einem Querschnitt von ca. 20 m2 , welche mittels konventionellen Vortriebs nach der Neuen Österreichischen Tunnelbauweise (NÖT) in Spritzbetonbauweise aufgefahren werden, miteinander verbunden.
Der Einbau der Tübbingteile (gefertigt aus wasserundurchlässigen B 65-Beton) zur Sicherung des Hohlraumes erfolgt unmittelbar nach dem Auffahren mit dem Erektor, einem Montagekran als festem Bestandteil der Vortriebsmaschine. Diese Ausbauart ist gleichzeitig Sicherung, Abdichtung und Innenausbau des Tunnels. Die sieben Teilstücke werden von der Sohle aus nacheinander eingebaut und miteinander verschraubt. Der 17 – 25 cm breite Spalt zwischen Gestein und Tübbing wird mit Mörtel verpresst.
Der Tunnel wurde im Dezember 2010 im Rohbau fertiggestellt. Der Einbau der festen Fahrbahn war in der Weströhre im Oktober 2011 weitgehend abgeschlossen und im März 2012 in der Oströhre beendet. Die Fahrleitung (Fertigstellung: Mai 2012), die Leit- und Sicherungstechnik sowie die rettungstechnischen Anlagen wurden in Anschluss eingebaut.
Der Katzenbergtunnel wurde insgesamt fünf Jahre später als geplant fertiggestellt. Die Baukosten betrugen inklusive Anbindung an das bestehende Netz rund 610 Millionen Euro und hat damit 55 Millionen Euro weniger als im 1998 festgelegten Budget gekostet. 1
Die Kosten für den Tunnelrohrbau sind dennoch von 250 Millionen Euro Vergabesumme um 90 Millionen Euro auf 340 Millionen Euro gestiegen. Da ursprünglich jedoch der Tunnelvortrieb mit herkömmlicher Sprengtechnik und nicht mit dem günstigeren Schildvortrieb durchgeführt werden sollte, wurden die ursprünglichen Baukosten auf 335 Millionen Euro budgetiert. In der Rohbauphase ist daher nur eine Kostenüberschreitung von fünf Millionen Euro entstanden. (Anmerkung: Die Schlussrechnung der DB Netz AG bzw. der DB Projektbau liegt noch nicht vor. Die Erstellung kann durchaus bis zu zwei Jahre in Anspruch nehmen. Die Ergebnisse werden üblicherweise nicht veröffentlicht. Bei der Bezifferung der Kosten muss ich mich daher auf die offiziellen Verlautbarungen der DB Netz AG stützen, die leider nicht nachprüfbar sind.)
Der Bau des Katzenbergtunnels ist wegen der vielen technischen Neuerungen und speziellen Bauweise ein gutes Beispiel für ein deutsches Infrastrukturprojekt, das trotz seiner Komplexität im Kostenrahmen geblieben ist.
Die eisenbahntechnische Ausrüstung des Katzenbergtunnels
Das folgende Video der DB Netz AG listet nochmals die verschiedenen eisenbahntechnischen Ausrüstungselemente auf, die im Katzenbergtunnel erstmals in Deutschland verbaut wurden. Auch als eisenbahntechnischer Laie kann man die Komplexität eines solchen Projektes nochmals nachvollziehen, die durchaus Verzögerungen und Kostensteigerungen hervorrufen kann.
Durchfahrt durch den Katzenbergtunnel
Das folgende Video zeigt die Durchfahrt durch den Katzenbergtunnel aus Führerstand. Die Ausfädelung auf die Ausbausstrecke erfolgt ab Minute 00:31, die Tunneleinfahrt ab Minute 03:26, die Tunnelausfahrt geschieht zu Minute 09:09 und die Einfädelung in die Bestandsstrecke zu Minute 10:50.
Infrastrukturprojekte zu planen und umzusetzen, dauert seine Zeit. Daher werden Artikel in diesem Blog ständig aktualisiert. Es lohnt sich also, bereits gelesene Artikel nochmals aufzurufen.
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Wer heute nicht strategisch in die Schiene investiert, wird in fünf Jahren zu den Verlierern gehören. Franz Findeis, DHL Director Rail Europe, März 2007
About
In diesem Blog möchten wir die Strategien für die Mobilität von morgen skizzieren, informieren und diskutieren. Wir möchten uns mit diversen Problemen unserer Zeit beschäftigen und dabei alle Verkehrsträger im Blick behalten. Dieser Blog soll dabei helfen, die Herausforderungen von morgen ein wenig mehr ins Bewusstsein zu rücken, Alternativen und mögliche Lösungsansätze vorzustellen und umfassend zu informieren: