Im Jahre 2009 begann die bundesweit beachtete Krise der Berliner S-Bahn, als zahlreiche Linien wegen der jahrelang vernachlässigten Wartung der Fahrzeuge eingestellt werden mussten. Seitdem wird in Berlin auch darüber diskutiert, wie die derzeit von der S-Bahn Berlin GmbH, einer Tochter der Deutschen Bahn AG, betriebene S-Bahn in Zukunft organisiert werden soll. Drei Varianten erscheinen dabei möglich:
Die Inhouse-Vergabe des S-Bahn-Betriebes an die landeseigene BVG
Die Inhouse-Vergabe des S-Bahn-Betriebes an eine landeseigene S-Bahn-Gesellschaft, die durch den Kauf der S-Bahn Berlin GmbH durch das Land Berlin gebildet wird.
Nach einer entsprechenden Entscheidung des Berliner Senats wurde schließlich im Juli 2012 eine Ausschreibung für den Betrieb der Ringbahn und eines Teils der Anschlusslinien in Richtung Südwesten eröffnet. Der Gewinner der Ausschreibung sollte nicht nur den Betrieb 15 Jahre (von 2017 bis 2032) durchführen, sondern auch für die darauf folgende 15-jährige Vertragsperiode bereitstellen. Da letztere Regelung wegen der außerordentlich langen Vertragslaufzeiten von der S-Bahn Berlin GmbH juristisch angegriffen wurde, wurde die Ausschreibung im April 2013 ohne diese Klausel neu gestartet. Durch die Änderung ist die ohnehin schon sehr spät eingeleitete Ausschreibung aber schon mehr als ein halbes Jahr zusätzlich im Verzug.
Mit der Ausschreibung hofft der Berliner Senat, die Berliner S-Bahn möglichst einfach, schnell und günstig wieder auf Erfolgskurs zu bringen, denn schließlich sagt man ja, dass Wettbewerb das Geschäft belebe. Es stellt sich jedoch (ganz besonders seit der jüngsten Verzögerung) die Frage, ob die Ausschreibung wirklich der beste Weg ist, die S-Bahn-Krise zu lösen, oder ob sie nicht sogar noch neue Probleme schafft.
Der Copenhagenize Index vergibt Noten an Städte, für ihre Bemühungen das Fahrrad als akzeptierte und praktische Verkehrsform zu etablieren. Das Interesse, das Fahrrad als ernst zu nehmende Verkehrsart in den Städten zu haben, ist weltweit ungebrochen. Jede Stadt auf der Welt war auf die eine oder andere Weise fahrradfreundlich, bis Verkehrsplaner und Verkehrsingenieure in den sechziger Jahren mit dem Umbau der Städte hin zu autofreundlichen Strukturen begonnen haben und Radfahrer, Fußgänger und Nutzer des ÖPNV zu drittklassigen Bürgern degradierten. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert.
Viele Städte auf der Welt stellen sich der Herausforderung eines veränderten Mobilitätsbewusstseins und versuchen durch Maßnahmen in den Bereichen Radverkehrsinfrastruktur, Politik, Fahrradverleihsysteme, etc. auf Basis bestehender Strukturen umzusetzen, um Städte fahrradfreundlicher und damit lebenswerter zu machen.
Der Copenhagenize Index bewertet diese Maßnahmen mit 0 und 4 Punkten in 13 verschiedenen Kategorien. Darüber hinaus werden maximal 12 Bonuspunkte für besonders beeindruckende Anstrengungen oder Ergebnisse vergeben. Insgesamt können 64 Punkte erreicht werden. Das Ergebnis wird als Prozentsatz ausgewiesen (100 Prozent = 64 Punkte).
Bonuspunkte drücken vor allem den politischen Willen zu Investitionen in Radverkehrsinfrastruktur aus. Als Beispiel können hier Radverkehrspläne und geplante Maßnahmen dienen, die noch in der Konzeptionsphase sind und im nächsten Copenhagenize Index einen Effekt auf die Wertung haben werden.
Ein Beispiel für die Vergabe von Bonuspunkten ist die belgische Stadt Antwerpen. Die Gewinner der Kommunalwahl haben im Wahlkampf den Bau von 100 Kilometern neuen Radwegen versprochen und dafür Bonuspunkte erhalten. Da dieses Versprechen bis zur Kommunalwahl 2012 eingelöst wurde, erhält Antwerpen neben zusätzlichen Bonuspunkten einen höheren Basiswert für Infrastruktur.
Auf den vorderen Plätzen finden sich auch dieses Jahr drei niederländische Städte, die vor allem von ihrer guten Infrastruktur und den Maßnahmen der Vergangenheit profitieren. Aber auch andere Länder holen Schritt für Schritt auf.
Erstmals finden sich drei französische Städte in den Top 20. Ein Zeichen, dass Frankreich sehr starke Fortschritte im Bereich Radverkehr zu verzeichnen hat. Drei deutsche und zwei japanische Städte sind ebenfalls weiterhin im Ranking vertreten und festigen den Ruf als Fahrradnationen hinter den Niederlanden und Dänemark.
Veröffentlicht am 23. April 2013 (Stand: 23.04.2013) in den Kategorien Eisenbahn
Ich hatte in der vergangenen Woche ja bereits den Mitschnitt der Podiumsdiskussion im Rahmen des Symposiums ”Nachhaltigkeit in der Bahntechnik – Belastung oder Mehrwert?” des Innovationszentrum Bahntechnik Europa (IZBE) veröffentlicht. Neben der Aufnahme von Fachvorträgen habe ich auch parallel getwittert und meine Twitter-Follower mit Bahntweets überschwemmt. Da diese nicht in “Verkehr in 140 Zeichen” untergehen sollen und die wichtigsten Statements und Inhalte aus den Vorträgen umfassen, möchte ich diese hier ebenfalls veröffentlichen:
Zunächst erfolgen Begrüßung und eine erste Einführung.
Dirk Flege von der Allianz pro Schiene hält nun den ersten Fachvortrag:
Die Politik drückt sich vor Zielkonflikten und der öffentlichen Diskussion! Massenmedien: Man muss sehr stark polarisieren! #bahn#izbe->
Von den Vorträgen des Symposiums habe ich Mitschnitte angefertigt, die ich hier gerne veröffentlichen möchte. Allerdings möchte ich die Veröffentlichung vorab von den jeweiligen Referenten genehmigen lassen und zudem um die Foliensätze bitten. Am späten Nachmittag fand zudem eine Podiumsdiskussion mit den Referenten des heutigen Tages statt, die zusammen mit der zu Beginn stattfindenden Fragerunde vielleicht als kleiner Appetitanreger für die wirklich hochqualitativen Vorträge dienen können.
Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren:
Uwe Brendle, Abteilungsleiter “Verkehr, Lärm” im Umweltbundesamt
Toni Eder, Vizedirektor des Bundesamtes für Verkehr und Leiter der Abteilung Infrastruktur, Schweiz
Markus Hofmann, InnoZ GmbH und Leiter Marketingstrategie Infrastruktur, Deutsche Bahn AG
Prof. Dr. Ing. Jens-Uwe Fischer, Honorarprofessor Integratives Flächenrecycling an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement, Uni Leipzig, ehemaliger Leiter Sanierungsmanagement Deutsche Bahn AG (1997 – 2012)
Dr.-Ing. Harald Jung, Geschäftsführender Gesellschafter der IZP Dresden mbH
Dipl.-Ing. (univ.) Detlef Obieray, Projektleiter der ARGE Fahrbahn Transtec Gotthard und Geschäftsführer der Balfour Beatty Rail Schweiz GmbH
Reiner Zieschank, Vorstand Finanzen und Technik der DVB AG sowie Vorsitzender der VDV-Landesgruppe Sachsen/Thüringen
Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Dirk Flege, Geschäftsführer Allianz pro Schiene e.V.
Inhalt der Diskussion waren unter anderem das Betriebskonzept für den Gotthard-Basistunnel, die Implementierung des Weißbuch Verkehr in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten am Beispiel Österreichs, die Wirkung der Nachhaltigkeitsindikatoren für Bahninfrastrukturprojekte (NIBA) in der Schweiz, das Verbot der Graugusssohle in der Schweiz ab 2020, die Frage welche Planungsansätze man im Infrastrukturbereich braucht und ob das Aufstellen eines Mobilitäts- bzw. Generalverkehrsplans überhaupt noch zielführend ist, wenn man die Wechselwirkungen mit dem urbanen Raum und den Bereichen Telekommunikation und Energie betrachtet. Thema war zudem die Wirkung des Satallitennavigationssystems Galileo auf den Verkehr. Durch diese Schlüsseltechnologie lässt sich erstmals eine Synchronisierung zwischen Angebot und Nachfrage in Echtzeit herstellen, sodass man theoretisch auf die Verwendung von Erhebungen an einem bestimmten Stichtag zugunsten einer kontinuierlichen Echtzeit-Betrachtung verzichten könnte. Wichtiges Thema war ebenfalls die Flächennutzung und die Möglichkeit Flächenzertifikate einzuführen, um auch den Rückbau in schrumpfenden Städten und im ländlichen Raum finanzieren zu können. Um ein Bewusstsein für Kosten und Struktur von Infrastrukturprojekten zu erhalten, kann RAMS/LCC (Reliability (Zuverlässigkeit), Availability (Verfügbarkeit), Maintainability (Wartbarkeit), Safety (Sicherheit) und Life Cycle Costs (Lebenszykluskosten)) ein probates Mittel sein. Es stellt sich sehr wohl die Frage, ob RAMS / LCC nicht auch in der deutschen Infrastrukturplanung Anwendung finden sollte, wenn beide Verfahren schon in der SENELEC-Norm implementiert sind. Zum Abschluss wurde noch das Geheimnis der Dresdner Infrastrukturplanung gelöst, das eigentlich gar kein Geheimnis ist!
Infrastrukturprojekte zu planen und umzusetzen, dauert seine Zeit. Daher werden Artikel in diesem Blog ständig aktualisiert. Es lohnt sich also, bereits gelesene Artikel nochmals aufzurufen.
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Wir sind kein Volk der Radfahrer, sondern eine stolze Autonation. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, WELT Online vom 14.05.2011
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In diesem Blog möchten wir die Strategien für die Mobilität von morgen skizzieren, informieren und diskutieren. Wir möchten uns mit diversen Problemen unserer Zeit beschäftigen und dabei alle Verkehrsträger im Blick behalten. Dieser Blog soll dabei helfen, die Herausforderungen von morgen ein wenig mehr ins Bewusstsein zu rücken, Alternativen und mögliche Lösungsansätze vorzustellen und umfassend zu informieren: