Artikel zum Thema LGV
Verkehr in 140 Zeichen am 11.07.2013

Vorab-Bemerkung: Es gab leider sehr große Verwirrung über die Zukunft der Mülheimer Straßenbahn. Die WAZ hatte online einen Artikel mit der Überschrift “Warum Mülheim als erste Großstadt in Deutschland seine Straßenbahnen abschaffen will” veröffentlicht. Auf Twitter kam es danach zu einer starken Diskussion. Zum einen ist Mülheim keineswegs die erste Großstadt, die ihre Straßenbahn eingestellt hat. Hinzu kommt, dass der Mülheimer Stadtrat gar nicht über die Einstellung der Straßenbahn abgestimmt hat. Vielmehr ging es um die Anschaffung zwanzig neuer Straßenbahnen, die veraltete und maximal noch zwei Jahre lang nutzbare Straßenbahnen ersetzen sollen. Der Fortbestand der Straßenbahn ist laut Mülheimer VerkehrsGesellschaft mbH (MHVG) stark von der Neubestellung abhängig, da die Ersatzinvestitionen keineswegs aufschiebbar seien. Sollten die Straßenbahnen nicht beschafft werden können, bedeutet dies defacto eine Einstellung der Straßenbahnbetriebs. 

Am Ende hat der Mülheimer Stadtrat den Kauf von zehn neuen Straßenbahnen für 28 Millionen Euro genehmigt. Über die Halbierung der Bestellung wird vermutlich mittelfristig eine Reduktion des Straßenbahnangebots begründet.

Das neue Mülheimer Ziel lautet nun: “Wo immer möglich und wo es ohne Angebotsverschlechterung für den Bürger möglich ist, soll mittelfristig der Bus die Bahn ablösen.”

Letztendlich hat die Argumentation des Stadtkämmerers und der Geschäftsführer der Beteiligungsholding für einen schienenfreien ÖPNV und die entsprechenden Meldungen in der Presse große Verwirrung hervorgerufen. Auch ich bin gestern Vormittag auf die Falschmeldung hereingefallen. Dafür möchte ich um Entschuldigung bitten.

  • Priorisierung, Nutzen, blabla… MAN FASST ES NICHT! – http://t.co/UOkTdDdeyT *grml* ->
  • Warum #Mülheim als erste Großstadt in Deutschland seine #Straßenbahnen abschaffen will – Der Westen – http://t.co/lZ25buaaw4 ->
  • Ein weiteres schreckliches Signal, wie es um die Infrastruktur und die ÖPNV-Finanzierung in Deutschland bestellt ist. Wenn man sich… (1/2) ->
  • …vorstellt, dass französische Städte gleichzeitig mit Steuereinnahmen ihre Straßenbahnnetze massiv ausbauen. http://t.co/NsVpmrwoBg ->
  • RT @ninthprime: .@zukunftmobil @kreon_nrw aachen hat die strassenbahn bereits 1974 abgeschafft. und weint jetzt wegen der campusbahn. ->
  • Ich wette: Wenn Mülheim die Straßenbahn schließt und auf Bus umsteigt, wird die Ausschreibung von einem Dritten gewonnen und die MHVG geschlossen ->
  • RT @elba013: @zukunftmobil @kreon_nrw Erst geht die Bahn, dann macht auch der Bus pleite: http://t.co/Gt5PN2TwTq http://t.co/NRpaZ5kC16 ->
  • Die Mülheimer Pläne, die Straßenbahn abzuschaffen und die U 18 zur Disposition zu stellen, stößt in Essen auf Kritik. http://t.co/yzA80yfdcm ->
  • Kann mal jemand der Bundespolitik mitteilen, dass hier in Sachen Elektromobilität ein Rückschritt geschieht? Ebenso in Sachen Luftqualität! ->
  • Wegen der vielen Hinweise: Mülheim ist natürlich nicht die erste Großstadt, die ihre Straßenbahn abschaffen könnte! War die WAZ-Überschrift. ->
  • Großstädte heute ohne Straßenbahn: Aachen (1974), Wuppertal (1987), Kiel (1985), Remscheid (1969) ->
  • Stimmt! Gab es bis 1959. RT @Helmkritik: @zukunftmobil Ich meine, in Lübeck gabs in den 70ern auch noch verwitternde Straßenbahngleisreste. ->
  • Wieder im W-Berlin: M10, M13, 50 (defacto nichts) RT @viertelnachvier: @zukunftmobil Hamburg (1978), West-Berlin (bis zur Wiedervereinigung) ->
  • RT @elba013: @zukunftmobil …, Hamburg, Fürth, Regensburg, Bremerhaven, Offenbach, Wiesbaden, Osnabrück, Herne, Recklinghausen, Mönchengladbach… ->
  • RT @elba013: @zukunftmobil …, Paderborn, Solingen, Trier, Koblenz, Lübeck ->
  • Frankreich: „Ein Hochgeschwindigkeitszug für jedes Dorf – damit ist es vorbei“ – FAZ – http://t.co/QN3Kw2oSaq #frankreich #tgv #lgv #hgv ->
  • Güterzugunglück in Quebec: Alle 30 Vermissten sind mit hoher Wahrscheinlichkeit tot, Opferzahl steigt somit auf 50 – http://t.co/I6NJR6Gh3Q ->
  • Die MOL Comfort ist nun komplett untergegangen. Zuvor war auf dem Vorderteil ein Feuer ausgebrochen – Marine Log – http://t.co/O1nqpizowd ->
  • Die Bußgelder des Schienenkartells belaufen sich mittlerweile auf insgesamt 134,5 Millionen Euro – Tagesschau – http://t.co/Na2T1MQzym #bahn ->
  • Raffiniertes Recycling: Batterie-Elektroden aus Reishülsen – heise online – http://t.co/XoP4t7WxnV #batterietechnik ->
  • Mehrere Trassenvarianten wurden für ein Teilstück einer Bahnstrecke zwischen Kalifornien und Las Vegas vorgestellt – http://t.co/UffGW306q0 ->
  • Marktforschung zu Hybridautos: Meinungsbild im Zeitverlauf zeigt größere Bekanntheit, aber schlechteres Image – http://t.co/lubFylwecS ->
  • Zdenek Zak soll neuer tschechischer Verkehrsminister werden. Er ist u.a. für eine Erhöhung der Mautsätze zu den Hauptverkehrszeiten. ->
  • Plug in America zählt 100.000 Plug-in-Fahrzeuge in den USA – Autoblog Green – http://t.co/JYNTdY5JN6 #elektroauto ->
  • In Finnland wurde eine Gesellschaft für ein landesweites Auskunfts-, Abrechnungs- und E-Ticket-System gegründet – http://t.co/PCdCgG3X0L ->
  • 42-Milliarden-Dollar-Projekt: China will längsten Untersee-Tunnel der Welt (123 km Länge) bauen – Spiegel Online – http://t.co/bEWG7jzTQ0 ->
  • Etwas komische Bemessungsgröße, aber egal: Londoner Pendler können durch Radfahrten 8% – 15% ihrer Mietsumme sparen. http://t.co/pDzbYgbMBU ->
  • Die ganze Geschichte ist so strange: Mülheimer Stadtrat genehmigt Kauf von zehn neuen Straßenbahnen für 28 Mio. € – http://t.co/DuLnr2bm0B ->
  • Aber: “Wo immer möglich und wo es ohne Angebotsverschlechterung für den Bürger möglich ist, soll mittelfristig der Bus die Bahn ablösen.” ->
  • Offizielle Stellungnahme des Mülheimer Kämmerers Uwe Bonan zur Neuausrichtung des Mülheimer ÖPNV: http://t.co/0xhjqXJ2FY ->
  • Halten wir fest: In Mülheim geht es derzeit eher um eine Schrumpfung des Netzes statt einer Einstellung der Straßenbahn. ->
  • Wäre allerdings kein Geld für neue Straßenbahnen genehmigt worden, wäre der Betrieb ab 2016 kaum noch möglich gewesen -> defacto Einstellung ->
  • .@DerWesten Wieso kam es zu diesem ominösen Artikel? Zitat: “Mülheim bereitet den Abschied vom Schienenverkehr vor” http://t.co/bnOnQK6TVU ->
  • Ausbau von Autobahnen verbessert den dortigen Verkehrsfluss nicht, verschlechtert ihn aber im kommunalen Straßennetz http://t.co/cZUyYbpLLX ->
  • China: PKW-Verkäufe mit +9,3% zum Vorjahresmonat – Querschüsse – http://t.co/JIzaMg6pip ->
  • Russland: PKW-Verkäufe mit -11,5% zum Vorjahresmonat – Querschüsse – http://t.co/snvoR11s3z ->
Verkehr in 140 Zeichen am 13.02.2013
  • Großbritannien ist zurzeit echt spannend, da sich Gegner und Befürworter der SFS #HS2 argumentativ bekriegen. Viel mehr Niveau als bei #S21! ->
  • Forscher entwickeln festes Elektrolytmaterial, das Lithium-Ionen-Energiespeicher deutlich sicherer machen soll. – http://t.co/9SKBaM72 #787 ->
  • PSA Peugeot Citroën erwirtschaftet mit von 5,01 Milliarden Euro den höchsten Verlust in der Unternehmensgeschichte – http://t.co/iYqhXD2s ->
  • Die zweite staatliche Fluggesellschaft Bahrains, Bahrain Air, gibt wegen starker Konkurrenz und hoher Schulden auf – http://t.co/Aqq87Hyh ->
  • Siemens gewinnt Transportation Ticketing Technology Award 2013, Istanbul Bereich Service, Glo card (UK) beste Smartcard http://t.co/RQWawSTE ->
  • Die Europäische Union teilfinanziert Bauabschnitt 2 der LGV Rhine-Rhône – Rail News – http://t.co/33umAYvm #frankreich #tgv ->
  • Ich weiß ja nicht, ob man das noch S-Bahn nennen sollte! Mitteldeutsche S-Bahn: S 5X wird bis Hof verlängert – http://t.co/wOLTEd0O ->
  • Hafen Hamburg: Werden Akkus der AGV zum Containerumschlag zukünftig bei Ökostrom-Überschuss im Netz aufgeladen? – http://t.co/xWYU686q ->
  • Sicherheitsleute an Flughäfen Hamburg und Düsseldorf streiken morgen – Tagesschau – http://t.co/JNhdxkCu ->
  • Die Übernahme von Aer Lingus durch Ryanair dürfte von der EU aus Wettbewerbsgründen untersagt werden – http://t.co/2gV98RpF ->
  • Busse in San Francisco erhalten Frontkameras, um unerlaubte Nutzung von Busspuren durch Autofahrer verfolgen zu können http://t.co/KcP4ZAHI ->
  • Dritter Bauabschnitt der Elektrifizierung Reichenbach–Hof wird im Februar begonnen. Geplante Fertigstellung:12/2013 – http://t.co/Lt3z7I8h ->
  • American Airlines und US Airways stimmen Fusion zu, US Airways CEO Doug Parker wird CEO des neuen Konzerns. ->
  • Die neue Fluggesellschaft wird 94.000 Angestellte und 950 Maschinen haben, die täglich 6.500 Flüge durchführen. Umsatz: 39 Milliarden Dollar ->
  • Ein interessantes Interview mit dem scheidenden US-Verkehrsminister Ray LaHood ist bei Streetsblog D.C. zu finden: http://t.co/9DHl9fea ->
  • Die zwei weiteren Teile des Interviews folgen in den nächsten Tagen. ->
Hochgeschwindigkeitszugverkehr im Jahr 2012: Die chinesische (und andere) Revolutionen

Hochgeschwindigkeitszüge bieten in vielen Ländern eine schnelle und verlässliche Verbindung zwischen Städten. Je monozentrischer ein Land ausgeprägt ist, desto größere Wirkung kann ein Hochgeschwindigkeitsverkehr entfalten. Viele Länder investieren derzeit in den Aus- bzw. Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes. Auch im Jahr 2012 gab es einige Fortschritte, von denen ich einige vorstellen möchte. Da mittlerweile sehr viele Länder in Schnellfahrstrecken und Hochgeschwindigkeitsverbindungen investieren, ist die Aufstellung nicht vollständig. In Marokko, der Türkei, Russland, Brasilien, Thailand, Laos und weiteren Ländern gab es ebenfalls einige Fortschritte, die allerdings vor allem die Planung und Finanzierung neuer Strecken betreffen. Ich habe versucht, mich auf die Eröffnung neuer Streckenabschnitte und die Schließung von Netzlücken zu beschränken.

China

Das Jahr 2012 stand im Schatten des schweren Hochgeschwindigkeitszugunglücks bei Wenzhou im Jahr 2011. Hinzu kamen Ermittlungen wegen Korruption im Eisenbahnministerium, in deren Rahmen der Eisenbahnminister Liu Zhijun abgelöst wurde.

Trotz des schwierigen Vorjahrs war das Jahr 2012 recht erfolgreich. Mit mehr als 9.300 Kilometern in Betrieb befindlicher Strecke, ist China auf dem besten Weg das Ziel von 18.000 Kilometer HGV-Strecke bis 2015 zu erreichen. Im vergangenen Jahr wurde der erste von vier Nord-Süd-Korridoren fertiggestellt. Die Strecke zwischen Peking und Schanghai mit einem Abschnitt nach Hefei ist im Oktober vollständig in Betrieb genommen worden. Fortschritte gab es auch beim zweiten Nord-Süd-Korridor zwischen Peking und Harbin. Der 904 Kilometer lange Abschnitt zwischen Harbin und Dalian über Shenyang und Changchun ist seit dem 1. Dezember in Betrieb.

Große Fortschritte gab es auch beim Bau des 2229 Kilometer langen dritten HGV-Korridors Peking–Guangzhou–Shenzhen–Hong Kong. Am 28.09.2012 wurde der Abschnitt Zhengzhou – Wuhan und am 26.12.2012 die Abschnitte Shijiazhuang – Zhengzhou und Peking – Shijiazhuang eröffnet. Bis 2016 soll der Abschnitt Shenzhen – Hong Kong fertiggestellt sein.

In Ost-West-Richtung wurden 2012 Streckenabschnitte der Hochgeschwindigkeitsstrecke Shanghai–Wuhan–Chengdu zwischen Wuhan und Yichang (Mischbetrieb, 250km/h), Chongqing und Suining (Mischbetrieb, 200km/h) sowie zwischen Yichang und Lichuan (Mischbetrieb, 200km/h) freigegeben.

Mit 200 km/h sind auch die 2012 eröffneten Strecken Longyan–Xiamen und Jiangyou–Mianyang–Chengdu–Leshan befahrbar.

Einige Linien, deren Fertigstellung für 2012 projektiert war, können erst leicht verzögert 2013 eröffnet werden, z.B. Qinzhou–Beihai, Qinzhou–Fangchenggang, Nanning–Qinzhou, Tianjin–Qinhuangdao und Xi’an–Baoji.

Hauptproblem des Jahres 2012 waren jedoch die hohen Kapitalkosten, die den Etat des Eisenbahnministeriums stark belasteten. Für das 1. Halbjahr des Jahres 2012 wurde nach Steuern ein Verlust von 8,8 Milliarden Yuan, umgerechnet eine Milliarde Euro, ausgewiesen. Das zweite Halbjahr dürfte das negative Ergebnis nicht verbessert haben.

Großbritannien

High Speed Two in Großbritannien mit den geplanten zwei Baustufen – Cnbrb @ Wikimedia CommonsCC BY-SA 3.0

CC BY-SA 3.0

Im Januar wurde der Bau von High Speed Two (HS2), der Schnellfahrstrecke London – Birmingham, vom britischen Kabinett beschlossen. Der Bau könnte 2026 fertiggestellt sein, allerdings ist das Projekt vor allem wegen der Kosten in Höhe von 32,7 Milliarden Pfund stark umstritten.

Saudi-Arabien

In Saudi-Arabien wurde der Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke Mekka – Medina an ein spanisches Konsortium unter Führung von Talgo und Renfe vergeben. Der Bau der 450 Kilometer langen Strecke kostet 6,9 Milliarden Euro und umfasst neben der Konstruktion auch den Betrieb und die Instandhaltung über 12 Jahre.

Frankreich

Anfang des Jahres 2012 haben Frankreich und Italien den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke Lyon – Turin beschlossen. In der ersten Baustufe ist der Bau eines 57 Kilometer langen Tunnels zwischen Saint-Jean-de-Maurienne in Frankreich und Susa in Italien enthalten. Insbesondere auf italienischer Seite kam es wiederholt zu Protesten und Demonstrationen gegen den Bau.

Im März wurde ein erster Test zum Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsgüterverkehrs durchgeführt. Ein TGV der französischen Post transportierte Päckchen von Lyon Saint-Exupéry nach London St. Pancras mit Zwischenstopp am Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle. Weitere Tests mit der Perspektive auf den Aufbau eines europaweiten Frachtnetzes dürften folgen.

Für den Anschluss des spanischen Hochgeschwindigkeitszugnetzes wurde im April der Bau der LGV von Bordeaux über Toulouse bis zur spanischen Grenze beschlossen. Das 410 Kilometer lange Grand Projet ferroviaire du Sud-Ouest soll 2020 fertiggestellt sein. Ebenfalls Anfang April wurden 40 TGV-Duplex-Einheiten aus einem Rahmenvertrag mit dem Hersteller Alstom bestellt.

Am 28. Juni wurde der auf 25 Jahre ausgelegte PPP-Vertrag zum Bau und der Finanzierung der Misch-Hochgeschwindigkeitsstrecke Nîmes – Montpellier unterzeichnet. Ende Juli erfolgte der Spatenstich zum Bau der 132 km langen Hochgeschwindigkeitsstrecke Le Mans – Rennes.

Spanien

Spanien hat nach China das zweitlängste HGV-Netz der Welt und pro Einwohner die meisten HGV-Kilometer. Zudem gibt es kein Land auf der Welt, das einen größeren Anteil von Schnellfahrstrecken am gesamten Streckennetz hat wie Spanien.

Im Jahr 2012 wurden keine größeren Bauprojekte fertiggestellt. Diesbezüglich wird das Jahr 2013 interessanter. Wichtig für das spanische Hochgeschwindigkeitsnetz war 2012 jedoch der Beschluss Frankreichs das HGV-Netz von Bordeaux nach Toulouse bis an die spanische Grenze auszubauen.

Spanisches Hochgeschwindigkeitsnetz um Barcelona mit der grenzüberschreitenden Verbindung Figueres – Perpignan – Classical geographer – CC BY-SA 3.0

Die Europäische Investitionsbank hat Spanien zudem 500 Millionen zusätzlich für den Bau des Baskischen Y, eine Schnellfahrstrecke in Y-Form zwischen Bilbao, Vitoria und San Sebastián zur Verfügung gestellt. Insgesamt hat die EIB eine Milliarde Euro für das Projekt an Spanien geliehen, die Fertigstellung ist für 2016 geplant.

Die 131 Kilometer lange Strecke zwischen Figueres und Barcelona ist mittlerweile fertiggestellt und wir im kommenden Jahr offiziell in Betrieb genommen.

Italien

Trenitalia ETR 500 Frecciarossa im Mailänder Hauptbahnhof – public domain

In Italien wurde im Jahr 2012 ein neues Kapitel im Hochgeschwindigkeitsverkehr geschrieben. Es dauerte fünf Jahre und benötigte etwa 1,3 Milliarden Euro Investitionen. Mit Italo fährt nun der erste private Anbieter für Hochgeschwindigkeitsverkehr in Italien. Nuovo Trasporto Viaggiatori (NTV) fährt die Strecken Turin (Porta Susa) – Mailand (Porta Garibaldi, Rogoredo) – Bologna (Centrale) – Florenz (S. Maria Novella) – Rom (Ostiense, Tiburtina) – Neapel (Centrale) – Salerno (Centrale) und Rom – Florenz – Bologna – Padova (Centrale) – Venedig (Santa Lucia, Mestre) in Konkurrenz zum Angebot der staatlichen italienischen Eisenbahngesellschaft Trenitalia. Diese musste auf das neue Angebot mit Verbesserungen der eigenen Dienstleistung reagieren.

USA

Ein Entwicklungsland in Sachen schneller Eisenbahnverkehre sind ohne Zweifel die USA. Als Technologieführer in vielen Bereichen ist der Schienenpersonenverkehr in vielen Landesteilen dennoch unterentwickelt. Auch im Jahr 2012 gab es nur geringen Fortschritt. Der Fokus liegt eindeutig auf zwei Projekten: der Nordostkorridor zwischen Boston – New York und Washington und Kalifornien. Alle anderen Strecken, die in de letzten Jahren diskutiert wurden, sind nie über einen frühen Planungsstand hinausgekommen.

Rendering des kalifornischen Hochgeschwindigkeitszugprojekts

Aber auch der Bau des 130 Meilen langen Abschnitts im kalifornischen Central Valley hat mit Finanzierungs- und Organisationsproblemen zu kämpfen. Viele Republikaner sind gegen die milliardenschweren Investitionen. Ihr Protest wird auch teilweise von demokratischer Seite unterstützt.

Die Finanzierung des 151 Milliarden Dollar teuren Nordostkorridors wird ebenfalls noch einige Jahre dauern. Amtrak versucht währenddessen den Acela Express durch neue Zuggarnituren, die 2015 geliefert werden sollen, aufzuwerten.

Südkorea (Danke an Nikola!)

Südkorea hat im Mai 2012 den Hochgeschwindigkeitszug HEMU-430X präsentiert, der eine Geschwindigkeit von bis zu 430 km/h erreichen soll. Korail, das Korea Railroad Research Institute (KRRI) und Hyundai-Rotem haben gemeinsam mit anderen Industriepartnern den Zug für 79,69 Millionen Dollar entwickelt. Die Testphase soll 2015 abgeschlossen sein, der reguläre Einsatz wird für 2016 / 2017 geplant. Parallel wird derzeit bereits der HEMU-500X entwickelt, der Geschwindigkeiten von bis zu 500 km/h erreichen soll.

Der HEMU-430X soll die Fahrzeit zwischen den beiden größten Städten Südkoreas, Seoul und Busan, von 2 Stunden 20 Minuten auf eine Stunde und 30 Minuten senken.

Im Juni wurde mit dem Bau der 120,3 Kilometer langen West-Ost-Verbindung von Wonju nach Gangneung begonnen (250 km/h, Eröffnung 2017). Die Strecke soll mit dem Incheon International Airport in Seoul verbunden werden, um eine leistungsfähige Anbindung in die Ausrichterstadt der Olympischen Winterspiele 2018 Pyeongchang zu haben.

Zum Ende des Jahres wurde der Betrieb auf der neuen KTX-Verbindung von Seoul nach Jinju aufgenommen. Zu diesem Zweck wurde ein 53,3 Kilometer langes Teilstück der Strecke in Richtung Gwangyang eröffnet. Die Fahrzeit zwischen Seoul und Jinju sinkt von 6:50 Stunden auf 3:28 Stunden.

Verkehr in 140 Zeichen am 07./08.09.2012
  • Es fährt ein Schweizer Zug nach Kasachstan – NZZ – http://t.co/BSw4kXl1 ->
  • openPlanB hat Fahrplandaten zum dt. Nah- und Fernverkehr und angrenzende Regionen unter offener Lizenz veröffentlicht http://t.co/roXK2GRw ->
  • Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg entscheidet zurzeit über einen neuen Eröffnungstermin – RBB – http://t.co/QdaPkFni #BER ->
  • Bahn-Chef Grube erwartet den Abbau organisatorischer und rechtlicher Hindernisse für die Strecke Deutschland – China – http://t.co/W39KAKIo ->
  • Flughafen Hahn soll neues Gutachten und Wirtschaftskonzept bekommen – airliners – http://t.co/TmreTokq ->
  • Ruf nach neuer Spitze für BER-Aufsichtsrat – airliners – http://t.co/d6DagfMl ->
  • Shell startet Projekt zur Speicherung von CO2 in Alberta. Ist Greenwashing für den Abbau von Teersand. – http://t.co/cgwJNR7Q ->
  • Entscheidung über zusätzliche Flughäfen nahe London oder d. Ausbau von Heathrow soll das nächste Kabinett fällen (2015) http://t.co/BIy5R3VF ->
  • ÖBB-Privatisierungsdebatte: ÖBB-Vorstandschef Christian Kern hält die Diskussion für hochgradig unfair – ORF – http://t.co/S6vWlgbE #ÖVP ->
  • Tarifstreit mit der Gewerkschaft UFO: #Lufthansa macht Flugbegleitern Zugeständnisse – Tagesschau – http://t.co/CY3O69sF #streik #LH ->
  • Chicago veröffentlicht sein großartiges Fußgänger-Sicherheitsprogramm (Download: http://t.co/v2uXDfEj | PDF). ->
  • In zehn Jahren soll kein Fußgänger mehr umkommen. Dieses Ziel ist nur schwer zu erreichen. Aber der Anspruch der Stadt an sich ist toll! ->
  • Gibt es eigentlich eine deutsche Stadt, die dieses Ziel bzw. einen solchen Masterplan hat? http://t.co/4oagR6l1 ->
  • Am 27. Oktober 2013 soll der Hauptstadtflughafen #BER den Betrieb aufnehmen. Ich bin gespannt, was bis dahin passiert. http://t.co/QdaPkFni ->
  • Das Bikesharing-Angebot #Ecobiki in Mexiko City ist in Riesenerfolg ( http://t.co/Q6MlN1Iz ) und wird massiv erweitert – http://t.co/odzTHCwM ->
  • Was macht eine Stadtstraße zu einer großartigen Straße? – Sustainable Cities Collective – http://t.co/4NmaTebE ->
  • Wenn die Entwicklung eines #Elektroautos schon schwierig ist, was für Herausforderungen bietet dann ein Elektro-Lkw? – http://t.co/AHvZDUtj ->
  • Eilmeldungen zur #BER-Eröffnung in frühestens 14 Monaten sind auch irgendwie komisch. Überall nur “Breaking”, “Eilmeldungen”, usw. #medien ->
  • Airbus sieht einen Bedarf von 28.000 neuen Flugzeugen in den nächsten 20 Jahren – Airbus – http://t.co/pHIWRdRO (.pdf) ->
  • Die Zahl der Passagiermaschinen soll von derzeit rund 15.000 auf mehr als 32.000 steigen. Wichtigste Märkte sind China, Indien, Europa & USA ->
  • Das Passagierwachstum bis 2031 soll im Durchschnitt 4,7% p.a. betragen, die Verkehrsleistung um 150% auf 12,8 Billionen Pkm steigen ->
  • Automobilhersteller langfristig unter Druck? Guangzhou beschränkt Zulassung von neuen Pkw – New York Times – http://t.co/ujLbQwaP #China ->
  • RT @NYCAviation Ryanair flight 2322 from Leeds to Murcia had declared emergency just southeast of Manchester, unknown problem. ->
  • Baltic Dry Index bei nur noch 669 Punkten – Querschüsse – http://t.co/kTlqBAtt ->
  • Dieser Transport bringt wirklich lustige Überschriften hervor: 380 Km/h Zug legt auf Autobahn unfreiwillige Rast ein http://t.co/UUdMVgoM ->
  • Der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf will mit 50 Fahrradpolizisten sog. Kampfradlern entgegentreten http://t.co/deigOFq0 ->
  • Das sind Mengen, die wir uns in Europa gar nicht vorstellen können: BNSF transportiert 1 Mio. Barrel Öl/Tag aus ND – http://t.co/kGNuhW9n ->
  • Öl-Produktion in der Nordsee auf niedrigstem Stand seit 30 Jahren – dradio.de – http://t.co/DUH7KBJm ->
  • Russlands Präsident Putin kündigt massiven Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im Osten des Landes an – Hürriyet – http://t.co/DuR6HONR ->
  • Brasilien: Allzeithoch bei den PKW-Neuzulassungen – Querschüsse – http://t.co/PrdCQnig ->
  • Peruanisches Verkehrsministerium investiert 766 Millionen US-Dollar in die Verkehrsinfrastruktur in Cuzco, Peru – http://t.co/pe717xIS ->
  • Polizeigewerkschaft hält Kennzeichenidee für “Klamauk-Politik” – FTD – http://t.co/rLZq6K2q #ramsauer #Verkehrspolitik ->
  • Prügelknaben der Straßen: Der Alltag deutscher Fernfahrer – ZDF zoom (Mediathek 28:32min) – http://t.co/Aix6CpuF #lkw #logistik ->
  • Flughafen Hahn: Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) stellt sich hinter Geschäftsführung – http://t.co/ayusAuab ->
Verkehr in 140 Zeichen am 01.08.2012
Express-Züge: Tempo um jeden Preis?

In der vergangenen Nacht lief um 00:55 Uhr auf ARTE die neue Folge der Serie “Der Blogger / le blogueur“. Thema der letzten Ausgabe waren “Express-Züge: Tempo um jeden Preis?”. Trotz der französischen “TGV-Gläubigkeit” behandelte “der Blogger” die Entwicklungen sehr kritisch.

In Spanien wurde Kritik an den hohen Fahrpreisen laut, den sich viele Spanier nicht leisten können / wollen. Ein ähnliche Entwicklung ist auch in China zu beobachten. Aber auch das französische TGV-Netz bekam sein Fett weg. Der kritische Journalist Marc Fressoz sprach gar von der französischen Hochgeschwindigkeitspleite. Insbesondere sei der TGV wegen der französischen Überheblichkeit und des hohen Preises kein Exportschlager, der jedoch innerhalb Frankreichs derart viel Kapital binde, dass für regionale Eisenbahnverkehre schlicht kein Geld mehr vorhanden sei. In Frankreich sind ein Drittel der TGV-Strecken nicht rentabel, dennoch soll der Bau weiterer Lignes à grande vitesse (LGV) vorangetrieben werden.(siehe auch hier und hier)

Weitere Stationen sind Italien und Großbritannien. In beiden Ländern gibt es derzeit massiven Widerstand gegen den Bau von Schnellfahrstrecken. Und auch das deutsche Schnellfahrstreckennetz kommt kurz vor. Auch wenn ich mir etwas weniger Fokus auf den schrecklichen ICE-Unfall 1998 bei Eschede und den Unfall mit einer Schafherde bei Fulda gewünscht hätte.

Die Folge des “Bloggers” ist sieben Tage (bis nächsten Sonntag) frei im Internet verfügbar.

Hochgeschwindigkeitszüge im Jahr 2011: Spannung(en) in China und den USA

Das Jahr 2011 war auch im Bereich Eisenbahn insbesondere Hochgeschwindigkeitsverkehr ein spannendes Jahr. Viele Länder wie Marokko haben mit dem Bau von neuen Strecken begonnen, auch das französische Hochgeschwindigkeitsnetz wächst trotz aller Probleme weiter. In Deutschland sind wir immer noch mit dem Bau der SFS Nürnberg – Erfurt beschäftigt, der Bau der Y-Trasse wurde auf unbestimmte Zeit verschoben und auch die SFS Wendlingen – Ulm ist eng mit dem umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 verbunden.

Diskussionen und Zweifel gab es jedoch auch in den USA und Großbritannien. Polen musste aufgrund fehlender Geldmittel sogar die Pläne für den Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Warschau – Łódź – Kalisz mit Verlängerungen nach Breslau und Posen beerdigen.

Letztes Jahr ist in diesem Bereich also einiges geschehen. Drei Eckpunkte, die auch im Jahr 2012 einen Einfluss haben werden, möchte ich nun kurz vorstellen:

Vorbereitungen für einen neuen Geschwindigkeitsrekord:

Im Dezember 2010 hatte der chinesische Hochgeschwindigkeitszug CRH 380A mit 486,1 Stundenkilometern einen neuen Geschwindigkeitsrekord für einen Serienzug aufgestellt.

Bereits im Januar 2011 erfolgte die nächste Rekordfahrt im Reich der Mitte. Ein Hochgeschwindigkeitszug des Typs CRH380BL erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 487,3km/h.

Aber die Chinesen streben nach Größerem. Im Dezember wurde der Testzug CIT500 geliefert, der die magische Grenze von 500 Stundenkilometern durchbrechen soll. Der Hochgeschwindigkeitszug basiert auf der Baureihe CRH380AL, wurde für die Rekordfahrt allerdings speziell modifiziert. So wurden alle antriebslosen Zwischenwagen weggelassen, sodass der Zug nur noch 6 Wagen lang ist.Durch spezielle aerodynamische Verkleidungen im Frontbereich soll der Luftwiderstand gesenkt werden. Der Rumpf besteht aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff mit einer Magnesium-Legierung. Die nominale Leistung beträgt 22,8 MW (30.600 PS). Leider bringt uns das chinesische Hochgeschwindigkeitsprogramm nicht nur neue Rekordfahrten, sondern auch einige negative Ereignisse:

Schweres Zugunglück in China als mahnendes Beispiel für schwache Strukturen

Im Juli 2011 starben in China 40 Menschen bei einem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge bei Wenzhou. Dieses Unglück bedeutet für das chinesische Streben nach immer neuen Rekorden einen leichten Dämpfer.

Ursache für das Unglück war ein Blitzschlag. Dieser brachte den ersten Schnellzug zum Stillstand. Da die Signalanlagen in den Zügen aufgrund eines schwerwiegenden Konstruktionsfehlers nicht mehr richtig funktionierten, fuhr der zweite Hochgeschwindigkeitszug auf den stehengebliebenen Zug auf. Zwei Waggons stürzten dabei von einer etwa 20 Meter hohen Brücke. 40 Menschen starben, 172 wurden zum Teil schwer verletzt.Problematisch war auch die Aufklärung des Unglücks. Anfangs versuchten lokale Behörden die Unfallursache zu vertuschen. Baumaschinen sollten die zertrümmerten Züge an Ort und Stelle vergraben um eine Untersuchung zu behindern. Erst massive Proteste aus der Bevölkerung führten zu einer Untersuchung bei der am Ende 54 Beamte mit Degradierungen und Parteiausschlüssen bestraft wurden.Das Eisenbahn-Ministerium kündigte an, den Familien jedes Opfers 915.000 Yuan (ca. 120.000 Euro) als Entschädigung zu zahlen. Eine Vereinbarung mit den Familien der drei ausländischen Opfern wurde jedoch noch nicht erreicht. Das Ministerium hat außerdem mit 101 der insgesamt 172 Verletzen Entschädigungsverträge unterzeichnet. Details über die Höhe der Entschädigung für die Verletzten wurden allerdings nicht bekannt.Das chinesische Hochgeschwindigkeitsverkehrsnetz krankt aber nicht erst seit dem Unglück an Mängeln. Korruption, eine nicht zeitgemäße Verwaltung und Bahnaufsicht sowie Lücken in der Gerätebeschaffung lassen immer wieder Zweifel an Chinas Highspeed-Netz aufkommen. Bereits im Februar wurden der chinesische Bahnminister Liu Zhijun und der stellvertretende Chef-Ingenieur des Ministeriums, Zhang Shuguang, wegen Korruption aus ihren Ämtern entlassen.

Aber es existieren noch weitere Probleme mit Chinas Hochgeschwindigkeitsstrecken:

Durch die Verwendung von minderwertigem Beton kann es schon in einigen Jahren zu Problemen kommen. Die Folge wären die Herabsetzung der gefahrenen Geschwindigkeiten sowie massive Reparaturmaßnahmen.

Problematisch ist auch die hohe Verschuldung des chinesischen Eisenbahnsektors aufgrund der hohen Investitionsausgaben. Unter dem ehemaligen Eisenbahnminister Liu Zhijun wuchs der Schuldenberg auf zwei Billionen Renminbi Yuan (etwa 250 Milliarden Euro). Jedoch bleiben die Einnahmen hinter den Erwartungen zurück. Aufgrund der hohen Ticketpreise können sich nur sehr wenige Chinesen die Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug leisten. Nach dem schweren Unfall sind die Züge teilweise nur noch zu 30 Prozent ausgelastet. Die große Allgemeinheit muss weiterhin die langsameren Züge nutzen, für deren Netz aufgrund der hohen Investitionen in das Hochgeschwindigkeitsnetz nicht die notwendigen Investitionsmittel bereit stehen. Dies wird sich vermutlich in den nächsten 20 Jahren kaum ändern.

Hochgeschwindigkeitszüge in den USA – der sterbende Schwan?

2010 war das Jahr der großen Ankündigungen, wenn es um den Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes in den USA ging. 2011 folgte die Ernüchterung.

Aufgrund der angespannten Haushaltslage in den USA und der ablehnenden Haltung der meisten Republikaner im Senat und Kongress, war das Jahr 2011 ein äußerst schwieriges Jahr für die Einführung von Hochgeschwindigkeitszugverkehren in den USA.

Hoffnungsträger war lange Zeit der Bundesstaat Kalifornien. Viele Politiker standen hinter dem Projekt, das auch die meisten Bundesmittel bisher erhalten hat. Allerdings gab es im vergangenen Jahr einige Probleme, die das Projekt verzögern wenn nicht gar komplett verhindern werden.

Im Januar 2010 kündigte US-Präsident Obama die Bereitstellung von acht Milliarden Dollar für den Aufbau eines nationalen Hochgeschwindigkeitsnetzes an. Kurz darauf setzten kritische Stimmen in Florida und Kalifornien ein. Insbesondere Vertreter der Tea Party, dem rechten Rand der Republikaner, begannen gegen die Projekte zu opponieren. Die Kritik wurde lauter, nachdem Obama und Joe Biden im Februar 2011 weitere 53 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von sechs Jahren für den Bau von Hochgeschwindigkeitsstrecken zur Verfügung stellen wollten. Die republikanischen Gouverneure aus Wisconsin, Ohio und Florida lehnten die Gelder und den Bau von Hochgeschwindigkeitsstrecken in ihren Bundesstaaten mit Rücksicht auf ihre Wählerkreise ab.

Der schwärzte Tag war jedoch die Haushaltsverhandlung im November 2011. Am Ende wurden alle Mittel für den Aufbau des Netzes nach Obamas Plänen von republikanischer Seite gestrichen. Dies muss nicht zwingend das Ende der Hochgeschwindigkeitsträume per se sein, stellt aber schon eine gewaltige Hürde dar.

Die Planungen für ein nationales Schnellfahrnetz war allerdings auch technisch relativ suboptimal gestaltet. Das zur Verfügung stehende Geld sollte statt konzentriert in den Bau von ein oder Zwei Projekten in den Bau von zehn verschiedenen Hochgeschwindigkeitskorridore mit einer Länge von 160 bis 1.000 Kilometer fließen. Der Nordostkorridor zwischen Washington, New York und Boston sollte vollkommen außen vor bleiben. Dabei bietet diese Strecke aufgrund ihrer Beschaffenheit und den großen Bevölkerungsdichten die größten Chancen.

Rein definitionsgemäß müssen Schnellfahrstrecken in Europa mit mindestens 250 Stundenkilometer befahrbar sein. In den USA sind allerdings auch Strecken im Hochgeschwindigkeitsausbauprogramm, die nur mit etwa 180 Stundenkilometern (u.a. Milwaukee – Madison, geschätzte Kosten 823 Millionen Dollar) bzw. nur mit 130 Stundenkilometer (Cincinnati – Cleveland, geschätzte Kosten 400 Millionen Dollar) befahrbar sein sollen. Durch Forderungen lokaler Politiker sollen die Hochgeschwindigkeitszüge ähnlich wie in Deutschland auch in kleineren Städten halten, sodass die Reisegeschwindigkeit weiter sinkt.

Die einzig “wahre” Hochgeschwindigkeitsstrecke, die ihren Namen auch verdient, soll im Bundesstaat Kalifornien gebaut werden. Die Strecke von Los Angeles nach San Francisco soll auf 350 Stundenkilometer ausgelegt werden und verbindet zwei Metropolen mit jeweils sieben Millionen Einwohnern. Durch die Autozentriertheit Kaliforniens dauert eine Fahrt zwischen beiden Städten heutzutage etwa sechs Stunden, es gibt auch einige Flugverbindungen zwischen beiden Städten. Die Planungen für das Projekt dauern mittlerweile schon einige Jahrzehnte, das einzige was immer fehlte war das Geld.

Karte der geplanten Hochgeschwindigkeitsstrecke in Kalifornien, Urheber: CountZ @ Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Der Staat Kalifornien hatte bereits zehn Milliarden Dollar finanziert, Obamas Konjunkturprogramm stellte weitere Milliarden zur Verfügung. Das Problem war und ist eher die mangelhafte Kommunikation, die das Projekt wahrscheinlich noch scheitern lässt (Parallelen zu Stuttgart 21 existieren durchaus).Problem Nummer 1 sind überzogene Fahrgastprognosen. Das Projekt sollte mehr als 100 Millionen Fahrgäste pro Jahr befördern und im Betrieb profitabel sein. Nachdem Kritik an der Finanzierung laut wurde, wurden Kritiker von Seiten der Projekt- und Planungsgesellschaft angegriffen anstatt ihre Bedenken auszuräumen (Problem 2). Zum Ende dieses Jahres musste dann zugegeben werden, dass sich die Bauzeit verdoppeln, die Fahrgastprognose nicht erfüllen und die Kosten ebenfalls mehr als verdoppeln werden. Fraglich ist, wie diese Kostensteigerung finanziert werden soll (Problem 3).

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die hohe Zustimmung in der Bevölkerung allerdings schon in eine hohe Ablehnung gewandelt. Beinahe zwei Drittel der Kalifornier lehnen das Projekt mittlerweile ab (Problem 4). Um die Hochgeschwindigkeitsstrecke doch noch irgendwie bauen zu können, soll eine Art “Fuß in der Tür”-Taktik angewandt werden: der erste Bauabschnitt wird zwischen den relativ kleinen Städten Fresno und Bakersfield realisiert werden. Gewählt wurde dieses Teilstück, da es relativ gerade verläuft und einfach zu errichten ist. Kritiker sprechen dahingegen von “einem Zug ins Nichts”.

Es wird immer noch gehofft, mit dem Bau im Herbst 2012 beginnen zu können. Derzeit befindet sich das Projekt jedoch weiterhin in der politischen Diskussion. Man muss abwarten, was in Washington und Sacramento letztendlich entschieden wird.

Auf jeden Fall wird das Jahr 2012 was Hochgeschwindigkeitszüge und den Bau neuer Strecken angeht, keinesfalls langweilig.

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Schlußstrich

Weniger Autos sind natürlich besser als mehr. Wir müssen in Zukunft Mobilitätskonzepte verkaufen und nicht nur Autos. [...] Wenn die Automobilindustrie es nicht schafft, grüner zu werden, wird sie keine Zukunft haben.
Winfried Kretschmann, erster grüner Ministerpräsident von Baden-Württemberg, BILD am SONNTAG vom 24.04.2011

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