Artikel zum Thema Verkehr
Sneckdowns: Verschneite Straßen als innovatives Werkzeug der Verkehrsplanung

Die befestigten Wege auf dem Campus der University of Oregon (Eugene) haben es zu einiger Bekanntheit gebracht. In den siebziger Jahren optimierte der Wiener Architekt Christopher Alexander die dortige Wegeführung, indem er die Flächen zwischen den Universitätsgebäuden planieren und mit Rasen besäen ließ. Die nach Monaten entstandenen Trampelpfade wurde dann zu befestigten Wegen umgestaltet (sogenannte “Desire Lines”) und somit ein nahezu optimales Wegenetz, bestehend aus kürzesten Routen zwischen den jeweiligen Quellen und Senken, angelegt. In Finnland analysieren Stadt- und Verkehrsplaner sowie Landschaftsarchitekten schon länger die Spuren, welche die Menschen in verschneiten Parks und auf schneebedeckten Plätzen hinterlassen, um die Wegeführung besser zu verstehen und planen zu können.

In den USA, und vor allem in den sozialen Medien (Hashtag #sneckdown bei Twitter), wird zurzeit sehr stark über sogenannte “sneckdowns” – ein Kunstwort aus “snow” und “neckdowns” (dt.: Schrägstrichgatter, auch Sperrfläche) diskutiert. Das Prinzip: Die Flächen einer verschneiten Straße, die vom motorisierten Individualverkehr nicht befahren werden, braucht dieser eigentlich nicht.

Die Umgestaltung von Straßenabschnitten zur Verbesserung der Verkehrssicherheit, zum Zweck der Verkehrsberuhigung und zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität wird oft sehr kontrovers diskutiert. Vor allem, weil die Veränderungen meistens zu Lasten des motorisierten Indivualverkehrs gehen. Die Fahrspuren zeigen jedoch, dass einige Flächen der Straße gar nicht befahren werden und ohne Probleme in breitere Rad- und Fußwege, Verkehrsinseln und Fahrbahnteiler umgewandelt werden könnten (Beispiele aus Philadelphia / New York).

  • Durch Schneepflüge oder durch den Verkehr selbst “geräumte” Straßen weisen einen verkleinerten Straßenquerschnitt auf und zeigen somit potenzielle Flächen für den ruhenden Verkehr, breitere Fußwege oder Radwege.
  • Verschneite Flächen in Kurven und Kreuzungen zeigen, welche Flächen der abbiegende Verkehr wirklich benötigt und weisen auf potenzielle Flächen für breitere Fußwege hin.
  • Verschneite Flächen zeigen jene Stellen, an denen Fußgänger in Realität die Straßen überqueren (nicht immer da, wo der jeweilige Planer es gerne hätte).

Sneckdown in New York: Mögliche Nutzung von Flächen, die der motorisierte Individualverkehr nicht befährt und eigentlich gar nicht braucht.

Verschneite Straßen können Verkehrsplanern als gute Blaupause dienen. Es dürfte keine gerechtere Aufteilung von Raum geben, als jene welche, die von der jeweiligen Nutzergruppe wirklich genutzt und damit in Anspruch genommen wird. In den USA haben sich daher bereits einige innovativ denkende Stadtverwaltungen die Spuren verschneiter Straßen als Planungsgrundlage genommen.

In Philadelphia wurde beispielsweise der Straßenabschnitt der Baltimore und 48th Street entsprechend umgestaltet. Im Winter 2011 zeigte sich im Kreuzungsbereich folgendes Bild:

Der verschneite Straßenabschnitt im Jahr 2011 – Foto: Prema Bupta

Die Verkehrsplanungsbehörde schloss aus der Aufnahme, dass dem fließenden Verkehr zu viel und dem nicht-motorisierten Verkehr zu wenig Fläche zu Verfügung stand und daher eine Anpassung sinnvoll und aufgrund der Nutzung unproblematisch wäre. Aus diesem Grund entschloss man sich zur Umgestaltung des Kreuzungsbereichs:

Plan zur Umgestaltung der Kreuzung Baltimore / 48th Street in Philadelphia – Grafik: City of Philadelphia

Im Sommer 2013 wurde der Kreuzungsbereich entsprechend umgestaltet:

Umgestalteter Kreuzungsbereich Baltimore / 48th Street in Philadelphia – Grafik: City of Philadelphia

Die Verkehrsplanungsbehörde Philadelphias hat angekündigt, diesen Weg weiter zu bestreiten und Sneckdowns als Mittel zur Identifikation von Flächen, die umgestaltet werden können, zu nutzen. Die starke Diskussion für Sneckdowns, insbesondere in den sozialen Medien, dürfte weitere Städte und Kommunen dazu bringen, sich die verschneiten Straßen in ihrem Wirkungsbereich zukünftig genauer anzusehen. 

Verkehr in 140 Zeichen am 07. / 08. / 09.02.2014
  • Wie die ehemalige Leiterin der New Yorker Verkehrsbehörde, Janette Sadik-Khan, die Stadt veränderte. http://t.co/JVzHYDKia5 ->
  • Panamakanal: Streit um Kostensteigerungen von über 50 Prozent eskaliert zum Baustopp – Telepolis – http://t.co/CdZB2pzqFf #panama #sacyr ->
  • Batterieforscher Andreas Gutsch: Privatfahrzeuge auf Elektroantrieb umzustellen, ergibt wenig Sinn, ÖPNV wäre besser. http://t.co/jYNlOaOlrg ->
  • [Expert talk] Im Gespräch mit Robert Henrich, CEO der Daimler Mobility Services GmbH – http://t.co/p4RAH4Ez1X #car2go #moovel #daimler ->
  • Informative Dokumentation, die auf sehr viele Aspekte eingeht: Leben ohne Auto – ZDF – http://t.co/zhRFDDWAu3 [44:00 min] (via @kronimos] ->
  • Frust im / beim VDV: „Noch mehr Anrufbusse allein sind keine Lösung“ – ÖPNV aktuell – http://t.co/4nSJvmVf8e ->
  • Schweiz: Gemäß Hochrechnung sagt das Volk mit 62 Prozent Ja zur Fabi-Vorlage. #sbb #bahn #schweiz ->
  • Aktuelle Ergebnisse zur #Fabi-Abstimmung sind u.a. beim Tagesanzeiger zu finden: http://t.co/FoUEYZAygq ->
  • Dobrindt will der Bahn Internet-Offensive verordnen. http://t.co/Ff4FpUW6VN Das Thema tut niemandem weh. Was ist mit den anderen Baustellen? ->
  • Auch wenn ich mich selber über den mangelhaften Netzausbau an Bahnstrecken ärgere, halte ich das Schienennetz doch für durchaus wichtiger. ->
  • Statt Wechselkennzeichen und Bußgeldkatalog setzt Dobrindt eben auf das attraktivere Thema Internet. Und ignoriert das Komplexe & Schwierige ->
  • IHS Automotive Prognose: Weltweite Produktion von #Elektroautos soll 2014 um 67% wachsen, Pkw-Gesamtproduktion: 3.6%. http://t.co/GgP5MYBvhF ->
[Expert talk] Im Gespräch mit Robert Henrich, CEO der Daimler Mobility Services GmbH

Grafik: Daimler Mobility Services GmbH

Die Daimler AG ist das Unternehmen aus der Automobilindustrie, welches im Vergleich zu anderen Unternehmen aus der Branche am stärksten auf neue Angebote und Services setzt. Und das schreibe ich durchaus überzeugt und nicht nur, weil ich erstens ein gutes Verhältnis zu Daimler bzw. der Daimler Mobility Services GmbH habe und zweitens Daimler von Anfang an Partner des Future Mobility Camps war.

Auch wenn der Hauptfokus natürlich auf dem Bau von Pkw und Nutzfahrzeugen liegt, die Werkzeuge des Lobbyismus genutzt werden um politische Zielsetzungen und Grenzwerte, die einen nachhaltigeren Verkehr fördern würden, zu verhindern, ist Daimler nichtsdestotrotz in einer Vorreiterrolle.

In den vergangenen Jahren hat man kontinuierlich am Aufbau von Alternativen zum motorisierten Individualverkehr gearbeitet. Mit car2go wurde das free float-Carsharing bis zur Marktreife entwickelt, moovel als intermodales Auskunftssystem geschaffen (welches ebenfalls an der mangelnden Datenverfügbarkeit und Offenheit seitens der öffentlichen Verkehrsunternehmen leidet) und diverse Beteiligungen an neuen und innovativen Angeboten abgeschlossen.

Gestern habe ich in Stuttgart mit Robert Henrich, CEO der Daimler Mobility Services GmbH, ein leider viel zu kurzes Gespräch über car2go, car2go black, moovel und weitere DMS-Angebote geführt. Leider kamen wir vor der Kamera nicht mehr zu den Fragen, wie das Flottenbalancing organisiert wird, welche Eigenschaften erfolgreiche “Carsharing-Städte” aufweisen und wie er auf Kritik reagiert, dass intermodale Verkehrsangebote (in der heutigen Form) nur etwas für junge, hippe Großstädter seien und an der Lebensrealität der meistens Menschen vorbei gehen. 

Ich hoffe, man kann dennoch etwas aus unserem kurzen Gespräch mitnehmen und alle weiteren Fragen werden wir hoffentlich im Rahmen zukünftiger Future Mobility Camps klären können. ;-)

Disclosure: Daimler hat die Reisekosten übernommen. Eine Auswahl von Fragen / Themenkomplexen habe ich vorab übermittelt, jedoch im Gespräch auch nicht vorab bekannte Fragen gestellt. Eine inhaltliche Absprache fand nicht statt.

Verkehr in 140 Zeichen am 05.02.2014
[FMC Berlin 2013] Podiumsdiskussion über neue Mobilitätsformen und die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur (Video)

Am Abend des ersten Tages des Future Mobility Camps Berlin 2013 haben wir im Technikmuseum Berlin eine Podiumsdiskussion zu verschiedenen Themenbereichen zukünftiger Mobilität veranstaltet. Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren Prof. Dr. Andreas Knie (DB / InnoZ), Hartmut Mehdorn (Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH), Burkhard Stork (Bundesgeschäftsführer ADFC), Anton Hofreiter (MdB Bündnis 90/Die Grünen, Co-Fraktionsvorsitzender, Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Deutschen Bundestag der vergangenen Legislaturperiode), Prof. Dr. Dirk Böndel (Direktor des Deutschen Technikmuseums Berlin), Andreas Leo (Pressesprecher Daimler Mobility Services / car2go) und Martin Schmitz (Geschäftsführer Technik Verband Deutscher Verkehrsunternehmen / ehem. Geschäftsführer Vossloh Kiepe GmbH).

 Ein Transkript der Podiumsdiskussion wird an dieser Stelle noch ergänzt werden.

Was passiert eigentlich, wenn das Auto den ÖPNV als bessere Alternative vorschlägt?

Apple und Google setzen erneut zum Sprung an. Nach Smartphones stehen nun die Bedienoberflächen in Fahrzeugen im Fokus. Mit iOS 7 kündigte Apple im Juni 2013 “iOS in the Car” an, welches sich über das Basis-Betriebssystem des Fahrzeugs legen soll. Ziel ist der direkte Zugriff auf iOS-Funktionalitäten über das Infotainmentsystem des Fahrzeugs. Neben Musik, Telefonie und dem Vorlesen und Verfassen von Textnachrichten soll auch die Navigation über das Smartphone erfolgen.

Zu Beginn des Jahres 2014 hat Google nachgezogen und mit Audi, General Motors, Honda, Hyundai und dem Chiphersteller NVIDIA die Open Automotive Alliance (OAA) gegründet. Ziel des Konsortiums ist die Implementierung der Android-Plattform in Fahrzeugen bis Ende des Jahres 2014. Auch bei Android steht die Navigation stark im Fokus.

2012 veröffentlichte Google die erweiterte Google Search App “Google Now“. Die Anwendung soll als intelligenter persönlicher Assistent für Googles Android und Apples mobiles Betriebssystem iOS (veröffentlicht am 29. April 2013 für iOS) dienen. Google Now ist derzeit in den Funktionen – insbesondere außerhalb der USA – noch etwas eingeschränkt. Dieser Zustand dürfte sich aber schrittweise bessern. Hinzu kommt, dass mit zukünftigen Android-Versionen die Integration von Google Now in Android-Smartphones verbessert werden dürfte.

Für die iOS-Plattform soll Siri die Rolle der persönlichen Assistentin übernehmen und dürfte in Zukunft ebenfalls kontext-, zeit- und ortsabhängige Informationen liefern.

Ein wichtiger Baustein ist dabei stets die Navigation. Aus Kalenderdaten, dem aktuellen Standort und vorhandenen Kontakten werden im Hintergrund automatisiert Routen berechnet und – soweit möglich – mit Echtzeit-Verkehrsdaten optimiert. Die Akquisition der Navigationslösung Waze dürfte die Datengrundlage bei Google Maps weiter verbessern.

Screenshot der Waze Livemap

Waze sammelt anonymisiert Daten über Ort und Geschwindigkeit der Nutzer und gibt diese über eine Datenbank an die anderen Nutzer weiter. Zusätzlich zu den üblichen Funktionen von Navigationssystemen können die Anwender neben der Aufzeichnung und Bearbeitung von Straßenverlauf, Hausnummern und Orten auch Verkehrsunfälle, erhöhtes Verkehrsaufkommen und auch Fotos von Unfällen an den Waze-Server senden und dadurch unmittelbar an die anderen Nutzer weitergeben. Informationen stehen somit nahezu in Echtzeit zur Verfügung.

iOS und Android im Fahrzeug – Nicht nur für die Automobilindustrie eine Chance

Das Mobilitätsverhalten wandelt sich von monomodal zu multimodal. Statt nur ein Verkehrsmittel zu nutzen, werden mehrere Verkehrsarten als gleichwertig angesehen und die Verkehrsmittelwahl je nach Wegezweck und äußeren Einflussgrößen (Wetter, Gepäck, usw.) getroffen.

Öffentliche Verkehrsunternehmen setzen große Hoffnung in diesen Wandel. In diversen Forschungsprojekten werden möglichst unkomplizierte, d.h. vor allem schnittstellenarme Auskunftssysteme erprobt sowie Haltestellen und Netzknoten entsprechend umgestaltet. “Mobilitätsintegratoren” und “Mobilitätsdrehscheiben” spielen im Buzzword-Bingo eine große Rolle. Letzten Endes haben alle Anstrengungen jedoch das gleiche Ziel: Die Komplexität für den Fahrgast möglich weitgehend minimiert werden.

Das Eindringen von iOS und Android in das Innere eines Pkw bringt vollkommen neue und bisher ungeahnte Möglichkeiten!

In Zukunft werden Navigationslösungen nicht nur die Zeit für die Fahrstrecke berechnen, sondern aufgrund entsprechender Sensoren auch den Standort des dem Ziel nächstgelegenen freien Parkplatzes bzw. den durchschnittlichen Zeitaufwand einen freien Parkplatz zu finden. Ebenfalls dürften sich Parkgebühren mittelfristig dynamisieren, d.h. entsprechend der Nachfrage angepasst werden.

Bei einer Fahrt von außerhalb in den Innenstadtbereich prüft das Navigationsgerät in Echtzeit verschiedene Parameter wie Fahrtdauer, Stauprognose, Aufwand für die Parkplatzsuche, Parkgebühren, Verspätungen im ÖPNV, etc. und wird anhand dieser Daten eine Empfehlung aussprechen: “Bitte fahren Sie auf den nächsten Park & Ride-Parkplatz und nutzen Sie Linie 6. Sie sparen 13 Minuten und 2,30 €.”

Bildmontage: P&R-Empfehlung in iOS in the Car am Beispiel Dresden. – Grafik: Mechlab Engineering – CC BY 2.0 DE

Die genaue Benennung des zeitlichen und monetären Vorteils dürfte für einen Teil der Autofahrer ein ausreichend großer Impuls sein, das Auto stehen zu lassen und auf den ÖPNV umzusteigen. iOS und Android in Fahrzeugen werden somit nicht nur dem Fahrzeuginsassen nützen, sondern auch dem öffentlichen Verkehr!

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Verkehrsunternehmen und Verkehrsverbünde heute die entsprechenden Voraussetzungen für ein solches Routing schaffen. Hierfür ist es von essenzieller Bedeutung, die IT-Systeme entsprechend anzupassen und Fahrplandaten über entsprechende Schnittstellen zur Verfügung zu stellen. Aufgrund der Entwicklungszyklen der Automobilindustrie werden noch mindestens drei Jahre vergehen, bis die fahrzeugseitigen Schnittstellen für Android und iOS zur Verfügung stehen. Man sollte sich aber durchaus bereits heute Gedanken über das Jahr 2017 machen. 

Bei einer möglichen Anpassung der Systeme sollte des Weiteren nicht vergessen werden: wegen des sehr hohen Marktanteils von Android und der Verfügbarkeit von Google Now auf den meisten Android-Smartphones, Tablets und zukünftig auch in Fahrzeugen dürfte die Bedeutung von GTFS bzw. GTFS-Realtime Daten in Zukunft weiter steigen. Die VDV-Schnittstellen 452 und VDV 453/4 werden in diesem Bereich mit aller Voraussicht keine Rolle spielen!

Neben Google, Apple und anderen beteiligten Großunternehmen sollten jedoch auch kleine unabhängige Entwickler die entsprechenden Daten nutzen dürfen (= offene Fahrplandaten). Bisherige Anwendungen fokussierten sich sehr stark auf die Fahrplan- und Verbindungsauskunft, die Verkehrsunternehmen gerne selber zur Verfügung stellen. Hierfür gibt es auch durchaus gute Gründe. Allerdings schwächt sich dieses Argument bei einer weiteren Verbreitung von Android und iOS in anderen Geräten immer weiter ab, da es unwahrscheinlich ist, dass ein Autofahrer während der Fahrt die Anwendung bzw. die mobile Webseite des Verkehrsunternehmens nutzt, um eine Fahrplanauskunft zu bekommen. Die nahtlose Systemintegration bringt eine Verbreitung mit sich, die keine Anwendung eines Verkehrsunternehmens jemals erreichen wird!

Stehen die entsprechenden Daten des Verkehrsunternehmens jedoch anderen Anwendungen, es muss sich dabei nicht einmal um eine verkehrsbezogene Anwendung handeln, zur Verfügung, werden in Zukunft neben dem Routing mit dem Pkw auch öV-Verbindung abgefragt werden. Denkbar sind beispielsweise Kalenderanwendungen, welche automatisch das optimale Verkehrsmittel mit der optimalen Route zwischen zwei Terminen ausgeben. Oder Stauwarner, die statt einer Umfahrung des Staus ÖPNV-Verbindungen als Alternative vorschlagen.

Eines ist klar: Google und Apple werden mit ihrem Vorstoß sicherlich nicht nur die Pkw-Entertainment-Systeme im Blick haben, sondern neue Nutzungsmöglichkeiten für ihre Kartenanwendungen suchen. Die Kreativität und die Ideen von Millionen von Designern, Entwicklern und Programmierern werden viele neue Impulse im Bereich In-Car-Information setzen.

Es dürfte für die Verkehrsunternehmen in Zukunft noch schwieriger werden, eine Mauer mit Burggraben um ihre Daten zu ziehen und die Fahrplandaten nicht über entsprechende Schnittstellen zur Verfügung zu stellen. Statt Daten “zu verschenken”, verschenkt man dann Potenzial. Potenzial in Form von Tausenden potenziellen Fahrgästen!

“Sind wir das Pferd?” – Albert Wenger über eine Welt im ständigen Umbruch

In der vergangenen Woche habe ich wieder einmal mit vielen Menschen interessante Gespräche und Diskussionen führen dürfen. Unter meinen Gesprächspartnern waren Mitarbeiter von Verkehrsunternehmen und -verbünden, der Automobilindustrie, Ministerien auf Landes- und Bundesebene und Wissenschaftler verschiedenster Forschungseinrichtungen. Thematisch bewegten wir uns von, auf den ersten Blick, einfachen Themen wie dem Design von Fahrscheinautomaten über Abgasnachbehandlung hin zu komplexeren Themen wie autonomen Fahrzeugsystemen und der Energieversorgung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2050.

Bedenken aus dem alltäglichen Geschäft lassen sich relativ häufig durch das Schaffen von Kontext beseitigen. Statt einen Kampf um jeden Meter “für und wider” zu führen, kann eine Einordnung in die Historie und das Ausmalen von möglichen zukünftigen Trends und Entwicklungen sehr helfen.

Kein Mensch kann wissen, was die Zukunft wirklich bringen wird. Alle Menschen versuchen jedoch aus ihren Erfahrungen und Informationen, die sie von Dritten erhalten, eine Art Trendforschung zu betreiben. Problematisch ist jedoch, dass wir Entwicklungen aus der Vergangenheit häufig einfach fortschreiben, statt zu erkennen, dass der wahre Fortschritt meistens nicht aus einer Evolution, sondern aus einer Revolution mit all ihren strukturellen Brüchen entstanden ist. Diese Strukturbrüche und der Umgang mit denselben entscheiden letzten Endes über den Fortbestand eines Unternehmens oder einer ganzen Branche.

Aus meiner Sicht ist es daher von essenzieller Bedeutung, die richtigen Fragen zu stellen, statt zu versuchen, die Antworten zu geben, die sowieso niemand mit Sicherheit geben kann.

Mit einem kleinen bisschen Erfahrung und Kenntnis über die Branchen, die einen Bezug zu Verkehr, Logistik und Mobilität haben, bin ich etwas skeptisch, ob die Bereitschaft, jene Fragen zu stellen, wirklich vorhanden ist. Es ist immer einfacher gewesen einen einzelnen Punkt, ein einzelnes Argument, aus dem Kontext herauszugreifen und dieses zu widerlegen. “xy wird nicht funktionieren oder eintreten, weil Randaspekt z so nicht eintreten kann bzw. wir das ganz anders machen.” Es ist in diesen Momenten immer relativ schwierig, die Diskussion wieder auf eine höhere Ebene zu lenken.

Jede einzelne Branche und jedes einzelne Unternehmen hat niemals die absolute Garantie, dass es für immer bestehenden wird. Natürlich werden Wirtschaftszweige, die eine große Bedeutung haben und vielen Menschen Arbeit und damit eine Lebensgrundlage geben, von staatlicher Seite geschützt und, wenn nötig, gestützt. Jedoch hat die Vergangenheit auch gezeigt, dass Branchen im Laufe der Zeit ihre Bedeutung verlieren können (z.B. Porzellan- und Textilindustrie), Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden und somit die Bedeutung jener Branche für die Politik (Arbeitnehmer als Wähler) sinkt.

Die Informations- und Kommunikationstechnologie hat die verkehrsrelevanten Branchen ebenso wie den Großteil aller anderen Wirtschaftszweige in relativ kurzer Zeit massiv verändert. Manche Unternehmen sind in ihrer Anpassung schneller, manche langsamer. Im öffentlichen Verkehrssektor kommt noch hinzu, dass der staatliche Einfluss durch Fördermittel und Ausgleichszahlungen relativ groß ist und eine Vielzahl von verschiedenen Interessengruppen gerne Einfluss nehmen möchte.

Wenn man die öffentliche Verkehrsbranche richtig ärgern wollen würde, könnte man durchaus einmal folgende Fragen stellen: “Seid ihr sicher, dass ihr immer als Rückgrat eines öffentlichen Verkehrsangebots gesehen werdet? Welche Auswirkungen können neue Technologien (bspw. vollautonome Fahrzeugsysteme) auf euer Angebot und die Bedeutung eurer Branche haben? Wie lange können wir es uns aus Gründen der Energieeffizienz noch leisten, einen elf Tonnen schweren Bus für drei oder vier Fahrgäste kilometerweit über die Dörfer fahren zu lassen? Ist der Bus dafür noch das richtige Verkehrsmittel und wird er das auch noch in Zukunft sein? Wenn nein, werdet ihr das Ersatzangebot stellen oder den Weg aller anderen Unternehmen, die sich nicht schnell genug angepasst haben, gehen?”

Diese und ähnliche Fragen sollten sich die Automobilindustrie, die Energieversorger, die Politik und Verwaltung und viele andere stellen. Natürlich sind diese Fragen unangenehm, vor allem da jede Frage einen ganzen Strauß an möglichen Antworten mit sich bringt und nicht eindeutig beantwortet werden kann. 

Auf jeden Fall werden am Ende dieses Prozesses eine Vielzahl möglicher Herausforderungen, aber auch Chancen stehen. Und hin und wieder werden Bedenkenträger dann erkennen, dass ihre kategorische Ablehnung aus historischer und heutiger Sicht unter Ausblendung der Zukunft richtig sein mag, mittel- und langfristig jedoch mehr schadet als nützt. Und im Idealfall werden jene Chancen entdeckt, welche die Zukunft mit sich bringt.

Albert Wenger (Bio) hat auf der DLD-Conference - Digital Life Design (DLD) ist die internationale Konferenz- und Innovationsplattform von Hubert Burda Media in München – einen interessanten Vortrag über den ständigen Wandel, das Entstehen des “Information Age” und die Folgen für uns und unsere Gesellschaft gehalten.

In dem dazugehörigen Blogbeitrag wirft er zwei wichtige Fragen auf, die meiner Meinung nach sehr wichtig sind: Erstens, brauchen wir ein katalytisches Ereignis (eine Disruption) oder schaffen wir es auch ohne? Katalytische Ereignisse der Vergangenheit waren große Kriege, Revolutionen und Plagen. Es wäre von Vorteil darauf zu verzichten. Und zweitens, was können du und ich persönlich unternehmen, um diesen Veränderungsprozess zu meistern?

Seite 5 von 67Seite 134567102030>|

Schlußstrich

[The automobile] will never, of course, come into as common use as the bicycle.
The Literary Digest, 1899.

About

In diesem Blog möchten wir die Strategien für die Mobilität von morgen skizzieren, informieren und diskutieren. Wir möchten uns mit diversen Problemen unserer Zeit beschäftigen und dabei alle Verkehrsträger im Blick behalten. Dieser Blog soll dabei helfen, die Herausforderungen von morgen ein wenig mehr ins Bewusstsein zu rücken, Alternativen und mögliche Lösungsansätze vorzustellen und umfassend zu informieren:

Denn man muss die Vergangenheit kennen, die Gegenwart analysieren um die Zukunft entwickeln zu können. (Mehr...)

Artikel der letzten 6 Monate (Gesamtes Archiv)

Oder wählen Sie einen bestimmten Monat aus:

Feeds à la carte

RSS-Feed für alle Beiträge
RSS-Feed für alle Kommentare

Um den RSS-Feed einer einzelnen Kategorien zu abonnieren, müssen Sie nur das Wort "feed" anhängen. Die RSS Feedadresse lautet also:

http://www.zukunft-mobilitaet.net/kategoriename/feed/

Linktipp / Sachdienlicher Hinweis

Sie haben einen interessanten Link, Bericht oder eine andere online verfügbare Quelle gefunden? Dann schreiben Sie uns doch bitte.

Über Zukunft Mobilität

Archiv
Datenschutzerklärung
Spread the web!
Impressum

Ein herzliches Danke an die Plugin-Entwickler der hier eingesetzten Plugins!

Theme originally made by Fearless Flyer | Wir lieben Wordpress

blogoscoop Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blogtraffic


nach oben ↑