Lüttich (französisch Liège) ist das kulturelle Zentrum der wallonischen Region Belgiens und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im östlichen Belgien nahe der Grenze zu Deutschland und den Niederlanden. Die Stadt mit heute knapp unter 200.000 Einwohnern – davon etwa 40.000 Studierende – ist eine Wiege der kontinentaleuropäischen Kohle – und Stahlindustrie und war infolge des Zusammenbruchs des Kohlebergbaus und der anschließenden Stahlkrise einem starken Strukturwandel unterworfen.
Aufgrund der industriellen Bedeutung ist Lüttich gut in das europäische Verkehrsnetz integriert. Die Autobahnen E 40 (A3), E 313 (A13), E 42 (A15) und E 25 (A25 und A26) binden die Stadt an das europäische Fernstraßennetz an, die wichtigen Bahnhöfe Liège-Guillemins, Liège-Jonfosse und Liège-Palais bieten Zugang zum Eisenbahnnetz.
Lüttichs neuer Hauptbahnhof Liège-Guillemins wurde 2009 eröffnet. An ihm halten täglich rund 500 Züge des internationalen Hochgeschwindigkeitsverkehrs, des belgischen Schienenpersonenfernverkehrs und des Regionalverkehrs. Der neue Bahnhof besteht aus Stahl, Glas und weißem Beton und hat einen monumentalen Baldachin von 200 m Länge und 35 m Höhe. Das 312 Millionen teure Gebäude wurde vom spanischen Architekten Santiago Calatrava entworfen. Die geplante Bauzeit wurde um rund 3,5 Jahre überschritten.
Der städtische Nahverkehr wird mit Bussen abgewickelt, welche von der Verkehrsgesellschaft Transport en Commun (abgekürzt TEC) betrieben werden. Von 1871 bis 1967 verkehrte in Lüttich eine Straßenbahn, die mit dem Argument zu hoher Kosten für den Ersatz des Fuhrparks und vermeintlich modernerer Bustechnologie abgeschafft wurde.
Seit 2008 wurde aufgrund des weiter wachsenden Straßenverkehrs über die Wiedereinführung der Straßenbahn diskutiert. Der Bau wurde 2011 vom wallonischen Parlament beschlossen und Anfang 2014 genehmigt.
Die insgesamt 19,061 km lange Linie 1 soll von Herstal nach Seraing verlaufen. In einem ersten Bauabschnitt werden 21 Haltestellen und 11,6 km Strecke zwischen Sclessin nahe dem Maurice-Dufrasne-Stadion (auch: Stade de Sclessin) des Fußballvereins Standard Lüttich, dem Bahnhof Liège-Guillemins und Coronmeuse im Innenstadtbereich sowie eine Stichstrecke zum Bahnhof Bressoux errichtet.

Die Kosten für den ersten Bauabschnitt, den Bau eines neuen Depots und die Anschaffung von 19 Straßenbahnen betragen rund 420 Millionen Euro. Die Hälfte der Baukosten werden von der Europäischen Investitionsbank (EIB) finanziert. Die Bauarbeiten beginnen 2015 und sollen 2018 abgeschlossen sein.
Der Bau und Betrieb sind als öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP, auch Public-private-Partnership (PPP)) organisiert. Das MobiLiège Konsortium aus Alstom Transport, BAM PPP PGGM Infrastructure Co-operative, DG Ingra und SRIW Environment wird die Straßenbahn errichten und betreiben. Der Vertrag läuft über 30,5 Jahre (3,5 Jahre Bauzeit und 27 Jahre Betrieb).

Die Straßenbahntrasse soll teilweise in einem in den 1980er Jahren gebauten U-Bahn-Tunnel zwischen Saint-Léonard und La Batte verkehren. Die Pläne zum Bau einer automatisierten Metro (TAU – Transport automatisé urbain) mussten damals aufgrund der angespannten Finanzlage im Nachgang der Kohle- und Stahlkrise aufgegeben werden.
Der Hafen von Lüttich ist der drittgrößte Binnenhafen der Welt, der durch die Verbindung über den Albert-Kanal auch für kleinere Seeschiffe einen Anschluss an den Hafen von Antwerpen bietet. Der Flughafen Lüttich (Bierset) ist von großer Bedeutung für die Verteilung von Gütern nach Belgien, Deutschland, Nordfrankreich und in die Niederlande. TNT Airways betreibt dort sein weltweit größtes Road-Air-Hub und versucht auch im Passagierverkehr Fuß zu fassen.













