urbane Mobilität

[Video zum Wochenende] Stockholm in Bewegung

Stockholm Fotografie Creative Commons
Foto: Magnus Johansson @ Flickr - CC BY-SA 2.0
Stockholm Fotografie Creative Commons
Foto: Magnus Johansson @ FlickrCC BY-SA 2.0

In der schwedischen Hauptstadt Stockholm leben 868.141 Einwohner (Gemeinde Stockholm), in tätort1 Stockholm 1,4 Millionen und in der Provinz (gleichbedeutend mit der Großstadtregion Groß-Stockholm) 2,1 Millionen Menschen. Die Stadt erstreckt sich über 14 Inseln, die durch 53 Brücken verbunden sind. Aufgrund der Lage ist Stockholm eine wichtige Fährhafenstadt mit Verbindungen nach Helsinki, Mariehamn, Sankt Petersburg, Turku und Tallinn.


Bereits seit 1958 wird der Stadtautobahnring “” um das Stockholmer Zentrum mit den Teilabschnitten Essingeleden, Norra Länken, Österleden und Södra Länken geplant. Von diesem Ring sind bislang die Abschnitte Essingeleden (fertig 1966) und Södra Länken (fertig 2004) fertig gestellt. Norra länken ist seit 2007 im Bau und soll 2016 eingeweiht werden. Eine östliche Umgehungsautobahn Österleden, die den Autobahnring um Stockholm komplettieren würde, wird kontrovers diskutiert.

Vägverket Geplanter Autobahnring Stockholm Planungsstand 1992
Ringled Stockholm, Planung von 1992 – Karte: Vägverket/Anna-Maria RådbergCC BY-SA 3.0

Das öffentliche Nahverkehrsangebot besteht aus drei U-Bahn-Linien (Tunnelbana) mit 100 Stationen, S-Bahn-ähnlichen Vorortzügen (Pendeltåg, Saltsjöbanan, Roslagsbanan), verschiedene Buslinien, die Stadtbahnlinien Tvärbanan, Lidingöbanan und Nockebybanan in den Außenbezirken sowie die historischen und modernen Straßenbahnwagen auf der Djurgårdslinie und auf der Spårväg City zum Djurgården. Die , die Stadtbahn, die und die Buslinien werden durch AB Storstockholms Lokaltrafik (SL), die Managementgesellschaft des Aufgabenträgers, der Provinz Stockholms län, verwaltet. Der Betrieb wird per Ausschreibung vergeben.

Seit 2009 betreibt, wartet und plant die chinesische MTR Corporation Schwedens einzige U-Bahn. 62 km des insgesamt 105,7 km langen Streckennetzes verlaufen unterirdisch. Die Züge verkehren im Automatic Train Operation (ATO / automatisierter Fahrbetrieb), der Triebwagenführer überwacht nur das Öffnen und Schließen der Türen und gibt den Startbefehl an die Automatische Fahr- und Bremssteuerung. Notwendige Informationen über die zulässige Höchstgeschwindigkeit, die nächste Geschwindigkeitsänderung und der Entfernung zur nächsten Geschwindigkeitsänderung werden über eine Linienzugbeeinflussung vom Typ LZB 700 M übertragen. Sollte die Verbindung zwischen Fahrzeug- und Stellwerksrechner abreißen, wird der Zug schnellstmöglich zum Stillstand gebracht.

Tunnelbana Stockholm Design T-Centraalen Blau
U-Bahn-Station T-Centralen in Stockholm – Foto: Tim Adams @ FlickrCC BY 2.0

Im Rahmen der Innenstadtsanierung sollten 1971 für den Bau der Tunnelbanan-Station Kungsträdgården ein Dutzend großer Ulmen gefällt werden. Nach Widerstand von Umweltaktivisten, welcher große Zustimmung in der Stockholmer Bevölkerung genoß, und vereinzelten Konfrontationen mit der Polizei kam es zu einer Umplanung der Station und dem Erhalt der Ulmengruppe. Teile der in den 1940er Jahren geplanten Umgestaltung der Innenstadt – großflächiger Abriss und eine autogerechtere Neugestaltung – wurden nicht umgesetzt. Der gilt heute als Ausgangspunkt der Wandlung von einer technokratischen zu einer bürgernäheren Kommunalpolitik in Stockholm.

Die Linien sind in die Farben Grün, Blau und Rot eingeteilt. Die U-Bahn Stockholm ist insbesondere für die ausgefallene und bunte Stationsgestaltung bekannt.

Stationsdesign Stockholm tunnelbana Andreas Fässler Radhuset
Metro Stockholm, Station Rådhuset – Foto: Andreas Faessler @ Wikimedia CommonsCC BY-SA 3.0

Es ist geplant, das U-Bahn-Netz in Stockholm in das Umland zu erweitern. Die Blaue Linie und die Grüne Linie sollen verlängert werden, im Umfeld der neun zu errichtenden Stationen werden 78.000 neue Wohnungen gebaut. Etwa 950 Millionen Euro des insgesamt 2,2 Milliarden Euro teuren Ausbaus sollen über Mauteinnahmen finanziert werden. Hierfür sollen die Citymaut für Fahrten in die Innenstadt angehoben und eine Nutzungsgebühr für die Umgehungsstraße Essingeleden eingeführt werden.

Die schwedische Hauptstadt war eine der ersten weltweit, welche nach einem Referendum eine Innenstadtmaut (wörtlich trängselskatt, Ballungssteuer) eingeführt haben. Vor Einführung sprachen sich 70 Prozent der Bevölkerung gegen die Gebühr aus, mittlerweile befürworten 70 Prozent die Einführung. Zum Thema seien folgende Beiträge empfohlen:

Ebenfalls hat sich das Meinungsbild hinsichtlich der Ausweisung einer großen Fußgängerzone im mittelalterlichen Stadtkern von Widerstand zu breiter Zustimmung gewandelt. Insbesondere die positiven wirtschaftlichen Folgen haben den Einzelhandel und die lokale Wirtschaft zu Unterstützern werden lassen. Im Jahr 2010 hat Stockholm den umfangreichen Masterplan “The Walkable City” beschlossen, welcher “Nachhaltigkeit, Lebensqualität und einen menschenfreundlicheren Ort” fördern soll.

Ein Bestandteil ist das Slussen-Projekt. Der komplexe Verkehrsknotenpunkt soll umfassend neu gestaltet und für insgesamt 950 Millionen Euro zu einem belebten zentralen Ort mit einer hohen Aufenthaltsqualität am Wasser entwickelt werden.

  1. Der Begriff bedeutet etwa „dicht bebauter Ort“, „Ortschaft“ und ist jeweils eine Bezeichnung für eine größere Ansammlung von Häusern: “Als dichtbebautes Gebiet (tätbebyggt område) werden alle Häuseransammlungen mit mindestens 200 Einwohnern bezeichnet, wenn der Abstand zwischen den einzelnen Häusern normalerweise 200 Meter nicht übersteigt. Der Abstand darf jedoch 200 Meter überschreiten, wenn die Häuseransammlung zum Einflussbereich eines größeren Ortes gehört. (…) Bei der Abgrenzung von dichtbebauten Gebieten werden auch unbewohnte Häuser berücksichtigt und solche Häuser, die ausschließlich als Arbeitsplatz genutzt werden. Hiervon ausgeschlossen sind jedoch landwirtschaftliche Wirtschaftsgebäude, sofern diese freistehend im Verhältnis zum Haupteigentum sind. (…) Anstalten, wie Krankenhäuser oder Gefängnisse, die außerhalb des dichtbebauten Gebietes liegen, werden als tätort betrachtet, wenn das Personal mit Familienmitgliedern auf dem Gelände wohnt und diese Gruppe mindestens 200 Personen umfasst. (…) Die Aufteilung in dichtbebaute und dünnbebaute Gebiete wird unabhängig von der administrativen Einteilung vorgenommen. Häuseransammlungen, die eine direkte Fortsetzung eines dichtbebauten Gebietes in einer Nachbargemeinde sind, werden diesem Gebiet zugerechnet.”. Für weitere Informationen siehe auch Wikipedia.
Martin Randelhoff

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Fachgebiet Verkehrswesen und Verkehrsplanung an der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

Kontaktaufnahme:

Telefon +49 (0)351 / 41880449 (voicebox)

E-Mail: randelhoff [ät] zukunft-mobilitaet.net

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Martin Randelhoff

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