Eisenbahn USA

[Video zum Wochenende] Mit dem Tropicana-CSX Juice Train von Florida nach New Jersey in 156 Sekunden

Zur Entspannung und leichten Information zum Wochenende empfehle ich heute das folgende Zeitraffervideo über den (Orange) Juice Train, das Generel Electric veröffentlicht hat. Der “Saftzug” ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten Güterzüge der USA, der bereits seit mehreren Jahrzehnten Tropicana Orangensaft von Florida nach New Jersey transportiert.

Tropicana wurde 1947 in Bradenton, Florida von Anthony T. Rossi, einem italienischen Immigranten gegründet. Mit der Zeit wuchs das Unternehmen von 50 Mitarbeiter auf über 8.000 im Jahr 2004. Tropicana wurde im Jahr 1998 von PepsiCo übernommen und durch mehrere Fusionen und Übernahmen zum weltweit größten Produzenten von Marken-Fruchtsäften gemacht.

In den Anfängen war das Unternehmen ein kleiner Orangensaftproduzent, der vor allem die umliegenden Städte und Gemeinden in Florida versorgt. Durch die wachsende Nachfrage an der Ostküste wurden aber bereits 1957 jede Woche 5,7 Millionen Liter per Schiff nach New York transportiert.

1970 wurde der Tropicana Orangensaft in Kühlwagen im Einzelwagenverkehr von Florida nach Kearny, New Jersey, gebracht. Im nächsten Jahr benötigte das Unternehmen bereits zwei 60-Wagen-Züge, um 3,8 Millionen Liter Orangensaft nach New Jersey zu bringen. Am 7. Juni 1971 wurde der “Great White Juice Train”, der erste eigene Wagenpark der Lebensmittelindustrie bestehend aus 150 Kühlwagen, in Dienst gestellt. Dieser wurde kurz darauf um 100 weitere Wagen, die mit Kühlaggregaten nachgerüstet wurden, ergänzt. In den ersten zehn Betriebsjahren sparte Tropicana auf der 2.012 Kilometer langen Strecke etwa 40 Millionen Dollar an Treibstoffkosten.

Zu Anfang wurde Traktionsleistung von Penn Central zugekauft, die Lokomotiven und das Streckennetz stellten. Nach dem Konkurs im Jahre 1970 (siehe auch Wikipedia) wurden die Penn Central-Aufgaben auf die staatseigene Eisenbahngesellschaft Conrail übertragen. Nach diversen Restrukturierungsprozessen gab Conrail schrittweise Strecken ab. So wurde beispielsweise der Nord-Ost-Korridor an Amtrak übergeben. Im Großraum Philadelphia übernahm der regionale Verkehrsbetrieb SEPTA die Aufgaben im Nahverkehr. In New Jersey wurden die noch nicht von der Verkehrsbehörde NJ Transit bedienten Conrail-Dienste NJ Transit unterstellt. In den Bundesstaaten New York und Connecticut übernahm die Metro North Railroad, eine Tochter der Metropolitan Transportation Authority (MTA), die die U-Bahnen und Busse sowie seit 1966 die S-Bahnen der Long Island Railroad (LIRR) betreibt, den Conrail-Nahverkehr. Im Raum Boston zeichnete nun die MBTA verantwortlich, die Amtrak mit dem operativen Betrieb bis 2003 betraute.

Mit der Zeit wuchs die Wagenflotte und das Angebot des Juice Train weiter an. Mittlerweile werden neben den traditionellen weißen Waggons auch orangefarbene und blaue eingesetzt. Der Zug fährt mittlerweile zehn Mal die Woche nach Jersey City und Cincinnati. Die Verbindung Cincinnati – Florida wurde 1997 aufgenommen. Zudem fahren einzelne Züge die 4.800 Kilometer lange Strecke bis nach Kalifornien.

Nach einer Übernahmeschlacht Mitte der achtziger Jahre und dem daraufhin folgenden Börsengang von Conrail im Jahr 1987, übernahm CSX 1999 einen 42 Prozent-Anteil. Die restlichen Anteile gingen an die Norfolk Southern Railway.

Der Tropicana-CSX Juice Train gilt heutzutage als Beispiel für modernen Eisenbahngüterverkehr, der sich erfolgreich gegen den Lkw-Verkehr behaupten kann. Der Zug ist Objekt vieler Studien und wurde mittlerweile mehrfach ausgezeichnet.

Die 973 Meter langen Züge transportieren heute 5.405 Tonnen Orangensaft. Die Züge werden von zwei 4.400 PS starken GE Evolution Series Tier 3 Lokomotiven gezogen (Informationen).

(Quelle: Wikipedia)

Randelhoff Martin

Herausgeber und Gründer von Zukunft Mobilität, arbeitet im Hauptjob im ARGUS studio/ in Hamburg. Zuvor war er Verkehrswissenschaftler an der Technischen Universität Dortmund.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum und nachhaltige Verkehrskonzepte.

Kontaktaufnahme:

Telefon +49 (0)351 / 41880449 (voicebox)

E-Mail: randelhoff [ät] zukunft-mobilitaet.net

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Verfasst von:

Randelhoff Martin

Herausgeber und Gründer von Zukunft Mobilität, arbeitet im Hauptjob im ARGUS studio/ in Hamburg. Zuvor war er Verkehrswissenschaftler an der Technischen Universität Dortmund.
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