Fußgänger- und Radverkehr Infrastruktur USA

[Video zum Wochenende] Radfahren in den USA. Aus einer niederländischen Perspektive.

Verkehrsplaner und Radverkehrsenthusiasten aus der ganzen Welt besuchen regelmäßig die , um sich einen Eindruck von guter Radverkehrsinfrastruktur und der dort existierenden Radkultur zu verschaffen. Der niederländische Betreiber des Blogs BICYCLE DUTCH, Mark Wagenbuur, ging den umgekehrten Weg und besuchte die USA. Und war keinesfalls begeistert.

Mark Wagenbuur besuchte Chicago, und , eine kalifornische Universitätsstadt mit 65.000 Einwohnern. Die drei Städte gelten als radfreundlich und sind daher gut geeignet, um Radverkehrsinfrastruktur in den USA vorzustellen. San Francisco hat einen der höchsten Radverkehrsanteile im , Chicago, die drittgrößte Stadt der USA, wird New York in Kürze bei der Länge des Radwegenetzes überholen.

Davis war Anfang der siebziger Jahre die erste Stadt in den USA, die Radwege und spezielle Lichtsignalanlagen für Radfahrer, eingerichtet hat. Mit 15 Prozent weist Davis den größten unter Pendlern in den USA auf. Jedoch lag der im Jahr 1990 noch bei 22 Prozent, sodass Davis eine der wenigen Radverkehrsstädte weltweit ist, die Anteile am Modal Split verloren hat. Verschiedene NGOs und Organisationen versuchen, den Trend umzukehren.

Nichtsdestotrotz ist Davis im Verglcih zu anderen US-Städten vorbildlich: So gibt es in der Stadt keine Schulbusse, sodass SchülerInnen häufiger als im US-Durchschnitt den Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Die Stadt wurde von der League of American Bicyclists als Bicycle Friendly ausgezeichnet und erhielt als erste von drei Kommunen in den USA (neben Boulder und ) die höchste Auszeichnungstufe in .

Die von Mark Wagenbuur beobachteten Unterschiede zwischen den USA und den Niederlanden im Überblick:

  • Radfahren gilt in den USA nicht als normale Fortbewegungsart, sondern vorrangig als Freizeitbeschäftigung.
  • Der durchschnittliche Radfahrer ist jung, sportlich, hauptsachlich männlich und wirkt vergleichsweise gehetzt und ist in ständiger Eile.
  • Sehr viele US-Amerikaner tragen einen Fahrradhelm wegen eines konstanten sozialen Drucks. Ebenfalls dürfte das geringe Sicherheitsgefühl den Griff zum Fahrradhelm verstärken.
  • Die Wahrscheinlichkeit als Radfahrer in einen Unfall verwickelt zu werden, ist in den USA 30 Mal höher als in den Niederlanden.
  • Radwege werden meistens nur auf die Straße aufgemalt und enden meist kurz vor Knotenpunkten. Einige werden mit Pollern vom restlichen Verkehr abgetrennt, jedoch wirken diese Installationen meist etwas provisorisch.
  • Einige Radfahrer fahren lieber auf den Gehwegen und queren Straßen an Fußgängerampeln.
  • US-amerikanische Autofahrer zeigen im Allgemeinen großen Respekt gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern ( und Radfahrer)
  • US-Radfahrer tragen sehr oft spezielle Radkleidung und fahren nicht wie in den Niederlanden und Dänemark in normaler Freizeit-/Arbeitskleidung. Dies dürfte aber zum Teil auch mit den unterschiedlichen Fahrweiten in den Städten zusammenhängen. Durch die vergleichsweise geringe Flächenausbreitung der meisten europäischen Städte und eine bessere Nutzungsdurchmischung sind die Entfernungen in den Niederlanden weitaus geringer als in den USA. Dies kann durchaus die Kleidungswahl beeinflussen.
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Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität.
Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden.
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Joachim Kroll

Wer noch ein bißchen schmunzeln möchte, sollte sich dasselbe Thema mal aus der entgegengesetzten Perspektive ansehen: Fahrradfahren in Amsterdam aus der Sicht eines Amerikaners.
Obwohl Amerika genauso wie Europa eine westliche Kultur ist, treffen diese beiden Kulturen hier mit voller Wucht aufeinander. Da werden Dinge als Besonderheit herausgestellt, die für uns Europäer völlig selbstverständlich sind: z.B. Radfahrer in Geschäftskleidung (“formally dressed”) oder Kinder auf dem vorderen Kindersitz (“suicide position”).
Nette Bilder und Kommentare “von einem anderen Stern”:
http://j.mp/1cUH9Ke

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