Binnen- und Seeschifffahrt Logistik

Von vielen vergessen: Die Bedeutung der Seeschifffahrt für unsere Gesellschaft

Containerschiff Hamburg Elbe Schiff Container Hafen
Foto: "Hamburg_191" von Win_Photography @ Flickr - CC BY 2.0
Auch wenn die Handelsschifffahrt etwa 98 Prozent des interkontinentalen und 62 Prozent des innereuropäischen Warenverkehrs abwickelt, ist ihre Wichtigkeit im alltäglichen Bewusstsein wenig verankert.

Unsere Wirtschaft und Gesellschaft ist in höchstem Maße abhängig vom Handel. Rohstoffe, Industrie- und Konsumgüter werden in allen Teilen des Erdballs gefertigt, abgebaut und verbraucht. Der größte Teil des weltweiten Warenaustauschs wird durch die Handelsschifffahrt geleistet, die mit etwa 98 Prozent zum interkontinentalen und mit 62 Prozent zum innereuropäischen Warenverkehr beiträgt. Nichtsdestotrotz sind wir uns der Bedeutung, welche der Seehandel für uns hat, oftmals nicht bewusst.

Die Autorin Rose George versuchte in ihrem TED-Talk das Bewusstsein für unsere Abhängigkeit von globalen Logistikketten und insbesondere der Seeschifffahrt zu schärfen. 90 Prozent des Welthandels werden über die Schifffahrt abgewickelt, das Volumen hat sich seit vervierfacht.

Die Schifffahrt hat ebenso wie viele andere in den vergangenen Jahren eine massive technische Aufrüstung erfahren. Crews mit wenigen Mitgliedern können mit geringem spezifischem Energieverbrauch große Gütermengen über weite transportieren. Die Schifffahrt ist pro Tonnenkilometer extrem effizient, weitaus effizienter als alle anderen Verkehrsträger.

So wie uns die Bedeutung der Schifffahrt für unsere Volkswirtschaft nicht in vollem Umfang bewusst ist, so uninformiert sind wir auch im Bereich der Schifffahrtsemissionen. Denn 15 der größten Schiffe weltweit emittieren in einem Jahr so viele Stickstoffoxide und Schwefeldioxid wie etwa 760 Millionen zugelassene Pkw 1.

Rose George gibt eine interessante Einführung in die Welt und die Bedeutung der Seeschifffahrt. Für Logistiker und “Profis” mag es zwar nur wenige neue Erkenntnisse geben, alle anderen können vom 11:23 Minuten langen Vortrag sicherlich profitieren und hoffentlich die Motivation erlangen, sich weiter mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

  1. Lack, D. A., et al. (2009), Particulate emissions from commercial shipping: Chemical, physical, and optical properties, J. Geophys. Res., 114, D00F04, doi:10.1029/2008JD011300. – http://saga.pmel.noaa.gov/publications/pdfs/2009/lack_etal_2009.pdf
Anonymous

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität, arbeitet im ARGUS Studio/ in Hamburg. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Verkehrswesen und Verkehrsplanung an der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum und nachhaltige Verkehrskonzepte.

Kontaktaufnahme:

Telefon +49 (0)351 / 41880449 (voicebox)

E-Mail: randelhoff [ät] zukunft-mobilitaet.net

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
3 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments
Helmigo
Helmigo
21. Januar 2014 16:45

Also SOx aber nicht um NOx.
„Bis zu“ Werte sind immer unseriöse Vergleiche. Man vergleicht den den unteren Extremwert auf der einen Seite mit dem oberen Extremwert auf der anderen Seite. Seriöse Vergleiche arbeiten bei den beiden zu vergleichenden Werten möglichst mit den Mittelwerten.
101g SOx auf 15.000 PKW km
Bei einem Verbrauch von 7kg/100km sind das ca. 0,1g SOx pro kg verbrannten Treibstoff beim PKW
Wenn das Verhältnis 1:2000 stimmt, dann muss beim Verbrennen von 1 kg Treibstoff von einem Schiff 200g SOx frei gesetzt werden. SO2 besteht zu genau 50 Gewichts% aus S, bedeutet in dem im Schiff verbrannten Schweröl müsste 10% Schwefel enthalten sein. Das ist nicht plausibel.
Trotzdem weiter – die 101g SOx pro PKW sind Werte aus USA und der EU. Diese Werte auf alle PKW Weltweit hoch zu rechnen ist noch einmal extrem unseriös.
Und als Tüpfchen auf dem i wird dann in dem Medien ganz schnell aus dem SOx vergleich ein SOx und NOx Vergleich und dann “cancer and asthma-causing chemicals” und schlußendlich einfach “pollution”.

Helmigo
Helmigo
17. Januar 2014 14:43

Hallo Martin

Du schreibst: “Unsere Wirtschaft und Gesellschaft ist in höchstem Maße abhängig vom Handel. Rohstoffe, Industrie- und Konsumgüter werden in allen Teilen des Erdballs gefertigt, abgebaut und verbraucht.”

Sind wir wirklich davon “abhängig”? Wie viel % dieser Ferntransporte finden statt, weil unentbehrliche Rohstoffe nur weit weg vorkommen und wie viel deshalb, weil arbeitsintensive Produktion immer mehr in Niedriglohnländer verlagert wird, und wie viel einfach nur deshalb, weil der Transport so unglaublich billig ist? Ich schätze, dass min. 90% dieser Transporte ein überflüssiger Luxus sind, den wir uns in Wahrheit ökologisch nicht leisten können.

Nun aber noch eine, fast ein bisschen gegensätzliche Frage: “Denn 15 der größten Schiffe weltweit emittieren in einem Jahr so viele Stickstoffoxide und Schwefeldioxid wie etwa 760 Millionen zugelassene Pkw”
Die Zahl 760 Mill. erscheint mir viel zu hoch und ich konnte im angegebenen Beleg den Nachweis nicht finden.

Schöne Grüße

Jetzt abonnieren

4.416Fans
8.046Follower
2.618RSS-Abonnements
990Follower
  

Auszeichnungen

Grimme Online Award Preisträger 2012

Zukunft Mobilität hat den Grimme Online Award 2012 in der Kategorie Information erhalten. Ich möchte mich bei all meinen Lesern für die Unterstützung bedanken!

PUNKT Preisträger 2012

Zukunft Mobilität hat den PUNKT 2012 der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) in der Kategorie "Multimedia" gewonnen.

Logo VDV Verband Deutscher Verkehrsunternehmen

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.V. (VDV) hat mich im Rahmen der VDV-Jahrestagung 2013 in Mainz als “Talent im ÖPNV” des Jahres 2013 ausgezeichnet. Der VDV vertritt rund 600 Unternehmen des Öffentlichen Personennahverkehrs, des Schienenpersonennahverkehrs, des Schienengüterverkehrs, der Personenfernverkehrs sowie Verbund- und Aufgabenträger-Organisationen.

Auch interessant:

Lizenz

Zukunft Mobilität Creative Commons

Die Inhalte dieses Artikels sind - soweit nicht anders angegeben - unter CC BY-SA 3.0 de lizensiert. Grafiken sind von dieser Lizenz aus Vereinfachungs- und Schutzgründen ausgenommen (Anwendung aufgrund der Verwendung von Grafiken / Bildern mit unterschiedlichen Lizenzen zu kompliziert) außer die CC-Lizenz ist ausdrücklich genannt.

Weitere Informationen

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität, arbeitet im ARGUS Studio/ in Hamburg. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Verkehrswesen und Verkehrsplanung an der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum und nachhaltige Verkehrskonzepte.

Kontaktaufnahme:

Telefon +49 (0)351 / 41880449 (voicebox)

E-Mail: randelhoff [ät] zukunft-mobilitaet.net