urbane Mobilität

[Video zum Wochenende] Venedig in Bewegung

Venedig ist aufgrund des hohen Wasseranteils aus verkehrlicher Sicht eine besondere Stadt. Von der Gesamtfläche Venedigs (414,6 km²) entfallen 257,7 km² auf Wasserflächen. Schiffe und Boote in unterschiedlichsten Größen und Formen spielen daher eine herausragende Rolle.

Am bekanntesten ist mit Abstand die Gondel, die jedoch hauptsächlich touristisch eingesetzt wird. Im Alltagsverkehr queren Gondeln (Gondelfähren, ital. Traghettiim Pendeldienst nur an acht Stellen den Canal Grande und bringen ihre Fahrgäste, meist stehend, von der einen Uferseite auf die andere. Diese Verkehre haben historischen Ursprung aus den Zeiten, als nur die Rialtobrücke den Kanal überquerte.

Wasserbusse (vaporetti) werden von der städtischen Verkehrsgesellschaft ACTV (Azienda Consorzio Trasporti Veneziano) betrieben. Sie fahren in einem dichten Liniennetz auch die Nachbarinseln und das Festland an.

Vaporetto Venedig Wassertaxi
Vaporetto im Canal Grande – Foto: Nino barbieri @ Wikimedia Commons# – CC BY-SA 2.5

Durch das hohe auf den Wasserstraßen in Venedig (Gondeln und diverse Motorboote) und einigen Unfällen in der Vergangenheit sind die Vaporetti nicht unumstritten. Problematisch ist auch der Wellenschlag, welcher die Substanz der Häuser gefährdet. Zu diesem Problem tragen auch die Vielzahl kleiner Motorboote bei, sodass in Venedig eine strenge Geschwindigkeitsbegrenzung im Wasserverkehr gilt, um die Auswirkungen zu minimieren.

Neben des Wasserverkehr hat auch der im Lagunenteil der Stadt eine enorme Bedeutung. Der Lastentransport zu Land wird hauptsächlich unmotorisiert und mit Handkarren (carrelli) durchgeführt. Diese haben aufgrund der vielen Brücken eine besondere Form. Die Last ruht vorwiegend auf der Hauptachse, die vorderen Stützräder dienen dazu, den Karren über die Tiefe der nächsthöheren Stufen solange vorwärts zu schieben, bis die Räder der Hauptachse auf den vorhergehenden, niedrigeren Stufen aufgesetzt werden können.

Carello Handkarren asu Venedig Italien
Venezianischer Lastkarren Carello – Foto: Bahnmoeller @ Wikimedia CommonsCC BY 3.0

Um die Belästigung des Fußgängerverkehrs so gering wie möglich zu halten, verfügte die Stadtverwaltung, dass diese “carrelli a mano” eine Breite, inklusive der Achsen, von höchstens 80 cm haben dürfen. Weiterhin müssen die Karren sowohl an der Hauptachse als auch an den vorderen Stützrädern mit Gummibereifung ausgerüstet sein. Die facchini (= Transporteure) sind verpflichtet, die Lastkarren mit größter Vorsicht zu handhaben, um Schäden an Personen oder Sachen zu vermeiden.

Im Bereich der Laubengänge rund um den Markusplatz ist die Benutzung der Lastkarren untersagt. In der Zeit zwischen 10 Uhr und 13 Uhr sowie von 20 Uhr bis 5 Uhr ist der Transport mit den Karren in bestimmten Straßenzügen rund um den Markusplatz (z.B. Mercerie, Frezzerie) verboten.

Die Karren müssen eine Tafel mit Angaben über den Eigentümer und dessen Wohnsitz tragen. Der Transport von über die Breite des Karrens hinausstehende Lasten ist ebenso untersagt, wie das Parken auf den öffentlichen Wegen, auch während der Nachtstunden.

Unter Bürgermeister Paolo Costa (2000–2005) wurde die Schaffung einer U-Bahnlinie mit direktem Ausstieg auf dem Markusplatz und Murano forciert. Costas Vorgänger und Nachfolger, der Philosoph Massimo Cacciari, seit April 2005 wieder im Amt, misst dem Projekt hingegen keine hohe Priorität bei, so dass mittelfristig nicht mit dem Bau zu rechnen ist. Zwischen der Insel Tronchetto und dem Piazzale Roma verkehrt eine von der Firma errichtete Standseilbahn, der People Mover. Neben den beiden Kopfhaltestellen bedient die auf durchschnittlich sieben Meter hohen Stelzen errichtete Linie über den Haltepunkt Marittima auch den Fährhafen. Die 822 Meter lange Strecke wird in drei Minuten bewältigt.

Venedig ist im nationalen und internationalen über zwei Bahnhöfe und zwei  angebunden. Der Flughafen Venedig (Aeroporto di Venezia-Tessera “”) fertigt Flüge im point-to-point-Verkehr und etwa 8,3 Millionen Passagiere (2013) ab. Die Anbindung des Flughafens an die Stadt wird durch Busse, Taxis, Motorboote oder Wasserbusse sichergestellt.

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Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität.
Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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