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Fahrgastinformation par excellence: Der digitale Wagenstandsanzeiger

Ziukunft der Fahrgastinformation Eisenbahn Niederlande Designstudio Pro Rail
LED-Wagenstandsanzeiger – Foto: Edenspiekermann

Wer kennt sie nicht, eine der größten Ärgernisse des Bahnreisenden: Die geänderte Wagenreihung. Vom Wagenstandsanzeiger aus Papier im Stich gelassen, hetzen Massen von Reisenden, behängt mit Gepäck und Kind am Arm, von einem Zugende ans andere. Zwar wird die aktuelle Wagenreihung in den meisten Fällen am Fahrgastinformationsanzeiger auf dem Bahnsteig angezeigt, jedoch ist die Anzeige vergleichsweise klein und relativ arm an Information. Dass es auch anders geht, zeigen der niederländische Eisenbahninfrastrukturbetreiber Pro Rail, die niederländische Staatsbahn Nederlandse Spoorwegen (NS) und die Designbüros Edenspiekermann und STBY.

Statt einzelner Bildschirme und Anzeigen überspannt ein 180 Meter langer LED-Balken den Bahnsteig. Auf diesem werden über verschiedene Symbole und intuitive Farbcodes diverse Informationen wie die exakte Halteposition, die Position der Türen, die einzelnen Wagenklassen, Ruheabteile, Fahrrad- und Rollstuhlplätze sowie die Fahrtrichtung angezeigt. Hinzu kommen Informationen über den Besetzungsgrad einzelner Wagen. Die dafür notwendigen Daten werden über Zähleinrichtungen in den Türen gewonnen. Zudem können Informationen über die Zuglänge und Nachfrage in der Vergangenheit ebenfalls in die Bewertung einfließen. Grüne Markierungen bedeuten einen nahezu leeren Wagen, orange-farbene Markierungen einen halb gefüllten und rote Markierungen einen voll besetzten Wagen.

Fahrgastinformation Position der Tür
Eine weiße Fläche mit Pfeil verdeutlicht die Position der Tür, welche in einen Wagen der zweiten Wagenklasse mit Ruheabteil führt. – Foto: Edenspiekermann

In einem dreimonatigen Test im Jahr wurde das System im Bahnhof ‘s-Hertogenbosch (im allgemeinen Sprachgebrauch “Den Bosch” auf Funktionsweise getestet und das Verhalten der Reisenden analysiert. Da beide Testbereiche entsprechend erfolgreich abliefen, soll diese neue in weiteren niederländischen Bahnhöfen installiert werden. Auf jenen Bahnsteigen, welche mit dem System ausgestattet waren, wurde bei Einfahrt des Zuges nahezu keinerlei Bewegung von Reisenden auf dem Bahnsteig registriert.

Ziel von ProRail war eine Erhöhung der Sicherheit auf den Bahnsteigen sowie ein wachsender Komfort für die Reisenden. Hinzu kommt der positive Effekt von sinkenden Fahrgastwechselzeiten und damit verbunden geringeren Haltezeiten.

Insgesamt arbeiteten ProRail und Edenspiekermann drei Jahre an dieser Problematik. Eine -App, welche Reisenden dieselben Informationen wie die LED-Anzeige vermittelte, wurde bei Weitem nicht so oft und gut angenommen. Ein Blick auf das Smartphone ist bei der Navigation durch einen mit vielen Menschen besetzten physischen Raum keine optimale Lösung.

Der flächendeckende Einsatz der neuen LED-Wagenstandsanzeiger wird noch einige Jahre dauern. Zunächst müssen alle Züge mit entsprechenden -Zähleinrichtungen ausgestattet werden. Es wird darüber hinaus geschätzt, dass in den Bahnhöfen LED-Bänder mit einer Gesamtlänge von etwa 50 Kilometer eingebaut und angeschlossen werden müssen.

Der Konzept hat mehrere niederländische und internationale Preise gewonnen, unter anderem einen viel beachteten D&AD Black Pencil 2014.

Anonymous

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Verkehrswesen und Verkehrsplanung an der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

Kontaktaufnahme:

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