Eisenbahn Hochgeschwindigkeitszug

Der Vulkanaschengewinner: Hochgeschwindigkeitszüge

Dieser Artikel ist Teil der Serie Europaweite Beeinträchtigungen im Luftverkehr durch Vulkanasche – Liveblog. Eine Übersicht über alle Artikel finden Sie hier.

In den letzten Tagen wurde eigentlich nur negativ über den Ausbruch des Eyjafjallajökull und den damit verbundenen Verkehrsproblemen berichtet. Allerdings gab es ja nicht nur Vulkanaschenverlierer. Autoverleiher, Videotelefonieanbieter, - und Taxiunternehmen machten europaweit ebenso ein Bombengeschäft wie auch die Bahngesellschaften.

Einer der größten Gewinner dürfte wohl das europäische Hochgeschwindigkeitszugnetz gewesen sein. Sowohl als auch Eurostar und waren vollständig ausgebucht und teilweise am Rande ihrer Möglichkeiten. Eurostar setzte täglich zusätzlich 32 Züge von und nach Paris sowie 18 Züge von und nach Brüssel ein. In der Schweiz wurde die Zuglänge oftmals verdoppelt. Der TGV wurde leider durch einen Streik der französischen Eisenbahner ausgebremst, in Deutschland war die Situation auch nicht allzu optimal. Das hat zum einen damit zu tun, dass es in deutschen Hochgeschwindigkeitszügen, anders als zum Beispiel im oder Eurostar, keine Reservierungspflicht gibt und zum anderen durch die allgemeinen Probleme der Deutschen Bahn, die schon seit längerem (aus eigenem Verschulden) an ihrer absoluten Kapazitätsgrenze operiert. Erschwerend kam noch dazu, dass sich die Tür des ICE 105 Amsterdam – Basel bei voller Fahrt auf der Schnellfahrstrecke zwischen Köln und Frankfurt geöffnet hat und gegen einen entgegenkommenden Intercity-Express prallte. Dies sorgte ebenfalls für erhebliche Störungen und eine verminderte Geschwindigkeit der ICE-Flotte.

Nichtsdestotrotz konnte stolz und glücklich über ihr Hochgeschwindigkeitszugnetz sein. In den USA würde ein solcher Größenordnung das tägliche Leben komplett zum Erliegen bringen. Im Ost-West-Verkehr ist derzeit keine praktikable Alternative zum Flugzeug vorhanden. In Europa saßen zwar dennoch Reisende in ihren Urlaubsorten fest, allerdings hatten diese häufig zumindest die potentielle Möglichkeit auch per Bahn ihr Ziel zu erreichen. Probleme waren aber oft den zu geringen Kapazitäten geschuldet.

Hochgeschwindigkeitszüge sind natürlich keine Alternative um nach Toronto oder Sydney zu gelangen, allerdings spielen sie in Kontinentaleuropa eine nicht zu verachtende Rolle im Modal Split. Daher ist ein weiterer des europäischen Hochgeschwindigkeitszugnetzes sinnvoll, um Alternativen bei einem erneuten Ausfall eines so wichtigen Verkehrsträgers wie dem Flugzeug zu besitzen.

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Martin Randelhoff

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Fachgebiet Verkehrswesen und Verkehrsplanung an der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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