Analyse Hochgeschwindigkeitszug Verkehrspolitik Zukunft

Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Sydney und Melbourne?

Die Flugstrecke Sydney – Melbourne ist am viert häufigsten genutzte Flugstrecke weltweit. Mehr als 950 Flüge finden zwischen den zwei wichtigsten Städten Australiens in der Woche statt. Als Alternative bietet sich eine 950 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitszugstrecke von Sydney nach Melbourne bzw. Brisbane an, die 8,5 Millionen Menschen in knapp vier Stunden miteinander verbinden könnte. Newcastle und Canberra könnten ebenfalls an die Strecke angeschlossen werden.

Derzeitige Situation

Derzeit benötigt man für diese Strecke mit dem Zug etwas mehr als elf Stunden. Das Flugzeug schafft die Strecke in eineinhalb Stunden. Mit 40 Minuten für Ein- und Auschecken sowie 60 Minuten um aus der Stadt zum Flughafen und wieder zurück zu kommen, benötigt man mit dem Flugzeug etwa 3,5 Stunden. Der Hochgeschwindigkeitszug bräuchte bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 280 km/h etwa vier Stunden, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als dreihundert Stundenkilometern – wie etwa in China – wäre eine Fahrtzeit von drei Stunden zu erreichen.

Sydney Melbourne Fahrtzeit Zug

Die Vergangenheit

Über Hochgeschwindigkeitszugstrecken wird in Australien schon längere Zeit diskutiert. Bereits im Jahr 1981 machte die Ingenieursvereinigung den Vorschlag, die Strecke Brisbane -Sydney – Canberra – Melbourne – Adelaide zu errichten. Zwei detaillierte Vorschläge mit mehreren möglichen Trassen wurden an das Commonwealth weitergereicht. Beide Male wurden die Pläne durch die Regierung abgelehnt. 1984 wollte ein Konsortium aus BHP, TNT, Elders IXL und dem japanischen Unternehmen Kumagai Gumi die Hochgeschwindigkeitsstrecke errichten. Bedingung waren jedoch steuerliche Erleichterungen und eine lange Rückzahlungsperiode durch die Regierung. Diese wurden durch das australische Parlament zurückgewiesen.

1993 kamen Pläne für die Strecke Sydney – Canberra durch das Speedrail Joint-Venture, ein Unternehmen von Leighton Contractors und GEC-Alsthom (später Alstom), auf. Obwohl Staaten normalerweise zur Finanzierung der Infrastruktur beitragen, garantierte das Joint-Venture, dass auf die Regierung keinerlei finanziellen und operativen Risiken zukommen und ebenfalls, dass keine Kosten für die Steuerzahler entstehen würden. Im Dezember 2000 wurde das Projekt beerdigt.

Daraufhin gab das Commonwealth eine zweiteilige Studie in Auftrag. In der ersten Studie schätzten Experten den Finanzierungsaufwand auf etwa 33-59 Milliarden A$. Eine zweite wurde daraufhin nie durchgeführt.

Im Jahr 2008 wurde eine Hochgeschwindigkeitszugstrecke in eine Liste von geplanten Straßen- und Bahnprojekten aufgenommen. Allerdings wurden in den Haushaltsberatungen im Mai 2009 keinen konkreten Projekte festgeschrieben.

Der Bedarf

Schätzungen des Australischen Amts für Statistik prognostizieren einen Zuwachs der Bevölkerung von 21 Millionen im Jahr 2007 auf 35,5 Mio. Menschen (+ 69%) im Jahr 2056 und auf 44,7 Mio. Einwohner (+ 113%) im Jahr 2101. In gleichem Maße sollen die Einwohnerzahlen Sydney’s und Melbourne’s steigen.  Im Falle einer hohen Migration und zunehmender Stadtflucht könnte Sydney 2051 10,76 Mio. Einwohner haben und Melbourne 8,53 Mio. 1 Vier der fünf am stärksten wachsenden Regionen grenzen an die beiden Großs tädte und die geplante Hochgeschwindigkeitslinie an: Gold Coas, Greater Newcastle, Greater Wollongong und Albury-Wodonga. Der australische Tourismus wächst jedes Jahr um etwa 5,5%. 2

Fazit

Australien braucht ebenso dringend ein Hochgeschwindigkeitszugnetz wie die USA. Ein steigender Ölpreis, eine Reduktion des Kohlendioxidausstoßes und die zunehmende Bevölkerung machen eine Alternative notwendig. Ich habe bewusst darauf verzichtet, die bestehenden Probleme genauer zu erläutern und zu analysieren. Dies geht von der Steigung innerhalb des australischen Kontinents über diverse Spurbreiten hin zu Problemen bei der Intermodalität des Verkehrsträgers Schiene. Eventuell folgt irgendwann eine weitergehende Analyse des gesamten Schienenverkehrs in Australien.

Vorrangig bestehen derzeit Probleme bei dem Bau und Planung einer möglichen Hochgeschwindigkeitszugstrecke vor allem in der Politik und der Finanzierung. Dies sind aber beides keine Probleme, die sich nicht lösen ließen.

  1. Cumpston, R. 2002, ‘Projections of Australia’s population to 2051: Methods, results and concerns’, Australian Population Conference, Sydney, 2–4 October.
  2. Auslink 2004
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Randelhoff Martin

Herausgeber und Gründer von Zukunft Mobilität, arbeitet im Hauptjob im ARGUS studio/ in Hamburg. Zuvor war er Verkehrswissenschaftler an der Technischen Universität Dortmund.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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