Offene Daten und offener Zugang zu Wissensbeständen

Offene Daten und offener Zugang zu Wissensbeständen

Offene Daten mit Verkehrs- und Infrastrukturbezug werden verstärkt durch Verkehrsunternehmen, staatliche Stellen (Kommunen, Länder, Bund, aber auch einzelne Fachbehörden) sowie Unternehmen aus anderen Branchen bereitgestellt. Nach langjähriger Überzeugungsarbeit ist auch der Deutsche Bahn-Konzern mit seinen einzelnen Konzernteilen von seiner ablehnenden Position abgerückt und verfolgt mittlerweile eine umfassende Open Data-Strategie. Nichtdestotrotz wird das Potenzial offener Daten von zahlreichen Verkehrsverbünden und Verkehrsunternehmen wie auch Kommunen noch verkannt. Es existiert oftmals eine kritische, wenn nicht gar ablehnende Haltung. Anstatt Daten frei allen potenziellen Nutzern zur Verfügung zu stellen, werden sie über entsprechende Verträge exklusiv bspw. an Google geliefert und fließen in die entsprechenden Google-Produkte ein. Hier schwingt häufig die Befürchtung mit, dass die Daten zur Erstellung kommerzieller Produkte genutzt werden und die Datenbereitsteller nicht an der ökonomischen Verwertung partizipieren können. Diese Befürchtung scheint jedoch bei Google nicht zu greifen.

Die Verfügbarkeit von Daten ist für viele neue Mobilitätsangebote Grundvoraussetzung. Zur Förderung von Innovationen insbesondere im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs, aber auch in verkehrsfremden Bereichen wie bspw. der Immobilienbranche, sollten öffentlich erstellte oder mit öffentlichen Mitteln finanzierte Daten frei zur Verfügung stehen. Dies schafft zum einen die Möglichkeit zur Programmierung von Apps und Anwendungen für einen kleinen Nutzerkreis, der ansonsten kein wirtschaftlich am Markt tragfähiges bzw. abbildbares Angebot erhalten würde, und kann zum anderen dem Entstehen einer Monopolstellung und Gatekeeper-Funktion aufgrund eines monopolisierten Datenzugangs vorbeugen.

Als Argumentationshilfe und zur Untermauerung mit Beispielen würde ich mich über die Bearbeitung der folgenden Fragen in den Kommentaren freuen:

Die Fragen:

Was sind sehr gute Anwendungen aus der Open Data-Szene? Was sind Projekte mit entsprechender gesellschaftlicher Relevanz, welche ohne Bereitstellung entsprechender Daten nicht erstellt worden wären? Wo ist der Mehrwert besonders gut erkennbar?

Wo funktioniert die Kooperation zwischen Open Data-Szene und den Datenbereitstellern besonders gut?

Was wünscht sich die Open Data-Szene bezüglich der Daten, der Lizenzen und des Drumherum? Was wird benötigt, was sind die üblichen Fehler?

Welche (vermeintlichen) Argumente werden gegen die Bereitstellung offener Daten vorgebracht? Wie lassen sich diese entkräften?

Ein häufiges Gegenargument lautet „aber dann verdienen Dritte mit unseren Daten Geld, dies müssen wir über komplexe Vertragskonstrukte verhindern oder wir stellen besser erst gar keine Daten bereit“ – was ist auf dieses Argument zu entgegnen und wie kann es entkräftet werden?

Welche Entwicklungen dürfte die (deutsche) Open Data-Szene in den kommenden Jahren nehmen? Sollte der Staat regulierend eingreifen und die Bereitstellung gewisser Daten verpflichtend machen? Wenn ja, welche Daten sollte dies betreffen?

Vorerst angepeiltes Diskussionsende: 24.11.2017


Ideen zu weiteren Bausteinen einer Mobilitätswende können gerne weiterhin unter diesem Artikel abgegeben werden.

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Marcel
Gast

Als Mitarbeiter eines Verkehrsverbundes kann ich sagen, das uns dieses Thema bewusst ist und wir auch seit Jahren daran arbeiten.
Neben vielen internen Punkten, die da vorab zu klären waren/sind (darüber hinaus muss man sich in diese Thematik auch erstmal „nebenbei“ einarbeiten), stelle ich für mich fest, dass auch der Austausch mit der „Community“ suboptimal ist. Einerseits auch wieder zeitbedingt (von beiden Seiten), andererseits aber auch aufgrund der heterogenen Anforderungen/Wünsche aus der Community (eine exemplarische Rückmeldung: „nur mal den bestehenden GTFS-Datensatz #opendata bereitstellen ist halt zu wenig“).

Thomas Tursics
Gast

Hi Martin,

deine Fragen kann ich alle beantworten, sogar sehr ausführlich. Bzw. die Antworten hat schon andere schlaue Köpfe aufgeschrieben (z.b. um Argument gegen Open Data zu entkräften).

Um in das Thema rein zu kommen, bei diesen vielen Fragen, ist die Kommentarfunktion in einem Blog eventuell ungeeignet. Da wäre ein Gespräch / Interview / Mail viel sinnvoller.

Thomas

Markus Windegger
Gast

Hallo,

ein gutes Beispiel findet sich in Südtirol. In Südtirol ist die OpenData Community, sowie auch die OpenSource Community sehr groß. Seid ca 5 Jahren schon gibt es z.B. die Webseite der Stadtgemeinde Meran, welche die Echtzeitdaten der Stadtbusse anzeigt, sowie auch als Geojson der Community zur Verfügung stellt (mobility.meran.eu). Heute sind auf diesem Portal auch Gehwege, Verfügbarkeiten der Radverleihe in Meran, die Parkplätze in Bozen (parking.bz.it), die Verfügbarkeit der Elektroladestationen für Autos in Echtzeit, die Verfügbarkeit der Car Sharing Autos in Echtzeit…live auf der Karte zu sehen.

Ein weiteres Ergebnis ist, dass die App SASAbus (OpenSource und aufbauend auf OpenData), welche offiziell von SASA AG (dem Stadtbusbetreiber in den Städten Bozen und Meran) veröffentlicht wird, auch von anderen externen Entwicklern weiterentwickelt und immer wieder verbessert wird. Dies hat dazu geführt, dass SASA im Jahr 2015 alle Haltestellen und alle Busse mit Bluetooth Beacons ausgestattet hat, und die Dokumentation der ID’s der Bluetoothbeacons frei zur verfügung stellt, damit sie auch andere Apps nutzen können. Mittlerweile ist es ein Desaster, wenn die App aufgrund des Fahrplanupdates für einen halben Tag nicht die nächsten Abfahrten der aktuellen Haltestelle anzeigt.

Grüße aus Südtirol
Markus Windegger – SASA AG

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