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Verkehr in 140 Zeichen am 16. / 17.09.2015

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Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität.
Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

Kontaktaufnahme:

Telefon +49 (0)351 / 41880449 (voicebox)

E-Mail: randelhoff [ät] zukunft-mobilitaet.net

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Carom

Als intensiver Nutzer von Carsharing (Kunde bei zwei Freefloatern, Drive Now und Car2go, und einem stationären Anbieter, Cambio; Fahrten in allen abgedeckten deutschen Städte; Umsatz über alle Anbieter pro Monat deutlich > 100 Euro, in manchen Monaten bis 300 Euro) kann ich Car2go nur ein hundsmiserables Zeugnis ausstellen, und zwar nicht wegen der verkleinerten Geschäftsgebiete, die mich weniger interessieren (ich kann die vorgetragenen Gründe nachvollziehen), sondern wegen der haarsträubenden Blutgrätschen in die Kundenbeziehung, die ich in seit längerer Zeit erlebe:

1. App-Pflicht “smartphone only”, ich kritisiere also die Abschaffung der Fahrzeugnutzung per RFID-Chip – Die Sache mit den RFID-Chips funktioniert, siehe DriveNow heute und Car2go früher, intuitiv, zuverlässig und ohne lästiges und fehleranfälliges Hantieren mit Smartphone im Regen, im latenzgeplagten Mobilfunknetz, ohne Blick auf Datenquota etc.
2. Die Car2go-App ist mein Topfavorit für den “Auf den Misthaufen damit”-Award unter den von mir genutzten zahlreichen Mobilitäts-Apps: Zwei sog. “Updates” (up ging da gar nichts, höchstens der Blutdruck der Kunden), das eine im Herbst 2014, das zweite im Frühjahr 2015, hatten die App jeweils wochenlang unbenutzbar gemacht, mit absurdem, teilweise richtig blödem Usability-Murks, dazu mit technischen Problemen, die die Nutzung quasi unmöglich machten. Mittlerweile klappt es vielleicht besser, ich mute mir das aber nicht mehr zu (Buchungen, wenn nicht unumgänglich, nur noch über Dritt-Apps).
3. Der Kundendienst bei Car2go ist eine der Zumutungen, die Dienstleister offenbar gerne und gerne geschäftsschädigend erzeugen, mein neuestes Beispiel: Eine klar formulierte technische Anfrage per E-Mail wegen der (was sonst) App wurde mit dem Hinweis beschieden, ich solle die Hotline anrufen; die Mitarbeiter der Hotline konnten (für mich sehr nachvollziehbar, ich kenne den Anbieter seit über drei Jahren) erklären, wieso nur das Team hinter dem E-Mailsupport meine Anfrage lösen könne. Meine nächste E-Mail wurde erneut abschlägig beschieden, eine Lösung nicht mal versucht, der Kunde steht da und kann nicht fahren – Kopfschütteln als Ausgleichssport, auch eine Erfahrung.

Folgen:
1. Umsatz mit Car2go Juni bis August 2014: 190 Euro – Umsatz mit Car2go Juni bis August 2015: 21 Euro (nur noch “Notfahrten”, wenn Termine zu sehr drängten); diese Umsätze verlagerten sich komplett auf den anderen Freefloater in meinem Portfolio.
2. Ich bin, was seit Jahren nicht mehr vorkam, einmal sogar mit einem Taxi gefahren, das erschien mir weniger nervig als eine Fahrt mit Car2go.
2. Mir ist der Spaß, ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Nutzung solcher Angebote, an den Smarts komplett abhanden gekommen, zumal die Fahrzeuge auch deutlich häufiger und deutlich unangenehmer verdreckt sind als die der Mitbewerber (der Umgang aller Anbieter mit den Rüpeln unter den Kunden ist ein eigenes facettenreiches Thema).
3. Ich bin in meinem Umfeld ein im Wortsinn gefragter Ansprechpartner (“Evangelist” könnte es auch treffen) für differenzierte Mobilität, nicht nur in Sachen PKW, sondern auch zu Leihrädern, Bahnfahren, ÖPNV etc. – von Car2go rate ich Interessenten, die mich ansprechen, inzwischen konsequent ab, vor allem mit Verweis auf meine Erfahrungen.

Mein Fazit:
Car2go/Daimler/Moovel bringt aus meiner Perspektive alle Merkmale eines am Kunden desinteressierten Anbieters mit – im Prinzip macht dieser Anbieter alles falsch, was DriveNow wiederum richtig macht. Selbst wenn Besserung einträte: Wie sollte ich das merken? Der Anbieter kommt mangels Kontakten, sprich Fahrten, an mich nicht mehr heran.

So, Rant fertig, das entschlackt so schön ;)

Carom

Zu Köln: So überlaufen (da fahren ja auch regionale Buslinien), eng und schmuddelig der Breslauer Platz ist: Die Lage im Schatten des Doms, an der Rückseite des HBF, ist (war?) ein wirklicher Pluspunkt für die touristische Erschließung der Stadt.
Die Nutzergruppen “Flieger” und “Fernbusser” überschneiden sich nach meinem Eindruck durchaus in einem gewissen Maß, ich vermute allerdings, dass sich in der Gesamtschau ein Minus an anreisenden Gästen ergeben könnte – keine gute Idee, da ein Doppelangebot (am Flughafen und am Dom) zumindest der Stadt keinen erkennbaren Nachteil brächte, da hat der Rat klar vergeigt.

Wie dieser Vertrag mit dem Flughafen zustande kam, zumal mit einer mehr als hanebüchen anmutenden Einspracheklausel bei Bushaltestellen zugunsten eines Flughafens!, könnte eventuell ein tieferes Stochern im Kölschen Klüngel beleuchten, ich vermute da Zusammenhänge, wie eigentlich immer, wenn Politiker sog. “unerklärliche” Entscheidungen treffen – solche Entscheidungen sind mit den richtigen Kenntnissen des Hintergrunds dann oft doch gut erklärlich ;)

Carom

DriveNow: Die Fahrten mit dem i3 machen Spaß, und zwar weniger wegen der Elektromobilität – die anderen Fahrgeräusche, Abrollen etc., heben den Vorteil des nahezu lautlosen Antriebs sowieso auf, und das Ausfahren der wirklich beachtlichen Beschleunigung verbietet sich auf städtischem Gebiet schon aus Sicherheitsgründen, leider, möchte ich sagen. Was mich seit dem ersten Kontakt fasziniert, ist der Fahrassistent, der dem Fahrer die Entscheidung über die Beschleunigungen in Fahrtrichtung fast komplett abnimmt (Ausnahme ist das Abbiegen “ohne Vordermann”) – ich bin noch selten so entspannt im Berufsverkehr gefahren wie mit diesem Assistenten! Dadurch habe ich die latente und ressourcenfressende Beobachtung des vorausfahrenden Verkehrs überhaupt erst als Belastung verstanden.

Mit dem Assistenten bin ich nur noch (Ausnahme siehe oben) für die Bewegungen in seitlicher Richtung (Lenken) zuständig, die vergleichsweise stressfreier wirken – es stehen eben auch mehr Ressourcen für die Hantierung von Richtungsänderungen zur Verfügung, da ich nicht mehr auf den Abstand zum Vordermann und auf die korrekte Dosierung von Gas und Bremse achten muss.

Nach dem Erleben dieser halbautomatisierten Fahrzeugführung, die ich auf mehreren “Testfahrten” auch schon Freunden und Bekannten vorgeführt habe (hoher Nerd- und Neidfaktor, bei allen MitfahrerInnen), bin ich nun endgültig auf vollautomatisiertes Fahren gespannt, und nicht nur ich.

Welche Anbieter das automatisierte Fahren als erste oder als kundenfreundlichete ausrollen werden, ist mir dabei übrigens prinzipiell und völlig egal – die entscheidenden Aspekte von Mobilitätsangeboten machen sich nicht am Enblem auf dem Kühlergrill fest, sondern an den Mobilitätsangeboten an sich.

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Verfasst von:

Martin Randelhoff

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