Der Copenhagenize Index vergibt Noten an Städte, für ihre Bemühungen das Fahrrad als akzeptierte und praktische Verkehrsform zu etablieren. Das Interesse, das Fahrrad als ernst zu nehmende Verkehrsart in den Städten zu haben, ist weltweit ungebrochen. Jede Stadt auf der Welt war auf die eine oder andere Weise fahrradfreundlich, bis Verkehrsplaner und Verkehrsingenieure in den sechziger Jahren mit dem Umbau der Städte hin zu autofreundlichen Strukturen begonnen haben und Radfahrer, Fußgänger und Nutzer des ÖPNV zu drittklassigen Bürgern degradierten. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert.
Viele Städte auf der Welt stellen sich der Herausforderung eines veränderten Mobilitätsbewusstseins und versuchen durch Maßnahmen in den Bereichen Radverkehrsinfrastruktur, Politik, Fahrradverleihsysteme, etc. auf Basis bestehender Strukturen umzusetzen, um Städte fahrradfreundlicher und damit lebenswerter zu machen.
Der Copenhagenize Index bewertet diese Maßnahmen mit 0 und 4 Punkten in 13 verschiedenen Kategorien. Darüber hinaus werden maximal 12 Bonuspunkte für besonders beeindruckende Anstrengungen oder Ergebnisse vergeben. Insgesamt können 64 Punkte erreicht werden. Das Ergebnis wird als Prozentsatz ausgewiesen (100 Prozent = 64 Punkte).
Bonuspunkte drücken vor allem den politischen Willen zu Investitionen in Radverkehrsinfrastruktur aus. Als Beispiel können hier Radverkehrspläne und geplante Maßnahmen dienen, die noch in der Konzeptionsphase sind und im nächsten Copenhagenize Index einen Effekt auf die Wertung haben werden.
Ein Beispiel für die Vergabe von Bonuspunkten ist die belgische Stadt Antwerpen. Die Gewinner der Kommunalwahl haben im Wahlkampf den Bau von 100 Kilometern neuen Radwegen versprochen und dafür Bonuspunkte erhalten. Da dieses Versprechen bis zur Kommunalwahl 2012 eingelöst wurde, erhält Antwerpen neben zusätzlichen Bonuspunkten einen höheren Basiswert für Infrastruktur.
Auf den vorderen Plätzen finden sich auch dieses Jahr drei niederländische Städte, die vor allem von ihrer guten Infrastruktur und den Maßnahmen der Vergangenheit profitieren. Aber auch andere Länder holen Schritt für Schritt auf.
Erstmals finden sich drei französische Städte in den Top 20. Ein Zeichen, dass Frankreich sehr starke Fortschritte im Bereich Radverkehr zu verzeichnen hat. Drei deutsche und zwei japanische Städte sind ebenfalls weiterhin im Ranking vertreten und festigen den Ruf als Fahrradnationen hinter den Niederlanden und Dänemark.
Die 13 Wertungskategorien:
Interessenvertretung Wie stark sind die Interessenvertretungen in der jeweiligen Stadt / Region / Land und welche Einflussmöglichkeiten haben sie? Wertungsbereich: kein Einfluss bis starken Einfluss mit politischen Einflussmöglichkeiten
Fahrradkultur Wird das Fahrrad als vollwertiges Verkehrsmittel angesehen oder wird es nur von einer Randgruppe genutzt? Wertungsbereich: Kein Radverkehr / Nutzung nur von Radsportlern bis Nutzung von allen Bevölkerungsschichten einer Stadt
Einrichtungen und Abstellmöglichkeiten Gibt es Abstellmöglichkeiten, Rampen in Treppenbereichen, Radabteile in Zügen und Bussen und Schilder in ausreichender Zahl und Qualität? Wertungsbereich: nicht vorhanden bis weit verbreitet und innovative Einrichtungen
Radverkehrsanlagen Wie viele und welche Radverkehrsanlagen gibt es in einer Stadt? Wertungsbereich: Keine Radverkehrsanlagen, Fahrradfahrer können ausschließlich die Straße benutzen bis sichere, baulich abgetrennte Radverkehrsanlagen in sehr guter Qualität
Bikesharing Existiert in einer Stadt ein leicht verständliches und viel genutztes Bikesharing-Programm? Wertungsbereich: Kein Bikesharing Angebot vorhanden bis sehr stark genutztes und sehr leicht verständliches Bike-Sharing Angebot.
Geschlechterverteilung Wie viele der Radfahrer sind männlich / weiblich? Wertungsbereich: Überwiegend männliche Radfahrer bis gleiche Anteile bzw. leicht stärkerer Anteil bei Frauen
Anteil des Radverkehrs am Modal Split Für wie viele an einem Tag zurückgelegte Wege wird das Fahrrad genutzt?
Wachstumsrate des Radverkehrs am Modal Split (Basis: 2006) Um welchen Prozentsatz ist der Radverkehrsanteil seit 2006 pro Jahr gewachsen? Wertungsbereich: unter 1 Prozent bis 5 Prozent oder mehr
Wahrnehmung der Sicherheit: Wie nehmen Radfahrer ihre Verkehrssicherheit wahr? Dies wird gemessen in Helmtrageraten. Haben die Radfahrer gar Angst wegen massiver Forderungen, das Tragen eines Helmes verpflichtend zu machen oder durch Angstkampagnen? Wertungsbereich: Helmpflicht mit konstanter Werbung pro Helm bis niedrige Helmtrageraten(= hohes Sicherheitsempfinden)
Politik Wie ist die Politik und Verwaltung gegenüber Radfahrern eingestellt? Wertungsbereich:Radfahrer nicht existent auf politischer Ebene bis aktive politische Beteiligung.
Gesellschaftliche Akzeptanz Wie stehen andere Verkehrsteilnehmer und die Gesellschaft zu Radfahrern? Wertungsbereich: vollständige Ablehnung bis vollständige Akzeptanz
Stadt- und Verkehrsplanung Wie viel Wert legen Stadt- und Verkehrsplaner einer Stadt auf die Fahrradinfrastruktur und sind sie gut über gut funktionierende internationale Konzepte informiert? Wertungsbereich: MIV-zentrierte Planung bis Verkehrsplanung, die Fußgänger und Radfahrer bevorzugt behandelt
Verkehrsberuhigung Welche Maßnahmen wurden umgesetzt um Geschwindigkeiten zu senken und den Verkehr zu beruhigen, um die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu erhöhen? Wertungsbereich: keine Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung bis Radfahrer und Fußgänger stehen in der Hierarchie an erster Stelle
Bewertungen:
Amsterdam (83 Prozent, 2011: Platz 1 – unverändert)
Spitzenreiter in den meisten Kategorien
starke Radverkehrsnachfrage im kompakten Innenstadtbereich
entspannte Atmosphäre, keine Panikmache und wenige Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern
große Fürsprache vonseiten der kommunalen, regionalen und landesweiten Politik, der Bevölkerung und anderen Organisationen
sehr gute Infrastruktur und sonstige Radverkehrsanlagen
viele Tempo 30-Zonen, die für ein hohes Sicherheitsgefühl sorgen
Abendlicher Radverkehr in Amsterdam – Foto: Copenhagenize Design Co.
Verbesserungsmöglichkeiten:
Angleichung der Radwege (Qualität und Dimensionierung)
Fahrverbot von Motorrollern auf Radwegen
Kopenhagen (81 Prozent, 2011: Platz 2 – unverändert)
sehr gute Radfahrkultur, Infrastruktur / Anlagen
Bau weiterer Radverkehrsanlagen und Fußgänger-/Radfahrer-Brücken über den Hafen
hoher Stellenwert des Fahrrads in Politik und Gesellschaft
einheitliche Dimensionierung und Qualität der Radverkehrsanlagen
hoher Radverkehrsanteil
sehr hoher Innovationsgrad, Mut zu unkonventionellen Maßnahmen, sehr gutes Marketing
Abendlicher Radverkehr auf der Nørrebrogade in Kopenhagen, die weltweit von Radfahrern meistfrequentierte Straße – Foto: Copenhagenize Design Co.
Verbesserungsmöglichkeiten:
Stagnation des Radverkehrsanteils, mangelndes Vertrauen in die Politik, das Ziel 50% Radverkehr erreichen zu wollen.
starke Förderung des Fahrradhelmes ->Radverkehrsanteil ist von 37 Prozent auf 35 Prozent gefallen
Förderung des MIV durch den Bau des Hafentunnels
Ausweitung des Parkraumangebots für Pkw
Utrecht (77 Prozent, Neueinsteiger)
Hat weltweite Führungsposition im Radverkehr im Vergleich mit anderen kleinen Städten inne
sehr gut ausgebautes Radwegenetz, das Vorbild für Verkehrsplaner aus aller Welt ist
hoher Radverkehrsanteil
Verbesserungsmöglichkeiten:
Nur geringe Anstrengungen, den Radverkehrsanteil weiter zu erhöhen
Erschließung neuer Wohn- und Gewerbegebiete muss mit weiterem Ausbau der Radverkehrsanlagen einhergehen
Sevilla (76 Prozent, Neueinsteiger)
Starkes Radverkehrswachstum von 0,5 Prozent Anteil am Modal Split im Jahr 2006 auf über 7 Prozent im Jahr 2012.
Sehr starke Förderung des Radverkehrs seitens der Politik
Neubau von 80 Kilometer Radweg innerhalb eines Jahres, weiterer Ausbau geplant bzw. in Ausführung
sehr gutes und vorbildliches Bikesharing-Angebot
Sevilla erhielt für den Ausbau der Infrastruktur, die politische Unterstützung und das Bikesharing-Angebot 12 Bonuspunkte
Verbesserungsmöglichkeiten:
Weitere Ausbaumaßnahmen und politische Unterstützung, um einen Radverkehrsanteil von 15 Prozent und mehr zu erreichen
Problematisch dürfte die Einführung einer Radhelmpflicht in Spanien werden
Zweirichtungsradwege sollten durch Einrichtungsradwege auf jeder Straßenseite ersetzt werden. Ziel der Maßnahme ist eine höhere Verkehrssicherheit.
Bordeaux (76 Prozent, Neueinsteiger)
Vorbildliches Investment in das innerstädtische Radwegenetz, das mittlerweile 200 Kilometer umfasst
In der Region Communauté Urbaine de Bordeaux wurden mittlerweile 400 Kilometer neue Radwege errichtet
starkes Radverkehrswachstum auf mittlerweile zehn Prozent (5% im Umland)
sehr gutes Bikesharing-Angebot VCub
gute Integration Radverkehr – ÖPNV
Eine Familie nutzt in Bordeaux ein Cargobike – Foto: Copenhagenize Design Co.
Verbesserungsmöglichkeiten:
Weiterer Ausbau des Radwegenetzes
Angleichung der Radwege (Qualität und Dimensionierung)
Verbesserung der Verkehrssicherheit
Nantes (72 Prozent, Neueinsteiger)
sehr starke Förderung des Radverkehrs durch die Politik
zwischen 2009 und 2014 werden über 40 Millionen Euro in den Radverkehr investiert
Ausbau des Radwegenetzes auf mittlerweile fast 400 Kilometer
Anstieg des Anteils am Modal Split in der Metropolregion von 2 Prozent (2008) auf 4,5 Prozent (2012), in der Stadt liegt der Anteil am Gesamtverkehr mittlerweile über fünf Prozent
Erste Stadt in Frankreich, die Radfahrern das Rechts-Abbiegen an roten Ampeln erlaubt
gutes Bikesharing-Angebot
Förderprogramm zur Anschaffung von Cargobikes
Verbesserungsmöglichkeiten:
Weiterer Infrastrukturausbau notwendig, um das Ziel von 15 Prozent Radverkehrsanteil zu erreichen
Verkehrsberuhigung
Weiteres Lernen von internationalen Best Practise-Beispielen notwendig
Antwerpen (72 Prozent, Neueinsteiger)
Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen hat mittlerweile 16 Prozent erreicht
Wahlkampfversprechen des Jahres 2006, 100 Kilometer neue Radwege zu errichten, wurde erfüllt
Neubau von Radverkehrsanlagen folgt internationalen Best Practise-Beispielen
Sehr gute Radabstellmöglichkeiten am Hauptbahnhof
gutes Bikesharing-Angebot
hoher Stellenwert des Fahrrads in Politik und Gesellschaft
Neu angelegter Radweg in Antwerpen – Foto: Copenhagenize Design Co.
Verbesserungsmöglichkeiten:
Wille zur Förderung des Radverkehrs muss auch in den kommenden Jahren weiterhin vorhanden sein
Radverkehrsanteil von 25 Prozent sollte angestrebt werden
Eindhoven (66 Prozent, Neueinsteiger)
gutes Radwegenetz
Innovative Konzepte wie den schwebenden Kreisverkehr für Radfahrer und Fußgänger
Verbesserungsmöglichkeiten:
Weitere Investitionen in das Radwegenetz notwendig
Mehr Anstrengung von Seiten der Politik mit ambitionierten Zielen notwendig
Malmö (63 Prozent, Neueinsteiger)
Investitionen in Höhe von 47 Millionen Euro innerhalb von sieben Jahren
im Gegensatz zu Kopenhagen und Göteborg ausgewogenere Forderung einen Radhelm zu tragen.
Malmö gibt den Radwegen Namen, damit diese besser voneinander unterschieden werden können
Sehr gute Kommunikationsstrategie zur Förderung des Radverkehrs:
Verbesserungsmöglichkeiten:
Bau des Radschnellwegs nach Lund
Weitere Förderung des Radverkehrs
maßvolle Förderung des Radhelms
Berlin (62 Prozent, 2011: Platz 5 – drei Plätze verloren)
Stadtweiter Radverkehrsanteil von 13%, in einigen Bezirken sogar bis zu 25%
gute Geschlechter- und Altersverteilung, Akzeptanz des Fahrrades als konventionelle Verkehrsform in breiten Schichten der Gesellschaft
gut ausgebaute Radverkehrsinfrastruktur
Künstlerisch verzierte Lichtsignalanlage in Berlin (aus Sicht der Verkehrssicherheit natürlich keinesfalls zu empfehlen!) – Foto: Copenhagenize Design Co.
Verbesserungsmöglichkeiten:
Vereinheitlichung der Radverkehrsanlagen (Qualität und Dimensionierung)
weitere Verbesserung der Akzeptanz des Fahrrades
innovativere und mutigere Ansätze von Politik und Verwaltung
höhere Investitionen, Copenhagenize: „Die Stadt kommuniziert sie sei pleite, verschleudert aber Geld für den Ausbau des Straßennetzes und den Flughafen Berlin Brandenburg“
Berlins Radverkehrsqualität steht und fällt mit der Finanzierung
Dublin (60 Prozent, 2011: Platz 9 – unverändert)
gutes Bikesharing-Programm
Ausbau des Radwegenetzes und Einrichtung von Tempo 30-Zonen
politischer Wille den Radverkehrsanteil zu stärken, vor allem vonseiten der Nationalregierung
Viele Tempo 30-Zonen
Höchster Grad an Straßenverkehrssicherheit im Vergleich zu anderen europäischen Städten
Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen erreicht mittlerweile 7,5 Prozent, im Innenstadtbereich sogar über zehn Prozent
Radweg in Dublin. Im Gegensatz zu Deutschland befindet sich der Fußweg zwischen Radweg und parkenden Fahrzeugen – Foto: Copenhagenize Design Co.
Verbesserungsmöglichkeiten:
weitere Anstrengungen den Radverkehrsanteil zu erhöhen
höhere Budgets für den Radverkehr
weitere Anlage von Radverkehrsanlagen
Erstellen einer Radverkehrsstrategie
Tokio (59 Prozent, 2011: Platz 4 – sechs Plätze verloren)
hohe Akzeptanz des Fahrrades als Verkehrsmittel
hohe Verkehrssicherheit durch sehr gute Ausbildung der Autofahrer und anderer Verkehrsteilnehmer
Innovative Abstellmöglichkeiten für Fahrräder insbesondere vor Bahnhöfen
ÖPNV und Fahrrad stehen in Symbiose, der geplante 24-Stunden-Betrieb der Tokioer U-Bahn soll weitere Impulse für den Radverkehr geben
Verbesserungsmöglichkeiten:
Ausbau des Radwegenetzes, Netzbildung
Erhöhung der Durchschnittsgeschwindigkeit durch bauliche Maßnahmen oder Trennung der Verkehrsströme
München (58 Prozent, 2011: Platz 6 – fünf Plätze verloren)
starke Anstrengungen den Radverkehrsanteil zu erhöhen, großes Marketingbudget
gute Radverkehrsinfrastruktur
Politik und Verkehrsplaner sind Pro-Fahrrad
sehr hoher Radverkehrsanteil (20 Prozent)
Verbesserungsmöglichkeiten:
München handelt mittlerweile zu langsam
Schaffung einer einheitlichen Radverkehrsinfrastruktur
mehr Mut Straßenraum vom Pkw-Verkehr auf den Radverkehr umzuverteilen
stärkere Fürsprache der Politik für ein gut ausgebautes Radverkehrsnetz in der Öffentlichkeit
Montreal (58 Prozent – 2011: Platz 8 – drei Plätze verloren)
lange Vergangenheit: erste Radwege wurden bereits in den 80er Jahren angelegt
starke Pro-Fahrrad-Bewegung in der Stadt
gutes Bikesharing-Angebot
gute politische Vernetzung von NGOs
hoher Radverkehrsanteil in der Quelle-Ziel-Gruppe Wohnen-Arbeit
hohe Bedeutung des Fahrrads im Nachtleben
Radfahrer in Montreal – Foto: Copenhagenize Design Co.
Verbesserungsmöglichkeiten:
Ausbau und Modernisierung des Radwegenetzes
Anlage von Ein-Richtungs-Radfahrstreifen an beiden Straßenseiten statt einseitiger Zweirichtungsradfahrstreifen mit höherer Unfallgefahr
Nagoya (58 Prozent, Neueinsteiger)
Nationales Ziel: Radverkehrsanteil soll auf 25 Prozent am Gesamtverkehrsaufkommen steigen (derzeit: 15 Prozent)
sehr hohe Infrastrukturqualität mit baulich getrennten Radwegen auf Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen
Verbesserungsmöglichkeiten:
Weiterer Ausbau des Radwegenetz
Trennung der Verkehrsströme, insbesondere Fuß- und Radverkehr
Eindeutigere Straßenverkehrsregeln für den Radverkehr notwendig (nationales Problem)
Rio de Janeiro (56 Prozent, 2011: Platz 18 – sechs Plätze gewonnen)
gute Infrastruktur, die Großteile der Stadt abdeckt
ambitionierte Ausbaupläne
Das neue Bikesharing-Angebot ist ein großer Erfolg
Radverkehr in Rio de Janeiro – Foto: Copenhagenize Design Co.
Verbesserungsmöglichkeiten:
geringes Sicherheitsgefühl
Erlaubte Höchstgeschwindigkeit innerorts von 70 Stundenkilometer ist zu hoch
Radwegenetz ist sanierungsbedürftig, neue Viertel müssen erschlossen werden
steigende Pkw-Nutzung
Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung dringend notwendig
Barcelona (55 Prozent, 2011: Platz 3 – neun Plätze verloren)
starkes Wachstum des Radverkehr auf mittlerweile vier Prozent am Modal Split
sehr gutes Bikesharing-Angebot
Einrichtung vieler Tempo 30-Zonen (Ziel: In 80% des Stadtgebietes soll Tempo 30 gelten)
sehr gutes Radwegenetz, das zum Teil baulich getrennt ist
Radverkehrsinfrastruktur in Barcelona – Foto: Copenhagenize Design Co.
Verbesserungsmöglichkeiten:
bessere Förderung des Radverkehrs durch Politik und Verwaltung
Vereinheitlichung der Radinfrastruktur, Schließen von Lücken im Netz
Probleme mit Motorrollern sollten gelöst werden
Radhelmpflicht hemmt weiteres Wachstum
Budapest (55 Prozent, 2011: Platz 10 – drei Plätze verloren)
gute gesellschaftliche Akzeptanz des Fahrrades
Erreichen der 5%-Hürde am Modal Split innerhalb weniger Jahre
intelligente Planung von Radverkehrsanlagen
hoher Coolness-Faktor des Fahrrades
gutes Marketing
Cycle Chic Event in Budapest – Foto: Copenhagenize Design Co.
Verbesserungsmöglichkeiten:
Intensivierung der radfreundlichen Politik und des Marketings
hoher Ausbaubedarf
Paris (54 Prozent, 2011: Platz 7 – sieben Plätze verloren)
sehr gutes Bikesharing-Angebot (Spitzenplatz), Vorbild für viele andere Großstädte weltweit
gut ausgebaute Radverkehrsinfrastruktur
Fahrrad schnellstes Verkehrsmittel in der Stadt
Separater Radweg und Fahrradverleihstation in Paris – Foto: Copenhagenize Design Co.
Verbesserungsmöglichkeiten:
mehr Mut und Visionen auf Verwaltungsebene
Einrichten weiterer Tempo 30-Zonen und Rückbau der Hauptverkehrsstraßen entlang der Seine
weiterer Ausbau des Radnetzes, Vereinheitlichung von Qualität und Dimensionierung
mehr straßengeführte Radwege statt nur straßenbegleitende (dichtere Rasterstruktur)
bessere Instandhaltung der Bikesharing-Räder notwendig
Hamburg (54 Prozent, 2011: Platz 13 – einen Platz verloren)
langsames, aber stetiges Wachstum des Radverkehrsanteils
Verbesserungsmöglichkeiten:
Ausbau und Verbesserung der Radverkehrsanlagen, bessere Netzbildung
Ausweitung des Bikesharing-Angebots
stärkere politische Fürsprache
Nicht in die Top 20 geschafft haben es dieses Jahr Portland, Guadalajara, Stockholm, Helsinki, London, San Francisco, Wien und New York.
Es wäre zudem wünschenswert, wenn Copenhagenize in Zukunft die Ergebnisse aller 150 betrachteten Städte veröffentlichen würde. Mir persönlich fehlen in der Auflistung einige Städte, die ich persönlich unter den besten 20 Fahrradstädten der Welt gesehen habe. Die Platzierung und vor allem die Bewertung dieser Städte würden mich sehr interessieren.
Herausgeber und Gründer von Zukunft Mobilität, arbeitet im Hauptjob im ARGUS studio/ in Hamburg. Zuvor war er Verkehrswissenschaftler an der Technischen Universität Dortmund.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum und nachhaltige Verkehrskonzepte.
Kontaktaufnahme:
randelhoff [ät] zukunft-mobilitaet.net
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