
Seit dem Jahr 1964 existiert in Japan das Shinkansen-Hochgeschwindigkeitsstreckennetz. Die erste Strecke mit einer Länge von 515,4 km wurde am 1. Oktober 1964 zwischen der Hauptstadt Tokio und Osaka eröffnet. Mittlerweile ist das Netz auf 2387,7 km angewachsen.
Die Verbindung Tokio – Osaka ist eine der meistgenutzten Shinkansen-Verbindungen Japans. Das bestehende System ist jedoch mittlerweile an seinen technologischen und kapazitiven Grenzen angelangt.
Zur Verbesserung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs zwischen Tokio und Osaka wird am 17. Dezember 2014 mit dem Bau der Magnetschwebebahnlinie Chūō-Shinkansen von Tokio nach Nagoya begonnen werden. Die Weiterführung nach Osaka soll im Anschluss folgen. Das japanische Verkehrsministerium hat die Pläne Mitte 2014 genehmigt und im Oktober 2014 die Baugenehmigung erteilt. Am 18. Dezember 2014 wurden die Bauarbeiten aufgenommen.
Die Fertigstellung wird für das Jahr 2045 anvisiert. Vorerst wird für 53 Milliarden US-Dollar der Abschnitt Tokio (Shinagawa) – Nagoya gebaut, dessen Eröffnung für 2025 geplant ist. Die Gesamtkosten des Projektes, welches JR Central ohne staatliche Zuschüsse privat finanzieren muss, werden voraussichtlich neun Billionen Yen (~70 Milliarden Euro) betragen.
Japan wird voraussichtlich das erste Land weltweit sein, welches eine Langstrecken-Magnetschwebebahnstrecke errichtet und kommerziell betreibt.
Am 21.04.2015 stellte ein Magnetschwebezug der Baureihe L0 einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Magnetschwebezüge von 603 km/h auf. Die Geschwindigkeit wurde für 10,8 Sekunden über 600 km/h gehalten. In dieser Zeit legte der Zug 1,8 km zurück. Eine Woche zuvor war bereits am 16. April 2015 der 12 Jahre alte Geschwindigkeitsrekord von 581 km/h, den der MLX01-Prototyp im Jahr 2003 aufgestellt hatte, mit 590 km/h eingestellt worden.
Die Central Japan Railway Company (JR Tokai) hat in Zusammenarbeit mit der Regierung vor einigen Jahren beschlossen, den nächsten Entwicklungsschritt im Hochgeschwindigkeitsverkehr zu wagen und den Eisenbahnverkehr des Landes auf eine neue technologische Stufe zu heben. Zuvor wurde bereits jahrzehntelang die Einführung der Magnetschwebetechnologie diskutiert und in Versuchsstadien erprobt. Der neue Magnetschwebezug soll ein würdiger Nachfolger für den Shinkansen werden. Durch die Entwicklung hofft Japan nicht nur die landeseigene Infrastruktur zu modernisieren, sondern auch einen neuen Exportschlager zu entwickeln.
Der Chūō-Shinkansen soll die Großstädte mit einer 505 km/h schnellen Hochgeschwindigkeitsverbindung miteinander verbinden. Die Fahrtzeit zwischen Tokio und Nagoya (~ 290 Kilometer) soll von 80 Minuten (2014) auf 40 Minuten sowie zwischen Tokio und Osaka (~ 440 Kilometer) von 138 Minuten (2014) auf 67 Minuten verkürzt werden.

Zu Testzwecken ist bei Yamanashi bereits von 1990 bis 1996 eine 18 Kilometer lange, doppelspurige Erprobungsstrecke mit einem Tunnelanteil von 86 % gebaut und 1997 in Betrieb genommen worden, die später in die kommerzielle Strecke integriert werden soll. Die auf der Teststrecke erreichte Höchstgeschwindigkeit beträgt 581 km/h. Bis Juni 2013 wurde die Teststrecke für 23 Milliarden Yen (~165,5 Millionen Euro) auf ihre geplante Gesamtlänge von 42,8 Kilometern ausgebaut. Am 28. August 2013 begannen erste Testfahrten.
Es wird geprüft, ob die Möglichkeit besteht, die Teststrecke bis zu den Olympischen Spielen 2020 um sieben Kilometer in westlicher Richtung zu verlängern und in Kofu eine Station mit dem Namen „Yamanashi“ zu eröffnen. Zurzeit ist ein Besteigen des Zuges nur im Maglev Testzentrum in Tsuru City (都留市) möglich. Etwa 1.000 Fahrgäste nutzen derzeit die Gelegenheit und fahren bei Testfahrten mit.
Im ersten Bauabschnitt wird der 285,6 Kilometer lange Abschnitt Shinagawa – Nagoya errichtet. 246,6 Kilometer (86 %) dieses Abschnitts verlaufen in Tunneln, 23,6 km (8 %) auf einem Viadukt. 11,3 Kilometer der Strecke (~ 4 km) werden als Brücken ausgelegt, nur 4,1 km (ca. 2 %) ebenerdig geführt.
Die maximale Steigung der Strecke beträgt 40 Promille, der minimale Kurvenradius 8000 Meter.
Die Züge: Die Shinkansen-Baureihe L0
Für den Betrieb auf dem Chūō-Shinkansen hat Central Japan Railway Company (JR Central) mit Mitsubishi Heavy Industries und Nippon Sharyo, ein Tochterunternehmen der JR Central, die Lieferung von zunächst 14 Wagen (vier End- und zehn Mittelwagen) vereinbart. Im Realbetrieb sollen die bis zu 16 Wagen langen Züge bis zu 1.000 Fahrgäste bei einer Maximalgeschwindigkeit von 500 km/h befördern können.
Die Technik (aus Wikipedia)
Die Züge schweben elektrodynamisch auf supraleitenden Spulen (eisenloser Langstator). Dabei werden während schneller Fahrt durch magnetische Wechselfelder innerhalb des Fahrzeugs Ströme induziert, die ihrerseits ein Gegenfeld für die Tragefunktion erzeugen.

Der JR-Maglev benutzt das Elektrodynamische Schwebesystem (EDS). Sich fortbewegende Magnetfelder erzeugen dabei durch Induktion eine rückwirkende Kraft in der Führungsschiene. Diese Kraft hält den Zug in der Schwebe. Die JR-Maglevs haben supraleitende Magnetspulen und die Führungsschienen enthalten normale Magnetspulen. Wenn sich der Zug mit Hochgeschwindigkeit bewegt, erzeugen die Magnetspulen in der Führungsschiene eine rückstoßende Kraft zur Annäherung der supraleitenden Magnetspulen am Zug. EDS hat den Vorteil gegenüber dem Elektromagnetischem Schwebesystem (EMS) der Magnetschwebebahn Transrapid, dass die Abstände größer sind, aber EDS braucht zusätzlich Räder, um den Zug bei niedrigen Geschwindigkeiten zu bewegen, weil das EDS bei niedrigen Geschwindigkeiten nicht genug Magnetkraft aufbringen kann (150 km/h oder weniger beim JR-Maglev). Bei einer höheren Geschwindigkeit werden die Räder jedoch eingefahren, sodass der Zug schwebt.

Der seitlich im Fahrweg angebrachte Linearmotor hält und stabilisiert das Fahrzeug permanent in der Mitte des Fahrweges. Für den Notfall befinden sich aber auf der Seite des Fahrzeuges noch kleine Räder.

Der JR-Maglev wird von einem Linearmotor angetrieben. Dieses System wird benötigt, um den Spulen und den Führungsschienen Kraft zuzuführen. Das Antriebssystem wird auch umgekehrt als Generatorbremse benutzt. Das Fahrzeug verfügt auch über verschiedene Luftbremsenklappen, die herausgefahren werden können (ähnlich den Bremsklappen einer Flugzeugtragfläche) und durch deren erhöhten Luftwiderstand die Bremswirkung erhöht werden kann.
Fahrzeugdaten
In den 2,9 m breiten, 3,1 m hohen und 28 m langen Endwagen werden 24 Sitzplätze angeboten, in den 24,3 m langen Mittelwagen 68 Sitzplätze. Jede Reihe umfasst 4 Sitzplätze (2 + 2). Die Wagen haben ein Leergewicht von etwa 25 Tonnen. Die Maximalbeschleunigung wird 2 m /s2 betragen. Das System wird führerlos betrieben.
Das Magnetfeld soll im Stand Grenzwerte von maximal 0,4 mT und während einer 500 km/h-schnellen Fahrt von maximal 1,2 mT einhalten. Bei Tests wurde bei einer 500 km/h schnellen Fahrt im Streckenumfeld eine Belastung von 0,184 mT und im Zug von 0,8 mT gemessen. Die Richtwerte der japanischen Regierung liegen bei einer maximalen Belastung von 1,0 mT.
Die Strecke
Der Chūō-Shinkansen soll die japanischen Städte Tokio, Nagoya und Osaka miteinander verbinden. Der erste Bauabschnitt verläuft zwischen Tokio und Nagoya. Endstationen der Linie sind Bahnhof Shinagawa im Süden Tokios und der Bahnhof Nagoya. Zwischenhalte sind in Sagamihara (nahe der JR Hashimoto Station, Präfektur Kanagawa), Kōfu (nahe Ōtsumachi, Präfektur Yamanashi), Nakatsugawa (nahe Sendan-bayashi, Präfektur Gifu) und Iida (nahe Kamisato–Iinuma, Präfektur Nagano) geplant.

Die Strecke soll weitgehend entlang der Chūō-Hauptlinie zwischen Tokio und Nagoya und der Kansai-Hauptlinie weiterführend nach Ōsaka errichtet werden. Der Hauptgrund dieser alternativen Streckenführung ist die Bereitstellung einer Ausweichstrecke im Falle einer Blockierung der Tōkaidō-Shinkansen durch Erdbeben oder andere Einflüsse.
Etwa 86 Prozent der Strecke sollen in Tunneln verlaufen. Im Großraum Tokio, Nagoya und Osaka wird die Strecke bis zu 40 Meter tief unter bebautem Gebiet geführt. Im Großraum Tokio sollen neun Notausgänge und im Großraum Nagoya vier Notausgänge entstehen. Etwa 56,8 Millionen Kubikmeter Tunnelaushub müssen entlang der Strecke deponiert werden.
Der minimale Kurvenradius beträgt 8.000 Meter, das maximale Gefälle 40 ‰.Die Strecke wird für zehn Züge je Stunde und Richtung, also eine Kapazität von 10.000 Fahrgästen je Stunde und Richtung, ausgelegt.
Die überirdische Streckenführung erfolgt zum Großteil über Viadukte, welche in zwei Bauformen errichtet werden und mit entsprechenden Lärmschutzmaßnahmen versehen werden.
Bauform 1 mit Lärmschutzwand (links) und Einhausung (rechts)
Neuere Bauform 2 mit Lärmschutzwand (links) und Einhausung (rechts)
Zwei Betriebshöfe entstehen nahe Toya, Midori Ward, Sagamihara City (相模原市緑区鳥屋) mit einer Fläche von etwa 50 Hektar und nahe Sendan-bayashi, Nakatsugawa City, mit einer Fläche von etwa 65 Hektar. Entlang der Strecke stellen zehn Transformatoren die Energieversorgung sicher.
Die exakte Streckenführung war lange Gegenstand von Diskussionen. Insbesondere die Präfektur Nagano wirkte lange Zeit auf JR Central ein, die Region ebenfalls an die Magnetschwebebahn anzuschließen. Idealerweise sollte die gleichnamige Präfekturhauptstadt Nagano angebunden werden. Hierzu müsste die Linie jedoch zwischen Kōfu und Nakatsugawa einen Bogen nach Norden machen. JR Central befürwortet eine direktere Linienführung und die Einbindung der Präfektur über einen Halt in der Stadt Iila. Am 18.09.2013 gab JR Central die Streckenführung über Variante C bekannt.

Routenvorschläge zwischen Tokio (Shinagawa) und Nagoya (Teilstrecke)
| Variante | Routenverlauf zwischen Kofu und Nakatsugawa | Distanz (km) | Baukosten (€) | Kürzeste Fahrzeit |
|---|---|---|---|---|
| A | durch das Kiso-Tal | 334 | 40,5 Milliarden € | 46 Minuten |
| B | durch das Ina-Tal (Chino, Ina, Iida) | 346 | 41,3 Milliarden € | 47 Minuten |
| C | unter den japanischen Alpen und der Stadt Iida hindurch (JR Central-Vorschlag) | 286 | 36,7 Milliarden € | 40 Minuten |
Routenvorschläge zwischen Tokio (Shinagawa) und Osaka (Gesamtstrecke)
| Variante | Routenverlauf zwischen Kofu und Nakatsugawa | Distanz (km) | Baukosten (€) | Kürzeste Fahrzeit |
|---|---|---|---|---|
| A | durch das Kiso-Tal | 486 | 64,66 Milliarden € | 73 Minuten |
| B | durch das Ina-Tal (Chino, Ina, Iida) | 498 | 65,5 Milliarden € | 74 Minuten |
| C | unter den japanischen Alpen und der Stadt Iida hindurch (JR Central-Vorschlag) | 438 | 60,77 Milliarden € | 67 Minuten |
Im Rahmen der Kosten-Nutzen-Analysen im Jahr 2010 erzielte die Route C die besten Ergebnisse. Die Verkehrsnachfrage für das Jahr 2045 wurde mit 39,6 Milliarden Personenkilometer für Route A, 39,2 Milliarden Personenkilometer für Route B und 41,6 Milliarden Personenkilometer für Route C prognostiziert.
Routenverlauf Tokio – Nagoya im Detail
Im ersten Bauabschnitt wird der 285,6 Kilometer lange Abschnitt Shinagawa – Nagoya errichtet. 246,6 Kilometer (86 %) dieses Abschnitts verlaufen in Tunneln, 23,6 km (8 %) auf einem Viadukt. 11,3 Kilometer der Strecke (~ 4 km) werden als Brücken ausgelegt, nur 4,1 km (ca. 2 %) ebenerdig geführt.
Legende:
Übersicht:
Detailansicht des östlichen Abschnitts (Shinagawa) Tōkiō – Yamanashi
Detailansicht des westlichen Abschnitts Shizuoka – (Nagoya) Aichi
Abschnitt 1: Bahnhof Tokio (Shinagawa) bis zum westlichen Ende des Tama Gebirges
Abschnitt 3: Das westliche Ende der Yamanashi-Teststrecke bis zum Kōfu-Becken



Abschnitt 7: Westliches Ende des südlichen Ausläufers der Zentralalpen bis zum östlichen Ende der Nōbi Tiefebene
Abschnitt 8: Östliches Ende der Nōbi Tiefebene
Die Stationen
Bahnhof Tōkyō (Shinagawa)
Präfektur Kanagawa
Präfektur Yamanashi
Präfektur Gifu
Bahnhof Nagoya:
Projektfortschritt:
Im März 2014 hat JR Central angekündigt, mit der notwendigen Abstimmung über Tunnelbohrrechte zu beginnen. Laut Act on Special Measures Concerning Public Use of the Deep Underground (大深度地下の公共的使用に関する特別措置法), auch als “Deep Underground Law” (大深度法) bekannt, müssen Grundstückseigentümer nicht entschädigt werden, wenn unter ihrem Grundstück Arbeiten in einer Tiefe von mindestens 40 Metern durchgeführt werden und die Arbeiten dem Gemeinwohl dienen. Generell gehört japanischen Grundstückseigentümern alles was sich unter oder über dem Grundstück befindet.
Das Verfahren bezieht sich zunächst auf 35 km Tunnel im Großraum Tokio und 20 km im Großraum Nagoya. Die betroffenen Abschnitte nahe Tokio erstrecken sich zwischen der Shin-Yatsuyama Brücke (新八ツ山橋) in Kita-Shinagawa 3-chōme, Shinagawa Ward (品川区北品川3丁目) bis zu einem Punkt nahe des Chōsen-ji Tempels (長泉寺) in Oyamamachi, Machida City (町田市小山 町). In Nagoya ist der Bereich zwischen der Autobahn 19 (国道19号) und dem Fluss Nishihora (西洞川) in Akechichō, Kasugai City, Präfektur Aichi (愛知県春日井市明知町) bis zur Keiunbashi Brücke (景雲橋) in Marunouchi 1-chōme, Naka Ward, Nagoya (名古屋市中区丸の 内1丁目) betroffen. Die Tunnel in den betroffenen Gebieten verlaufen in einer Tiefe von 40 bis 100 Metern.
Aus den betroffenen Präfekturen und Städten wurde nach Veröffentlichung der Umweltverträglichkeitsprüfung Kritik laut, welche die Ablagerung des Abraums betrifft. Der Vorschlag, eine spezielle Deponie in den Alpen auf dem Gebiet der Präfektur Shizuoka anzulegen, wird mit Verweis auf mögliche Erdrutsche abgelehnt.
Im Juli 2014 hat das japanische Verkehrsministerium den Plänen zum Bau einer Maglevstrecke durch JR Tokai formal zugestimmt. Bis zum Baubeginn muss mit Stand Juli 2014 noch die detaillierte Bauplanung fertig gestellt und genehmigt werden. Der Baubeginn wird für Oktober 2014 anvisiert (ursprünglich: April 2014).
Gemäß Bauantrag von JR Tokai beim Ministerium für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus (MLIT / Kokudo-Kōtsū-shō) umfassen die Ausgaben für Hoch- und Tiefbau des Bauabschnitts Shinagawa – Nagoya ein Finanzierungsvolumen von 30,35 Milliarden Euro. Fahrzeuge und elektrische Ausstattung werden 40,15 Milliarden Euro kosten. Kostenblock 2 umfasst bereits Kostenanteile für die Gesamtstrecke (insbesondere Fahrzeuge). Ein Anstieg der Personal- und Arbeitskosten sowie die Verwendung weiter entwickelter und stärkerer Technik haben einen Kostenanstieg von knapp unter 700 Millionen Euro zur Folge.
Am 17. Oktober 2014 hat das japanische Ministerium für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus (MLIT / Kokudo-Kōtsū-shō) die Baugenehmigung erteilt. JR Tokai hat den Baubeginn auf den 17.12.2014 terminiert. An diesem Tag wurden die Bauarbeiten im Rahmen einer Zeremonie offiziell begonnen.
Am 21.04.2015 stellte ein Zug der Baureihe L0 einen neuen Geschwindigkeitsrekord von 603 km/h auf der Teststrecke in Yamanashi auf
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