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Das Future Mobility Camp 2013 in Dresden – ein Fazit

Ich besuche mittlerweile recht viele Kongresse, Symposien oder Vortragsreihen. Entweder als Referent oder als Teilnehmer. Mir ist in den vergangenen Monaten immer öfter aufgefallen, dass die Teilnehmer oder sogar eine ganze Branche auf solchen Veranstaltungen in den meisten Fällen im eigenen Saft schmort. Natürlich versuchen einige Veranstalter durch Vernetzung mit anderen Branchen (z.B. Immobilien oder Umwelttechnik) diese Strukturen aufzubrechen, der große Wurf war allerdings noch nicht dabei.

Sehr problematisch ist es in meinen Augen, dass Branchen meistens unter sich diskutieren. Ganzheitliches Denken und das Überwinden ideologischer Schranken sind im so wichtig wie nie zuvor. Was bringt es, wenn auf der einen Konferenz Radfahrer mit anderen Radfahrern über die im öffentlichen diskutieren, der und die Bahnbranche aber auf anderen Konferenzen und Symposien anzutreffen sind? Wir reden heute leider immer noch bei sehr vielen Themen aneinander vorbei, anstatt einfach miteinander zu reden. 

Dies setzt natürlich voraus, dass auf allen Seiten eine gewisse geistige Flexibilität vorhanden ist und man nicht mit Maximalforderungen in eine Diskussion einsteigt. Diese ideologischen Grabenkämpfe existieren heutzutage leider immer noch sehr häufig. Und dies betrifft jetzt nicht nur den ADAC, in dem mir persönlich auch verstärkt progressive Kräfte auffallen, sondern ist in allen Verbänden, Institutionen und Organisationen zu beobachten.

Ich habe mir vor einigen Monaten sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie wir eine ideologiefreie Diskussionsbasis schaffen können. Seit dem vergangenen Jahr gibt es vermehrt sogenannte „Bürgerdialoge“, in denen Bürgerinnen und Bürger Vorschläge für die zukünftige Gestaltung unserer und der strukturellen Ausrichtung und Entwicklung des Verkehrs machen können. Leider ist der Zuspruch noch nicht allzu groß.

Im Rahmen solcher Veranstaltungen tritt zudem oft ein bestimmtes Problem auf: Man diskutiert mit dem Hintergrund der persönlichen Betroffenheit. Um eine ergebnisorientierte Diskussion herbeizuführen, ist die persönliche Betroffenheit natürlich ein sehr guter Motivator, birgt jedoch die Gefahr, dass man sich in einem „Klein-Klein“ verliert und die Zusammenhänge nicht deutlich genug werden. Veranstalter solcher Diskussionsrunden müssten daher im Vorfeld entsprechende Informationen zur Verfügung stellen, sodass alle Teilnehmer einer Diskussion eine Art Grundstock an Wissen aufweisen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Diskussionen um ein Vielfaches fruchtbarer und mit einer größeren Zufriedenheit auf allen Seiten verbunden sind.

Eines der Kernziele dieses Blogs ist eindeutig das Vermitteln von Wissen und dem Aufzeigen von Zusammenhängen. Anfang dieses Jahres haben mein Kommilitone Moritz Dorka und ich daher die Entscheidung getroffen, eine Veranstaltung durchführen zu wollen, die ein paar bestimmte Ziele erreicht. Wir wollten eine ganzheitliche, ideologiebefreite Diskussion mit verschiedensten Teilnehmern und Akteuren aus den unterschiedlichsten Bereichen. Wir hatten das Ziel mit einem „Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft“ definiert. 

FMC 2013 Zeitplan Dresden

Das Samstags-Programm des Future Mobility Camps 2013 in

Um eine möglichst große Themenvielfalt bieten zu können, haben wir darauf verzichtet, ein Kolloquium oder eine Konferenz mit vorab feststehendem Programm durchzuführen. Am Ende stand das Konzept für ein „Future Mobility Camp„. Es war uns bewusst, dass wir damit bestimmte Kreise, die sehr häufig auf Konferenzen und anderen Veranstaltungen starreren Formats anzutreffen sind, nicht erreichen würden. Wir wollten aber auch ganz bewusst nicht Verbandsvertreter, Politiker und Vertreter anderer Institutionen – auch wenn deren wichtige Rolle uns natürlich bekannt ist – persönlich einladen, um die Ausrichtung der Veranstaltung nicht zu zementieren. 

Future Mobility Camp 2013 Dresden Sonntag

Das Sonntags-Programm des Future Mobility Camps 2013 in Dresden

Als Fazit dieser zwei sehr intensiven Tage lässt sich festhalten, dass wir unser Ziel im Großen und Ganzen erreicht haben. Wir hatten eine große Begeisterung von Teilnehmerseite über Themen, die bislang nicht unbedingt im Fokus gestanden haben. Wir hatten qualitativ sehr hochwertige Diskussionen, die ich in diesem Umfang bislang noch auf keiner Veranstaltung erlebt habe. Es ist natürlich sehr einfach, die eigene Veranstaltung, und damit auch seine eigene Leistung zu loben. Allerdings wird diese, meine, Meinung sicherlich von dem ein oder anderen Teilnehmer unterstützt werden. Wir haben es leider noch nicht geschafft, die „normale Bevölkerung“ mit einzubeziehen. Die Teilnehmer haben sich sehr stark auf den Verkehrsbereich konzentriert und fachlich durchaus anspruchsvoll diskutiert. Hier werden wir für eventuelle Nachfolgeveranstaltungen etwas verändern müssen, ohne natürlich den speziellen Charme des letzten Wochenendes zu verwässern.

FMC 2013

Das 2013 am Samstag Morgen, 15 Minuten vor Beginn – CC BY-SA 3.0

Und vielleicht werden wir in einigen Jahren eine Veranstaltungsreihe entwickelt haben, die von unten nach oben wirkt. Eine Plattform, auf der gemeinsam Entwicklungen und Trends im Verkehrs-, Logistik- und Mobilitätsbereich diskutiert und analysiert werden und die wichtige Impulse für ein besseres Miteinander der Verkehrsmittel, und Verkehrsteilnehmer schafft. Es wäre definitiv zu wünschen!

Das Experiment „Future Mobility Camp“ ist meiner Meinung nach auf jeden Fall erfolgreich gelungen!

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

3 Kommentare

  1. Paul

    Einige Themen hören sich sehr interessant an! Wird es Mitschnitte geben oder die Folien der Vortragenden? Die Multi-Agent Modellierung von CarSharing interessiert mich z.B.

    Antworten
    • Martin Randelhoff

      Hallo Paul,

      wir haben teilweise Mitschnitte (Video und Ton) und auch einige Foliensätze. Die werden in den kommenden Wochen veröffentlicht werden (Bearbeitung dauert).

      Videoaufnahmen konnten wir wegen unserer eingeschränkten Kapazitäten nur in Raum E23 und am Samstag in Raum E009 / Sonntag E001 machen. Daher ist die Multi-Agent Modellierung von Carsharing leider nicht bei den Aufnahmen dabei. Mal schauen, ob und wie wir die Folien veröffentlichen.

      Schönen Gruß!
      Martin

      Antworten
    • Moritz Dorka

      Hallo Paul,
      von der Multiagentensimulation gibt es leider nur ein paar wenige Folien, weil der Großteil der Session auf einer Live-Demo mit MATSim basierte. Nichtsdestotrotz werden wir sie demnächst online stellen.

      Viele Grüße
      Moritz

      Antworten

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