
Vom 16. bis 22. September findet die diesjährige EUROPEANMOBILITYWEEK 2015 der Europäischen Union statt. Insgesamt 1.673 Kommunen haben Projekte und Veranstaltungen angemeldet, welche im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 (COP 21) für neue Mobilitätskonzepte werben sollen, die dem Klimaschutz und der Dekarbonisierung des Verkehrs dienen. In über 2.000 Stadtvierteln, Dörfern und Städten in ganz Europa und darüber hinaus finden Veranstaltungen im Rahmen der jährlichen Aktionswoche statt.

Die Europäische Mobilitätswoche 2011 im kolumbianischen Caldas – Foto: EUROPEAN MOBILITY WEEK @ Flickr – CC BY 2.0
Einer der Höhepunkte der diesjährigen EUROPÄISCHEN MOBILITÄTSWOCHE wird der autofreie Tag sein, an dem Städte teilweise für den motorisierten Verkehr gesperrt und nur für Fußgänger, Radfahrer, öffentliche Verkehrsmittel und saubere Fahrzeuge (z. B. Elektrofahrzeuge) zugänglich sind. So werden beispielsweise die Altstadt und ein Großteil des Stadtzentrums von Stockholm in eine Fußgängerzone verwandelt. Neben einer Vielzahl weiterer kleiner und mittelgroßer Städte in Europa werden auch Teile der ungarischen Hauptstadt Budapest, der portugiesischen Hauptstadt Lissabon und der slowenischen Hauptstadt Ljubljana für einen Tag autofrei. Die französische Hauptstadt Paris folgt am 27. September 2015.
„Die EUROPÄISCHEMOBILITÄTSWOCHE soll daran erinnern, dass jeder einzelne von uns etwas bewirken kann. Wenn wir uns entschließen, mehr zu laufen und Rad zu fahren oder bevorzugt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen bzw. diese nachhaltigen Verkehrsträger miteinander zu kombinieren, dann kann Europa als Ganzes daraus erheblichen gesellschaftlichen Nutzen ziehen. Zusammengenommen können unsere individuellen Entscheidungen dazu beitragen, dass CO2-Emissionen, Staus, Luftverschmutzung, Lärm und Unfälle verringert und eine bessere Mobilität geschaffen werden“, so die für Verkehr zuständige EU-Kommissarin Violeta Bulc.

Die Europäische Mobilitätswoche 2008 in Prag – Foto: EUROPEAN MOBILITY WEEK @ Flickr – CC BY 2.0
Von den insgesamt 1.673 teilnehmenden Gebietskörperschaften kommen jedoch lediglich neun aus Deutschland. Veranstaltungen werden durchgeführt in
Die Stadt Düren und die Stadt Würzburg beteiligen sich zudem am autofreien Tag. In Düren so die vierspurige Schenkelstraße gesperrt werden. Stattdessen sollen Aktivitäten zum Klimaschutz und dem Thema Mobilität im Alter stattfinden. In Würzburg wird im Rahmen des Würzburger Stadtfestes die Theaterstraße zur „autofreien Theaterstraße“. In Frankfurt am Main wurde auf einen autofreien Tag verzichtet, da dies während der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) schwierig umzusetzen wäre.

Die Europäische Mobilitätswoche 2014 im Luxembourg – Foto: © Verkéiersverbond | EUROPEAN MOBILITY WEEK @ Flickr – CC BY 2.0
Im Allgemeinen ist die Teilnahme deutscher Kommunen an der EUROPEAN MOBILITYWEEK relativ dürftig. Anstatt die Chance für einen stadtweiten Dialog über die zukünftige Ausrichtung der Mobilität im unmittelbaren Umfeld zu nutzen, wird zu meinem Bedauern darauf verzichtet. Auch deutsche Gebietskörperschaften stehen Herausforderungen in den Bereichen Verkehr, Klimawandel, Energieeffizienz und nachhaltige Stadtentwicklung gegenüber. Veranstaltungen wie die Europäische Mobilitätswoche können Impulsgeber für eine breit angelegte Diskussion mit der Bürgerschaft sein und darüber hinaus Aufklärungsarbeit über die Chancen und Herausforderungen der Zukunft leisten. Stadtentwicklung und die Gestaltung des Mobilitätsangebots vor Ort ist ein kontinuierlicher Prozess, der in regelmäßigen Abständen Impulse benötigt. Eine jährlich stattfindende Veranstaltung wie die Europäische Mobilitätswoche kann dies bei entsprechender Ernsthaftigkeit und Programmgestaltung leisten.
Die Europäische Kommission hat mit dem diesjährigen Leitthema „Multimodalität“ ein Kernelement der zukünftigen Mobilität gewählt. Die Kombination verschiedener Verkehrsmittel sollte nicht nur in der kommunalen Verwaltung verfolgt werden, sondern auch im Fokus der Verkehrsunternehmen stehen. Umso bedauerlicher ist es, dass nur wenige öffentliche Verkehrsunternehmen und Verkehrsverbünde die Chancen, welche die Europäische Mobilitätswoche für ein Werben in eigener Sache und für die Nahmobilität als Ganzes bietet, genutzt haben.
Hinzu kommt, dass der internationale Park(ing) Day am 18.09.2015 die Ziele der Europäischen Mobilitätswoche wunderbar ergänzt und Kommunen von den Ideen und der Kreativität von Bürgern, Organisationen und Initiativen hätte profitieren können. Übrigens freue ich mich über Bilder von Park(ing)-Day Aktionen via Mail, Facebook und Twitter!
Man kann nur zu dem Schluss kommen, dass die deutsche Beteiligung an der Europäischen Mobilitätswoche ausbaufähig ist und hoffen, dass im Jahr 2016 mehr deutsche Teilnehmer die Potenziale einer solchen Aktionwoche erkennen und die Gelegenheit beim Schopfe packen werden!
Teilnehmer an der EUROPEAN MOBILITYWEEK 2015 nach Ländern:
| Land | Teilnehmer |
|---|---|
| Andorra | 1 |
| Argentinien | 1 |
| Belgien | 3 |
| Bulgarien | 17 |
| Deutschland | 9 |
| Estland | 3 |
| Finnland | 33 |
| Frankreich | 42 |
| Griechenland | 36 |
| Großbritannien | 8 |
| Island | 5 |
| Irland | 3 |
| Italien | 102 |
| Japan | 8 |
| Kolumbien | 1 |
| Kosovo | 1 |
| Kroatien | 11 |
| Lettland | 4 |
| Litauen | 13 |
| Luxemburg | 20 |
| Mazedonien | 15 |
| Montenegro | 3 |
| Niederlande | 1 |
| Norwegen | 20 |
| Österreich | 455 |
| Polen | 6 |
| Portugal | 53 |
| Rumänien | 28 |
| Russland | 29 |
| Slowenien | 58 |
| Südkorea | 15 |
| Spanien | 328 |
| Schweden | 70 |
| Schweiz | 2 |
| Tschechien | 35 |
| Türkei | 1 |
| Ukraine | 10 |
| Ungarn | 181 |
| Weißrussland | 3 |
| Zypern | 4 |