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Der Wert von Echtzeitinformationen im Öffentlichen Personenverkehr

Foto: "Perronanzeiger von Funkwerk für die SBB." von Funkwerk Marketing @ Wikimedia Commons - CC BY-SA 4.0
Welchen Wert besitzen eigentlich Echtzeitinformationen im öffentlichen Personenverkehr (ÖPV)? Wie definiert sich deren Wert überhaupt? Welche Informationen sind für Passagiere generell interessant? Wann ist der Bedarf nach ihnen am grössten und welche Vorteile bieten sie den Nutzern? Fragen, denen in diesem Beitrag auf den Grund gegangen werden soll.

Dies ist ein von Niklas Fischer. Wenn auch Sie Interesse haben, hier einen Gastartikel zu veröffentlichen, dann schreiben Sie mir bitte.

Jeder kennt diese Situation. Wir stehen an der Haltestelle und warten auf den oder die Bahn. Erscheinen diese nicht wie geplant, ist die Ratlosigkeit auf den - oder Bahnsteigen oft groß. In solchen Fällen helfen Echtzeitinformationen. Sie erfüllen dabei den Zweck die Lücke zwischen den Erwartungen der Passagiere und dem nicht erscheinenden zu schließen oder zumindest zu verkleinern.

Doch welche Eigenschaften oder Umstände legen in einer solchen Situation den Wert von Echtzeitinformationen fest? Im Kern definiert sich der Wert anhand der Verfügbarkeit (Bereitstellung durch den ÖPV-Betreiber), der Zugänglichkeit (Informationstafeln, Durchsagen, Homepage, App) und der Qualität der Informationen als auch anhand des Aufenthaltsortes des Reisenden.

Aber welche Art von Information ist für einen ÖPV-Nutzer überhaupt relevant, der gerade im Begriff ist sich auf den Weg zur Haltestelle zu machen oder womöglich schon dort auf den nächsten Zug wartet? Zuallererst wäre da natürlich die erwartete Dauer der Verspätung, die die Grundlage für mögliche Anpassungen der vorhandenen Reiseoptionen bildet und bei Erhalt dem Reisenden das Gefühl vermittelt trotz einer Verspätung noch Herr der Lage zu sein. Darüber hinaus besteht der Bedarf nach einem Höchstmaß an , was den Grund der Verspätung betrifft. Dies bedeutet, dass dafür Sorge zu tragen ist, dass die Passagiere schnellstmöglich über die Ursache der Verspätung informiert werden, damit diese bspw. an die Arbeitsstelle, Familienmitglieder oder Freunde weitergegeben werden kann. Abschließend und besonders im Falle einer Reise auf einer unbekannten Route empfiehlt es sich die Reisenden über alternative Routen zu informieren, die ein Erreichen des Ziels zum angestrebten Zeitpunkt ermöglichen.

Doch wann benötigen die ÖPV-Nutzer die beschriebenen Informationen? Besonders hoch ist der Bedarf natürlich bevor der Weg zur Haltestelle angetreten wird. Zu diesem Zeitpunkt besteht für den Reisenden noch die Möglichkeit die Zeit sinnvoll zu nutzen, anstatt an der Haltestelle warten zu müssen. Doch auch wenn ein Passagier bereits unterwegs ist, haben Echtzeitinformationen eine hohe Relevanz, besonders wenn Umstiege vorgesehen und ggf. Anpassungen der Reiseoptionen notwendig sind. Ebenso ist der Bedarf von der Länge der möglicherweise auftretenden Verspätung abhängig. Die Toleranzgrenze von Bus-Passagieren für Verspätungen liegt bspw. bei rund fünf bis zehn Minuten, wobei Verspätungen von zwei bis drei Minuten gar nicht als solche wahrgenommen und für Verspätungen, die größer als zehn Minuten sind, explizite Begründungen gefordert werden. Darüber hinaus spielt die Taktung des ÖPV eine große Rolle. So konnte nachgewiesen werden, dass Nutzer vor Antritt der Reise seltener nach Echtzeitinformationen suchen, wenn die Taktung des ÖPV bei weniger als zehn Minuten liegt.

Besonders die deutsche ÖPV-Landschaft hat in diesem Bereich noch viel Luft nach oben. So wird vielerorts nach wie vor mit statischen Fahrplan-Anzeigen ohne jegliche Art von gearbeitet und somit der Nutzer sich selbst und seiner Hoffnung überlassen, dass das Verkehrsmittel der Wahl zeitnah auftaucht. In diesem Fall lohnt wie so oft der Blick in den Norden. So kann der ÖPV-Nutzer in über eine Homepage die Positionen jeglicher ÖPV-Fahrzeuge und die Inhalte der Informationstafeln aller Haltestellen in Echtzeit einsehen und so sein Reiseverhalten dementsprechend anpassen. In größerem Maßstab gedacht, könnten, basierend auf einer funktionierenden Informations-Pipeline, die bestehenden ÖPV-Angebote durch Mobilitätsangebote privater Anbieter ergänzt und so Symbioseeffekte geschaffen werden. So ist bspw. denkbar die Fahrgäste im Falle einer Verspätung mit alternativen Verkehrsmitteln (z.B. Sammeltaxi) abzuholen und an ihr Ziel zu bringen. Im urbanen Raum bietet sich im Rahmen dessen die Ergänzung durch Verkehrsmittel aus dem Mikromobilitätssektor an. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Echtzeitinformationen im ÖPV eine große Rolle spielen und diese in weiter wachsen wird. Ein Service, der die Nutzer jederzeit zuverlässig und umfassend über Abweichungen vom regulären Fahrplan informiert, ist noch nicht überall verfügbar, sollte aber das Ziel aller Mobilitätsanbieter sein. Es ist davon auszugehen, dass die rasch voranschreitende technologische Entwicklung ihren Beitrag zur Verbesserung des bestehenden Angebots leisten wird. Es bleibt zu hoffen, dass in alle beteiligten Mobilitätsanbieter offene Datenschnittstellen zur Verfügung stellen, damit dem Endnutzer ein aggregiertes Informationsangebot zur Verfügung gestellt werden kann. Diese Entwicklung könnte dazu beitragen, die Akzeptanz und Nutzung des öffentlichen Verkehrs weiter zu erhöhen und damit einen wesentlichen Beitrag zur klimafreundlichen der Zukunft zu leisten.

Niklas Fischer

Niklas Fischer

28 Jahre alt. Master of Science (Traffic & Transport), TU Darmstadt. Praktikant bei 'MaaS Global' (Helsinki) in den Bereichen: Nachhaltigkeit, Data Analytics und Business Development. Interessiert an der Mobilität der Zukunft und der Welt nach dem Auto.

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28 Jahre alt. Master of Science (Traffic & Transport), TU Darmstadt. Praktikant bei 'MaaS Global' (Helsinki) in den Bereichen: Nachhaltigkeit, Data Analytics und Business Development. Interessiert an der Mobilität der Zukunft und der Welt nach dem Auto.