Die Deutsche Bahn möchte mit einer Digitalisierungsoffensive ihre Prozesse und Angebote verbessern. In etwa 150 Projekten wird derzeit konzernweit an neuen Anwendungen und Geschäftsmodellen gearbeitet, um mit dem sich verändernden Mobilitäts- und Logistikmarkt Schritt halten zu können. In Vergangenheit hat die Deutsche Bahn mit ihrer Webseite bahn.de, dem DB Navigator, der multimodalen Auskunfts-App Qixxit sowie den Apps für das DB-Carsharing-Angebot Flinkster und das DB-Bikesharing-Angebot Call a Bike bereits einige digitale Angebote im Personenverkehrsbereich gestartet. Hinzu kommen entsprechende IT-Anwendungen und -Systeme in der Logistik, dem Infrastrukturbereich sowie in internen Prozessen.
In Anlehnung an den Begriff „Industrie 4.0“, welcher die Informatisierung der Fertigungstechnik beschreibt, wurde der Marketing-Kunstbegriff „Mobilität 4.0“ kreiert. Dieser umfasst zum einen eine stärkere Nutzung und Integration von IT in Verkehrs- und Logistikprozesse sowie eine stärkere Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsträger untereinander. Die Deutsche Bahn nutzt den Begriff „Mobilität 4.0“, um ihre Digitalisierungsangebote im Personenverkehr zu vermarkten.
Leider hat es die Deutsche Bahn versäumt, eine Liste der 150 Digitalisierungsprojekte mit entsprechender Erläuterung zu veröffentlichen (ist aber von mir angefragt). Von im Rahmen der Pressekonferenz angefertigten Foto- und Videoaufnahmen konnte ich die folgenden 39 Vorhaben identifizieren. Es zeigt sich: Die strategischen Weichen wurden gestellt, der Digitalisierungs-Trend verstanden. Jedoch entpuppt sich manch vermeintliche Neuheit beim genauen Hinschauen eher als geschicktes Marketing.
Mobilität 4.0
Mifahrer App
WLAN 2. Klasse Ab 2016 – also mit rund einem Jahr Verspätung – sollen auch Fahrgäste der 2. Klasse die Hotspots in den ICE-Zügen kostenfrei nutzen dürfen. An dieser Stelle erscheint jedoch bereits ein erstes „Aber“, bleiben doch IC-Fernzüge sowie die meisten Regionalzüge außen vor. Zur Verteidigung der DB: Im Regionalverkehr müssten die SPNV-Besteller WLAN im Rahmen von Ausschreibungen einfordern (Hintergrundwissen: Wie funktioniert der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Deutschland?). Jedoch hätten die neuen IC-Dostos, welche voraussichtlich ab 2016 von DB Fernverkehr eingesetzt werden, eine entsprechende Ausrüstung erhalten können.
Automatisierung Fahrgastrechte
Social Content Hub Anfang 2015 startete DB Bahn mit inside.bahn.de ihr neues „Owned-Media Portal“, welches zentraler Ausgangspunkt für eine aktive Kundeninteraktion ist und durch die bestehenden Social Media Service-Kanäle ergänzt wird. Der Social Content Hub erfüllt die Nutzererwartung nach Inspiration, Hintergründen, (Selbst-)Hilfe und interessanten und unterhaltsamen Inhalten rund um den Personenverkehr der Deutschen Bahn.
Meine Zeit App
DB Travel Connected
ICE-Portal Die Deutsche Bahn startet im Jahr 2015 das „DB Entertainment Portal im ICE“ und möchte über das WLAN in ihren ICE den Passagieren, Filme, Podcasts, Spiele und Informationen (Anschlüsse und Standort des Zuges) anbieten.
Single Sign On
Elektronische BahnCard
Tür-zu-Tür auf BAHN.de und im DB-Navigator Die Reiseauskunft wird künftig mit einer Karte visualisiert, in der auch Mietfahrräder und Carsharing-Angebote der DB zu finden sind. Perspektivisch soll der Fahrgast im Bahnhof „an die Hand genommen werden“ und bis zum richtigen Gleis und reservierten Sitzplatz gelenkt und begleitet werden.
Ridesharing flinc flinc ist ein Mitfahrnetzwerk mit Augenmerk auf Dynamic Ridesharing und der Verbindung zwischen Mitfahrzentrale und sozialem Netzwerk. flinc betreibt im Schwarzwald gemeinsam mit der Deutschen Bahn ein Pilotprojekt. Über eine Online-Plattform können Autofahrer dabei ihre geplanten Fahrten für mögliche Mitreisende anbieten. Wer als Nutzer seine gewünschte Verbindung eingibt, enthält dann auf der anderen Seite ein passendes Angebot – entweder über öffentliche Verkehrsmittel, als Mitfahrer oder als Mix aus beidem.
Click&ride Für Informationen über click&ride siehe „Industrialisierung Fahrplan (neXt)“ im Bereich Produktion 4.0
Multicopter – DB Sicherheit DB Sicherheit möchte Metalldiebe und Graffiti-Sprayer mithilft von Drohnen aufspüren. Jedoch haben deutsche Behörden bislang die Erteilung notwendiger Nachtfluggenehmigungen verweigert. Darüber hinaus fehlen rechtliche Regelungen für den Immersionsflug (Flug ohne direkten Sichtkontakt).
RIM – Rail in Motion Rail-in-Motion (RiM) ermöglicht, dass Mitarbeiter mit einem örtlich flexiblen Arbeitsplatz, wie zum Beispiel Lokführer von Zügen, alle notwendigen Informationen situationsgerecht auf einem einzigen Endgerät abrufen können. Der Lokführer erhält über ein tragbares und personalisiertes RiM-Tablet alle Daten, die er für die Ausübung seiner Tätigkeit benötigt – und zwar zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Selbst kurzfristige Änderungen in Schichtplänen oder Störungen im Betriebsablauf kann er während seiner Schicht empfangen und darauf reagieren. Denn über das Gerät können auch Rückmeldungen direkt an die jeweiligen Systeme versandt werden. Unter anderem sollen Schadmeldungen vorab an die Instandhaltung geschickt werden können. Auch Zugbegleiter und Bordservice-Mitarbeiter erhalten Zugang zu RiM. Im Jahr 2013 wurde der Testbetrieb begonnen, mittlerweile werden die Tablet-Generation 4 und V 2.5 ausgerollt. Mit mehr oder minder gemischten Reaktionen der Nutzer…
Arbeitswelten 4.0
Projekt flex@work
Schüler Online-Test
Vernetzungs- und Kollaborationsplattform DB Together
Social Media Kanäle
Produktion 4.0
3-D-Druck: Erhöhung Materialverfügbarkeit
Industrialisierung Fahrplan (neXt) DB Netz arbeitet seit Anfang 2010 am Projekt „neXt (EU-Güterkorridore)“. Im Rahmen dieses Projekts sollen vorkonstruierte Trassen systematisch eingeführt werden. Statt wie bislang insbesondere Güterzügen im Gelegenheitsverkehr Trassen neben dem Jahresfahrplan einzeln auf den Leib zu schneidern, sollen diese vorab erstellt und dem Kunden wie aus einem Katalog angeboten werden. Hierfür werden denkbare Fahrmöglichkeiten zwischen Knotenpunkten innerhalb bestimmter Zeitfenster vorab von DB Netz ermittelt. Die Bestellung der Trassen soll über „click&ride“ erfolgen.2015 soll das Projekt „neXt“ auf den EU-Korridoren 1, 3 und 8 einschließlich einiger der Alternativstrecken verwirklicht sein. Im Endzustand soll mit „Next“ die gesamte Fahrplanerstellung gemacht werden – von der Langfristplanung, die fünf Jahre im Voraus entworfen wird, bis hin zur Trassenvergabe im Netzfahrplan vier Monate vor Inkrafttreten. Auch die Kapazität für Bauarbeiten ist berücksichtigt.
IT 4.0
Internet of Things
Big Data Competition
Logistik 4.0
DB Schenker IdeaFactory at HOLM
DB Schenker smartbox family Die smartbox family wird von DB Schenker seit 2007 entwickelt. Sie dient der Überwachung von Transporten im weltweiten Güterverkehr.
Transparenz Volle Transparenz entlang der Wertschöpfungskette Überwachung der äußerlichen Einflüsse auf die Ware Überprüfung der Lieferzeit GPS Echtzeit Überwachung im Internet (24/7)Einsparungen Mögliche Reduktion der Versicherungsprämie Günstigere LogistikkostenSicherheit Schutz vor Diebstahl Schutz vor VandalismusWeitere Vorteile: Überwachung der Temperatur und Feuchtigkeit Geofencing Tür-Alarm, Bewegungssensor, Lichtsensor, Vibrationssensor, Einbruchalarm Rückführungslogistik (Luft oder See) Beratung, Analyse und Fallbeispiele Kundenspezifische individuelle Statistiken Zugang zum DB Schenker System „Customer Information System“ (CIS)
3D-Printing Pilot im DB Schenker Enterprise Lab Dortmund
Rolling Stock Intelligence Zustandsinformationen der Fahrzeuge generieren und nutzen. Bis 2020 sollen rund 2.000 Lokomotiven dafür ausgestattet sein.
Tablet PC for train driver siehe RIM – Rail in Motion
Netzwerkbahn Die heute parallel existierenden Produktionssysteme Ganzzug und Einzelwagen sollen intelligent miteinander kombiniert werden. In der heutigen Produktion des Einzelwagenverkehrs werden Wagen und Wagengruppen durch ein weitgehend hierarchisches Netzwerk an ihr Ziel geroutet. Dabei werden die Wagen bzw. Wagengruppen mit Bedienfahrten vom Kunden oder von Sammelstellen (z.B. bei Leerwagen) abgeholt und zu Zügen verbunden.Im Ganzzugverkehr hingegen laufen überwiegend große und stabile Mengen, wobei die Wagen meist ohne Umwege und Umstellungen in den Rangier- und Knotenbahnhöfen von ihrem Start zum Ziel laufen können. In der derzeitigen Planung werden Einzelwagen- und Ganzzugverkehre separat betrachtet, wodurch wir weniger flexibel auf Veränderungen bei unseren Kunden reagieren können. Durch die Produktion in einem „Netzwerk“ pegelt DB Schenker Rail die Auslastung der Ressourcen auf einem gleichmäßigen Niveau ein. Es entsteht dadurch die Möglichkeit auch bei volatilen Mengen stetige Transporte sicherzustellen, was positive Auswirkungen auf die Lagerkapazitäten der Kunden haben kann. Darüber hinaus wächst die Flexibilität und die Individualität von Transporten. Gleichzeitig werden durch die Bündelung der Systeme Kapazitäten in den Anlagen und auf den Strecken geschaffen.
Drive4schenker Ermöglicht künftig internetgestützt europaweit die komplette Fahrer- und Fahrzeugdisposition durchzuführen.
Herausgeber und Gründer von Zukunft Mobilität, arbeitet im Hauptjob im ARGUS studio/ in Hamburg. Zuvor war er Verkehrswissenschaftler an der Technischen Universität Dortmund.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum und nachhaltige Verkehrskonzepte.
Kontaktaufnahme:
randelhoff [ät] zukunft-mobilitaet.net
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