
Mit 167 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten war der Verkehr 2017 der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen in Deutschland (Anteil: 18,4 %). Im Vergleich zu allen anderen Sektoren hat es der Verkehrssektor nicht geschafft, die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 (163 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente) zu senken. Die gesamten Treibhausgasemissionen der Bundesrepublik Deutschland sanken zwischen 1990 und 2017 von 1.251 auf 907,8 Mio. t CO2.
Klimaschutz im Verkehr gilt im Vergleich zu anderen Sektoren als komplex. Ein Grund hierfür ist, dass es mit dem Laissez-faire- und Konsistenzansatz zwei grundsätzlich unterschiedliche Strategien in der Verkehrspolitik gibt. Darüber hinaus berühren Eingriffe im Verkehrsbereich die Lebenswirklichkeit der allermeisten Bürgerinnen und Bürger unmittelbar, stellen eingeübte Verhaltensmuster in Frage und rufen somit Widerstand hervor.
Nichtsdestotrotz muss der Verkehrssektor ebenfalls einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Doch was sind mögliche Ansätze und welche Wirkung haben sie? In den vergangenen Jahren wurde eine Vielzahl an Studien und Szenarienpapieren für Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr erstellt. Dieser Artikel gibt einen Einblick in die Studie „Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050„1 (Mirror), die 2016 im Auftrag des Umweltbundesamts erarbeitet wurde sowie den damit zusammenhängenden Teilbericht „Klimaschutz im Verkehr: Neuer Handlungsbedarf nach dem Pariser Klimaschutzabkommen„2 (Mirror).
Der Artikel gliedert sich in den Teil „Kernbotschaften„, in dem die wichtigsten Erkenntnisse und Ergebnisse knapp zusammengefasst sind. Die einzelnen Aussagen sind mit Quellenangaben versehen, sodass sie mit Rückgriff auf die verlinkten Studien nachvollzogen werden können. Im Abschnitt „Erläuterungen“ sind zunächst die wichtigsten Annahmen aufgeführt, welche den Szenarien zugrunde liegen. Im Anschluss werden die Entwicklungen der Verkehrsleistungen im Personenverkehr und Güterverkehr, der Endenergieverbrauch des Verkehrssektors bis 2050, der Strombedarf bis 2050 und die direkten (TtW) sowie gesamten (WtW) Emissionen von Treibhausgasen (CO2, N2O, CH4, ausgedrückt in CO2-Äquivalenten) beschrieben. Den Abschluss bildet eine Liste mit Maßnahmen aus den Bereichen Vermeiden, Verlagern, Verbessern sowie den eingesetzten Energieträgern.
Im Rahmen der Studie wird ein Referenzszenario und ein Klimaschutzszenario miteinander verglichen. Das Klimaschutzszenario baut hierbei auf dem Referenzszenario auf. Dies bedeutet, dass es sowohl die im Referenzszenario enthaltenen Maßnahmen umfasst und zudem weitere Maßnahmen beinhaltet.
Basis für das Referenzszenario ist die Verflechtungsprognose 2030, welche die deutschlandweiten Verkehrsverflechtungen für den Personen- und Güterverkehr für das Jahr 2030 analysiert und prognostiziert. Sie ist Grundlage für die Erstellung des Bundesverkehrswegeplans. Die Verflechtungsprognose basiert auf bestimmten Annahmen wie bspw. signifikante Erweiterungen des Verkehrsnetzes und des Verkehrsangebots durch Neubau- und Ausbaumaßnahmen sowie durch Kapazitätserweiterungen oder durch veränderte Verkehrsangebote im Öffentlichen Verkehr und im Luftverkehr. So wird die Realisierung aller im „Vordringlichen Bedarf“ festgelegten Maßnahmen bis 2030 unterstellt.38
Weiteres wichtiges Element sind die sozio-ökonomische Strukturdaten und verkehrspolitische Einflussfaktoren:
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 64 BVWP Verflechtungsprognose 2030 Annahme](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/soziodemografische-daten-verflechtungsprognose-2030-verkehr.jpg)
Annahmen zu den sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen in der Verflechtungsprognose 2030 – Quelle: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 124 | Tabelleninhalt: BVU et al. 2014: Verkehrsverflechtungsprognose 2030. Freiburg, München, Aachen, Essen.
Eine zentrale Größe innerhalb der Verkehrsmittelnutzerkosten bildet der Kraftstoffpreis. Es wird wird unterstellt, dass die Kraftstoffpreise für den Endverbraucher, unabhängig vom Rohölpreis, um 2,0 % pro Jahr ansteigen.39 Das bedeutet, dass bei einem geringeren Anstieg des Rohölpreises der Mineralölsteuersatz entsprechend erhöht wird.
Im Bereich des Pkw-Verkehrs wurde eine, umweltpolitisch motivierte, spürbare Beschleunigung des Rückgangs des durchschnittlichen Kraftstoffverbrauchs angenommen. Die Parkgebühren sollen um 50 % steigen.40
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 65 Annahmen Entwicklung Pkw-Verkehr 2030 Verflechtungsprognose](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/annahmen-pkw-verkehr-verflechtungsprognose-2030.jpg)
Annahmen zum Pkw-Verkehr in der Verflechtungsprognose 2030 – Tabelle: BVU et al. 2014: Verkehrsverflechtungsprognose 2030. Freiburg, München, Aachen, Essen, S. 188
Aus umwelt- und energiepolitischen Gründen wurden für den Luftverkehr und den Straßengüterverkehr keine weiter sinkenden Kosten unterstellt. Insgesamt setzt das Annahmengerüst für die Verflechtungsprognose 2030 und somit das Referenzszenario bereits „ein spürbares umwelt- und energiepolitisches Handeln voraus, welches deutlich über den geltenden Status quo hinausgeht.“41
Das Referenzszenario basiert auf obigen Annahmen und bildet zudem alle umweltrelevanten politischen Vorgaben ab, die bis Mitte 2014 in Kraft getreten sind.
Die Entwicklung der Personenverkehrsleistung und der Güterverkehrsleistung im Referenzszenario für die Jahre 2010 bis 2030 wird aus der Verkehrsprognose 2030 übernommen. Für den Frachttransport im Flugverkehr ist in der Verkehrsverflechtungsprognose kein expliziter Wert ermittelt worden, daher wird hier die gleiche Zunahme wie im Personenverkehr unterstellt.
Zwischen 2010 und 2030 wird mit einer Zunahme der Verkehrsleistung des motorisierten Individualverkehrs von knapp 10 % gerechnet, beim Öffentlichen Straßenpersonenverkehr (Busse, kommunaler Schienenverkehr) werden 6,0 % erwartet. Die Schienenpersonenverkehrsleistung soll um 19,2 % wachsen, während für den Luftverkehr eine Zunahme um 78,8 % (innerdeutsch: +15 %) prognostiziert wurde.42
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 66 Wachstum Personenverkehrsleitung 2010 - 2030 Deutschland](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/entwicklung-personenverkehrsleistung-verkehrsverflechtungsprognose-2030.jpg)
Entwicklung der Personenverkehrsleistung 2010-2030 in der „Verkehrsverflechtungsprognose 2030“ – Quelle: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 151 | Daten: BVU et al. 2014: Verkehrsverflechtungsprognose 2030. Freiburg, München, Aachen, Essen.
Für die Jahre 2030 – 2050 wird im Referenzszenario angenommen, dass sich aufgrund der demografischen Entwicklung eine Sättigung im Verkehrsverhalten einstellt und die Personenverkehrsleistung um 2 % zurückgeht.43 Die Verkehrsleistung im Straßenverkehr soll 2050 um knapp 4% über den 2005er Werten liegen, während im Schienenverkehr im Jahr 2050 eine um 17 % höhere Verkehrsleistung angenommen wird. Der Flugverkehr ist mit fast 150 % Steigerung der Treiber der Personenverkehrsleistung.44
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 67 Entwicklung Personenverkehrsaufkommen und Modal Split 2005 bis 2050 Verkehr](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/entwicklung-personenverkehrsleistung-modal-split-2050.jpg)
Entwicklung der Personenverkehrsleistung (links) und Modal Split (rechts) im Referenzszenario für die Jahre 2030 – 2050 – Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 160
Durch das Maßnahmenpaket Klimaschutz im Personenverkehr (Aufstellung siehe hier) kann es in der Alltagsmobilität bis 50 km zu einer Änderung der Verkehrsleistung im Klimaschutzszenario gegenüber dem Referenzszenario kommen. Die Verkehrsleistung im Fußverkehr würde um +18 % zunehmen, im Radverkehr um +22 %, im ÖPNV um +38 % und sich im MIV um -38 % verringern.45
Des Weiteren soll es im Alltagsverkehr wie auch im Fernverkehr der Pkw-Besetzungsgrad um 10 % erhöhen. Im Fernverkehr soll es zudem zu einer Minderung der Verkehrsleistung um 10 % (inklusive Luftverkehr) und zu einer Verlagerung von 10 % des restlichen MIV auf den ÖV kommen.44
Durch die nichttechnischen Maßnahmen im Personenverkehr liegt die Verkehrsleistung im Klimaschutzszenario 2050 um 15 % niedriger als im Referenzszenario, bei einem Rückgang im Straßenverkehr um 22 % und im Luftverkehr um 10 %. Der Modal Split verschiebt sich von der Straße zum Eisenbahnverkehr (von 7,6 % im Jahr 2005 auf 11 % im Jahr 2050).47
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 68 Entwicklung Personenverkehr Klimaschutz Modal Split Veränderung](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/entwicklung-personenverkehrsleistung-klimaschutz-modal-split-2050.jpg)
Entwicklung der Personenverkehrsleistungen und Modal Split-Verteilungen im Klimaschutzszenario – Grafik: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 186
Im Güterverkehr wird zwischen 2010 und 2030 eine Steigerung der Transportleistung auf der Straße um +38,9 %, auf der Schiene um +42,9 %, mit Binnenschiffen um +9,1 % und im Luftverkehr auf Basis des übernommenen Wertes aus dem Personenverkehr um +78,7 % erwartet.48
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 69 entwicklung transportleistung gueterverkehr verkehrsverflechtungsprognose 2030](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/entwicklung-transportleistung-gueterverkehr-verkehrsverflechtungsprognose-2030.jpg)
Entwicklung der Transportleistung 2010-2030 in der „Verkehrsverflechtungsprognose 2030“ – Quelle: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 152 | Daten: BVU et al. 2014: Verkehrsverflechtungsprognose 2030. Freiburg, München, Aachen, Essen.
Ab 2030 machen sich die Bevölkerungsrückgänge ebenfalls im Güterverkehr bemerkbar. Das Aufkommen im Binnenverkehr soll zwischen 2030 und 2050 bei rund 3,2 Mrd. Tonnen verharren, jedoch ändert sich die Struktur.49 Im grenzüberschreitenden Güterverkehr soll das Aufkommen um ca. 18 % wachsen50, hiervon + 13 % im grenzüberschreitenden Empfang51 und im Durchgangsverkehr +21 %.52
Der Güterverkehr nimmt von 2005 bis 2050 insgesamt um 75 % zu.53 Die Verkehrsleistung des Straßengüterverkehrs soll von 437 Mrd. tkm in 2010 auf 714 Mrd. tkm im Jahr 2050 wachsen (+39,8 % bis 2030 und +17,6 2030 – 2050). Im Schienengüterverkehr steigt die Verkehrsleistung bis 2030 um 42,9 % und ab 2030 um weitere 21,1 %. 2050 sind somit ca. 186 Mrd. tkm auf deutschen Bahnstrecken abzuwickeln.54 Der Schienenverkehr und die Binnenschifffahrt können ihren Anteil am Modal Split bis 2050 nur gering vergrößern, die Verkehrsleistung des internationalen Luftverkehrs verdreifacht sich.
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 70 Güterverkehr Entwicklung Wachstum 2030 2050 2005 Klimaschutz Modal Split](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/entwicklung-gueterverkehrsleistung-modal-split-2050.jpg)
Entwicklung der Güterverkehrsleistung und Modal Split im Referenzszenario für die Jahre 2030 – 2050 – Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 160
Im Klimaschutzszenario steigt die Verkehrsleistung trotz sehr weitreichender Maßnahmen bis 2050 um rund 50 % gegenüber 2010 (Referenzszenario: rund 60 %). Der Straßengüterverkehr nimmt um rund 25 % (Referenzszenario: +63 %) zu, der Schienengüterverkehr um rund 164 % (Referenzszenario: +73 %) auf rund 284 Mrd. tkm. Während im Referenzszenario der Bahnanteil am aufkommensbezogenen Modal Split von 9,7 % in 2010 um 1,1 Prozentpunkte auf 10,8 % in 2050 zunimmt, beträgt der Zuwachs im Klimaschutzszenario 6,9 Prozentpunkte auf dann 16,6 %.55 Eine derartige Steigerung würde am oberen Rande des Machbaren liegen und bedeutet einen massiven Ausbau der Schieneninfrastruktur und der bereitstehenden Kapazitäten im Schienengüterverkehr.
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 71 Modal Split Güterverkehr Klimaschutz Lkw Schienengüterverkehr](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/gueterverkehr-klimaschutz-szenario-verkehrsleistung-transportleistung-referenz.jpg)
Entwicklung des aufkommensbezogenen Modal Split im landgebundenen Güterverkehr im Vergleich zum Referenzszenario – Grafik: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 179
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 72 Verkehrsleistung Güterverkehr Modal Split 2050 Klimaschutz](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/gueterverkehr-klimaschutz-szenario-verkehrsleistung-referenz.jpg)
Entwicklung des leistungsbezogenen Modal Split im landgebundenen Güterverkehr im Vergleich zum Referenzszenario – Grafik: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 182
Durch eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene und Optimierungen bei der Abwicklung des Straßengüterverkehrs mit entsprechenden Rückgängen der mittleren Transportweiten kann im Klimaschutzszenario die Gesamtverkehrsleistung gegenüber dem Referenzszenario 2050 um 6,2 % reduziert werden. Das Aufkommen des Straßengüterverkehr verringert sich gegenüber dem Referenzszenario um 280 Mio. t (-7,4 %) und erhöht sich im Schienengüterverkehr um 259 Mio. t bzw. 52 % gegenüber dem Referenzszenario. Damit verbunden nimmt die Verkehrsleistungszunahme auf dem Schienennetz um 52,4 % zu, während sie sich auf der Straße um -23,3 % mindert.56
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 73 Klimaschutz Güterverkehr Entwicklung 2050 Verkehrsleistung Modal Split](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/entwicklung-gueterverkehrsleistung-klimaschutz-modal-split-2050.jpg)
Entwicklung der Güterverkehrsleistungen und Modal Split-Aufteilung im Klimaschutzszenario – Grafik: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 187
Die Entwicklung des Endenergieverbrauchs des Verkehrssektors ist u.a. abhängig von der Entwicklung der Verkehrsmengen, der Energieeffizienz und der Effizienz der Verkehrsabwicklung (Fahrzeuggrößen, Auslastung) der einzelnen Verkehrsträger sowie dem Einsatz neuer Techniken und Antriebsenergien.
Maßgebliche Treiber einer Senkung des Endenergiebedarfs ist die Zunahme der Fahrzeuge mit direktem Verbrauch an Strom, insbesondere bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen sowie die Einführung von weiteren alternativen Antrieben in geringen Anteilen nach 2030 (Pkw: Brennstoffzelle, Lkw: LNG-Fahrzeuge). Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor dominieren im Straßenverkehr jedoch weiterhin. Hierbei kommt es im Referenzszenario zu keiner Änderung der Kraftstoffherkunft (überwiegend fossile Quellen, Bioanteil: 10 %), im Klimaschutzszenario erfolgt ab 2030 der Übergang von fossilen und Biokraftstoffen auf PtG/PtL-Kraftstoffe bei gleichbleibender Zusammensetzung der Fahrzeugflotten.57
Der Endenergieverbrauch des nationalen Personenverkehrs geht von 2005 bis 2050 im Referenzszenario um 49 % und im Klimaschutzszenario um 63 % zurück. Bezieht man den internationalen Flugverkehr mit ein, liegt der Rückgang bei 37 % bzw. 52 %. Beim Straßenverkehr wird im Jahr 2050 im Klimaschutzszenario gegenüber der Referenz ein Rückgang um 30 % erreicht.58
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 74 Endenergieverbrauch Personenverkehr 2050 Klimaschutz](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/endenergieverbrauch-personenverkehr-2050-klimaschutz.jpg)
Entwicklung des Endenergieverbrauchs im Personenverkehr in den Szenarien – Grafik: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 188
Der Endenergieverbrauch des nationalen Güterverkehrs geht von 2005 bis 2050 im Referenzszenario um 7 % und im Klimaschutzszenario um 25 % zurück. Bezieht man internationale Verkehre mit ein, steigt der Endenergiebedarf im Referenzszenario um +8 % und sinkt im Klimaschutzszenario um -12 %.59
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 75 Güterverkehr Klimaschutz Endenergieverbrauch 2050](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/endenergieverbrauch-gueterverkehr-2050-klimaschutz.jpg)
Entwicklung des Endenergieverbrauchs im Güterverkehr in den Szenarien – Grafik: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 188
Die Veränderungen im Straßengüterverkehr bestimmen sich maßgeblich durch den vollständigen Ersatz fossiler und Biokraftstoffe ab 2030 durch PtG/PtL-Kraftstoffe. Hinzu kommen geringe Anteile an leichten Nutzfahrzeugen mit elektrischen Antrieben (BEV und PHEV) und Nischenflotten mit LNG-Antrieb bei den schweren Nutzfahrzeugen.57
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 76 Endenergieverbrauch Straßengüterverkehr 2050 Kraftstoffherkunft Energieträger 2050 Klimaschutz](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/endenergieverbrauch-strassengueterverkehr-2050-kraftstoffe-herkunft-klimaschutz.jpg)
Entwicklung des Endenergieverbrauchs des Straßengüterverkehrs in den Szenarien (B+D = Benzin + Diesel, Sonstige: PtG, CNG, LPG und Flugkraftstoffe national – Grafik: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 190
Kommt es im Straßengüterfernverkehr ab 2030 zu einer hohen Marktdurchdringung mit Oberleitungs-Hybrid-Lkw (2050 etwa 80 % der im Fernverkehr eingesetzten Fahrzeuge OH-Lkw) und steigt der direkte Einsatz von Strom auf 46 % der Verkehrsleistungsanteile, sinkt der Endenergiebedarf 2050 gegenüber dem Klimaschutzszenario nochmals um 12 %.61
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 77 Endenergiebedarf Straßengüterverkehr Oberleitungs-Lkw Klimaschutz Verkehr 2050](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/endenergieverbrauch-strassengueterverkehr-2050-kraftstoffe-herkunft-klimaschutz-plus.jpg)
Entwicklung des Endenergieverbrauchs des Straßengüterverkehrs in den Szenarien Klimaschutz und Klimaschutz plus (B+D = Benzin + Diesel, Sonstige: PtG, CNG, LPG und Flugkraftstoffe national – Grafik: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 192
Zwischen 2005 und 2050 geht der Energieverbrauch im nationalen Verkehr im Referenzszenario um 36 % zurück, bezieht man internationale Verkehre mit ein um 24 %. Im Klimaschutzszenario sinkt der Endenergiebedarf um -53 % (nationaler Verkehr) bzw. -40 % (inkl. internationaler Verkehr). Gegenüber dem Referenzszenario kann das Klimaschutzszenario den Endenergiebedarf um 26 % bzw. 21 % reduzieren.62
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 78 Gesamtverkehr Endenergieverbauch Entwicklung 2050 Klimaschutz im Verkehr](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/endenergieverbrauch-gesamtverkehr-2050-klimaschutz.jpg)
Entwicklung des Endenergieverbrauchs im Gesamtverkehr in den Szenarien – Grafik: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 189
Sollte der Direktnutzungsanteil von Strom höher liegen (sechs Millionen Elektrofahrzeuge in 2030, Einführung Oberleitungs-Lkw bis 2050), kann eine weitere Reduktion des Endenergiebedarfs um -6 % im nationalen Verkehr und -4 % unter Einbeziehung internationaler Verkehre erreicht werden. Dies hat eine deutliche Zunahme des direkten Strombedarfs im Straßenverkehr (Verdopplung) zur Folge, gleichzeitig sinkt der Bedarf an PtG/PtL-Kraftstoffen um 19 %.63
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 79 Endenergieverbrauch Gesamtverkehr Klimaschutz bis 2050](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/endenergieverbrauch-gesamtverkehr-2050-kraftstoffe-herkunft-klimaschutz-plus.jpg)
Entwicklung des Endenergieverbrauchs des gesamten Verkehrs in den Szenarien Klimaschutz und Klimaschutz E+ (B+D = Benzin + Diesel, Sonstige: PtG, CNG, LPG und Flugkraftstoffe national – Grafik: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 192
Im Klimaschutzszenario E+ kann der Energieverbrauch von 2005 bis 2050 um 55 % (nationaler Verkehr) bzw. 42 % (Gesamtverkehr) gemindert werden. Dies bedeutet, dass der maximale Zielwert im Jahr 2050 von -60 % für das sektorübergreifende -95 %-THG-Minderungsziel in keinem Szenario erreicht werden kann, das Klimaschutzszenario E+ dem Ziel jedoch am nächsten kommt und im Korridor der 50 – 60 %-Reduktion liegt.62
Die Umstellung auf regenerativ erzeugte Energieträger im Verkehr bringt bis 2050 einen stark wachsenden Bedarf an erneuerbar erzeugtem Strom mit sich. Die benötigte erneuerbar erzeugte Strommenge wurde für das Referenzszenario, das Klimaschutzszenario (nichttechnische Maßnahmen + PtG/PtL-Kraftstoffe), das Klimaschutzszenario E+ (Klimaschutzszenario und zusätzlich Einführung des OH-Lkw sowie verstärkte Elektromobilität bei Pkw) sowie für eine Variante des Referenzszenarios unter der Annahme einer Umstellung auf PtL- und PtG-Kraftstoffe ermittelt. Letztere soll darstellen, wie sich der Bedarf an regenerativ erzeugtem Strom ändert, wenn auf die in den Klimaschutzszenarien angenommenen Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung, -verlagerung und -verbesserung verzichtet wird.
In allen Varianten steigt der Bedarf an regenerativ erzeugtem Strom stark an. Dies hängt insbesondere mit der Produktion von PtL- und PtG-Kraftstoffe zusammen. Im Referenzszenario mit PtL/PtG beläuft sich der Strombedarf auf 5.530 PJ. Im Klimaschutzszenario liegt der Energiebedarf mit 4.380 PJ um 21 % niedriger, im Klimaschutzszenario E+ mit 4.033 PJ um 29 %. Letzteres entspricht einer Einsparung um rund 1.500 PJ.65 Durch effizienzsteigernde Maßnahmen, welche die Verlagerung von Verkehren weg vom motorisierten Kfz-Verkehr befördern, können der Energiebedarf und damit zusammenhängend die Kosten für die Energiewende im Verkehr signifikant verringert werden.
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 80 Strombedarf im Verkehr PtL PtG Antriebswende Verkehrswende Energiewende](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/strombedarf-antriebswende-verkehrswende-erneuerbare-energien-verkehrssektor-ptl-ptg.jpg)
Bedarf an EE-Strom im Verkehr im Jahr 2050 in den betrachteten Varianten – Tabelle: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 200
Der Strombedarf des Verkehrs kann nur in Teilen mit inländisch regenerativ erzeugtem Strom abgedeckt werden. 2050 sollen nur etwa 594 PJ bis 1.574 PJ erneuerbar erzeugter Strom für den Verkehrssektor zur Verfügung stehen.66 Somit können theoretisch maximal 40 % des benötigten Stroms im Inland produziert werden und auch dies nur unter der Prämisse, dass ambitionierteste Ziele beim Ausbau der regenerativen Stromerzeugungskapazität und der Energiebedarfsreduktion im Verkehrssektor erreicht werden.
Insgesamt lassen sich für die direkten Treibhausgas-Emissionen (TtW; ohne die Emissionen, die bei der Bereitstellung der Endenergieträger entstehen; Biokraftstoffe und PtG/PtL werden mit Null bewertet) folgende Ergebnisse festhalten:
Im Referenzszenario wird beim gesamten Verkehr (ohne EWF) bis 2050 ein Rückgang von 22 % gegenüber 1990 erreicht. Wird der EWF des Flugverkehrs mit berücksichtigt, sind die THG-Emissionen des gesamten Verkehrs im Jahr 2050 mit -1 % nahezu so hoch wie 1990.67
Im Klimaschutzszenario ergibt sich durch die Umstellung auf PtG/PtL-Kraftstoffe nach 2030 eine deutliche Reduktion der direkten THG-Emissionen um über 99 %. Wird die THG-Wirksamkeit des Flugverkehrs in großen Flughöhen berücksichtigt, bleibt auch im Jahr 2050 eine hohe Klimawirksamkeit des Verkehrs bestehen (entspricht 34,8 Mio t. CO2-Äquivalente). Mit EWF lässt sich eine maximale Absenkung der THG-Emissionen um -79 % erreichen.68
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 81 Treibhausgasemissionen Verkehr 2050 Szenario Minderung](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/direkte-treibhausgasemissionen-verkehr-2050-szenarien-klimaschutz.jpg)
Direkte TtW-Treibhausgasemissionen des Gesamtverkehrs in den Szenarien – Grafik: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 202
Bezieht man zusätzlich die Emissionen, die bei der Bereitstellung der Endenergieträger entstehen, mit in die Betrachtung ein, werden die gesamten THG-Emissionen (WtW) des Verkehrs dargestellt.
Im Referenzszenario beträgt der Rückgang der WtW-THG-Emissionen von 1990 bis 2050 ohne EWF 41 % (Gesamtverkehr mit internationalem Verkehr: 22 %). Im Klimaschutzszenario ohne Umstellung auf treibhausgasneutrale Kraftstoffe werden -54 % (nationaler Verkehr) bzw. -36 %(Gesamtverkehr). Durch die Maßnahmen zur Vermeidung, Verlagerung und Verbesserung wird damit gegenüber der Referenz eine zusätzliche Minderung der Treibhausgase von 23 % (nationaler Verkehr) bzw. 18 % (gesamter Verkehr) erzielt.69
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 82 WtW-Emissionen Verkehr Klimaschutz Maßnahmen 2050](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/direkte-treibhausgasemissionen-verkehr-2050-szenarien-klimaschutzwtw-ohne-kraftstoffe.jpg)
Entwicklung der WtW-THG-Emissionen des gesamten Verkehrs in den Szenarien ohne Umstellung auf THG-neutrale Kraftstoffe – Grafik: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 203
Erfolgt neben den Maßnahmen auch eine Umstellung auf PtG/PtL-Kraftstoffe, sinken die gesamten WtW-THG-Emissionen deutlich ab. Im Jahr 2050 bleiben noch ca. 8 Mio. t WtW-THG-Emissionen übrig. Den mit Abstand höchsten Beitrag zu den THG-Emissionen leistet auch in der WtW-Betrachtung der Flugverkehr in großen Flughöhen. Wird diese zusätzliche Klimawirksamkeit der Flugzeugemissionen einbezogen, liegt die Minderung der THG-Emissionen des Gesamtverkehrs 2050 gegenüber 1990 bei 81 %.69
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 83 Treibhausgasemissionen WtW Klimaschutz 2050 EWF](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/direkte-treibhausgasemissionen-verkehr-2050-szenarien-klimaschutzwtw-mit-kraftstoffen.jpg)
Entwicklung der WtW-THG-Emissionen des gesamten Verkehrs in den Szenarien mit Umstellung auf THG-neutrale Kraftstoffe – Grafik: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 204
Zur Minderung der Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor können Maßnahmen aus den Bereichen Vermeiden, Verlagern, Verbessern sowie im Bereich der eingesetzten Energieträger ergriffen werden. Im Allgemeinen braucht es eine Kombination aus mehreren Feldern, um eine entsprechende Minderungswirkung zu erzielen und unerwünschte Nebeneffekte zu vermeiden.
![[Klimaschutz im Verkehr] Wie kann eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors gelingen? (UBA KSBV 2050) 84 Strategien zur Treibhausgasminderung im Verkehr Klimaschutz](https://www.zukunft-mobilitaet.net/wp-content/uploads/2019/04/strategien-thg-minderung-verkehr-vermeiden-verlagern-verbessern-energietraeger-kraftstoffe.jpg)
Strategien und Instrumente zur THG-Minderung im Verkehr – Grafik: Bergk, F.; Biemann, K.; Heidt, C.; Ickert, L.; Knörr, W.; Lambrecht, U.; Schmidt, T.; Schmidt, P.; Schmied, M.; Weindorf, W. 2016: Klimaschutzbeitrag des Verkehrs bis 2050. Studie im Auftrag des Bundesumweltamts 2016. ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU); Infras; LBST-Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, S. 62 aufbauend auf GTZ 2007: Transport and Climate Change Challenges Global
Anmerkung Martin Randelhoff: Den empfohlenen Maßnahmen gemein ist, dass sie allesamt bekannt und in großen Teilen bereits im Rahmen von Modellprojekten oder in einzelnen Fällen von innovativ denkenden und mutig handelnden Kommunen umgesetzt wurden. Die Anforderungen und Wirkungen sind bekannt, die Umsetzung scheitert jedoch häufig an finanziellen oder politischen Gründen. Insbesondere auf kommunaler Ebene ist dies häufig der angespannten kommunalen Finanzlage geschuldet. Diese müsste durch Finanzmittel der Bundesländer oder des Bundes verbessert und dadurch Handlungsfreiheit wiederhergestellt werden. Auf Ebene der Bundes- und Landespolitik wie auch partiell auf kommunaler Ebene stehen politischen Entscheidungen vermeintliche Verkehrstabus entgegen, die aufgrund einer selbstauferlegten Beschränkung nicht adressiert werden.71
Die StudienverfasserInnen legen den Fokus auf die Vermeidungs- und Verlagerungsoptionen. Maßnahmen zur Effizienzsteigerung können Szenarienstudien wie DLR et al. 201272 entnommen werden.
Der Fokus dieses Handlungsfeldes liegt auf dem Leitbild der „Stadt und Region der kurzen Wege“ sowie Schaffung von Kostenwahrheit im Verkehr. Das Leitbild der „Autogerechten Stadt“ mit den Prinzipien der Funktionstrennung sowie eine Erhöhung der Reisegeschwindigkeit hat zwar zu mehr Verkehrsleistung geführt, jedoch haben weder die Anzahl der täglich zurückgelegten Wege zugenommen noch die im Alltag im Verkehr verbrachte Zeit deutlich abgenommen. Es wurde somit keine zusätzliche Mobilität, sondern nur mehr Verkehr erzeugt.
Im Verkehr werden die realen Kosten nicht durch den Verursacher getragen (siehe auch externe Kosten). So fördern staatliche Subventionen verkehrsintensiven Konsum- und Lebensgewohnheiten und verzerren den Wettbewerb zulasten verkehrsarmer Strukturen. Die eingesparten Finanzmittel könnten für Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr eingesetzt werden.
Insbesondere in Ballungsräumen sind 50 % aller Pkw-Fahrten kürzer als 5 km. Im Stadtverkehr kann das zu Fuß gehen bis zu einer Distanz von 1,5 km, das Fahrrad fahren bis 5 km und die Pedelecnutzung bis 10 km schneller sein als die Fahrt mit dem Pkw. Daher liegen im Bereich des Fußverkehrs und Radverkehrs große Potenziale für eine Verlagerung von Alltagsverkehren vom Pkw auf umweltverträglichere Alternativen.
Hierfür notwendig sind Förderung bzw. das Aufstellen von Fuß- und Radverkehrskonzepten wie Landesradverkehrspläne inklusive Radschnellwege und Anknüpfungspunkte zum ÖPNV sowie den Auf- und Ausbau von Infrastruktur, die Installation von Abstellanlagen und Wegweisungen. Des Weiteren sollten die StVO und weitere Regelwerke fuß- und radverkehrsfreundlich umgestaltet werden. Im kommunalen Handeln sollte die Qualitätssteigerung beider Verkehrsarten in den Fokus genommen und als gleichwertige Verkehrsträger anerkannt werden.
„Eine Angebotsausweitung im ÖPNV kann durch eine verbesserte Abdeckung des Bedienungsgebietes (mehr Linien, beispielsweise zur besseren regionalen Vernetzung, mehr Haltestellen, Einführung von „Ruftaxis“ im ländlichen Raum), eine höhere Reisegeschwindigkeit (mehr Direktverbindungen, Expresslinien, optimierte Umsteigezeiten, verbesserte Busbeschleunigung) sowie mehr Fahrten je Linie (z.B. eine höhere Bedienrate (Taktung) der Linien oder eine Ausweitung der Bedienzeiten) erfolgen. Des Weiteren kann die Qualität des ÖPNVs durch moderne Fahrzeuge, durch ein auch in Spitzenstunden ausreichendes Platzangebot, durch attraktivere Tarife und die Möglichkeit des Ticketing sowie durch den Abbau von Nutzungshemmnissen wie Barrierefreiheit, dynamischen Haltestelleninformationen, etc. gesteigert werden. Die aufgeführten Arten der Angebotsverbesserung haben gemein, dass sie zumeist nicht durch steigende Fahrgeldeinnahmen amortisierbar sind.“ Daher sind für eine Angebotsverbesserung des ÖPNV zusätzliche Finanzierungen für die Aufgabenträger durch die Fortführung des Bundes-GVFG, dessen Ausweitung auf den Betrieb des ÖPNV sowie die Reformierung und Erhöhung der Regionalisierungsmittel notwendig. Des Weiteren sollte der Bund die Einbeziehung von indirekten Nutzern (auch „Drittnutzer“) in die Aufteilung der Kosten des ÖPNV, beispielsweise in Form von ÖPNV-Erschließungsbeiträgen, ermöglichen.75
Durch einen vereinfachten Zugang für eine kombinierte Nutzung verschiedener Verkehrsmittel des Umweltverbundes im Infrastrukturbereich ebenso wie in der Buchung und Abrechnung kann die Kombination verschiedener Verkehrsmittel komfortabler werden. Ebenfalls wird die Flexibilitäts- und Abdeckungslücke zum privat besessenen Pkw verringert. Weitere Maßnahme ist eine Förderung von Carsharing über Bereitstellung von Flächen oder die Erstellung von Carsharing-Entwicklungsplänen.
„Zentraler Ansatzpunkt ist […] gerade im innerstädtischen Bereich die Nutzungskonkurrenz um den vorhandenen Raum. Da der MIV (inklusive dem ruhenden Verkehr) im Vergleich mit dem ÖPNV sowie dem nicht motorisierten Verkehrsträgern flächenintensiver ist, kann über eine Umverteilung des Raumes hin zu Fahrrad-, Fuß- und öffentlichen Verkehr eine Verbesserung der Mobilität erreicht werden.“
Eine wichtige Stellschraube ist ein flächendeckendes und wirkungsvolles Parkraummanagement, um Verlagerungseffekte zu erzielen und den Parksuchverkehr zu vermeiden. Hierfür ist durch den Bund die Erhöhung der Höchstsätze für Gebühren für Parkausweise in Bewohnerparkgebieten sowie der Höchstbeträge für Bußgelder bei ordnungswidrigem Parken umzusetzen. Die einzelnen Länder sollten die Stellplatzpflicht in der jeweiligen Landesbauordnung aufheben und die Kommunen die Gebühr für eine Stunde Parken über den Preis für eine Einzelfahrt im ÖPNV anheben. Diese Maßnahme ist mit einer Verknappung von Parkflächen im öffentlichen Raum sowie einer flächendeckenden Parkraumüberwachung zu flankieren. Statt direkt vor der Haustür parken zu können, sollten Parkmöglichkeiten ausschließlich in zentralen Stellplatzanlagen (Quartiersgaragen, o.ä.) untergebracht werden.
Des Weiteren sollte das MIV-Aufkommen aktiv über Zugangsbeschränkungen für sensible Stadtbereiche wie Innenstädte oder besondere Wohnquartiere beschränkt werden. Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung beispielsweise in Form von „Shared Space“ oder „Begegnungszonen“ bzw. den klassischen verkehrsberuhigten Bereich können neue Aufenthaltsqualitäten schaffen, die Regelgeschwindigkeit sollte durch den Bund von 50 auf 30 km/h abgesenkt werden.
Mittels finanzieller Förderung soll die Produktivität des Bahntransports erhöht und damit einen Kostenvorteil gegenüber der Straße generiert werden. Die Fördermittel sind als eine Art „Anschubfinanzierung“ auszugestalten.