Die Stadt der Zukunft – keine Frage von „smart city“-Technologie, sondern von Intelligenz vor Ort

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3. Februar 2026
Was macht eine Stadt "intelligent"? Und welche Form der Intelligenz wird eigentlich benötigt, um die verschiedensten Herausforderungen in einer Stadt der Zukunft lösen zu können? Und welche Rolle spielen dabei Technologie, Konzerne und Zivilgesellschaft?

In Zusammenarbeit mit vielen anderen Menschen aus über 75 Ländern, hat sich der Filmmacher Oscar Boyson auf der ganzen Welt auf die Suche nach einer Antwort auf die Frage nach der Zukunft von Städten gemacht. Nach seiner Reise durch verschiedene Metropolen wie bspw. Shenzhen, Detroit, Singapur, New York City, Kopenhagen, Seoul, Lagos und Mumbai kam er mit einem 18-minütigen Kurzfilm und der Erkenntnis zurück, dass viele städtische Probleme nicht rein mit Technologie zu lösen sind, sondern vielmehr der Kreativität, der sozialen Kooperation, dem Miteinander und den Ideen der Menschen vor Ort bedürfen.

Aus Perspektive einer westlichen Industriegesellschaft wird auf Probleme meistens mit einer technischen Lösung geantwortet. Die vernetzte Stadt soll mittels Technologie intelligent werden, eine „smart city“ entstehen. Gut situierte, technikbegeisterte Männer warten sehnsüchtig auf die Pizzalieferung per Drohne, möchten ihre Haustechnik automatisieren, alles über ihre Mülltonnen und den sich darin befindlichen Müll wissen, sich in Kapseln schnellstmöglich durch Röhrensysteme schießen lassen oder mit einem fliegenden Auto von A nach B kommen. Technologiekonzerne erwarten Umsätze und Gewinne in Milliardenhöhe und sind nur allzu gerne bereit, Städten ihre standardisierten technischen Lösungen anzubieten. Das Marketing läuft mit Buzzwords wie „smart city“, „smart growth“, „smart mobility“ bzw. „smart + x“ oder „x + 4.0“ auf Hochtouren.

Städte werden als ein „System von Systemen“ gesehen, dessen Informationsströme dahin gehend optimiert werden sollen, dass dessen Stabilität mittels Eingriffen von außen gesichert ist. Menschliche Aktionen werden als Datenpunkt gesehen, welche im Idealfall ebenfalls einer Optimierung und Steuerung unterliegen sollen. Sei es indirekt über einen Preismechanismus oder direkt durch Ge- und Verbote.

Bislang scheiterte die zentrale Steuerung eines komplexen Systems wie einer Stadt an ihrer Komplexität. Dezentral getroffene Entscheidungen waren meist schneller und versprachen mehr Erfolg als jene, die zentral getroffen wurden.siehe auch 1 und 2 Durch den Einsatz von Sensoren und die zentrale Verarbeitung der gesammelten Sensordaten mittels Algorithmen – die Datenübertragung ist in vielen Fällen zeitunkritisch – wird eine zentrale Steuerung und, damit verbunden, eine monetäre Verwertung wiederum möglich.

Technologie und eine daraus abgeleitete intelligente Organisation von Abläufen kann aber sehr wohl auch einen Wert für die Stadt und ihre Bewohner darstellen. Eine bessere Datenlage ermöglicht es, Missstände aufzudecken oder zu verhindern, hierfür funktionierende Strategien entwickeln zu können und Inputfaktoren wie Energie, Wasser oder auch Finanzmittel besser zum Wohle der Menschen, der Natur und der Stadt als solche einsetzen zu können.

Eine solche „smart city“ bleibt aber immer noch eines: eine Stadt, in der Menschen frei leben und sich entfalten können. Der Einsatz von Technologie sollte niemals so weit gehen, dass es zu Ungleichheit, Unterdrückung und Unfreiheit kommt.

Es sollte daher Standard sein, kritisch, objektiv und unabhängig zu prüfen, ob und in welchem Rahmen Technik eine Lösung für ein bestimmtes Problem sein kann. In einem mehrschichtigen und komplexen System wie einer Stadt sollte diese Prüfung auch mehr umfassen, als die Aufstellung einer reinen Wirkungskette „aus a folgt b“. Vielmehr sollten die Wechselwirkungen und Zusammenhänge eingehend betrachtet, kritisch diskutiert und die Ergebnisse und zugrunde gelegten Grundannahmen transparent gemacht werden. Es kann auch nicht Sinn einer solchen Prüfung sein, dass diese von jenen durchgeführt wird, die ein primär politisches oder wirtschaftliches Interesse an der Einführung einer bestimmten Technologie haben. Vielmehr sollte man als letzte Instanz jenen die Entscheidung überlassen, die davon betroffen sein werden: den Menschen, die in einer Stadt leben.

Was ist eigentlich eine intelligente Stadt?

Die meiste Intelligenz einer Stadt steckt in den Köpfen der Menschen, die dort leben. Städte sind seit jeher Orte der Interaktion zwischen Menschen zum Zwecke des (geistigen) Austauschs, der Kunst, Kultur und Innovation. Wir haben uns im Laufe der Geschichte bestimmte Fähigkeiten angeeignet, uns spezialisiert und spezielle Orte und Mechaniken entwickelt, um die aus einem spezialisierten Handeln entstehenden Waren und Dienstleistungen untereinander zu tauschen.

Unabhängig vom heutigen Wohlstand und Entwicklungsstand einer Gesellschaft ist jeder Siedlung eine eigene Intelligenz inne. Die Menschen in einem Ort schaffen es, sich selbst zu organisieren und Probleme mit den ihnen gegebenen Mitteln zu lösen. Sei es durch körperliche oder geistige Arbeit, direkte Nachbarschaftshilfe, Improvisation oder durch das Zusammenschließen zu einer Gruppe, um auf Entscheidungsträger einwirken zu können.

Jede Stadt und Region auf dieser Welt steht vor ihren eigenen Herausforderungen. Sei es Wasserknappheit in Detroit, Kalifornien, Burkina Faso oder in der Sahelzone (natürlich in der Schwere und den Auswirkungen nicht direkt miteinander vergleichbar), Luftverschmutzung in Stuttgart, Peking oder Delhi, das Fehlen günstigen Wohnraums oder der Zusammenbruch von Verkehrs- und Energieinfrastruktur durch Überlastung. Hinzu kommen noch eine Vielzahl weiterer Probleme unterschiedlicher Intensität und Auswirkung.

Für das eine oder andere Problem mag Technik die richtige Lösung sein. Um diese zielgerichtet und effektiv einsetzen zu können, ist es aber wiederum notwendig, dass die Menschen vor Ort ihr Erfahrungswissen und ihre lokalen Kenntnisse einbringen. Sollte Technologie nicht das richtige oder nicht ausreichende Werkzeug sein, sind wiederum die Menschen vor Ort gefordert, um ihre sozialen Netzwerke und Fähigkeiten zur Kooperation und Kollaboration bei der Suche nach einer Lösung einzubringen. Die „Intelligenz“ des Menschen ist daher in jedem Fall gefordert.

Aus diesem Grund ist Bildung so entscheidend. Menschen müssen die Fähigkeiten erlernen können, um Probleme entweder mit geistiger oder körperlicher Arbeit lösen zu können. Sei es zum Bau von Häusern oder der Entwicklung neuer Baumaterialien für eine energiesparendere Bauweise. Technik ist ja letztlich auch nur ein von Menschen erdachtes Hilfsmittel, um bestimmte Probleme lösen zu können.

Die Transformation von Städten in „smart cities“ ist weniger eine Frage nach einem stadtweiten digitalen Sensornetz und der Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologie, sondern vielmehr nach Räumen für (Weiter-)Bildung, Innovation, Kreativität, sozialem Austausch und einer umfassenden Einbindung in Entscheidungsprozesse, um das gewonnene Wissen der Zivilgesellschaft auch einbringen und anwenden zu können.

Das Problem ist nur, diese Botschaft Entscheidern im Marketingrauschen internationaler Konzerne mit ihren ökonomischen Interessen zu vermitteln.

„Lowly, unpurposeful, and random as they may appear, sidewalk contacts are the small change from which a city’s wealth of public life may grow.“ –Jane Jacobs

  1. Hayek, F.A.: „The Fatal Conceit: The Errors of Socialism“. The University of Chicago Press. 1991.
  2. Hayek, F.A. (1945):. „The Use of Knowledge in Society,“ American Economic Review, 35(4), S. 519–530
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Verfasst von: Martin Randelhoff
Herausgeber und Gründer von Zukunft Mobilität, arbeitet im Hauptjob im ARGUS studio/ in Hamburg. Zuvor war er Verkehrswissenschaftler an der Technischen Universität Dortmund. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum und nachhaltige Verkehrskonzepte. Kontaktaufnahme: randelhoff [ät] zukunft-mobilitaet.net
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