[Pkw-Maut in Deutschland] Vignette für Ausländer – Eine Einnahmeprognose~27 Minuten Lesezeit

[Pkw-Maut in Deutschland] Vignette für Ausländer – Eine Einnahmeprognose<span class="wtr-time-wrap after-title">~<span class="wtr-time-number">27</span> Minuten Lesezeit</span>

Alles Wissenswerte zum Thema Pkw-Maut / Infrastrukturabgabe in Deutschland finden Sie in unserem Dossier.

In den vergangenen Monaten wird in Deutschland verstärkt über die Einführung einer Pkw-Maut diskutiert. Im Fokus der Diskussion steht insbesondere die Einführung einer „Pkw-Maut für Ausländer“. Deutsche Autofahrer unterliegen zwar ebenfalls der Mautpflicht, die Kosten für die würden jedoch durch eine Senkung der in Höhe des Vignettenpreises kompensiert, um eine Nettomehrbelastung zu vermeiden.

Die Einführung einer solchen Maut wurde insbesondere vonseiten der CSU im Bundestagswahlkampf und im bayerischen Landtagswahlkampf 2013 gefordert. Hauptargument der Befürworter einer solchen Mautform ist die Forderung nach einer verursachungs- und nutzungsgerechten Finanzierung der Verkehrswege und einer höheren Gerechtigkeit, da deutsche Autofahrer in vielen deutschen Nachbarländern Benutzungsgebühren entrichten müssen (z.B. Österreich, Schweiz, Frankreich).

Ergebniszusammenfassung:

  • Etwa 6,71 Millionen individuelle ausländische Pkw wären von einer Pkw-Maut betroffen.
  • Der Großteil der ausländischen Pkw-Fahrten besteht aus „kleinem Grenzverkehr“ und nicht aus Transitfahrten.
  • Über eine Pkw-Maut mit realistischen Annahmen und einem Jahresvignettenpreis von 100 €, bei der die deutschen Autofahrer kompensiert werden, könnten 272,92 Millionen Euro abzüglich Systemkosten erlöst werden.
  • Unter realistischen Annahmen und Vignettenpreisen am „oberen Rand“ könnten 362,28 Millionen Euro abzüglich Systemkosten erlöst werden.
  • Unter unrealistischen Annahmen und Vignettenpreisen am „oberen Rand“ sind rein rechnerisch Einnahmen von 824,71 Millionen Euro abzüglich Systemkosten möglich.
  • Realistisch sind Einnahmen zwischen 270 – 360 Millionen Euro abzüglich Systemkosten.
  • Die Systemkosten dürften sich in einem Bereich zwischen 75 – 200 Millionen Euro pro Jahr mit Tendenz zum oberen Drittel bewegen. Hinzu kommen Verwaltungskosten für die Kompensation inländischer Pkw-Halter.
  • Sollten die Verwaltungskosten für die Kompensation der deutschen Autofahrer zuzüglich der gesamten Kosten für die Kontrolle, die Infrastruktur und den Vertrieb die Einnahmen von ausländischen Autofahrern übersteigen, stellt sich der Staat durch den Aufbau und Betrieb des Mautsystems schlechter als vorher.
  • Der Großteil des Instandhaltungsbedarfs stammt aus dem Brückenbereich (46,8 % erneuerungsbedürftig) und betrifft weniger die Straßenbeläge (16,5 % erneuerungsbedürftig). Ohne des hohen Sanierungsbedarfs bei Brücken wäre das derzeitige Budget für den Unterhalt der bundeseigenen Straßen ausreichend.
  • Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung ist derzeit aufgrund der Unsicherheit über das Systemdesign und die Mautsätze noch nicht möglich (wird aber nachgeliefert).

Inhaltsverzeichnis

Der Status quo

Pkw-Maut für Ausländer – Einnahmeprognose

Wie viele ausländische Pkw wären von der Mautpflicht betroffen?

Abschätzung der Anzahl der betroffenen ausländischen Pkw

Abschätzung der Anzahl der betroffenen ausländischen Pkw, welche das Bundesautobahnnetz nutzen

Preisstaffelung der Vignette nach dem Geltungszeitraum

Prognostizierter Vignettenabsatz

Rechenbeispiel 1: Das Vorbild Österreich

Rechenbeispiel 2: best case

Systemkosten

Volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung

Schwächen und Grenzen der Analyse

Fazit

Der Status quo

Der Zustand der Bundesautobahnen in Deutschland wurde vom Bundesverkehrsministerium für das Jahr 2012 wie folgt angegeben 1:

  • Praktisch keine Probleme: 55,8%
  • Kleinere Beanstandungen: 25,7%
  • Mittelfristig reparaturbedürftig: 9,9%
  • Reparaturbedarf: 8,7%

Bei einer Netzlänge von 12.845 Kilometer ergeben sich folgende Erhaltungsbedarfe:

  • kein Erneuerungsbedarf: 7167,5 km
  • Behebung leichter Schäden: 3301 km
  • Mittelfristig reparaturbedürftig: 1271,66 km
  • Reparaturbedarf: 1117,5 km

Der Substanzwert der Fahrbahnoberflächen der Bundesautobahnen aus den Jahren 2009/2010 

Der Substanzwert der Fahrbahnoberfläche wird durch die Verknüpfung der gemessenen Fahrbahnebenheiten in Längs- und Querrichtung mit den Oberflächenschäden (Risse, Eckabbrüche, Kantenschäden) ermittelt. Er gibt erste Hinweise auf tieferliegende Schäden der Fahrbahnbefestigung. Die gemessenen Fahrstreifenkilometer des Fahrbahnoberflächenzustandes werden prozentual den vier Notenklassen zugeordnet:

Zustand deutscher Autobahnen nach Noten

Substanzwert Fahrbahnoberflächen der Bundesautobahnen (Zustandserfassung und -bewertung 2009/2010) – Grafik: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur: Verkehrsinvestitionsbericht für das Berichtsjahr 2012: Drucksache des Deutschen Bundestages 18/580, S. 199

Ins besondere Gewicht fällt die Reparatur und der Ersatzneubau von Brücken, welche besonders kapitalintensiv sind. Häufig auftretende Defizite umfassen meistens Risse im Beton, Rostfraß am inneren Stahlgefüge der Brücken, Materialermüdung an den Verbindungselementen sowie vorzeitiger Verschleiß an den Stahllagern, auf denen sich die Brückenelemente abstützen.

Besonders kritisch sind jene Brückenbauwerke, die sogenannte „Trägfähigkeitsdefizite“ aufweisen. Diese halten den heutigen Belastungen nicht mehr stand und müssen mittels Notreparaturen und Fahrverboten stabilisiert werden. Bundesweit befinden sich derzeit 14 Prozent der Brücken in einem kritischen bis ungenügenden Zustand (Zustandsnote 3,0 bis 4,0). Knapp 300 Bauwerke gelten derzeit als besonders sanierungsbedürftig.

Zustand der Brücken an Auto bahnen und Bundesstraßen in Noten

Zustand der Brücken an Bundesfernstraßen (Zustandsnoten nach Brückenflächen der Teilbauwerke in %, Stand 01.09.2012) – Grafik: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur: Verkehrsinvestitionsbericht für das Berichtsjahr 2012: Drucksache des Deutschen Bundestages 18/580, S. 200

Alle Bauwerke mit Zustandsnoten > 2,5 bedürfen in den kommenden Jahren entsprechende Erhaltungsmaßnahmen.

Die Ursachen für den hohen Sanierungsaufwand sind vielfältig: Zum einen sind viele der zwischen 1965 und 1979 gebauten Brücken nicht für den stark gestiegenen Lkw-Verkehr ausgelegt, da damalige Verkehrsprognosen den Fall der Mauer und die EU-Osterweiterung mit neuen Verkehrsströmen im und der damit verbundenen Zunahme der Verkehrsmengen nicht einkalkulieren konnten. Zudem hat die Zahl der Schwertransporte, welche Brückenbauwerke besonders stark belasten, stark zugenommen. Ein herkömmlicher Sattelzug mit zweimal zehn Tonnen Achslast belastet die Bausubstanz etwa so stark wie 160.000 Pkw. Schwertransporte mit bis zu 150 Tonnen haben weitaus größere negative Effekte.

„Vom BMVI veranlasste Verkehrsmessungen und wissenschaftliche Bauwerksuntersuchungen haben ergeben, dass vor allem bei älteren Großbrücken der Brückenklasse 60 und geringer, die zwischen 1960 und 1980 in den alten Bundesländern gebaut wurden, die bisher vorhandenen Tragfähigkeitsreserven allmählich aufgebraucht sind und diese den weiter steigenden Schwerverkehr nur noch eine begrenzte Zeit aufnehmen können. Diese Beanspruchungen führen u. a. zu einer vorzeitigen Materialermüdung und damit zu einer Verkürzung der Nutzungsdauer der Bauwerke. Neben den dringend notwendigen Erhaltungsmaßnahmen zur Verbesserung des Zustands der Brücken wird es daher auch zunehmend notwendig, Brücken zu verstärken bzw. teilweise oder komplett zu erneuern.“ 2

Ebenfalls litt die Lebensdauer der Brückenbauwerke aufgrund von Defiziten der ausführenden Bauunternehmen. Jene hatten oftmals nur sehr wenig Erfahrung im Umgang mit Spannbeton, sodass errechnete Lebenszeiten frühzeitig erreicht werden. Zudem wurden damals, vor allem aus finanziellen Gründen, sehr schlanke Abmessungen der Bauteile mit einem relativ geringen Bewehrungsgrad gewählt, wodurch Brückenbauwerke in Zusammenspiel mit einer steigenden ebenfalls frühzeitig an ihre Grenzen kommen.

Der hohe Erhaltungsbedarf stammt vor allem aus dem Brückenbereich (46,8 % erneuerungsbedürftig) und betrifft weniger die Straßenbeläge (16,5 % erneuerungsbedürftig).

Lesen Sie hier, wie viele und wie stark ausländische Pkw das deutsche Autobahnnetz überhaupt nutzen.

Pkw-Maut für Ausländer – Eine Einnahmeprognose

Eine Abschätzung über die möglichen Einnahmen einer Pkw-Maut für Ausländer bedarf einiger Grundwerte. Zum einen ist die Frage nach der Anzahl der individuellen ausländischen Pkw, welche von der Mautpflicht betroffen wären, zu klären. Des Weiteren ist unter Zuhilfenahme gewisser Annahmen zu analysieren, welche Vignettenart (Jahres-, Monats- oder Tagesvignette) in welcher Häufigkeit und zu welchem Fahrtzweck erworben wird. Abschließend soll anhand mehrerer Szenarien und Preissetzungen eine Einnahmeprognose getroffen werden, welche mit einer Abschätzung über die allgemeinen Systemkosten und spezifischen Kompensationskosten für Inländer abgerundet wird.

Wie viele ausländische Pkw wären von der Mautpflicht betroffen?

Laut BAUM et al. (2010), S. 26 3 legten im Jahr 2003 5,3 Millionen einzelne ausländische Pkw rund 9 Mrd. Fzkm auf deutschen Autobahnen zurück.

Bei gleicher spezifischer Fahrweite von ~1.700 km / Pkw kann davon ausgegangen werden, dass die Fahrleistung von 11,196 Mrd. Fzkm 4 durch 6,5 Millionen einzelne Pkw erbracht wurde. Mit anderen Worten: Ceteris paribus müssten etwa 6,5 Millionen ausländische Pkw eine Vignette erwerben.

Recht ähnliche Werte lassen sich auch aus den DTV-Werten grenznaher Zählstellen, den Ankünften ausländischer Gäste in Deutschland und der zuletzt 2003 durchgeführten Erhebung des grenzüberschreitenden Straßenverkehrs durch das Kraftfahrbundesamt 5 gewinnen. Im Jahr 2003 überquerten 256,19 Millionen deutsche und ausländische Pkw Grenzübergänge nach Deutschland (2002: 247,8 Mio.). Der Anteil ausländischer Kfz belief sich gemäß der Ausländerverkehrszählung 2003 der Bundesanstalt für Straßenwesen an grenznahen Zählstellen im Jahr 2003 auf 41,6 Prozent:

LandZählstelleDTV Personenverkehr
Ausländer + Inländer
DTV Personenverkehr
Ausländer
Anteil ausländischer Kfz (%)
INSGESAMT53013422070041,6
AA 96 Lindau17070786046,0
B 309 Pfronten425979018,6
A 7 Füssen8630255029,6
B 2 Mittenwald6515208031,9
A 93 Kiefersfelden332401070032,2
B 21 Schneizlreuth8350646077,3
B 21 Schwarzbach7590609080,3
B 31 (A 96 bis Grenze)13290375028,3
Bad Reichenhall323501695052,4
B 12 Simbach4000259064,7
A 3 Pocking12400531042,8
BA 44 Aachen17280711041,2
A 60 Winterspelt3360221065,7
CHA 5 Weil am Rhein (Gemeinschafts-zollanlage)268701765065,7
B 34 Waldshut8830261029,6
CZB 11 Zwiesel3430141041,1
B 11 / 85 Bayerisch Eisenstein9660164017,0
B 20 Furth im Wald5520120021,7
A 6 Waidhaus4460245054,9
B 303 Schirnding320087027,1
B 92 Schönberg3010802,5
B 14 Waidhaus389079020,3
DKA 7 Flensburg7460272036,4
B 207 Puttgarden (Fehmarn)13500266019,7
FA 6 Saarbrücken12320702057,0
B 51 Saarbrücken15090359023,8
B 9 Kandel8620260030,2
B 28 Kehl274002030074,1
A 5a Neuenburg10360885085,4
LB 257 Echternacherbrück5400120022,1
A 64 Trier22610485021,5
B 406 Bundesgrenze bis B 4199970257025,8
A 8 Perl-Borg (Abschnitt zur Grenze erst seit Juli 2003 unter Verkehr)18440282015,3
NLA 280 Bunde6990312044,7
B 402 Meppen330059017,8
A 30 Gildehaus10110571056,5
A 3 Elten201601154057,2
A 57 Kleve5780304052,7
A 40 Straelen16540476028,8
A 61 Kaldenkirchen16400678041,4
A 52 Elmpt1982019309,7
A 4 Aachen242601012047,4
PLA 4 Görlitz5110233045,5
5 Bademeusel4170148035,6
Frankfurt/Oder4150253060,9
A 11 Penkun4970444073,3

Es kann daher davon ausgegangen werden, dass im Jahr 2003 etwa 106,58 Millionen ausländische Pkw in die Bundesrepublik Deutschland gefahren sind.

Der Anteil ausländischer Kfz belief sich gemäß der Ausländerverkehrszählung 2008 der Bundesanstalt für Straßenwesen an grenznahen Zählstellen im Jahr 2008 auf 46,7 Prozent (vgl. 6):

LandZählstelleDTV Personenverkehr
Ausländer + Inländer
DTV Personenverkehr
Ausländer
Anteil ausländischer Kfz (%)
INSGESAMT55249025817046,7
AA 96 Lindau198801116056,1
B 309 Pfronten352094026,7
A 7 Füssen10270304029,6
B 2 Mittenwald7130187026,2
A 93 Kiefersfelden334801627048,6
B 21 Schneizlreuth8900688077,3
B 21 Schwarzbach9750646066,3
A 8 Bad Reichenhall345601799052,1
B 12 Simbach5030226044,9
A 3 Pocking16010677042,3
BA 44 Aachen17100748043,7
A 60 Winterspelt4730333070,4
CHA 5 Weil am Rhein287601265044,0
B 34 Waldshut5430215039,6
CZB 11 Zwiesel (Klatovy)3430141041,1
B 20 Furth im Wald8100162020,0
A 6 Waidhaus6000458076,3
B 303 Schirnding4140142034,3
B 92 Schönberg28701304,5
DKA 7 Flensburg11260427037,9
B 207 Puttgarden (Fehmarn)9530243025,5
FA 6 Saarbrücken13460899066,8
B 51 Saarbrücken14700474032,2
B 9 Kandel15220166010,9
B 28 Kehl286102411084,3
A 5a Neuenburg8550645075,4
LB 257 Echternacherbrück8690147016,9
A 64 Trier23180747032,2
B 406 Perl-Borg5880188032,0
A 8 Perl12680818064,5
NLA 280 Bunde7900325041,1
B 402 Meppen5980461077,1
A 30 Gildehaus12430786063,2
A 3 Elten239001306054,6
A 57 Goch8860500056,4
A 40 Straelen19980628031,4
A 61 Nettetal18540697037,6
A 52 Elmpt2242016507,4
A 4 Aachen255301211047,4
PLA 4 Görlitz6850381055,6
A 15 Forst (Lausitz)5670373065,8
A 12 Frankfurt/Oder7470530071,0
A 11 Penkun6110448073,3

Zwischen 2003 und 2008 ist die Fahrleistung bzw. der DTV-Wert ausländischer Pkw auf Bundesautobahnen um 26,1 % gewachsen. An grenznahen Zählstellen wurden 37.470 Fahrzeuge mehr gezählt, dies entspricht einem Anstieg von 17 % [Anmerkung: 3 Zählstellen wurden abgebaut, eine ist neu hinzugekommen].

Somit ergibt sich für das Jahr 2008 eine Zahl von etwa 124,7 Millionen ausländischen Pkw, welche nach Deutschland gefahren sind.

Die Ausweisung aktuellerer Zahlen erweist sich jedoch aufgrund der mangelhaften Datengrundlage als schwierig und ist daher mit einer höheren Unsicherheit verbunden. Nichtsdestotrotz soll der Verkehrszunahme Rechnung getragen und daher der Versuch gewagt werden, die Zahl der nach Deutschland eingefahrenen ausländischen Pkw zumindest näherungsweise für das Jahr 2013 zu beziffern.

Zwischen der Entwicklung des ausländischen Personenverkehrs auf Bundesautobahnen und der Entwicklung der Ankünfte ausländischer Gäste in Beherbergungsstätten und auf Campingplätzen zeigt sich ein Zusammenhang, der zumindest für eine grobe Aussage ausreichend ist.

 Ausländischer
Personenverkehr
auf BAB
Ankünfte
ausländischer
Gäste
2003/1998+ 9,7 %+ 11,4 %
2008/2003+ 26,1 %+ 35,3 %
2008/1998+ 38,3 %+ 50,7 %

Die Zahl der Ankünfte ausländischer Gäste stieg von 24,886 Millionen im Jahr 2008 auf 31,554 Millionen im Jahr 2013 7. Dies entspricht einem Anstieg von 26,8 %. Nicht alle ausländischen Gäste reisen jedoch mit dem Pkw an. Insbesondere bei Reisenden von einem anderen Kontinent dürfte die Anreise mit dem eigenen Pkw gegen Null gehen. Die Zahl der Ankünfte aus dem europäischen Ausland beträgt etwa 23 Millionen (Anteil: 73 %, Ankünfte von anderen Kontinenten: 8,5 Millionen, 27 %). Weit entfernte europäische Staaten wie Island, Malta oder Irland fallen nicht ins Gewicht. Es ist daher davon auszugehen, dass abzüglich des Luft- und Schienenverkehrs maximal 65 % des Wachstums im Tourismusbereich auch eine Auswirkung auf die Zahl ausländischer Pkw in Deutschland hat.

Folglich ist aus der Ankunft ausländischer Gäste in Deutschland eine Zunahme des ausländischen Personenverkehrs auf Bundesautobahnen zwischen 2008 und 2013 von 17,5 Prozent ableitbar. Hinzu kommt der kleine Grenzverkehr (v.a. der Berufs-, der Einkaufs- und der Freizeitverkehr), welcher den Großteil des grenzüberschreitenden Verkehrs ausmacht. Da die Verflechtung zwischen Deutschland und den unmittelbaren Nachbarstaaten jedoch weit fortgeschritten und an den grenznahen Zählstellen zwischen 2003 bis 2008 ein Wachstum von ebenfalls 17 % festgestellt wurde (hinzu kommt: Ende 2007 traten Tschechien und Polen dem Schengenraum bei), dürfte das Verkehrsmengenwachstum bei Berücksichtigung ausreichender Puffer bei maximal 25 % liegen.

Für das Jahr 2013 kann daher – mit einer gewissen Unschärfe im minimalen Bereich – von 155,875 Millionen ausländischen Pkw, welche die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland überquert haben, ausgegangen werden.

Abschätzung der Anzahl der betroffenen ausländischen Pkw

Die Anzahl der Grenzübergänge muss nun auf die Zahl der einzelnen ausländischen Pkw, welche mindestens einmal im Jahr die Grenze zu Deutschland überquert haben, heruntergebrochen werden. Je nach Fahrtzweck fahren die Insassen unterschiedlich häufig mit einem Pkw über die Grenze. Ein ausländischer Arbeitnehmer, welcher in Deutschland arbeitet und mit dem eigenen Pkw pendelt, wird an 250 Arbeitstagen im Jahr das deutsche Straßennetz befahren (500 Grenzüberquerungen). Hingegen wird ein Urlauber, welcher sich im Transit befindet und nur eine Urlaubsreise im Jahr durchführt, nur zwei Mal im Jahr (Hin- und Rückfahrt) das deutsche Straßennetz befahren (vier Grenzüberquerungen). Es kann jedoch aufgrund der Dominanz des kleinen Grenzverkehrs davon ausgegangen werden, dass die allermeisten Pkw mehrfach im Jahr nach Deutschland fahren.

Um die Pkw-Fahrten unterschiedlichen Fahrzwecken mit den jeweiligen Pkw-Fahrten zuordnen zu können, wird eine fahrtzweckspezifische vorgenommen. Diese stützt sich auf die Berechnungsweise von Ratzenberger (2013) 8, welcher wiederum die Personenverkehrsmatrix von Intraplan Consult nutzt.

Wegezweck Arbeit / Berufsverkehr

Nach der neusten Pendlererhebung unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland durch die Bundesagentur für Arbeit (Stichtag: 30.06.2013) haben in Deutschland 123.900 Arbeitnehmer ihren Wohnort im Ausland 9. Erwartungsgemäß treten Häufungen in den grenznahen Bundesländern Baden-Württemberg (27.912), Bayern (25.509), dem Saarland (18.127), Nordrhein-Westfalen (18.637), Niedersachsen (4.828), Brandenburg (3.950) und Sachsen (3.688) auf. Insgesamt arbeiteten am Stichtag 2.386.243 Ausländer in Deutschland 10. Davon stammen 437.227 aus Anrainerstaaten zu Deutschland, welche zumindest theoretisch an allen 250 Arbeitstagen im Jahr mit dem Pkw zur Arbeit pendeln könnten. Weitere tägliche Wege zur Arbeit sind zwar ebenfalls denkbar (Italien – Deutschland, Ungarn – Deutschland), können jedoch aufgrund der Entfernung und der geringen Wahrscheinlichkeit verworfen werden. Die Diskrepanz zwischen der Zahl der Pendler, der ausländischen Beschäftigten aus Anrainerstaaten sowie der in in Deutschland insgesamt Beschäftigten ergibt sich aus der Tatsache, dass viele ausländische Beschäftigen einen zusätzlichen Wohnsitz in Deutschland haben und Deutschland nur wöchentlich [meist über das Wochenende] oder gar seltener verlassen.

Unter der Annahme, dass 125.000 Ausländer an jedem Arbeitstag pendeln (~5 %), 310.000 aus Anrainerstaaten mindestens das Wochenende zu Hause verbringen (~13,5 %) und der Rest von 1,9 Millionen ausländischen Arbeitnehmern (~82,5 %) Deutschland seltener verlässt, kann von 100 Fahrten pro Pendler(-Pkw) je Jahr ausgegangen werden.

Wegezweck: Bildung / Ausbildung

Vorrangig Studentenfahrten mit starkem Trend zum Wochenendpendeln: 75 jährliche Fahrten pro Pkw (vgl. 11).

Die drei Wegezwecke Einkauf, Geschäft und Privat werden zusammengefasst. Diese „verlaufen zwar zu einem nicht unbedeutenden Teil über lange Distanzen, z.B. bei Fahrten zu Verwandten-/ Bekanntenbesuchen oder bei Kontakten von ausländischen Unternehmen zu deutschen Geschäftspartnern. Dominierend sind jedoch auch bei diesen Fahrtzwecken die Fahrten über relativ kurze Distanzen im „kleinen Grenzverkehr“. Es wurde angenommen, dass hier jedes Fahrzeug einmal pro Woche, gerundet also 50 mal pro Jahr, einfährt.“ 12

Wegezweck: Urlaub

Ausländische Urlauber mit Urlaubsziel in Deutschland fahren einmal nach Deutschland ein, während Urlauber, welche Deutschland auf der Fahrt zu ihrem Urlaubsland durchqueren (Transit), zweimal nach Deutschland einreisen (Hin- und Rückreise). Im Mittelwert kann daher „die Zahl der Einfahrten pro Reise mit 1,5 angenommen werden. Mit einem Pkw können mehrere Urlaubsreisen pro Jahr vorgenommen werden. In Anlehnung an die Reisehäufigkeit der Deutschen wurde hierfür ein Wert von 1,3 angenommen 13, sodass sich die Zahl der (jährlichen) Einfahrten pro Pkw mit rund 2 errechnet.“ 14

Bildung von Wegeketten – Eliminierung von Mehrfachzählungen

Da ein einzelnes Fahrzeug nicht nur zu einzelnen Fahrtzwecken eingesetzt werden kann, sondern aus mehreren Einzelwegen auch Wegeketten gebildet werden können (Beispiel: Wohnen – Arbeit – Einkauf – Wohnen), muss die Summe aller Fahrtzwecke noch um Mehrfachzählungen bereinigt werden.

RATZENBERGER (2013) traf in seiner Analyse folgende Annahmen, die ich ebenfalls so übernehme:

  • Die im Berufs- und im Ausbildungsverkehr eingesetzten Fahrzeuge sind voneinander verschieden, gehen also zu jeweils 100 % ein.
  • Die im Geschäfts- und im Urlaubsverkehr eingesetzten Fahrzeuge sind zum Großteil verschieden. Die Zahl der zum Fahrtzweck Urlaub verwendeten Fahrzeuge geht zu 95 % in die Rechnung ein
  • Die im Einkaufsverkehr eingesetzten Pkw werden dagegen auch in anderen Fahrtzwecken, v.a. im Berufsverkehr, verwendet, weshalb nur 50 % der Pkw zusätzlich addiert wurden.
  • Für den Privatverkehr wurde ein entsprechender Anteil in Höhe von 75 % angenommen.

Im Ergebnis dieser Annahmen errechnen sich folgende Ergebnisse:

 BerufBildungEinkaufGeschäftUrlaubPrivatInsg.
Struktur grenzüb. Personenfahrten
in Prozent, 2007,
mit deutschen und ausländischen
Pkw
10,30,34,38,312,664,3100,0
Besetzung (Personen pro Pkw-Fahrt)1,021,051,101,052,251,151,20
Struktur grenzüb. Pkw-Fahrten,
in Prozent, 2007,
mit deutschen und ausländischen
Pkw
12,10,34,69,46,766,8100,0
Ein-/Durchfahrten von ausländischen Pkw in Millionen18,860,477,1714,6510,44104,12155,88
Ein-/Durchfahrten pro Pkw10075505025020
Anzahl "betroffene" ausländische Pkw in Millionen0,18860,0060,14340,2935,222,08247,794
dito, um Mehrfachzählungen bereinigt0,18860,0060,07170,27844,9591,56187,0655
 Quelle: eigene Berechnungen, RATZENBERGER (2013), S. 12

Laut Berechnung sind im Jahr 2013 insgesamt 7,065 Millionen (verschiedene) ausländische Pkw das deutsche Straßennetz eingefahren.

Abschätzung der Anzahl der betroffenen ausländischen Pkw, welche das Bundesautobahnnetz nutzen

Nicht alle der 7,065 Millionen ausländischen Pkw befahren auch das deutsche Bundesautobahnnetz. Bei Grenzübertritten an den Grenzübergängen Waldshut (zu CH), Zwiesel (zu CZ), Bayerisch Eisenstein (zu CZ), Furth im Wald (zu CZ), Schönberg (zu CZ) und Meppen (zu NL) befindet sich unmittelbar keine Autobahn in der Nähe, sodass der „kleine Grenzverkehr“ die Nutzung derselben leicht umgehen kann. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Urlaubsverkehr aufgrund der höheren Fahrweiten zu 100 Prozent mindestens eine Autobahn befährt. Auch der Geschäftsverkehr wird annähernd vollständig (90 %) das deutsche Bundesautobahnnetz befahren. Für den Berufs-, den Ausbildungs-, den Einkaufs- und den Privatverkehr wird ein Anteil an Autobahnnutzern von 80 % geschätzt.

 BerufBildungEinkaufGeschäftUrlaubPrivatInsg.
Anzahl "betroffene" ausländische Pkw in Millionen, um Mehrfachzählungen bereinigt0,18860,0060,07170,27844,9591,56187,0655
Anteil BAB-Nutzer (in Prozent)808080901008094,4
Anzahl "betroffene" ausländische Pkw in Millionen, welche deutsche BAB nutzen0,1510,00480,0570,2504,9591,2496,672

In Summe ergibt sich eine Autobahn-Nutzungsquote von 94,4 % [6,672 Mio. Pkw / 7,065 Mio. Pkw]. Laut Berechnung befahren 6,672 Millionen ausländische Pkw das deutsche Bundesautobahnnetz und würden somit einer Vignettenpflicht unterliegen.

Das mit dieser Berechnungsweise errechnete Ergebnis deckt sich mit dem Ergebnis, welches zuvor näherungsweise über die spezifische Fahrleistung des ausländischen Pkw-Verkehrs auf deutschen Autobahnen des Jahres 2003 und den entsprechenden Steigerungsrate bei der Zählungen des ausländischen Kraftfahrzeugverkehrs auf den Bundesautobahnen und Europastraßen interpoliert wurde. Das Ergebnis von 6,5 Millionen betroffenen ausländischen Pkw konnte durch die zweite Berechnung bestätigt und weiter spezifiziert werden.

BAUM et al. (2010) beziffern die Zahl ausländischer Pkw auf 5,3 Millionen. Jedoch ist zu beachten, dass dieser Wert auf das Jahr 2003 bezogen und daher für das Jahr 2013 nur begrenzt aussagekräftig ist. RATZENBERGER (2013) kommt auf 6,7 Millionen betroffene ausländische Pkw und somit nahe an das von mir errechnete Ergebnis. Nur die Schätzung des Mautbetreibers AGES Maut System GmbH & Co. KG für 2010 15 geht von 28,9 Millionen ausländischen Pkw aus. Jedoch wurde von AGES überhaupt nicht berücksichtigt, dass Fahrten verschiedener Fahrtzwecke von dem gleichen Fahrzeug zurückgelegt werden können. Laut AGES fahren 80 % der ausländischen Pkw maximal drei Mal im Jahr nach Deutschland ein und drei Prozent „regelmäßig“ (Durchschnitt: 18 Mal). Dies entspricht jedoch keinesfalls der Dominanz des „kleinen Grenzverkehrs“ im grenzüberschreitenden Verkehr (nur 12,6 % der grenzüberschreitenden Personenfahrten und 6,7 % der grenzüberschreitenden Pkw-Fahrten haben den Fahrtzweck „Urlaub“). Das AGES-Ergebnis ist daher in dieser Hinsicht als unplausibel zu bezeichnen 16.

Preisstaffelung der Vignette nach dem Geltungszeitraum

Laut Aussagen des derzeitigen Bundesverkehrsministers Alexander Dobrindt soll die Vignette mit einer Gültigkeitsdauer von einem Jahr etwa 100 Euro kosten. Die Vignette wird preislich nach der Gültigkeitsdauer gestaffelt. Deutsche Autofahrer sollen die Kosten der Vignette mit der Kfz-Steuer verrechnen dürfen. Zudem sei für besonders schadstoffarme Autos, deren Steuer unter 100 Euro liegt, ein Ökorabatt bei der Gebühr im Gespräch. Es ist derzeit jedoch noch nicht absehbar, ob und in welcher Form etwaige Rabattierungen kommen und ob diese auch für Ausländer gelten. Von daher wird im Nachfolgenden auf die Einbeziehung etwaiger Rabatte verzichtet.

Ja nach Fahrtenhäufigkeit wählen ausländische Pkw-Eigentümer die für sie finanziell günstigste Vignettenvariante. Die Vignetten sind preislich nach der Gültigkeitsdauer gestaffelt.

Jahresvignetten werden hauptsächlich von Vielfahrern gekauft und logischerweise nur einmal im Jahr erworben. Monatsvignetten mit einer Gültigkeit von ein oder zwei Monaten dürften vergleichsweise selten genutzt werden, da ein mehrfacher Kauf im Jahr (3 – 4 Mal) die Preisdifferenz zur Jahresvignette relativ schnell schließen dürfte. Denkbar wäre ein Einsatz zum Beispiel bei Urlauben in Deutschland, die über 30 Tage hinaus gehen. Dies ist jedoch relativ selten der Fall. 10-Tages-Vignetten dienen vor allem den Mobilitätsbedürfnissen von Wenig-Nutzern. Darunter fallen beispielsweise seltene Ausflugs- und Einkaufsfahrten oder Urlauber im Transitverkehr, welche Deutschland im Abstand von zwei oder drei Wochen durchqueren. Zwei Zehn-Tages-Vignetten müssen daher preislich eine (spürbare) Differenz zur Monats- / 2-Monats-Vignette aufweisen.

Auf Basis der Fahrtzweckanalyse und der spezifischen Vignetteneigenschaften kann folgende Vignettenverteilung angenommen werden:

 BerufBildungEinkaufGeschäftUrlaubPrivatInsg.
Anzahl "betroffene" ausländische Pkw in Millionen, welche deutsche BAB nutzen0,1510,00480,0570,2504,9591,2496,672
Fahrtzweck einzelner ausländischer Pkw in Prozent2,26 %0,07 %0,85 %3,75 %74,33 %18,72 %100,0 %
VignettenartJahres-
vignette
Jahres-
vignette
75 % Jahres-
vignette
5 % Monats-
vignette
20 % Zehn-Tages-Vignette
75 % Jahres-vignette
5 % Monats-vignette
20 % Zehn-Tages-Vignette
5 % Jahres-vignette
20 % Monats-vignette
75 % Zehn-Tages-Vignette
75 % Jahres-vignette
5 % Monats-vignette
20 % Zehn-Tages-Vignette

Prognostizierter Vignettenabsatz

Der jährliche Vignettenabsatz je Vignettenart kann ausschließlich für die Jahresvignette ohne Probleme prognostiziert werden, da diese nur einmal im Jahr erworben wird. Der Absatz der anderen Vignetten hängt von der jeweiligen Geltungsdauer und der Preisstruktur zusammen, wobei die Preissetzung wiederum die Absatzstruktur und -menge beeinflusst. Aus diesem Grund ist es zielführend mehrere Szenarien mit unterschiedlichen Preisen und Nachfragestrukturen zu betrachten. Der Absatz der Jahresvignette bleibt dabei jedoch konstant:

 BerufBildungEinkaufGeschäftUrlaubPrivatInsg.
Anzahl "betroffene" ausländische Pkw in Millionen, welche deutsche BAB nutzen0,1510,00480,0570,2504,9591,2496,672
VignettenartJahres-
vignette
Jahres-
vignette
75 % Jahres-
vignette
5 % Monats-
vignette
20 % Zehn-Tages-Vignette
75 % Jahres-vignette
5 % Monats-vignette
20 % Zehn-Tages-Vignette
5 % Jahres-vignette
20 % Monats-vignette
75 % Zehn-Tages-Vignette
75 % Jahres-vignette
5 % Monats-vignette
20 % Zehn-Tages-Vignette
Absatz
Jahresvignette
in Mio. Stück
0,1510,0050,0430,18750,2480,93681,57

Rechenbeispiel 1: Das Vorbild Österreich

Ausgehend von österreichischen Mautsätzen (Stand 2014: 10-Tages-Vignette 8,50 Euro; 2-Monats-Vignette 24,80 Euro; Jahresvignette: 82,70 Euro), unter Berücksichtigung des größeren deutschen Autobahnnetzes (12.845 km in Deutschland, 1.719 km in Österreich) und entsprechenden Aussagen der Politik (Kurzzeitvignette für eine Woche oder einen Monat) wäre folgende Kostenstruktur denkbar:

 10-Tages-VignetteZwei-Monats-VignetteJahresvignette
Gültigkeit10 Tage2 Monate1 Jahr
Preis pro Stück in Euro1030100

Aufgrund der preislichen Abstände lohnt es sich bei dieser Preissetzung maximal drei 2-Monats-Vignetten statt einer Jahresvignette, maximal 3 Tages-Vignetten statt einer 2-Monats-Vignette sowie maximal neun 10-Tages-Vignetten statt einer Jahresvignette zu kaufen.

Die Fahrtzweckanalyse zeigte, dass der Fahrtzweck „Privat“, unter welchen sowohl Verwandtenbesuche wie auch Ausflüge und sonstige Freizeitaktivitäten fallen, mit 64,3 Prozent aller Personenfahrten (2007) den größten Teil aller grenzüberschreitenden Personenfahrten ausmachte. Der Einkaufsverkehr machte einen relativ geringen Anteil (4,3 %) aus und dürfte starke Bündelung mit anderen Fahrtzwecken wie dem Berufsverkehr aufweisen.

Wie bereits festgestellt, ist nennenswerter Transitverkehr nur aus den Niederlanden, Polen und Tschechien zu erkennen. Alle anderen Nationen fahren hauptsächlich im Grenzgebiet und zu einigen wenigen ausgewählten Zielen. Daher ist folgende Verteilung der Vignettenvarianten aus den Vignettenverkäufen denkbar: 

 BerufBildungEinkaufGeschäftUrlaubPrivatInsg.
Anzahl "betroffene" ausländische Pkw in Millionen, welche deutsche BAB nutzen0,1510,00480,0570,2504,9591,2496,672
Ein-/Durchfahrten pro Pkw10075505025020
VignettenartJahres-
vignette
Jahres-
vignette
75 % Jahres-
vignette
5 % Monats-
vignette
20 % Zehn-Tages-Vignette
75 % Jahres-vignette
5 % Monats-vignette
20 % Zehn-Tages-Vignette
5 % Jahres-vignette
20 % Monats-vignette
75 % Zehn-Tages-Vignette
75 % Jahres-vignette
5 % Monats-vignette
20 % Zehn-Tages-Vignette
Absatz
Jahresvignette
in Mio. Stück
0,1510,0050,0430,18750,2480,93681,57
Anzahl Fahrzeuge, die mind. eine
Monatsvignette erwerben, in Mio. Stück
000,0030,01250,990,06251,068
Aufschlagfaktor--1,2211,2
Absatz Monats-
vignetten in Millionen Stück
000,00360,0250,990,0751,094
Anzahl Fahrzeuge, die mind. eine
10-Tages-Vignette erwerben, in Mio. Stück
000,0110,053,720,254,031
Aufschlagfaktor--1,6223
Absatz 10-Tages-Vignetten in Millionen Stück000,01760,17,440,758,31

Anhand der erwarteten Vignettenverkäufe kann folgende Einnahmeprognose abgegeben werden:

 Zehn-Tages-VignetteMonatsvignetteJahresvignette
Gesamteinnahmen aus der Vignette (in Mio. €)272,92
Gültigkeit10 Tage2 Monate1 Jahr
Preis pro Stück in Euro1030100
Anteil der Fahrzeuge60,42 %16,03 %23,55 %
Anzahl verkaufter Vignetten (in Mio.)8,311,0941,57
Einnahmen aus Vignettenverkauf (in Mio. €)83,132,82157

Bei einer Preissetzung am „oberen Rand“ kann folgende Einnahmeprognose abgegeben werden:

 Zehn-Tages-VignetteMonatsvignetteJahresvignette
Gesamteinnahmen aus der Vignette (in Mio. €)362,28
Gültigkeit10 Tage2 Monate1 Jahr
Preis pro Stück in Euro1545120
Anteil der Fahrzeuge60,42 %16,03 %23,55 %
Anzahl verkaufter Vignetten (in Mio.)8,311,0941,57
Einnahmen aus Vignettenverkauf (in Mio. €)124,6549,23188,4

Eine Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen, welche ausschließlich Ausländer belastet und sich an österreichischen Mautsätzen orientiert, hat Maximaleinnahmen von 667,2 Millionen Euro (alle erwerben eine Jahresvignette für 100 €) bzw. 800,64 Millionen Euro (alle erwerben eine Jahresvignette für 120 Euro) und realistische Einnahmen von etwa 270 – 360 Millionen Euro. Von dieser Summe sind entsprechende Erhebungskosten für den Vertrieb und die Kontrolle abzuziehen.

Rechenbeispiel 2: best case

Die Prognose der Mauteinnahmen hängt natürlich stark an der Aufteilung nach Vignettenart sowie der Menge gekaufter Vignetten ab. Auch wenn obige Berechnungen als realistisch eingeschätzt werden, soll dennoch eine Art „best case“-Berechnung durchgeführt werden, d.h. die Einnahmen aus der Vignette maximiert werden. Alle Annahmen werden daher möglichst optimal für den Staat ausgelegt.

Vereinfachend wird Folgendes angenommen:

  • Alle Pkw-Nutzer mit dem Fahrtzweck „Beruf“, „Bildung“ und „Geschäft“ erwerben zu 100 % eine Jahresvignette.
  • Alle Pkw-Nutzer mit dem Fahrtzweck „Urlaub“ erwerben zu 20 % eine Jahresvignette, zu 30 % eine Monats-Vignette (3 x) und zu 50 % eine 7-Tages-Vignette (6 x)
  • 75 % aller sonstigen ausländischen Pkw-Nutzer erwerben eine Jahresvignette.
  • 5 % aller sonstigen ausländischen Pkw-Nutzer erwerben eine Monatsvignette und erwerben diese maximal oft wie es wirtschaftlich rational ist (3 x).
  • 20 % aller sonstigen ausländischen Pkw-Nutzer erwerben eine 7-Tages-Vignette und erwerben diese maximal oft wie es wirtschaftlich rational ist (9 x).
  • Es können maximale Preise von 15 Euro für 7 Tage, 45 Euro für einen Monat und 150 Euro für ein Jahr durchgesetzt werden.

Die Zahl der einfahrenden Fahrzeuge wird nicht verändert, da diese auf zwei unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen errechnet wurde und daher als sehr wahrscheinlich eingestuft werden kann.

Unter optimalen Bedingungen ist folgende Verteilung der Vignettenvarianten aus den Vignettenverkäufen denkbar: 

 BerufBildungEinkaufGeschäftUrlaubPrivatInsg.
Anzahl "betroffene" ausländische Pkw in Millionen, welche deutsche BAB nutzen0,1510,00480,0570,2504,9591,2496,672
VignettenartJahres-
vignette
Jahres-
vignette
75 % Jahres-
vignette
5 % Monats-
vignette
20 % Zehn-Tages-Vignette
Jahres-
vignette
20 % Jahres-vignette
30 % Monats-vignette
50 % Zehn-Tages-Vignette
75 % Jahres-vignette
5 % Monats-vignette
20 % Zehn-Tages-Vignette
Absatz
Jahresvignette
in Mio. Stück
0,1510,0050,0430,2500,99180,93682,3776
Anzahl Fahrzeuge, die mind. eine
Monatsvignette erwerben, in Mio. Stück
000,00301,48770,06251,068
Aufschlagfaktor--3-33
Absatz Monats-
vignetten in Millionen Stück
000,00904,46310,18754,6596
Anzahl Fahrzeuge, die mind. eine
10-Tages-Vignette erwerben, in Mio. Stück
000,01102,47950,254,031
Aufschlagfaktor--9-69
Absatz 7-Tages-Vignetten in Millionen Stück000,099014,8772,2517,226

Anhand der erwarteten Vignettenverkäufe kann folgende Einnahmeprognose abgegeben werden:

 Sieben-Tages-VignetteMonatsvignetteJahresvignette
Gesamteinnahmen aus der Vignette (in Mio. €)824,712
Gültigkeit7 Tage1 Monat1 Jahr
Preis pro Stück in Euro1545150
Anzahl verkaufter Vignetten (in Mio.)17,2264,65962,3776
Einnahmen aus Vignettenverkauf (in Mio. €)258,39209,682356,64

Eine Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen, welche ausschließlich Ausländer belastet und Einnahmenaufkommens-maximierende Annahmen hat, hat Maximaleinnahmen von 824,712 Millionen Euro. Die Eintrittswahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios ist jedoch als äußerst gering einzuschätzen, die realen Einnahmen werden folglich weitaus geringer sein. Von dieser Summe sind entsprechende Erhebungskosten für den Vertrieb und die Kontrolle abzuziehen.

Systemkosten

Für den Aufbau und Betrieb eines Mautsystems werden verschiedenste Kosten unterschiedlicher Höhe fällig. Neben den Vertriebs- und Kontrollkosten kommen bei einer „Pkw-Maut für Ausländer“, bei welcher die Vignettenkosten für Inländer durch eine Senkung der Kfz-Steuer in Höhe des Vignettenpreises kompensiert werden sollen, noch die Kosten für die Kompensation hinzu. Siehe auch folgende vereinfachte Kostenfunktion:

R = M – A = (Mi + Ma + Bi+a) – (Cv + Ck + Ce) – (Ki + Cc)

R = Ertrag der Ausländer-Vignette
M = Mauteinnahmen gesamt
A = Aufwand Mauterhebung gesamt
Mi = Mauteinnahmen Inländer
Ma = Mauteinnahmen Ausländer
Bi+a = Bußgelder von In- und Ausländern
Cv = Kosten Vertrieb
Ck = Kosten Kontrolle
Ce = Kosten Erhebung und Infrastruktur
Ki = Kompensation Inländer
Cc = Kosten der Kompensation

Um positive Einnahmen durch eine „“ erzielen zu können, muss daher gelten, dass

Ma > Cv + Ck – Bi+a + Ce + Cc

Übersetzt bedeutet dies, dass die Einnahmen der Ausländermaut und etwaiger Bußgelder abzüglich der gesamten Kosten für die Kontrolle, die Infrastruktur und den Vertrieb ebenfalls die Kosten für die Kompensation der Inländer Cc abdecken müssen. Sollten die Kosten für die Kompensation nicht vollständig durch die Erträge aus der Ausländermaut gedeckt werden können, erzielt der Staat einen negativen Nettoertrag. Mit anderen Worten: Durch den Aufbau und Betrieb des Mautsystems bei gleichzeitiger Kompensation der Inländer stellt er sich schlechter als vorher.

Die exakte Höhe der Systemkosten sowie der Kompensationskosten kann leider zurzeit noch nicht beziffert werden. Eine Aussage kann erst getroffen werden, wenn eine Entscheidung über das eingesetzte Mautsystem mit den jeweiligen spezifischen Kosten getroffen wurde. Derzeit lautet die Standardantwort der Bundesregierung auf entsprechende Anfragen:

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einem Konzept zur Einführung einer mit EU-Recht in Einklang stehenden Pkw-Maut nach den im Koalitionsvertrag festgelegten Maßgaben. Über spezifische Ausgestaltungsvarianten, Behördenzuständigkeiten oder Erhebungskosten können noch keine Aussagen gemacht werden.

Laut BAUM (2010) geht die potenzielle Betreiberfirma eines Mautsystems AGES davon aus, dass bei Einklinken der Pkw-Maut in das Lkw-Mautsystem zusätzliche Systemkosten von mindestens 200 Millionen Euro pro Jahr entstehen. (vgl. 17)

„Die Kosten für die Erhebung und die Überwachung der österreichischen Pkw-Vignette belaufen sich auf etwa acht Prozent der Einnahmen.“ 18 Im Jahr 2013 erzielte die einen Vignettenerlös von 406,312 Millionen Euro, 24,1 Millionen Vignetten wurden abgesetzt (vgl. 19). Im Durchschnitt wurde eine Vignette mit einem Wert von 16,86 Euro erworben. Die Kosten je Vignette belaufen sich folglich auf 1,35 Euro. Bei einem prognostizierten Absatz von etwa 55 Millionen Vignetten (Inländer + Ausländer) würden Kosten für die Erhebung und Überwachung von knapp 75 Millionen Euro entstehen.

In der Schweiz liegen die Erhebungskosten der Nationalstrassenabgabe (NSA, Art. 86 Abs. 2 BV) gegenwärtig bei 11 Prozent des Ertrages 20. 2013 wurden 356 Millionen CHF über die Nationalstrassenabgabe eingenommen 21. Die Erhebungskosten betragen folglich 39,16 Millionen CHF bzw. 32,1 Millionen Euro. Im Jahr 2013 wurden ungefähr 9,295 Millionen Vignetten abgesetzt. Die Erhebungskosten je Vignette betrugen folglich ungefähr 3,45 Euro. Bei einem prognostizierten Absatz von etwa 55 Millionen Vignetten (Inländer + Ausländer) würden Kosten für die Erhebung und Überwachung von knapp 190 Millionen Euro entstehen.

Eine mehr oder minder passende Parallele zur Kompensation der Kfz-Steuer (Pkw-Bestand am 01.01.2014: 43,9 Millionen) kann möglicherweise über die Kirchensteuer (evang. und kath. Kirchensteuerzahler 2001: ~18,7 Mio.) gezogen werden. Für den Einzug der Kirchensteuer, welche auf Basis der Einkommensteuer bzw. Lohnsteuer (Kircheneinkommensteuer, Kirchenlohnsteuer) und der  A (Kirchengrundsteuer) festgesetzt wird, behalten die Bundesländer ein Entgelt von 2 % (Bayern) bis 4,5 % (im Saarland) des Kirchensteueraufkommens ein, in der Regel 3 %. Im Jahr 2012 erhielt die katholische Kirche in Deutschland etwa 5,2 Milliarden Euro Kirchensteuer; die Evangelische Kirche in Deutschland nahm 4,6 Milliarden Euro ein. Die Bundesländer stellten folglich ein Entgelt in Höhe von rund 300 Millionen Euro für den Einzug der Kirchensteuer in Rechnung.

Volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung

Die inländischen wie auch ausländischen Autofahrer werden auf die Mauterhebung mit einem Rückgang der Fahrleistungen reagieren. In der Literatur wird von einer Preiselastizität der Nachfrage von -0,3 ausgegangen. Ein Teil der Fahrleistung wird sich auf mautfreie Bundesstraßen verschieben. Ähnliche Ausweichverkehre sind auch bei der Lkw-Maut zu beobachten, dürften im grenznahen nachgelagerten Straßennetz jedoch noch stärker zum Vorschein kommen. Ausweichverkehre im gesamten Bundesgebiet sind eher unrealistisch, aber dennoch möglich. Durch die Verkehrsverlagerung kommt es zu Auswirkungen auf Unfall-, Lärm- und Zeitkosten sowie Kosten für Schadstoffemissionen und die Emission von CO2.

Etwa 50 % des Nachfragerückgangs setzen sich aus vermiedenen Fahrten zusammen. Diese haben entsprechende Umsatzverluste des Handels und touristischer Betriebe zur Folge. Hinzu kommen Steuereinnahmeausfälle, welche durch nicht durchgeführte Tankvorgänge im Inland bei ausfallenden längeren Aufenthalten entstehen.

Die Komplexität der Berechnung würde den Rahmen des Artikels an dieser Stelle sprengen. Eine volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung wird jedoch nachgereicht.

Schwächen und Grenzen der Analyse

Die hier durchgeführte Analyse hängt, wie jede andere Analyse auch, stark von der Güte und Eintrittswahrscheinlichkeit der Annahmen und Input-Daten ab. Die entsprechenden Annahmen wurden auf Basis vorhandener Quellen getroffen. Leider ist die Datenbasis zum Teil unvollständig. So wird die Anzahl von Fahrzeugen, welche Grenzübergänge in die Bundesrepublik Deutschland durchfahren nicht mehr erhoben.

Die Zahl ausländischer Pkw, welche das deutsche Autobahnnetz befahren, wurde zuletzt für das Jahr 2008 explizit ausgewiesen. Die DTV-Werte für das Jahr 2012 / 2013 unterliegen daher gewissen Unsicherheiten. Die Zählung des Jahres 2013 dürfte 2014 bzw. erst 2015 veröffentlicht werden. Das auf 25 Prozent bezifferte grenzüberschreitende Verkehrsmengenwachstum zwischen 2003 und 2008 unterliegt ebenfalls entsprechenden Unsicherheiten. Insbesondere ist unklar, wie stark sich die Zunahme der Ankünfte ausländischer Urlauber auf die Nutzung deutscher Autobahnen auswirkt, da die Aufteilung des gesamten Urlaubsverkehrs auf die einzelnen Verkehrsträger nicht bekannt ist.

Der exakte Wegezweck kann mangels umfassender Befragung der ausländischen Verkehrsteilnehmer nicht mit vollster Sicherheit angegeben werden. Die fahrtzweckspezifische Aufteilung unterliegt daher ebenso wie der fahrtzweckspezifische Besetzungsgrad, die Struktur grenzüberschreitender Pkw-Fahrten sowie die Zahl der Ein-/Durchfahrten von ausländischen Pkw insgesamt sowie pro Pkw gewissen Unsicherheiten. Ebenfalls wurde der Anteil an ausländischen Fahrzeugen, welche das Bundesautobahnnetz befahren nur geschätzt und kann geographisch differieren.

Die Annahme, dass die jährliche Fahrweite ausländischer Pkw über die Zeit konstant bei 1.700 km / Pkw liegt, unterliegt ebenfalls bestimmten Unsicherheiten. Da sich jedoch die geographische Lage der Ziele nicht ändert und das Paradoxon der komplexen Reisezeit ebenfalls Anwendung findet, dürfte die Festlegung auf 1.700 Fzkm / a durchaus plausibel erscheinen.

Die Anzahl der abgesetzten Vignetten und die Absatzstruktur nach fahrtzweckspezifischen Eigenschaften unterliegen ebenfalls gewissen Annahmen, die relativ allgemeingültig gesetzt wurden. Mangels exakter Erhebung und umfassender Befragung ausländischer Pkw-Nutzer ist eine feinere Aufteilung jedoch nicht möglich. Exakte Aussagen dürften sich erst mehrere Jahre nach Einführung einer Maut anhand der Vertriebsstatistik treffen lassen.

Fazit

Diese Analyse soll bei der Bewertung einer „Pkw-Maut für Ausländer“ unterstützen und bei der Einschätzung der politischen Entscheidungen helfen. Es zeigt sich, dass die bisherige Diskussion zum Großteil nicht auf Basis von Fakten und konkreten Zahlen geführt wurde. Dies ist zurzeit auch gar nicht möglich, da sowohl dem Bundesverkehrsministerium wie auch allen anderen Institutionen, welche Statistiken über den Verkehr in Deutschland führen, keine aktuellen Zahlen vorliegen. Im politischen Diskurs ist insbesondere die Festlegung auf bestimmte Vignettenpreise bei derzeitigem Kenntnisstand hochgradig unseriös. Diese politische Preissetzung dient eher einer populistischen Profilierung denn einer sachorientierten Diskussion. Aus ökonomisch-gesellschaftlicher Sicht wäre es jedoch von Vorteil, die Wirkungen einer Pkw-Maut auf Verkehr und Umwelt auf Basis von Fakten und nachprüfbaren Berechnungsgrundlagen zu diskutieren.

Natürlich hat die hier vorgelegte Analyse einige Schwächen, unterliegt Restriktionen und ist keineswegs als absolutes und unumstößliches Berechnungsmodell geeignet. Dies soll dieser Artikel auch nicht leisten. Er soll stattdessen die Komplexität der Thematik verdeutlichen, eine Basis für weitere Diskussionen liefern und dabei helfen, die politische Diskussion auf eine fach- und sachorientierte Ebene zu heben.

Aktualisierung – 05.05.2014

Formel um Bußgeldeinnahmen erweitert. Die Analyse, wie stark ausländische Pkw das deutsche Autobahnnetz überhaupt nutzen, wurde zugunsten der Lesbarkeit in einen anderen Artikel ausgelagert.

  1. Daten: BMVBS, Aus IW Köln (2012): iwd 39 vom 27.09.2012
  2. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur: Verkehrsinvestitionsbericht für das Berichtsjahr 2012: Drucksache des Deutschen Bundestages 18/580, S. 202
  3. Baum, Herbert et al.: Pkw-Maut in Deutschland? Eine verkehrs- und wirtschaftspolitische Bewertung, Institut für Verkehrswissenschaft (Köln), 2010, Herausgeber: ADAC e.V., München, S. 26 / 52 f.
  4. Lensing, N. (2011): Zählungen des ausländischen Kraftfahrzeugverkehrs auf den Bundesautobahnen und Europastraßen 2008, Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Reihe Verkehrstechnik, Heft V 197, Bergisch Gladbach, S. 16
  5. Vgl. Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (Hrsg.) / Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (Bearb.), Verkehr in Zahlen 2007/08, S. 178
  6. Vgl. Lensing, N. (2011): Zählungen des ausländischen Kraftfahrzeugverkehrs auf den Bundesautobahnen und Europastraßen 2008, Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Reihe Verkehrstechnik, Heft V 197, Bergisch Gladbach
  7. Monatserhebung im Tourismus – Fachserie 6 Reihe 7.1 – Dezember 2013, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2014
  8. Ratzenberger, Ralf (2013): Abschätzung der Gebühreneinnahmen aus einer Autobahn-Vignette für Pkw, Gutachten im Auftrag des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) e.V., München, 22.10.2013
  9. Statistik der Bundesagentur für Arbeit Arbeitsmarkt in Zahlen, sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – Pendler nach Ländern, Nürnberg, Stichtag 30. Juni 2013
  10. Statistik der Bundesagentur für Arbeit Beschäftigungsstatistik, Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Staatsangehörigkeiten und Geschlecht, Nürnberg, Datenstand Januar 2014
  11. Ratzenberger, Ralf (2013): Abschätzung der Gebühreneinnahmen aus einer Autobahn-Vignette für Pkw, Gutachten im Auftrag des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) e.V., München, 2013, S. 12
  12. Ratzenberger, Ralf (2013): Abschätzung der Gebühreneinnahmen aus einer Autobahn-Vignette für Pkw, Gutachten im Auftrag des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) e.V., München, 2013, S. 12
  13. Vgl. Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V., Reiseanalyse 2013, Erste Ergebnisse, Kiel, März 2013, S. 2.
  14. Ratzenberger, Ralf (2013): Abschätzung der Gebühreneinnahmen aus einer Autobahn-Vignette für Pkw, Gutachten im Auftrag des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) e.V., München, 2013, S. 12f.
  15. Schulz, Wolfgang; Linnemann, Ludger: Einnahmen von ausländischen Pkw bei einer Pkw-Maut auf deutschen Autobahnen, Köln/Langenfeld, März 2013
  16. Vgl. Ratzenberger, Ralf (2013): Abschätzung der Gebühreneinnahmen aus einer Autobahn-Vignette für Pkw, Gutachten im Auftrag des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) e.V., München, 2013, S. 20f.
  17. Baum, Herbert et al.: Pkw-Maut in Deutschland? Eine verkehrs- und wirtschaftspolitische Bewertung, Institut für Verkehrswissenschaft (Köln), 2010, Herausgeber: ADAC e.V., München, S. 59f.
  18. Umweltbundesamt: PKW-MAUT IN DEUTSCHLAND? Eine umwelt- und verkehrspolitische Bewertung, Dessau-Roßlau, April 2010, S. 6
  19. ASFINAG: Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2013, S. 82
  20. Bundesamt für Raumentwicklung (ARE): Einführung eines Road Pricing, Bericht des Bundesrates zur möglichen Einführung von Road Pricing in der Schweiz in Erfüllung des Postulats 04.3619 KVF Nationalrat vom 16.11.2004, 2007 , S. 13
  21. Eidgenössische Finanzverwaltung EFV: Staatsrechnung 2013, Band 3: Zusatzerläuterungen und Statistik R2013, S. 67

Verfasst von

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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Jürgen
Gast

Wow! In dem Artikel steckt ja richtig Arbeit drin. Vielen Dank für diese ausführliche Analyse. Wieder einmal zeigt sich, wie viel ‚Geblubber‘ von unseren Politikern verbreitet wird.

Burde Wolfdietrich
Gast

„Der Großteil der ausländischen Pkw-Fahrten besteht aus “kleinem Grenzverkehr” und nicht aus Transitfahrten.“

Im kleinen Grenzverkehr werden viele Ausländer vignettenfreie Routen als Alternative zur Vignette nutzen. D. h., die Zahl der ausländischen Autobahnnutzer im kleinen Grenzverkehr wird sich verringern.

Ein weiterer Teil der Aisländer wird dann eben nicht nach Deutschland fahren, z. B. zum Einkauf in einer grenznahen Stadt oder zum Wandern in grenznahen Erhilungsgebieten. Eine weitere Verrimgerung der vignettenpflichtigen Ausländerzahl

IdotR
Gast

1.Viele, z.T. auch verwirrende Zahlen machen den Artikel schwer les- und verstehbar. So ist z.B. die Km-Fahrleistung ausländischer PKW und die DTV auf deutschen Autobahnen für die Berechnung der Mauteinnahmen durch Vignette irrelevant. Was sagt mir in diesem Zusammenhang die Zahl von 709/24 NL-PKW oder 2424/24 ausländischen PKW als DTV? Nix! Der Teil kann also komplett weg!

Massgeblich ist lediglich die Anzahl der PKW, welche deutsche Strassen benutzen, der Anteil, welcher die Autobahn nutzen wird und wie häufig und wie lange diese Deutschland bereisen bzgl. Art und Anzahl der Vignetten.

2. Auch Pendler machen mal Urlaub und sind mal krank, realistisch ist eine Schätzung von 200-220 Arbeitstagen, nicht 250. Ist aber für die Mauthöhe irrelevant. Für die Ableitung der Zahl verschiedener PKW aus den Grenzübertritten schon.

3. Kontrollkosten dürften durch die Strafen kompensiert werden, sollten deshalb nicht von der Mauteinnahme abgezogen werden. Es sei denn, die Bussgelder sind schon bei den erwarteten Einnahmen eingepreist.

4. Folgender Absatz ist totaler Käse:
„Die Zahl der Ankünfte ausländischer Gäste stieg von 24,886 Millionen im Jahr 2008 auf 31,554 Millionen im Jahr 2013 11. Dies entspricht einem Anstieg von 26,8 %. Nicht alle ausländischen Gäste reisen jedoch mit dem Pkw an. Insbesondere bei Reisenden von einem anderen Kontinent dürfte die Anreise mit dem eigenen Pkw gegen Null gehen. Die Zahl der Ankünfte aus dem europäischen Ausland beträgt etwa 23 Millionen (Anteil: 73 %, Ankünfte von anderen Kontinenten: 8,5 Millionen, 27 %). Weit entfernte europäische Staaten wie Island, Malta oder Irland fallen nicht ins Gewicht. Es ist daher davon auszugehen, dass abzüglich des Luft- und Schienenverkehrs maximal 65 % des Wachstums im Tourismusbereich auch eine Auswirkung auf die Zahl ausländischer Pkw in Deutschland hat.
Folglich ist aus der Ankunft ausländischer Gäste in Deutschland eine Zunahme des ausländischen Personenverkehrs auf Bundesautobahnen zwischen 2008 und 2013 von 17,5 Prozent ableitbar.“

Hier steckt wohl ein grober Denkfehler drin. Auch wenn nur ein Teil der Ausländischen Gäste mit dem Auto anreist, dürfte das Wachstum prozentual dem Gesamtwachstum entsprechen (26,8% statt 17,5%). Anderenfalls müsste sich die Anzahl der Gäste, welche nicht mit dem PKW anreisen, überproportional erhöht haben (~44% statt ebenfalls 26,8%), was eher unwahrscheinlich ist.

Gesamtfazit: Nett, interessant, viel Unnützes, welches eher verwirrt als informiert, ein paar falsche Annahmen.

Mir wurde das von einem Grünen Stadtrat als „Mal ein paar Fakten“ und „Interessante Durchrechnung“ angepriesen. Hält beidem nicht stand.

Nix für Ungut!

IdotR
Gast

Hallo Martin,

Zu 1. Genauso war die Kritik gemeint, gut, wenn sie auch so angekommen ist.

Zu 2. Du hast oben geschrieben: „Ein ausländischer Arbeitnehmer, welcher in Deutschland arbeitet und mit dem eigenen Pkw pendelt, wird an 250 Arbeitstagen im Jahr das deutsche Straßennetz befahren (500 Grenzüberquerungen).“ Darauf bezog sich mein Hinweis bzgl. Urlaub/Krankheit.

In diesem Abschnitt machst Du meines Erachtens aber auch einen logischen Fehler. Die 123.900 Arbeitnehmer mit Wohnsitz im Ausland sind sicher Pendler, täglich oder wöchentlich, die 2.386.243 Arbeitnehmer mit ausländischer Staatsbürgerschaft eher nicht. Die leben und arbeiten hier, haben aber keinen deutschen Pass. Hier würde ich eher von 123.900 Fahrzeugen ausgehen (abzgl. ÖPV / Fahrgemeinschaften) als von den durch Dich angesetzten 437.227 Ausländern aus Anrainerstaaten.

Da wenige täglich pendeln, etliche auch mit Bussen angekarrt werden und auch von einer nennenswerten Anzahl von Nutzern öffentlicher Verkehrsmittel ausgegangen werden muss, sehe ich die von Dir angesetzte Zahl von 100 Fahrten je Pendler(PKW) als sehr hoch angesetzt.

Ähnlich sehe ich die 50 Einkaufs/Geschäfts/Privatfahrten pro Jahr. Sicher mag es Schweizer geben, welche ihren Wochenendeinkauf grundsätzlich in Deutschland erledigen, der Durchschnitt ist das bei Weitem nicht.
Ich weiss, dass es nicht einfach ist, die Grenzübergänge auf die Anzahl der verschiedenen Fahrzeuge herunterzubrechen, aber jede falsche Annahme führt zu einem falschen Ergebnis.

Zu 3:Hast du bzgl. Schweiz und AT diesbezügliche Informationen? Die Kalkulation würde mich spasseshalber mal interessieren.

Zu 4: Du hast ursprünglich einen mathematischen Fehler (der angesprochene Denkfehler) drin. Du kannst nicht einfach die Steigerung (26,8%) mit dem angenommenen Autoanteil (65%) multiplizieren um auf die Zunahme des Autoverkehrs (17,4) zu kommen. An dieser Stelle wäre Dein Mathelehrer rot geworden.

Ich habe mir die beiden verlinkten Publikationen angesehen und frage mich, wieso Du daraus nicht einfach die absoluten Zahlen benutzt, statt prozentuales Wachstum prozentual zu wichten?

In absoluten Zahlen stehen da in Summe aller direkten Nachbarländer 10,8 Mio Ankünfte in 2008 13,8 Mio in 2013 gegenüber. Das entspricht einer Steigerung um 28%.
Geht man jetzt davon aus, dass nur 80% mit dem Auto ankommen, muss man das natürlich auch für 2008 annehmen. Dementsprechend wären das dann 8,6 Mio Auto-Ankünfte in 2008 und 11 Mio Auto-Ankünfte in 2013. Die Steigerungsrate beträgt dann exakt – ahnst du es? – 28%.

Auch wenn man jetzt davon ausgeht, dass die Ankünfte auf Personen bezogen ist und dementsprechend durch 2,x geteilt werden muss, gilt dies sowohl für 2008 als auch für 2013 und verändert die Steigerungsrate überhaupt nicht.

Gruss

IdotR

PS: Viele Niederländer fliegen übrigens gern in den Süden, statt mit dem Auto nach oder durch Deutschland zu fahren. Man erkennt das an der Anzahl gelber Kennzeichen in den Parkhäusern der Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn. Im Verhältnis zur Parkgebühr ist die Vignette eher Kleingeld.

Matthias Stark
Gast

Hallo Martin,

Gibt es die Möglichkeit, dass die PKW-Maut von Anfang an auf allen Fernstrassen gilt, d.h. einschliesslich Bundesstrassen? Sonst gäbe es da nämlich ein Problem:

Wie kann man die Bürger in den Grenzgebieten überzeugen dass sie den Ausweichverkehr in ihren Dörfern und Städten akzeptieren?

Alternativ könnte es eine Sonderregelung wie im Tirol oder im Vorarlberg geben? Das würde allerdings bedeuten dass es in den am stärksten von Ausländern frequentierten Regionen Deutschlands zu einer Ausnahme für Ausländer von der PKW-Maut für Ausländer kommen würde.

Das ist eher unwahrscheinlich, dadurch würde die Absurdität der ganzen Übung zu offensichtlich werden. Ich denke es trifft eher der erste Fall ein, denn das hat einen entscheidenden Vorteil.

Den Mehrverkehr kann man durch neue Strassen aus den Ortschaften heraushalten. Das würde alle erfreuen, die Baufirmen, die Lokalpolitiker, die Abgeordneten die sich für den Bau eingesetzt haben und die Bewohner.

Die Bewohner zumindest so lange bis sie aufwachen und merken dass die Umgehungsstrasse in Wirklichkeit eine Autobahn geworden ist.
Der Lärm und Gestank geblieben ist, das Gewerbe und die Arbeit dafür mit dem Verkehr verschwunden sind.

Weniger Freude dürfte der gemeine Autofahrer haben, er muss jetzt weitere Strecken zurücklegen, da man an der Autobahn weder einkaufen, essen noch arbeiten kann. Dazu muss er den ganzen Spass noch bezahlen.
Hauptsache: Schuld daran sind die Grünen.

Beste Grüsse

Ralf Epple
Gast

Hallo Martin,

ich habe schon öfters „Zukunft Mobilität“ gelesen und war meistens fasziniert, welche Energieleistung man in Sachen Verkehr in der Freizeit vollbringen kann. Oft genug werde ich in Sachen Radverkehr (mein Steckenpferd) deshalb belächelt, obwohl ich um Welten weniger fachkundig und ausführlich bin wie Du.

Großes Lob also erst mal.

Die Einführung einer Vignette halte ich für wichtig und sinnvoll. Ich hatte dies schon in der Ära Ramsauer vorgeschlagen, ganz ähnlich wie von Dobrindt, allerdings viel einfacher. Hier nochmals in mittlerweile leicht modernisierter Form:

Jahresvignette 100,- Euro, alternativ 4-Wochen-Vignette für 50,- Euro außerhalb eines „Grenzverkehrsgürtels“ von z.B. 25 km für Autobahnen und autobahnähnlich ausgebauten Bundesstraßen.

Bundesbürger erhalten die Kfz-Steuerbescheide für ihre PKW (Motorräder sind ausgenommen) wieder per Post. Hier liegt bereits eine Jahresvignette bei, die auf das Nummernschild im Bereich der früheren AU-Plakette angebracht werden kann. Ausländer haben die Vignette am oberen rechten Rand (Beifahrerseite) anzubringen (Seitenhieb auf die idiotische Anordnung der Feinstaubplakette am unteren Rand, wo sie das Sichtfeld verdeckt). Abgelaufene Plaketten *müssen* enfernt werden (also keine „Sammlungen“ mehr). Die Kfz-Steuer wird für die Vignetten- und Verwaltungskosten pauschal um 20,- Euro erhöht.

Fertig.

Durch die relativ teure 4-Wochen-Vignette, die aber immer noch erheblich billiger ist als z.B. italienische oder französische Autobahnen, werden viele, die wissen, innerhalb desselben Jahres mind. noch ein mal nach Deutschland zu fahren, gleich eine Jahresvignette kaufen. Dazu zählen insbesondere die Niederländer, die ja oft Sommer und Winter durch Deutschland in den Urlaub fahren (was mich selbst immer wieder erstaunt).

Bei einem angenommen Fahrzeugbestand von 40 Mio. PKW in D (Bestand wird evtl. etwas zurückgehen) und einem von mir angenommenen Erlös von 12,- Euro alleine für die deutsche Vignette wären wir schon bei einem Gewinn von 480 Mio. Euro.

Dazu kommen dann noch die Fahrten der Ausländer. Hier gültige Fahrzeugzahlen zu nennen, fällt ja bekanntermaßen auch Dobrindt schwer. Meine Einschätzung: Von den rund 11 Mrd. Fzg-km durch ausländische PKW sind 50% einmalige Urlaubsfahrten von max. 1500 km. Z.B. Holländer mit 1x/Jahr (also 4-Wochen-Vignette).
Das würden – aus den Kilometerzahlen abgeleitet – 3.666.667 Kfz mit 4-Wochen-Vignetten bedeuten.

Weitere 20% sind mehrmalige Urlaubsfahrten mit max. 3000 km (also Jahresvignette). Das würde wiederum 733.333 Kfz bedeuten.

Die restlichen 30% der Kilometer werden von Pendlern, Außendienstlern, Handelsvertretern, Mehrfachreisenden etc. bewältigt, was immerhin 3.300.000.000 km entspricht. Wenn jedes dieser Fahrzeuge 5000 km fahren würde, wären wir bei weiteren 660.000 PKW.

Bei 3.666.667 4-Wochen-Vignetten á 50,- Euro hätten wir Einnahmen von 183.333.350,- Euro.

Bei 733.333 plus 660.000 PKW á 100,- Euro hätten wir Einnahmen von weiteren 139.333.300,- Euro.

Dazu kommen die Einnahmen aus der BRD selbst mit 480.000.000,- Euro.

Insgesamt also 802.666.650,- Euro an Einnahmen.

Hiervon müsste man zwar noch die Fertigungs- und Verwaltungskosten für die Auslandsvignetten abziehen (ist von den Deutschen schon abgezogen), dennoch bliebe ein erkleckliches Sümmchen und zwar ohne großen Aufwand.

So ausführlich hatte ich bislang noch keinen Vorschlag zur Maut dargelegt.

Ich gehe davon aus, dass mit der Einführung der Maut die Kilometerleistungen in Deutschland auf den Autobahnen deutlich zurückgehen. Davon profitieren u.a. die Bundesbürger (durch weniger Lärm, Abgase, Staus, Unfälle…) und die Haushaltskassen (durch weniger Fahrbahn-/Brückensanierungen, Vermeidung von Neubau/Erweiterung von Autobahnen und Bundesstraße). Zudem dürften durch die „Vignette“ ein paar 100 zusätzliche Arbeitsstellen geschaffen werden. :-)

Der letztgenannte Abschnitt wäre selbst dann noch zu beachten, wenn die Maut ein Nullsummenspiel mit „Schwarzer Null“ wäre. Denn wir haben in D einfach zu viel Verkehr, zu viel Beton, zu viele Unfälle und Staus, Feinstaubprobleme, Krach, etc. .

Was meinst Du als Profi zu meiner Überlegung als Laie?

Gruß, Ralf Epple

Pierre Daniel Bertholdt
Mitglied

Hallo Ralf Epple,

Den letzten Punkt sehe ich auf jeden Fall anders: Wenn die Maut nur auf Autobahnen eingeführt wird, rechne ich mit einem Ausweichen auf Bundesstrassen – diese sind jedoch bedeutend unfallträchtiger als Autobahnen. Auf diesen wird auch mehr Feinstaub ausgestossen und sie liegen näher an Wohngebieten.

Positiv wäre aber, dass Bahnfahrten relativ günstiger würden, gilt jedoch auch für Flugreisen.

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