Kleine Änderung, große Wirkung: Stürze alkoholisierter Personen vom Bahnsteig ins Gleisbett verhindern

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3. Februar 2026

Artikelaktualisierung Zukunft MobilitätJapanische Wissenschaftler haben im Auftrag der West Japan Railway Company Unfälle untersucht, bei denen Personen vom Bahnsteig ins Gleisbett gefallen sind. Im Jahr 2013 sind insgesamt 221 Personen auf diese Weise verunglückt, etwa doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Alkohol ist oft die Ursache für den Kontrollverlust mit teilweise schrecklichen Folgen.

Im Rahmen der zweijährigen Untersuchung wurden 136 Unglücksfälle in Osaka, Kobe und Kyoto untersucht. Hierfür wurde das Videomaterial in den Minuten vor den Stürzen in das Gleisbett gesichtet und analysiert. Zu Forschungsbeginn wurde davon ausgegangen, dass ein großer Anteil der verunfallten Personen den Bahnsteig auf und ab gewandert sei, sich dabei der Bahnsteigkante immer weiter genähert hätte und seitlich ins Gleisbett gefallen sei. Dies war jedoch nur in zehn Prozent der Unglücksfälle die Ursache. Weitaus häufiger verloren Menschen im stehenden Zustand das Gleichgewicht und fielen vornüber in das Gleisbett (30 Prozent).

In 60 Prozent der Fälle saßen die verunfallten Personen berauscht auf einer Bank, standen auf und liefen geradeaus auf die Bahnsteigkante zu. Auch akustische und optische Warnsignale wurden aufgrund des alkoholisierten Zustandes nicht wahrgenommen und hatten keine Wirkung.

Japan Alkohol Sturz ins Gleisbett Ursache

Eine alkoholisierte Person erhebt sich von der Bank und läuft im alkoholisierten Zustand direkt auf die Bahnsteigkante zu, von der sie ins Gleisbett stürzt. – Grafik: JR-West

Als Sofortmaßnahme schlagen die Wissenschaftler vor, Bänke auf Bahnsteigen um 90° zu drehen. Berauschte Personen laufen so nicht direkt auf die Bahnsteigkante zu und können leichter von anderen Personen aufgehalten werden.

Japan Alkohol Sturz ins Gleisbett Sofortmaßnahme Gedrehte Bank

Umgesetzte Sitzbank in der JR Shin-Osaka Station – Foto: JR-West

Ein möglicher positiver Effekt der einfachen Maßnahme auf die Unfallzahlen soll in den kommenden Monaten untersucht werden.

Im August 2015 installierte die West Japan Railway Company ein Videosystem zur automatischen Erkennung angetrunkener oder hitzegeschädigter Personen. Das aus 46 Kameras bestehende System wird erstmals an der Station Kyobashi nahe eines Vergnügungsbezirks in der japanischen Stadt Osaka erprobt. Detektiert werden sollen torkelnde Personen sowie Personen, die sich ohne ersichtlichen Grund eine längere Zeit auf dem Bahnsteig aufhalten oder auf einer Bank eingeschlafen sind. Die zuvor durchgeführten Forschungen haben ergeben, dass sich bspw. angetrunkene Personen oft bewegungslos auf dem Bahnsteig aufgehalten haben, bevor sie in Richtung eines Zuges oder in das Gleisbett gestürzt sind.

Durch das automatische System sollen in Zukunft Bahnmitarbeiter alarmiert werden und angetrunkene Personen sicher vom Bahnsteig geleiten.

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Verfasst von: Martin Randelhoff
Herausgeber und Gründer von Zukunft Mobilität, arbeitet im Hauptjob im ARGUS studio/ in Hamburg. Zuvor war er Verkehrswissenschaftler an der Technischen Universität Dortmund. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum und nachhaltige Verkehrskonzepte. Kontaktaufnahme: randelhoff [ät] zukunft-mobilitaet.net
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