Verkehrssicherheit: Eine SMS oder ein Anruf kann das ganze Leben ruinieren~3 Minuten Lesezeit

Wenn man Auto fährt, sieht man es leider immer öfter: Andere Verkehrsteilnehmer starren wie gebannt auf ihr , anstatt auf die Straße zu achten. Insbesondere an roten Ampeln wird der kurze Griff zum immer beliebter. 

Was im stehenden Fahrzeug noch vertretbar zu sein scheint, verliert während der Fahrt seine Unschuld gänzlich. Das Schreiben oder Lesen einer , einer Mail, einer WhatsApp oder -Nachricht kann niemals so dringend sein, dass man sein eigenes Leben und das Leben anderer leichtfertig aufs Spiel setzt. Wer beim Tempo von 50 km/h zwei Sekunden lang auf ein Display sieht, fährt in der Zeit knapp 30 Meter weit. Auf der Landstraße bei 100 km/h sind es knapp 60 Meter ohne direkte Sicht auf die Straße. gehen davon aus, dass Autofahrer sich etwa zehn Prozent der Zeit hinter dem Steuer nicht auf die Straße konzentrieren und abgelenkt sind.

Die Verkehrsunfallzahlen des Jahres 2013 zeigen, dass die Zahl der seit einigen Jahren kaum zurückgeht, während die Zahl der tödlichen wegen der besseren rückläufig ist. Diese Diskrepanz dürfte stark mit der verstärkten Nutzung von Handys und Smartphones am Steuer zusammenhängen, wie sie auch von der Polizei beobachtet wird. Die Höhe der Strafe (: 40 € , 1 Punkt in der / ab 01. Mai 2014: 60 € Bußgeld, 1 Punkt in der ) sowie die Kontrolldichte sind gemessen an den möglichen Folgen bei Weitem noch nicht ausreichend.

Zahlreiche US-Studien haben in den vergangenen Jahren die Folgen von Ablenkung am Steuer (Nutzung von Mobiltelefonen und Smartphone, , Bedienen des Navigationsgeräts, usw.) untersucht. Insbesondere Fahranfänger sind dabei überproportional gefährdet 1:

AktivitätQuotenverhältnis (Odds-Verhältnis)
Telefonnummer wählen8,3
Griff zum Telefon7,1
SMS schreiben / empfangen3,9
Nach einem Gegenstand außer dem Mobiltelefon greifen8,0
Gegenstände am Straßenrand betrachten3,9
Essen3,0

Das Quotenverhältnis gibt bei dieser Untersuchung die Chance an, durch eine bestimmte Handlung in einen bzw. in einen Beinahe- verwickelt zu werden. Hierzu wurden die Probanden über 18 Monate beim Autofahrer mit mehreren Kameras beobachtet und diverse fahrzeugdynamische Werte (Mehrachsen-Beschleunigungsmesser, lasergestützte Vermessung der Spurtreue, etc.) aufgezeichnet. - und Gefährungssituationen wurden identifiziert, Ablenkungsgrad und -ursache ermittelt, plausibilisiert und hochgerechnet.

Die Chance (odds) einen (Beinahe-) Unfall zu erleiden ist folglich bei Autofahrern, die am Steuer eine Telefonnummer gewählt haben, 8,3-mal so hoch wie unter Autofahrern, die kein Handy in der Hand gehabt haben.

Aber auch erfahrene Autofahrer sind stark durch die Nutzung von Mobiltelefonen beeinträchtigt (Nummer wählen: Odds-Verhältnis 2,5). Im Schnitt ist ein Autofahrer durch den Griff zum Telefon 4,6 Sekunden lang abgelenkt.

Aber nicht nur Autofahrer lassen sich vermehrt durch Smartphones und mobiles Internet ablenken. Auch und verunglücken immer öfters, weil sie sich nicht auf ihr Umfeld und den Straßenraum konzentrieren. Und so wichtig, dass man seine Gesundheit oder gar sein Leben aufs Spiel setzt, kann keine Nachricht jemals sein.

  1. Klauer, S. G.; Guo, F.; Simons-Morton, B. G.; Ouimet, M. C.; Lee, S. E.; Dingus, T. A. (2014). „Distracted Driving and Risk of Road Crashes among Novice and Experienced Drivers“. New England Journal of Medicine 370 (1): 54–59. – http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMsa1204142

Verfasst von

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
avatar
 
Bild(er) hinzufügen
 
 
 
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
wpDiscuz

Jetzt abonnieren!

Twitter

Auszeichnungen

Grimme Online Award Preisträger 2012

Zukunft Mobilität hat den Grimme Online Award 2012 in der Kategorie Information erhalten. Ich möchte mich bei all meinen Lesern für die Unterstützung bedanken!

PUNKT Preisträger 2012

Zukunft Mobilität hat den PUNKT 2012 der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) in der Kategorie "Multimedia" gewonnen.

Logo VDV Verband Deutscher Verkehrsunternehmen

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.V. (VDV) hat mich im Rahmen der VDV-Jahrestagung 2013 in Mainz als “Talent im ÖPNV” des Jahres 2013 ausgezeichnet. Der VDV vertritt rund 600 Unternehmen des Öffentlichen Personennahverkehrs, des Schienenpersonennahverkehrs, des Schienengüterverkehrs, der Personenfernverkehrs sowie Verbund- und Aufgabenträger-Organisationen.

Lizenz

Zukunft Mobilität Creative Commons

Die Inhalte dieses Artikels sind - soweit nicht anders angegeben - unter CC BY-SA 3.0 de lizensiert. Grafiken sind von dieser Lizenz aus Vereinfachungs- und Schutzgründen ausgenommen (Anwendung aufgrund der Verwendung von Grafiken / Bildern mit unterschiedlichen Lizenzen zu kompliziert) außer die CC-Lizenz ist ausdrücklich genannt.

Weitere Informationen
Share This