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Verkehrssicherheit: Eine SMS oder ein Anruf kann das ganze Leben ruinieren

Wenn man Auto fährt, sieht man es leider immer öfter: Andere Verkehrsteilnehmer starren wie gebannt auf ihr , anstatt auf die Straße zu achten. Insbesondere an roten Ampeln wird der kurze Griff zum immer beliebter. 

Was im stehenden Fahrzeug noch vertretbar zu sein scheint, verliert während der Fahrt seine Unschuld gänzlich. Das Schreiben oder Lesen einer , einer Mail, einer WhatsApp oder -Nachricht kann niemals so dringend sein, dass man sein eigenes Leben und das Leben anderer leichtfertig aufs Spiel setzt. Wer beim Tempo von 50 km/h zwei Sekunden lang auf ein Display sieht, fährt in der Zeit knapp 30 Meter weit. Auf der Landstraße bei 100 km/h sind es knapp 60 Meter ohne direkte Sicht auf die Straße. gehen davon aus, dass Autofahrer sich etwa zehn Prozent der Zeit hinter dem Steuer nicht auf die Straße konzentrieren und abgelenkt sind.

Die Verkehrsunfallzahlen des Jahres 2013 zeigen, dass die Zahl der seit einigen Jahren kaum zurückgeht, während die Zahl der tödlichen wegen der besseren rückläufig ist. Diese Diskrepanz dürfte stark mit der verstärkten Nutzung von Handys und Smartphones am Steuer zusammenhängen, wie sie auch von der Polizei beobachtet wird. Die Höhe der Strafe (: 40 € , 1 Punkt in der / ab 01. Mai 2014: 60 € , 1 Punkt in der Verkehrssünderkartei) sowie die Kontrolldichte sind gemessen an den möglichen Folgen bei Weitem noch nicht ausreichend.

Zahlreiche US-Studien haben in den vergangenen Jahren die Folgen von Ablenkung am Steuer (Nutzung von Mobiltelefonen und Smartphone, , Bedienen des Navigationsgeräts, usw.) untersucht. Insbesondere Fahranfänger sind dabei überproportional gefährdet 1:

AktivitätQuotenverhältnis (Odds-Verhältnis)
Telefonnummer wählen8,3
Griff zum Telefon7,1
SMS schreiben / empfangen3,9
Nach einem Gegenstand außer dem Mobiltelefon greifen8,0
Gegenstände am Straßenrand betrachten3,9
Essen3,0

Das Quotenverhältnis gibt bei dieser Untersuchung die Chance an, durch eine bestimmte Handlung in einen bzw. in einen Beinahe- verwickelt zu werden. Hierzu wurden die Probanden über 18 Monate beim Autofahrer mit mehreren Kameras beobachtet und diverse fahrzeugdynamische Werte (Mehrachsen-Beschleunigungsmesser, lasergestützte Vermessung der Spurtreue, etc.) aufgezeichnet. - und Gefährungssituationen wurden identifiziert, Ablenkungsgrad und -ursache ermittelt, plausibilisiert und hochgerechnet.

Die Chance (odds) einen (Beinahe-) Unfall zu erleiden ist folglich bei Autofahrern, die am Steuer eine Telefonnummer gewählt haben, 8,3-mal so hoch wie unter Autofahrern, die kein Handy in der Hand gehabt haben.

Aber auch erfahrene Autofahrer sind stark durch die Nutzung von Mobiltelefonen beeinträchtigt (Nummer wählen: Odds-Verhältnis 2,5). Im Schnitt ist ein Autofahrer durch den Griff zum Telefon 4,6 Sekunden lang abgelenkt.

Aber nicht nur Autofahrer lassen sich vermehrt durch Smartphones und mobiles Internet ablenken. Auch und verunglücken immer öfters, weil sie sich nicht auf ihr Umfeld und den Straßenraum konzentrieren. Und so wichtig, dass man seine Gesundheit oder gar sein Leben aufs Spiel setzt, kann keine Nachricht jemals sein.

  1. Klauer, S. G.; Guo, F.; Simons-Morton, B. G.; Ouimet, M. C.; Lee, S. E.; Dingus, T. A. (2014). „Distracted Driving and Risk of Road Crashes among Novice and Experienced Drivers“. New England Journal of Medicine 370 (1): 54–59. – http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMsa1204142

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

3 Kommentare

  1. berni

    Was gibt das Quotenverhältnis wieder? Ist eine hohe Zahl gut oder schlecht?

    Antworten
    • Martin Randelhoff

      Das Quotenverhältnis gibt das Verhältnis zwischen „Mit“ und „Ohne“-Fall an.

      Soll heißen: Die Chance (odds) einen (Beinahe-) Unfall zu erleiden ist bei Autofahrern, die am Steuer eine Telefonnummer gewählt haben, 8,3-mal so hoch wie unter Autofahrern, die kein Handy in der Hand gehabt haben. Ein hoher Wert ist also schlecht. Ideal ist ein Wert von 1, d.h. die Unfallwahrscheinlichkeit ist unabhängig von der Nutzung eines Gegenstandes bzw. einer Handlung.

      Das Quotenverhältnis ist aber kein Maß der Wahrscheinlichkeit, drückt also nicht das relative Risiko aus. Ich werde das im Artikel mal besser erklären. Danke für den Hinweis bzgl. der Unklarheit!

      Antworten
  2. Tobias König (Kampagnenmanager BE SMART!)

    Die große Gefahr durch die Handynutzung hinter dem Steuer ist leider ein Teil unseres Alltags geworden.
    Die Kampagne „BE SMART! Hände ans Steuer – Augen auf die Straße“ hat es sich zum Ziel gesetzt, möglichst viel Menschen zu erreichen und sie für das Thema zu sensibilisieren. Denn nur echte Verhaltensänderungen bei der Handynutzung während der Fahrt können unsere Straßen einen wichtigen Schritt sicherer machen. Unsere online Umfrage „Hand aufs Herz“ zeigt: Nicht nur rund 77 Prozent der Befragten nutzen ihr Smartpohne am Steuer, sonder auch rund 49 Prozent finden es sehr wichtig, dass mehr Aufklärungsarbeit betrieben wird! Deshalb finden wir es toll, dass dieses wichtige Thema auch hier auf der Seite von ZUKUNFT MOBILITÄT Beachtung findet. Wer mehr zum Thema und zur Kampagne erfahren möchte, hier der Link zur Homepage: http://www.besmart-mobil.de/

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