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Entwicklung des Bestands an Pkw mit Verbrennungsmotor und elektrischem Antrieb in Deutschland 2016 – 07/2023

Foto: JUICE @ Unsplash.com - Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch die Unsplash-Lizenz
Die Antriebswende im Verkehr erfordert einen wachsenden Bestand von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben bei gleichzeitigem Rückgang der Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Diese Strukturveränderung ist derzeit zu langsam, um beispielsweise die Klimaschutzziele im Verkehrssektor erreichen zu können.

Zur Erreichung von Klimaschutzzielen im Verkehr durch eine politisch angestrebte Antriebswende im Verkehr ist ein steigender Bestand an Fahrzeugen mit alternativem Antrieb bei gleichzeitigem Rückgang der Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor (Strukturfaktor) notwendig. Im Idealfall sollte auch die Gesamtzahl der in Deutschland zugelassenen Pkw zurückgehen oder sich zumindest stabilisieren (Mengenfaktor). Diese Entwicklung ist derzeit nicht absehbar.

Bestand PkwVeränderung zum VorjahrBevölkerungVeränderung zum VorjahrMotorisierungsquoteHinweise
[Anzahl Pkw][%][Anzahl EW][%][Pkw / 1.000 EW]
201142.301.56381.751.602517,44
201242.927.6471,48%80.327.900-1,74%534,41Ab 2011 Ergebnisse der Bevölkerungs­fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011.
201343.431.1241,17%80.523.7460,24%539,36
201443.851.2300,97%80.767.4630,30%542,93
201544.403.1241,26%81.197.5370,53%546,85
201645.071.2091,50%82.175.6841,20%548,47
201745.803.5601,62%82.521.6530,42%555,05
201846.474.5941,47%82.792.3510,33%561,34
01.01.201947.095.7841,34%83.019.2130,27%567,29
01.04.201947.304.8720,44%83.042.2350,03%569,65
01.07.201947.601.2860,63%83.073.0620,04%573,01
01.10.201947.744.8780,30%83.149.2770,09%574,21
01.01.202047.715.977-0,06%83.166.7110,02%573,74
01.04.202047.739.9700,05%83.157.201-0,01%574,09
01.07.202047.878.7090,29%83.122.889-0,04%576,00
01.10.202048.175.6620,62%83.190.5560,08%579,10
01.01.202148.248.5840,15%83.155.031-0,04%580,22
01.04.202148.330.9880,17%83.121.363-0,04%581,45
01.07.202148.561.3010,48%83.129.2850,01%584,17
01.10.202148.648.2630,18%83.222.4420,11%584,56
01.01.202248.540.878-0,22%83.237.1240,02%583,16
01.04.202248.585.6600,09%83.695.4300,55%580,51
01.07.202248.692.2270,22%84.079.8110,46%579,12
01.10.202248.733.4130,08%84.270.6250,23%578,30
01.01.202348.763.0360,06%84.358.8450,10%578,04
01.04.202348.848.3460,17%84.432.6700,09%578,55
01.07.202349.038.1450,39%84.482.2670,06%580,45

Im 2. Quartal 2023 hat der Pkw-Bestand in Deutschland erstmals die Marke von 49 Millionen überschritten. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Pkw-Bestand um knapp 5,5 Millionen Pkw erhöht. Im gleichen Zeitraum ist die Bevölkerung um 4 Millionen Personen gewachsen. Im gleichen Zeitraum ist die Bevölkerung um 4 Millionen Menschen gewachsen. Während ein Teil des Anstiegs des Pkw-Bestandes auf die Bevölkerungsentwicklung zurückzuführen ist, hat sich der Motorisierungsgrad im gleichen Zeitraum von rund 540 Pkw / 1.000 EW auf rund 580 Pkw / 1.000 EW erhöht. Das hohe Wohlstandsniveau ermöglicht immer mehr Haushalten die Anschaffung weiterer Pkw. Der Anteil der Haushalte mit Zweit- und Drittwagen nimmt zu.

Der Anteil der Haushalte, die mindestens ein Auto besitzen, war laut Ergebnissen der Laufenden Wirtschaftsrechnungen im Jahr 2022 mit 77,6 % ähnlich hoch wie 2012 (77,4 %). Im selben Zeitraum stieg aber unter diesen der Anteil der Haushalte mit zwei Pkw von 24,5 % auf 27,0 % und der Anteil der Haushalte mit drei und mehr Pkw von 4,1 % auf 6,2 % an.

Nach den Ergebnissen der Haushaltsbefragung “Mobilität in Deutschland 2017” mit gut 316.000 befragten Personen aus rund 156.000 Haushalten, gehören Elektroautos häufig zu Haushalten mit vergleichsweise vielen Pkw. “Nur ein Viertel der Elektroautos sind das einzige Auto im jeweiligen Haushalt. Das heißt, drei Viertel der Elektroautobesitzer können auf andere Fahrzeuge im Haushalt ausweichen, um gegebenfalls Nachteile von Elektroautos, zum Beispiel einen Mangel an Reichweite, zu kompensieren. Ein knappes Fünftel der Elektroautos befindet sich sogar in Haushalten mit mehr als zwei Pkw.”1 Die Förderkulisse für batterieelektrische Fahrzeuge unterstützt diese Entwicklung.

Anteile der Pkw nach Zahl weiterer Pkw im Haushalt, differenziert nach Antrieb – Grafik: Nobis, C. & Kuhnimhof, T. (2018). Mobilität in Deutschland – MiD Ergebnisbericht. Studie von infas, DLR, IVT und infas 360 im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (FE-Nr. 70.904/15). www.mobilitaet-in-deutschland.de. Bonn/Berlin, S. 82

Durch die Anschaffung eines Zweit-, Dritt- oder Viertwagens mit Elektroantrieb, ohne dass ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor ersetzt wird, erhöhen sich die negativen Auswirkungen einer wachsenden Pkw-Flotte (u.a. Ressourcen- und Flächenverbrauch). Zudem verlängert sich die Nutzungsdauer von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, da die Außerbetriebsetzung eines Fahrzeugs nicht vom Fahrzeugalter, sondern von der Fahrleistung abhängt. Sinkt die jährliche Fahrleistung eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor, weil ein zusätzliches Fahrzeug mit alternativem Antrieb zur Verfügung steht, wird es länger gefahren. Damit emittiert es über einen längeren Zeitraum Treibhausgase, die angestrebte Klimaneutralität des Verkehrs kann sich durch die spätere Außerbetriebnahme der Pkw-Flotte nach hinten verschieben.2

Der Bestand an Pkw mit Verbrennungsmotor lag am 01.07.2023 bei 46,98 Millionen Fahrzeugen und damit in etwa auf dem Niveau von Anfang 2019. Gegenüber dem Höchststand von 47,76 Millionen Pkw mit Verbrennungsmotor, die am 01.10.2020 in Deutschland zugelassen waren, lag der Bestand an Verbrennern im Juli 2023 um 780.000 Pkw niedriger. Der Gesamtbestand steigt im gleichen Zeitraum um 860.000 Pkw. Die Differenz lässt sich vollständig durch den wachsenden Bestand an Elektroautos (+948.000) und Plug-in-Hybriden (+693.000) erklären.

Um die übergeordneten Ziele im Verkehrssektor durch eine Antriebswende zu erreichen, verläuft der Strukturwandel im deutschen Pkw-Bestand weiterhin zu langsam. Die aktuellen Absatzprognosen und Entwicklungen auf dem Fahrzeugmarkt lassen kurzfristig keine Beschleunigung erwarten. Der Bestand an Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor sinkt weiterhin viel zu langsam. Mögliche positive Umwelteffekte werden durch die insgesamt steigende Zahl der in Deutschland zugelassenen Pkw konterkariert.

GesamtVerbrennungsmotorBatterieelektrischPlug-in-HybridBrennstoffzelle
201142.301.5632.307
201242.927.6474.541
201343.431.1247.114
201443.851.23012.156
201544.403.12418.948
201645.071.20945.034.70225.50210.809196
201745.803.56045.748.35234.02220.975211
201846.474.59446.375.98953.86144.419325
01.01.201947.095.78446.945.24083.17566.997372
01.04.201947.304.87247.134.70097.20072.589383
01.07.201947.601.28647.410.963110.29579.592436
01.10.201947.744.87847.531.846125.16887.406485
01.01.202047.715.97747.476.681136.617102.175504
01.04.202047.739.97047.455.917158.880124.624549
01.07.202047.878.70947.560.837173.435143.807630
01.10.202048.175.66247.758.176221.968194.789729
01.01.202148.248.58447.658.843309.083279.861797
01.04.202148.330.98847.615.475365.262349.341910
01.07.202148.561.30147.695.168438.950426.192991
01.10.202148.648.26347.636.442516.518494.1921.111
01.01.202248.540.87847.355.251618.460565.9561.211
01.04.202248.585.66047.274.133687.241622.9711.315
01.07.202248.692.22747.250.209756.517684.0571.444
01.10.202248.733.41347.145.945840.645745.0031.820
01.01.202348.763.03646.883.3261.013.009864.7121.989
01.04.202348.848.34646.892.4611.078.057875.8202.008
01.07.202349.038.14546.978.1141.170.632887.3352.064

Quellen

Juli 2023 – 2018: Kraftfahrt-Bundesamt: Bestand an Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern nach Bundesländern, Fahrzeugklassen und ausgewählten Merkmalen der jeweiligen Perioden (FZ 27.5 von 2016 bis 2018, 2018 – 2022 FZ 27.11, ab 2022 FZ 27.9)

2011 – 2017: Kraftfahrt-Bundesamt: Jahresbilanz des jeweiligen Jahres

  1. Nobis, C. & Kuhnimhof, T. (2018). Mobilität in Deutschland – MiD Ergebnisbericht. Studie von infas, DLR, IVT und infas 360 im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (FE-Nr. 70.904/15). www.mobilitaet-in-deutschland.de. Bonn/Berlin, S. 81
  2. D’Haultfœuille, Xavier; Givord, Pauline; Boutin, Xavier (2014): The Environmental Effect of Green Taxation. The Case of the French Bonus/Malus. In: The Economic Journal 124 (578), F444-F480. DOI: 10.1111/ecoj.12089.
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Randelhoff Martin

Herausgeber und Gründer von Zukunft Mobilität, arbeitet im Hauptjob im ARGUS studio/ in Hamburg. Zuvor war er Verkehrswissenschaftler an der Technischen Universität Dortmund.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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Telefon +49 (0)351 / 41880449 (voicebox)

E-Mail: randelhoff [ät] zukunft-mobilitaet.net