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COVID-19 in Bogotá: Temporäre Radverkehrsinfrastruktur zur Entlastung des ÖPNV und Erhöhung der Verkehrssicherheit

Temporäre Radwege in Bogotá - Foto: @nico_estupinan
117 Kilometer temporäre Fahrradwege sollen in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá den ÖPNV entlasten und Verkehrsunfälle vermeiden helfen, sodass diese das Gesundheitssystem nicht zusätzlich belasten.

In Krisenzeiten kommt der sogenannten Resilienz von Infrastrukturen, also deren Widerstandsfähigkeit eine besondere Bedeutung zu (siehe auch Resiliente Infrastrukturen und Städte: Kritikalität und Interdependenzen). Bei einer Epidemie, wie es derzeit beim Coronavirus der Fall ist, betrifft dies insbesondere das Gesundheitssystem, aber auch viele weitere kritische Infrastrukturen.

Der Verkehrsbereich nimmt in einem Epidemiefall eine Sonderrolle ein, da die Bewegung von Menschen die Verbreitung des Erregers befördert. Gleichwohl ist er weiterhin notwendig, um sich zu versorgen, medizinische Einrichtungen erreichen zu können und damit kritische Infrastrukturen aufrecht erhalten werden können.

Die einzelnen Verkehrsarten sind entsprechend ihrer Eigenschaften und der jeweiligen Krise unterschiedlich stark betroffen: Bei einer Seuche ist der enge Kontakt von Menschen im öffentlichen Verkehr problematisch, bei einer Energiekrise wäre primär der Pkw-Verkehr betroffen. Der mit Abstand zu anderen Personen durchgeführte nicht-motorisierte Verkehr wie das zu Fuß gehen oder das Fahrradfahren ist vergleichsweise krisenfest und hat auch beim Coronavirus Vorteile.

Als Sofortmaßnahme hat die Bürgermeisterin der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, , verfügt, dass zur Entlastung des , temporäre Radverkehrsinfrastruktur geschaffen wird. Das bestehende 550 Kilometer lange Radwegenetz (cicloroutas) wird um 117 Kilometer temporäre Fahrradwege ergänzt, die von 6:00 bis 19:30 Uhr genutzt werden können.

Temporäre Radwege in Bogotá während der – Grafik: Secretaría de Movilidad de Bogotá

Bogotá setzt hierbei auf das seit mehreren Jahrzehnten eingeübte Format der . Seit Mitte der 1970er Jahre werden bestimmte Hauptstraßen an Sonn- und Feiertagen von 7 bis 14 Uhr für den Kfz-Verkehr gesperrt und stehen den Menschen als zur Verfügung.

Für die temporäre Radverkehrsinfrastruktur werden einzelne Fahrstreifen mit Leitkegeln für den Kfz-Verkehr gesperrt. Ein Teil der Kreuzungsbereiche wird durch Personal besetzt, welche das sichere Queren gewährleisten. Neben der Attraktivitätssteigerung steht insbesondere die Unfallverhütung im Vordergrund. mit Schwerverletzten belasten das Gesundheitssystem zusätzlich und nehmen Kapazität in Anspruch, die für die Behandlung von dringend benötigt wird. Durch die zusätzliche Infrastruktur kann das Sicherheitsniveau des Radverkehrs kurzfristig erhöht werden.

Bewegtbild:

Martin Randelhoff

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Fachgebiet Verkehrswesen und Verkehrsplanung an der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

Kontaktaufnahme:

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