Infrastruktur Straßenverkehr

[Video zum Wochenende] Politik, Straßenausbau und induzierter Verkehr

Foto: Mukund Nair @ Unsplash.com - Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch die Unsplash-Lizenz

Dieser Ausschnitt aus der australischen Comedyserie Utopia (ABC Australia) illustriert auf sehr witzige Weise die Dynamik zwischen Verkehrspolitik, Straßenausbauplänen und dem dadurch induzierten Mehr- und Neuverkehr und erklärt die Systematik des induzierten Verkehrs und des Jevons’ Paradoxon sehr gut.

Realisierte Effizienzgewinne werden über die Zeit kompensiert. Eine Effizienzsteigerung bei einem Gut oder einer Dienstleistung wirkt wie eine Preissenkung und ist damit, ceteris paribus, mit einer Zunahme der Nachfrage nach diesem Gut verbunden. Ein Ausbau von Straßen erhöht die Kapazität, verflüssigt den Verkehr und lässt diesen besser fließen. Die Fahrzeit auf einer Strecke sinkt ebenso wie die damit verbundenen Zeitkosten. Diese Verbesserung der Effizienz in Form gesunkener Kosten wird jedoch von Verhaltens- und Konsumreaktionen begleitet. Der sogenannte Rebound-Effekt, der auch als Jevons-Paradoxon bekannt ist, kann in einigen Fällen so stark werden, dass die Effizienzgewinne überkompensiert werden. Diese sogenannten Backfire-Effekte haben einen Rebound von über 100 % zur Folge. So wird durch die sinkenden Kosten je Kilometer Autofahren attraktiver, die Zahl der Fahrten und die Fahrleistung steigt, der Verkehr nimmt zu.

Bei der Durchführung von Anti-Stauprogrammen oder dem Ausbau von Straßen werden etwaige Zeitgewinne innerhalb weniger Monate oder Jahre durch eine Ausweitung der Fahrleistung kompensiert (siehe auch: Grundlagenwissen – Das konstante Reisezeitbudget). Die Verkehrsmenge steigt wieder bis zu einer Überbeanspruchung der jeweiligen Straßenkapazität an. Erst im Zustand einer Überlastung bieten Alternativen wie der Öffentliche Personennahverkehr oder das Fahrrad Zeitgewinne oder eine erhöhte Bequemlichkeit und werden als Alternative in Betracht gezogen.

Da diese Zusammenhänge und komplexen Wirkungsmechanismen in der Bevölkerung nicht weithin bekannt sind, ist es für die politische Ebene einfach, für mitunter kostenintensive Straßenausbaumaßnahmen zu werben, die nur kurzfristig Verkehrsprobleme lindern können (aber dies nicht immer müssen) und das eigentliche Problem – zu viel Kfz-Verkehr – mittelfristig gar verschärfen.

Zum Weiterlesen

Anonymous

Randelhoff Martin

Herausgeber und Gründer von Zukunft Mobilität, arbeitet im Hauptjob im ARGUS studio/ in Hamburg. Zuvor war er Verkehrswissenschaftler an der Technischen Universität Dortmund.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum und nachhaltige Verkehrskonzepte.

Kontaktaufnahme:

Telefon +49 (0)351 / 41880449 (voicebox)

E-Mail: randelhoff [ät] zukunft-mobilitaet.net

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments

Jetzt abonnieren

4.416Fans
8.046Follower
2.618RSS-Abonnements
990Follower
  

Neue Diskussionsbeiträge

  • AnonymousNorbert zu News- und Diskussionsfaden April 2024Eine lesenswerte Story aus dem Sauerland https://www.come-on.de/lennetal/nachrodt-wiblingwerde/bau-des-radweges-in-nachrodt-auf-keinen-fall-92900869.html Radweg wird abgeleht, weil beim Bau Umleitungen nötig sind.
  • AnonymousNorbert zu News- und Diskussionsfaden April 2024Seit den 50ern wurde nicht so wenig Gewicht an Gütern in rlp. Häfen umgeschlagen wie 2023 https://www.statistik.rlp.de/nachrichten/nachichtendetailseite/binnenschifffahrt-2023-gueterumschlag-auf-historischem-tiefstand So, nun bitte Gags mit Verkehrswende und "ins Wasser gefallen"
  • AnonymousNorbert zu News- und Diskussionsfaden April 2024In HH bekommen alle Schüler*innen ein DLT für lau, um Millionärsfamilien zu entlasten. Bei den Kindern aus Familien mit Leistungsbezug wird das bestimmt gegengerechnet. Deutschlandticket: Alle Hamburger Schülerinnen und Schüler bekommen Freifahrtschein - DER SPIEGEL
  • AnonymousNorbert zu News- und Diskussionsfaden April 2024Uppsala in Schweden: In dieser Stadt kann man jetzt Falschparker per App melden – und selbst kassieren - DER SPIEGEL Da ich die schwedische Rechtslage nicht kenne, kann ich nicht sagen, ob das übertragbar ist. Auf privaten Flächen könnte es zulässig sein, wenn diese nicht gewidmet sind als öffentliche Straße.
  • AnonymousNorbert zu News- und Diskussionsfaden April 2024Der ADAC Westfalen wird bestreikt: https://www.t-online.de/region/dortmund/id_100386282/dortmund-streik-am-dienstag-adac-mitarbeiter-legen-ganztaegig-ihre-arbeit-nieder.html

Auszeichnungen

Grimme Online Award Preisträger 2012

Zukunft Mobilität hat den Grimme Online Award 2012 in der Kategorie Information erhalten. Ich möchte mich bei all meinen Lesern für die Unterstützung bedanken!

PUNKT Preisträger 2012

Zukunft Mobilität hat den PUNKT 2012 der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) in der Kategorie "Multimedia" gewonnen.

Logo VDV Verband Deutscher Verkehrsunternehmen

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.V. (VDV) hat mich im Rahmen der VDV-Jahrestagung 2013 in Mainz als “Talent im ÖPNV” des Jahres 2013 ausgezeichnet. Der VDV vertritt rund 600 Unternehmen des Öffentlichen Personennahverkehrs, des Schienenpersonennahverkehrs, des Schienengüterverkehrs, der Personenfernverkehrs sowie Verbund- und Aufgabenträger-Organisationen.

Lizenz

Zukunft Mobilität Creative Commons

Die Inhalte dieses Artikels sind - soweit nicht anders angegeben - unter CC BY-SA 3.0 de lizensiert. Grafiken sind von dieser Lizenz aus Vereinfachungs- und Schutzgründen ausgenommen (Anwendung aufgrund der Verwendung von Grafiken / Bildern mit unterschiedlichen Lizenzen zu kompliziert) außer die CC-Lizenz ist ausdrücklich genannt.

Weitere Informationen

Verfasst von:

Anonymous

Randelhoff Martin

Herausgeber und Gründer von Zukunft Mobilität, arbeitet im Hauptjob im ARGUS studio/ in Hamburg. Zuvor war er Verkehrswissenschaftler an der Technischen Universität Dortmund.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum und nachhaltige Verkehrskonzepte.

Kontaktaufnahme:

Telefon +49 (0)351 / 41880449 (voicebox)

E-Mail: randelhoff [ät] zukunft-mobilitaet.net