Analyse

[Fakt der Woche] Wie lang ist der Weg zur Arbeit? Distanzen des Hinwegs zur Arbeitsstätte von Erwerbstätigen im Jahr 2016

Foto: Christopher Burns @ Unsplash - Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch die Unsplash-Lizenz
Vom Statistischen Bundesamt veröffentliche Zahlen zeigen, dass der absolute Großteil der Wege zur Arbeit in Deutschland unter 25 Kilometer lang ist. Eine vergleichsweise kleine Gruppe hat Arbeitswege von 25 bis 50 km oder gar mehr als 50 km. Die Reichweite aktuell angebotener batterieelektrischer Elektroautos reicht für diese Distanzen problemlos aus. Der hohe Anteil von Wegen unter fünf Kilometer bietet großes Verlagerungspotenzial auf den Radverkehr und das zu Fuß gehen.

Laut Angaben des Statistischen Bundesamts legten im Jahr 2016 81 % aller Berufspendlerinnen und -pendler auf ihrem Weg zur Arbeit weniger als 25 Kilometer zurück. Die Ergebnisse basieren auf der Zusatzerhebung des Mikrozensus 2016 mit ~744.000 befragten Personen.1

27,9 % der Befragten hatten einen Arbeitsweg von unter fünf Kilometern, etwa 20 % zwischen fünf und zehn Kilometern und weitere 27,5 % zwischen zehn und 25 Kilometern. Der Rest legte Distanzen über 25 Kilometer zurück oder arbeitete von zu Hause aus.

EntfernungsklassenInsgesamtSelbstständigeMithelfende FamilienangehörigeArbeit­nehmerinnen / Arbeitnehmer
unter 5 km27,932,233,927,5
5 bis unter 10 km19,911,3620,8
10 km bis unter 25 km27,511,45,429,3
25 bis unter 50 km13,14,4/14,1
50 km und mehr4,52,1/4,7
Gleiches Grundstück3,925,8501,4
Wechselnde Arbeitsstätte3,212,8/2,2

Tabellenhinweis: / = keine Angabe, da Zahlenwert nicht sicher genug.

Trotz der vergleichsweisen kurzen Distanzen nutzten 68 % der Berufs­pendlerinnen und -pendler 2016 den Pkw für den Arbeitsweg. Öffentliche kamen auf einen Anteil von rund 13,8 %. Das Fahrrad wurde für 9,0 % der Arbeitswege genutzt, 8,2 % wurden zu Fuß zurückgelegt. Es wird das ausgewiesen, mit dem die größte Teilstrecke des Arbeitswegs zurücklegt wurde.2

VerkehrsmittelInsgesamtSelbstständigeMithelfende FamilienangehörigeArbeit­nehmerinnen / Arbeitnehmer
4,31,2/4,6
U-Bahn, Straßenbahn4,82,5/5
Eisenbahn, S-Bahn4,72,2/4,9
Pkw67,768,145,767,7
Motorrad, Motorroller u.ä.0,80,4/0,9
Fahrrad96,7/9,2
Zu Fuß8,21841,37,4
(kein Verkehrs­mittel)
Sonstiges Verkehrsmittel0,40,9/0,3

Tabellenhinweis: / = keine Angabe, da Zahlenwert nicht sicher genug.

Gedanken zu den Ergebnissen

Die zurückgelegten Distanzen und die verwendeten Verkehrsmittel weisen auf zwei Themenbereiche besonders hin:

Der absolute Großteil der Fahrten zur Arbeit inklusive der Rückwege ist mit der Reichweite der am Markt verfügbaren batterieelektrischen abdeckbar. Im Alltagsverkehr dürfte die angebotene Reichweite in den meisten Fällen neben der Arbeitswege auch für die Einkaufswege, Bring- und Abholtätigkeiten und viele sonstige Wege ausreichend sein.

Es ist ein enormes Verlagerungspotenzial auf den Fuß- und vorhanden. Dies gilt insbesondere für die niedrigen Distanzen, aber durchaus auch für bis 25 km und darüber (Kombination aus und adäquater ). Im Jahresdurchschnitt 2016 waren rund 43,4 Millionen Personen mit Wohnort in erwerbstätig. Vermutlich legen diese einige Millionen Wege unter fünf Kilometer mit dem Pkw zurück, obwohl die Distanzen problemlos mit nicht-motorisierten Verkehrsmitteln zurücklegbar sind und das Fahrrad bei vielen dieser Wege Reisezeitvorteile besitzen dürfte. Entsprechende planerische und politische Anstrengungen zur Verkehrsverlagerung dieser Verkehre dürfte ökonomische, ökologische sowie soziale Vorteile auf individueller wie gesellschaftlicher Ebene mit sich bringen.

Hinweise

  1. Beim Mikrozensus wird jährlich 1 % der Bevölkerung befragt (2016: ~744.000 Personen). Die Teilnahme ist verpflichtend. Die Zusatzerhebungen sind freiwillig. Die Mikrozensus-Zusatzerhebung 2016 zu Pendlerströmen für Schülerinnen und Schüler, Studierende sowie Erwerbstätige liefert Informationen zu folgenden Merkmalen: Gemeinde, von der aus der Weg zur Arbeits- oder Ausbildungsstätte vorwiegend angetreten wird; Lage der Arbeits- oder Ausbildungsstätte; hauptsächlich benutztes Verkehrsmittel; Entfernung und Zeitaufwand für den Weg zur Arbeits- oder Ausbildungsstätte.
  2. Siehe Frage 48 des Erhebungsbogens.
Martin Randelhoff

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Fachgebiet Verkehrswesen und Verkehrsplanung an der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund.
Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

Kontaktaufnahme:

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