[Fakt der Woche] Marktanalyse Elektromotor versus Verbrennungsmotor~10 Minuten Lesezeit

Ich habe ein bisschen in meinem Archiv gewühlt und einige interessante Zahlen bezüglich Fahrzeugen mit Elektromotor und Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren gefunden, die ich nun kurz gegenüberstellen möchte. Ich werde diese Grafiken auch nicht ausführlich kommentieren, da ich glaube, dass diese für sich selbst „sprechen“. Und ein bisschen selber denken ist sicherlich auch nicht verkehrt. Nichtsdestotrotz würde ich mich natürlich über einige Gedanken meiner Leser in den Kommentaren freuen.

Unser kleiner Marktbericht zum Elektrofahrzeugmarkt in

Beginnen wir zuerst mit der politisch gewollten Anzahl von Elektroautos im Jahr 2020. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte diesbezüglich Mitte Mai 2011:

Was ist unser Ziel? Wir wollen gerne, dass bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf unseren Straßen im Einsatz sind. Und bis 2030 könnten es sechs Millionen Fahrzeuge sein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Video-Podcast am 14.05.2011

Anders ausgedrückt: Ziel sei es, dass bei gleichbleibendem Motorisierungsgrad im Jahr 2020 jeder 45. Wagen auf deutschen Straßen ein ist.

Aber auch andere Länder haben sich bis 2020 gewisse Zulassungszahlen als Ziel gesetzt:

Elektroauto Verkauf Wunschzahlen der Poilitik weltweitPolitisch gewünschte Anzahl der Elektroautos im Jahr 2020 nach Ländern (in Millionen), Daten: Wirtschaftswoche, 14.02.2011, Seite 8 – eigene Darstellung

Ob das Ziel der , im Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren zu sehen, erfüllt wird, werden wir wohl erst im Jahr 2020 feststellen können. Skepsis ist jedoch angebracht. Dies ergibt sich auch aus den im folgenden aufgeführten Zahlen.

Viele Automobilexperten sind der Meinung, dass die Zulassungszahlen alleine aus technologischen Gründen auch in zehn Jahren das Niveau herkömmlicher mit nicht erreicht haben werden. Die Gründe sind vor allem die Reichweite und die höheren Gesamtkosten. Derzeit besitzt ein durchschnittliches Elektroauto eine Reichweite von 150 Kilometern bei etwa 10.000 Euro höheren Anschaffungskosten im Vergleich zu einem vergleichbaren Modell mit .

Stellen sich zwei wichtige Fragen: Welchen Aufschlag sind PKW-Besitzer bereit (im Vergleich zu einem herkömmlichen Antrieb) für ein Auto mit Elektroantrieb zu zahlen? Und: Was ist die Mindestreichweite, ab der der Kauf eines Elektroautos in Erwägung gezogen wird?

Aufschlag, den Kunden für ein Elektroauto im Vergleich zu einem Auto mit Verbrennungsmotor zu zahlen bereit sindAufschlag, den Befragten bereit wären, für ein Fahrzeug mit Elektro-Antrieb zu bezahlen (im Vergleich zu einem Fahrzeug mit herkömmlichem Antrieb, E-Mobility 2009 Accenture Automotive, Seite 8 – eigene Darstellung

Minimale Reichweite eines Elektroautos, die notwendig ist um gekauft zu werdenReichweite, die ein Elektro-Auto für die Befragten mindestens haben müsste, E-Mobility 2009 Accenture Automotive, Seite 7 – eigene Darstellung

Nur eine deutliche Minderheit (14 Prozent) wäre bereit, einen um mehr als zehn Prozent höheren Preis für ein Elektrofahrzeug zu bezahlen. Die Befragten erwarten außerdem, mit dem Wagen durchschnittlich 320 Kilometer weit fahren zu können, bevor er aufgeladen werden muss.

Daher und auch aus anderen Gründen wird der Verbrennungsmotor auch in den nächsten Jahrzehnten nicht vollständig von unseren Straßen verschwinden. Betrachtet man die weltweit prognostizierte Fahrzeugzahl und differenziert diese nach Antriebstechnik, so wird der Verbrennungsmotor auch im Jahr 2030 noch in 36% aller produzierten Autos zu finden sein. Nimmt man noch die Fahrzeuge mit hinzu, in denen ja auch ein Verbrennungsmotor zu finden ist, erhöht sich der Anteil gar auf 71 Prozent! Daher ist es notwendig, dass Autohersteller weiterhin an effizienteren Otto- und Dieselmotoren forschen.

Antriebstechnik 2010 Produktion PKW Hybrid VerbrennungsmotorProduzierte Anzahl PKW nach Antriebstechnik im Jahr 2010, 98% Verbrennungsmotor; 2% Hybridantrieb; sonstige Antriebsarten wurden wegen der geringen Produktionszahlen vernachlässigt und in den mir vorliegenden Daten nicht aufgeführt – eigene Darstellung, Daten: McKinsey – CC BY-NC-SA 3.0

Antriebstechnik Prognose 2020 Absatz PKW Produktion Hybrid Elektroantrieb VerbrennungsmotorCC BY-NC-SA 3.0Produzierte Anzahl PKW nach Antriebstechnik im Jahr 2020, 66% Verbrennungsmotor; 25% Hybridantrieb; 9% Elektroauto; andere Antriebstechniken wurden in den mir vorliegenden Daten nicht aufgeführt – eigene Darstellung, Daten: McKinsey – CC BY-NC-SA 3.0

Alternativ: Prognostizierter Anteil der jeweiligen Antriebsart am PKW-Absatz im Jahr 2020 (Boston Consulting Group)Antriebstechnik 2020 Absatz PKW Hybridantrieb Diesel Benzinmotor Elektroantrieb Autogas Erdgas

Abgesetzte Anzahl PKW nach Antriebstechnik im Jahr 2020, 57,6% Ottomotor (Benzin); 20,3% Hybridantrieb; 14,3% Dieselmotor; 5,5% Elektroauto; 2,4% Autogas / Erdgas – Boston Consulting Group, Financial Times Deutschland, 14.10.2009, Seite 4, eigene Darstellung

Antriebstechnik 2030 Absatz PKW Hybridantrieb Elektroantrieb Brennstoffzelle VerbrennungsmotorProduzierte Anzahl PKW nach Antriebstechnik im Jahr 2030, 36% Verbrennungsmotor; 35% Hybridantrieb; 27% Elektroauto; Brennstoffzelle 2%; andere Antriebstechniken wurden in den mir vorliegenden Daten nicht aufgeführt – eigene Darstellung, Daten: McKinsey – CC BY-NC-SA 3.0

In absoluten Zahlen sehen die Zulassungszahlen von Fahrzeugen mit Elektroantrieb (reine Elektrofahrzeuge, Plug-In-Hybride, Extended Range Electro Vehicles, Vollhybride, Mildhybride und Micro Hybride) für das Jahr 2020 folgendermaßen aus:

Elektromobilität Elektroantrieb Elektromotor Zulassungszahlen Prognose bis 2020Elektromobilität 2020 Marktprognose – Neue Wertschöpfungskette Elektromobilität, Seite 189 (PDF) – PRTM Management Consultants

Um die gewünschte Anzahl Elektroautos zu erreichen, haben viele Länder Subventionsprogramme aufgelegt um entsprechende Kaufanreize zu schaffen.

Förderung Elektroauto Deutschland Europa Dänemark USA Frankreich Großbritannien China VergleichMaximalförderung beim Kauf eines Elektroautos in Euro – Vergleich zwischen Dänemark, Japan, , China, , USA, Spanien und Deutschland – Daten: BMU 2009, A.T. Kearney – eigene Darstellung

In Deutschland fordert die Automobilindustrie schon seit einiger Zeit steuerliche Forschungsförderung, Sonderabschreibungen und Steuernachlässe für Gewerbekunden sowie eine Kaufprämie beim Kauf eines neuen Elektroautos für Privatkunden. Als Argument pro Förderung werden Länder wie Frankreich, die USA und China genannt. Diese Länder betreiben aktive Industriepolitik und subventionieren den Kauf eines Elektroautos mit mehreren tausend Euro.

Die Bundesregierung hat bisher den Forderungen nach einer weitergehenden Förderung widersprochen. Die Regierung fürchtet, dass dies den Wettbewerb verzerren würde. Des Weiteren muss man sich fragen, ob die Öffentlichkeit die Forschung eines Industriezweiges finanzieren sollte, der kapitaltechnisch derzeit sehr gut ausgestattet ist und bisherige Forschungsanstrengungen jahrelang wissentlich vernachlässigt hat.

Aktuell existiert nur eine Förderung des Bundes für die Erforschung elektrischer Antriebe in Höhe von zwei Milliarden Euro. Für Fahrzeuge, die weniger als 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen, soll des Weiteren für zehn Jahre die Kfz-Steuer entfallen.

Die von der Bundesregierung geschaffene Nationale Plattform Elektromobilität hat ihrerseits Subventionsforderungen für den Zeitraum 2012 – 2014 in folgendem Umfang aufgestellt:

  • Batterietechnologie: 986 Millionen Euro
  • Antriebstechnologie: 982 Millionen Euro
  • Fahrzeugintegration: 828 Millionen Euro
  • Informations- & Kommunikationstechnologien (IKT) für Elektromobilität & Infrastruktur: 753 Millionen Euro
  • Leichtbau: 382 Millionen Euro
  • Recycling: 90 Millionen Euro
  • GESAMTSUMME der durch die Nationale Plattform Elektromobilität geforderten Subventionen: 4,021 Milliarden Euro

    Daten: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9.5.2011, Seite 13

Bezüglich der Pläne der „Nationalen Plattform Elektromobilität“ empfehle ich die Lektüre der folgenden beiden Artikel: Elektroautogipfel – die Ergebnisse und Nationale Plattform Elektromobilität – der Startschuss ins Nirgendwo

Dabei scheint die Zustimmung in der Bevölkerung für eine Förderung durchaus vorhanden zu sein. Eine Umfrage1, die vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) im April 2010 in Auftrag gegeben wurde, kam zu dem Ergebnis, dass etwa zwei Drittel der Deutschen einer Förderung von Elektroautos positiv gegenüberstehen. Befragt wurden insgesamt 1.002 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren,

Förderung Elektroautos Zustimmung für Subventionen - BitkomIch weiß jedoch nicht wie repräsentativ diese Studie genau ist. Insbesondere hat mich ein weiteres Ergebnis dieser Studie (die auch nur in Auszügen veröffentlicht wurde) erstaunt: Viele Deutsche befürworten drastische staatliche Eingriffe, um den Energieverbrauch im
zu verringern. So ist jeder Fünfte (21 Prozent) grundsätzlich für autofreie Sonntage. Knapp jeder vierte (23 Prozent) Bundesbürger spricht sich für die Einführung einer allgemeinen Straßenmaut aus. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) will sogar Autos mit besonders hohem Benzinverbrauch ganz verbieten. Vor allem aber wünschen sich die Deutschen eine intelligentere Steuerung der Verkehrs: Den Aufbau von Parkplatzleitsystemen und anderen Verfahren zur Verkehrslenkung befürworten sechs von zehn Bundesbürgern.Akzeptanz einer höheren PKW-Steuer Maut autofreier Sonntage in Deutschland Bitkom UmfrageDie hohen Zustimmungswerte für eine finanzielle Förderung beim Kauf eines Elektroautos, lassen sich einfach durch die hohen Anschaffungskosten begründen. Im Rahmen der Nutzerbefragung April 2010 des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers2 wurde gefragt, was gegen die Anschaffung eines Elektroautos spreche.

Befragt wurden insgesamt 503 Personen zwischen 18 und 70 Jahren. Alle sind aktive Autofahrer, jedoch mit einem unterschiedlichen Nutzungsverhalten: Jeder Fünfte von ihnen ist Vielfahrer und legt pro Jahr mehr als 20.000 km mit dem Auto zurück. 17% fahren weniger als 5.000 Kilometer im Jahr.

Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick widersprüchlich: zwar sehen viele Deutsche im Elektroauto die , in absehbarer Zeit wollen sich aber 81% der Befragten kein Elektroauto kaufen. Dies hängt vor allem mit dem hohen Anschaffungspreis (66 Prozent) zusammen, den 63% der Befragten durch staatliche Förderung gedrückt sehen wollen. Die Politik steckt folglich in einer Zwickmühle.

Ein weiteres Problem: erst bei einer gewissen Anzahl abgesetzter Fahrzeuge, fangen Skaleneffekte an zu greifen und senken den Preis eines Fahrzeuges nachhaltig.

Elektroauto Kaufhemnisse Nachteile in Deutschland Befragung PwCÄußerst interessant finde ich das Ergebnis, dass 22 Prozent der 503 Befragten meinen, dass sie eigentlich keinen eigenen PKW benötigen. Das sind immerhin 111 Personen! Da ich vermute, dass diese Befragten vor allem in Städten leben, sind diese vor allem für Carsharing-Konzepte (evtl. auch mit Elektroautos) prädestiniert. Ich hätte mir gewünscht, dass PwC danach gefragt hätte, inwieweit ein vernünftiges Carsharing-Angebot die Menschen dazu bewegt hätte, ihren eigenen PKW abzuschaffen.

Ein weiteres Problem für die erfolgreiche Einführung von Elektroautos im deutschen Markt ist die mangelnde Aufklärung der Bevölkerung. Nur 9 Prozent glauben, relativ viel über Elektromobilität zu wissen, 61% sind der Meinung, dass sie weniger wissen als der Durchschnitt. 30% fühlen sich durchschnittlich gut informiert. Aber auch hier gilt: den Menschen ist klar, dass Elektroautos die Umwelt nur dann schonen, wenn die benötigte Energie aus regenerativen Energien stammt.

Dies nannten 80% der Befragten auch als Voraussetzung für den Kauf eines Elektroautos. Allerdings ist ein günstigerer Anschaffungspreis für 89 Prozent der Befragten immer noch die wichtigste Voraussetzung.Elektroautokauf erst bei Erfüllung folgender Voraussetzungen Deutschland MarktdurchbruchUm eine Marktbetrachtung durchführen zu können, müssen des Weiteren die prognostizierten Produktionszahlen betrachtet werden. Für das Jahr 2015 hat die Unternehmensberatung Mc Kinsey eine Produktion von 48.000 Fahrzeugen in Deutschland prognostiziert. Leider wird nicht aufgeschlüsselt, ob es sich dabei um reine Elektrofahrzeuge, Plug-In-Hybride oder Extended Range Elektrofahrzeuge handelt. Vergleicht man die Produktionszahlen mit den prognostizierten Absatzzahlen in Deutschland (siehe oben) so steht einem deutschen Angebot von 48.000 Fahrzeugen eine deutsche Nachfrage von 800.000 reinen Elektrofahrzeugen, 1,1 Millionen Plug-In-Hybridfahrzeugen und 600.000 Fahrzeugen mit gegenüber.

Prognose Produktion von Elektroautos 2015 in Deutschland, Europa, USA, China, JapanPrognose zu der Anzahl der produzierten Elektroautos im Jahr 2015 nach ausgewählten Ländern, Mc Kinsey, WirtschaftsWoche, 29.11.2010, Seite 50 – eigene Darstellung

Natürlich ist es immer schwierig, zwei Prognosen miteinander zu vergleichen. Da ich allerdings keine weiteren Daten habe und eine Suche erfolglos blieb, bleibt mir leider nichts anderes übrig. Sollte man also den Schluss ziehen, dass die deutsche Automobilindustrie die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen nur zu etwa fünf Prozent decken können wird, muss man äußerste Vorsicht walten lassen.

Übrigens: die deutsche Automobilindustrie stellt durch das Elektroauto rund 30.000 neue bis 2020 in Aussicht. Weltweit sollen bis 2020 250.000 neue Arbeitsplätze entstehen, vorrangig in Indien und China.

Allerdings ändert sich auch die Struktur in den nächsten Jahren gravierend. Insbesondere im Bereich der Metallverarbeitung sollen laut Mc Kinsey zehntausende Stellen wegfallen, da ein Elektromotor eine geringere Komplexität besitzt als ein Verbrennungsmotor. Zunehmen werden die Stellen vor allem in der Entwicklung und Produktion von Batteriechemie, Kunststoffen und Mikrosystemen.

Da Sie diesen Artikel nun bis zum Ende gelesen haben, würde ich Sie um die Beantwortung der folgenden beiden Fragen in den Kommentaren bitten: Glauben Sie, dass das Elektroauto in den nächsten 10 – 20 Jahren wirklich den Durchbruch schaffen kann? Und was müsste dafür unternommen werden?

  1. Studie „Elektromobilität“, BITKOM – Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., Institut: ARIS Umfrageforschung Markt-, Media- und Sozialforschungsgesellschaft mbH – http://www.bitkom.org/files/documents/BITKOM_Elektromobilitaet_Extranet.pdf
  2. Elektromobilität Herausforderungen für Industrie und öffentliche Hand – PricewaterhouseCoopers, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, Juni 2010 – http://www.iao.fraunhofer.de/images/downloads/elektromobilitaet.pdf

Verfasst von

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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