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[Serie] Verkehr während der Olympischen Spiele 2012 in London

[Serie] Verkehr während der Olympischen Spiele 2012 in London

Die Ausgangslage: ein überlastetes, überfülltes, nicht allzu sauberes und weltweit ältestes U-Bahnsystem. Drei Millionen Fahrgäste täglich, zwölf Linien mit einer Gesamtlänge von 402 Kilometern und 260 Stationen. Ein Straßennetz, das mehrere Stunden am Tag zugestaut ist. 14 Hauptbahnhöfe rund um die Innenstadt. Ein Busnetz, das jeden Tag sechs Millionen Fahrgäste befördert. Tausende Busse, die auf über 700 Linien Tag für Tag 6800 Umläufe fahren. 

Olympia 2012 London - Olympische Ringe an der Tower Bridge

Foto (auch auf der Startseite): Laurabot_ @ FlickrCC BY-NC-ND 2.0

Dem gegenüber stehen hunderttausende zusätzliche Fahrgäste täglich, 10.500 Athleten und noch mehr Betreuer. Alle mit denselben Zielen. Verteilt auf drei Hauptzonen. Hinzu kommen vier weitere Wettkämpfstätten außerhalb Londons mit 4.600 (Segeln), 12.000 (Kanuslalom), 20.000 (Mountainbike) und 30.000 (Rudern / Kanu) Plätzen. 

In direkter Umgebung zum Olympiastadion befindet sich zudem das Olympische Dort auf einer Fläche von 73 Hektar. Mehr als 17.000 Athleten sollen dort für die Dauer der Olympischen Spiele und der Paralympischen Spiele 2012 wohnen.

Zusätzliche Nachfrage nach Beförderungsleistungen neben den 3,7 Millionen Pendlern, die Tag für Tag in, aus und nach London unterwegs sind. Über anderthalb Millionen Menschen pendeln werktags in den Innenstadtbezirk 1.

Im Jahr 2007 wurden 23,7 Millionen Wege innerhalb Londons an einem Tag zurückgelegt. 2007 / 2008 lag die Beförderungsleistung um 3,5 Milliarden Personenkilometer höher als im Jahr 2000 / 2001. Seit Jahren lässt sich in London eine Verschiebung des Modal Splits vom MIV hin zum messen (ÖV-Anteil: 33% -> 40% zwischen 2000 und 2007; MIV-Anteil: 44% -> 38% zwischen 2000 und 2007). 2

London leistet alles, was machbar ist. Und man hofft, dass dies ausreicht.

Einige Verkehrsexperten und Londoner meinen bereits, dass die Herausforderungen für die Londoner um ein Vielfaches größer seien als die Errichtung des Olympiaparks.

Der Erfolg dieser Olympischen Sommerspiele  und der Paralympischen Spiele steht und fällt mit dem Verkehr. Niemand möchte ein erneutes Desaster wie in Atlanta 1996 erleben, wo Athleten erst kurz vor Wettkampfbeginn in den Stadien ankamen. Insbesondere in den ersten Tagen kam es zu größeren Problemen und Zwischenfällen. So konnte der österreichische Judoka Eric Krieger nach einer Verletzung wegen Verkehrsproblemen nicht mit einem Rettungswagen in das nächste Krankenhaus gebracht werden, der kanadische Fechter James Ransom kam erst zehn Minuten vor seinem Wettkampf im World Congress Center an und viele Busfahrer des Olympischen Busshuttles klagten über schlechte Bezahlung, zu wenig Schlaf und eine schlechte Vorbereitung, da sie normalerweise Schulbusse fahren würden.

In London möchte man solche Zustände unbedingt vermeiden. Hunderte Planer haben in den vergangenen Jahren ein spezielles Verkehrsnetz für die Olympischen Spiele und die Paralympischen Spiele geschaffen, das den Besucheransturm ohne größere Probleme bewältigen soll. Über 6,5 Milliarden Pfund wurden zu diesem Zweck investiert. Ziel ist es, alle Besucher mit dem Öffentlichen Personenverkehr, zu Fuß oder mit dem Rad zu den Wettkampfstätten, ihren Hotels und den Touristen-Hotspots zu bringen.

Südeingang der Stratford Station im Januar 2009 olympia 2012 London

Südeingang der Stratford Station im Januar 2009 – Foto: Nigel ChadwickCC BY-SA 2.0

Ob dies gelingt, werde ich in diesem Blog begleiten. Und in den nächsten Wochen die einzelnen Maßnahmen, Infrastrukturprojekte und Pläne vorstellen. Passt recht gut zur nahenden Prüfungszeit…

Zur Einstimmung und allgemeinen Information:

London: Die Folgen der Innenstadtmaut und der Low Emission Zone

London bekommt seine roten Doppeldecker wieder – die neuen Hybriddoppeldecker

Die neue Londoner U-Bahn?

[Fakt der Woche] Die zehn U-Bahnsysteme mit den meisten Fahrgästen weltweit

Cool: Echtzeit-Karten des Londoner Verkehrs

[Fakt der Woche] Öffentlicher Verkehr in europäischen Städten – ein Vergleich

Die Vorbereitungen: Infrastruktur, Betrieb und Planung

Umbau des Londoner Bahnhofs King’s Cross

[Video zum Wochenende] Verkehr in London während der Olympischen Sommerspiele 2012

Londoner Emirates Air Line: Teuerste Seilbahn der Welt mit fraglicher verkehrlicher Bedeutung

[Video zum Wochenende] Die Londoner Verkehrssteuerungszentrale hält London 24/7 in Bewegung

re:route: Transport for London versucht mit einem speziellen Anreizsystem Verkehr zu verlagern

Olympic Javelin: Hochleistungszuganbindung des Olympiaparks an die Londoner Innenstadt

[Luftbilder] London gestaltet seine Bahnhöfe und Eisenbahninfrastruktur neu

Bestes Mittel gegen das olympische Verkehrschaos: Angst

[London 2012] Wie komme ich zum Olympiastadion?

[Video zum Wochenende] Wie Londoner Pendler ihr Verhalten ändern (müssen)

Streik während der Olympischen Spiele 2012, aber im erträglichen Rahmen

[London 2012] Flughafen London Heathrow vor seiner größten Bewährungsprobe

[London 2012] Was die vergangenen Tage liegen blieb…

Verkehr während der Olmpischen Spiele 2012:

27.07.2012 – Tag 1, die Eröffnungsfeier

28.07.2012 – Tag 2, das olympische Radrennen der Männer

29.07.2012 – Tag 3, das olympische Radrennen der Frauen

30.07.2012 – Tag 4, der erste Tag mit Londoner Berufsverkehr

31.07.2012 – Tag 5, erste größere Probleme auf der Central line, dem Olympic Javelin und an den Stationen London Bridge und Cannon Street

01.08.2012 – Tag 6, alles im grünen Bereich

02.08.2012 – Tag 7, mit der Goldmedaille in der U-Bahn

03.08.2012 – Tag 8, Hohes Verkehrsaufkommen als Leichtathletikwettbewerbe im Olympiastadion beginnen

04.08.2012 – Tag 9, Warteschlangen olympischen Ausmaßes

05.08.2012 – Tag 10, Business as usual

06.08.2012 – Tag 11, Kleine Wehwehchen

07.08.2012 – Tag 12, Tag der Signalstörungen

08.08.2012 – Tag 13, auch US-Basketballstars fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln

09.08.2012 – Tag 14, die mobile Londoner Sauna

10.08.2012 – Tag 15, noch zwei Tage Olympische Spiele 2012 in London

11.08.2012 – Tag 16, Melancholie kommt auf

12.08.2012 – Tag 17, London feiert seinen Verkehr in der Schlußzeremonie

Goldmedaille für Transport for London und neue Rekorde

  1. Greater London Authority, Data Management and Analysis Group: Commuting in London; Februar 2007 – http://legacy.london.gov.uk/gla/publications/factsandfigures/dmag-briefing-2007-03.pdf
  2. Transport for London: Travel in London, Key trends and developments Report number 1; London 2009 – http://www.tfl.gov.uk/assets/downloads/corporate/Travel-in-London-report-1.pdf

Verfasst von:

Martin Randelhoff

Herausgeber Zukunft Mobilität. Studium der Raumplanung an der TU Dortmund, Studium der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden. Ist interessiert an innovativen Konzepten zum Lösen der Herausforderungen von morgen insbesondere in den Bereichen urbane Mobilität, Verkehr im ländlichen Raum, Wirkung autonomer Fahrzeugsysteme und nachhaltige Verkehrskonzepte.

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